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Reuter: „Ein guter Landrat muss kreativ sein“

Landrat im Porträt Reuter: „Ein guter Landrat muss kreativ sein“

Ein Portrait des neuen Landrats Bernhard Reuter (SPD).

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Landrat will Landrat werden: Reuter, Verwaltungschef aus Osterode, kandidiert in Göttingen.

Quelle: CH

Bernhard Reuter muss Basisarbeit leisten. Er ist auf Ochsentour durch den Landkreis, damit potenzielle Wähler mit dem Namen Bernhard Reuter auch das Gesicht Bernhard Reuter verbinden. Etwa an jenem trüben Freitag im August vor einem Supermarkt in Geismar. Artig stellt Reuter sich jedem vor, der es hören will. „Guten Tag, mein Name ist Bernhard Reuter. Ich bin ihr Landratskandidat der SPD. Das ist mein Programm. Hier ist meine Visitenkarte.“ Etwas verloren steht er da. Eine Tasche, prall gefüllt mit Wahlkampfmaterial, hängt über der Schulter. Das Interesse der Wähler ist verhalten. Es regnet.

Anders als seine beiden Mitbewerberinnen von CDU und Grünen, die im Kreis Göttingen wohnen und arbeiten, fehlt Reuter der Heimatbonus. Doch der Sozialdemokrat ist freilich kein unerfahrener Mann, den der SPD-Unterbezirk Göttingen ins Rennen um das Kreishaus schickt. Seit 1999 lenkt Reuter als Landrat die Geschicke des Landkreises Osterode. Bei seiner Wiederwahl 2006 bekam er 62,1 Prozent der Stimmen, 1999 waren das nur 55,6 Prozent. Außerdem ist der 56-Jährige in kommunalen Spitzenverbänden zuhause: Regionalverband Südniedersachsen, niedersächsischer und deutscher Landkreistag.

Reuter ist dabei aber keine politische Rampensau. Ruhig und besonnen wirkt er im Gespräch. Seine Antrittsrede bei der Delegiertenversammlung im Februar war entsprechend unaufgeregt, dafür aber bestimmt. „Vielleicht bin ich zu zurückhaltend“, sagt Reuter über sich kritisch. Das könne vielleicht negativ ausgelegt werden, aber durchaus auch positiv. „Ich kann mich zurücknehmen“, sagt der Mann, der übertriebene Selbstdarstellung ablehnt. „Vor Eitelkeit und Selbstgefälligkeit muss sich jeder Politiker hüten.“
Das Geheimnis seines Erfolges als Landrat in Osterode? „Ich halte keine 20-Minuten-Reden“, sagt Reuter. Statt Reden zu schwingen, müsse ein guter Landrat kreativ sein. Kreativität zähle zu seinen positiven Eigenschaften. Seine Kreativität schöpft Reuter aus zahlreichen sportlichen Aktivitäten. „Richtig gute Projekte sind mir beim Sport eingefallen“, sagt Reuter, der sich fürs Wandern, Nordic Walking und Mountainbikefahren begeistern kann.

Reuters Werdegang in der SPD beginnt 1986. Der damals 31-jährige Grundschullehrer tritt in die Partei ein, als er als junger Familienvater merkt, dass Bürgerinitiativen zwar gut sind, aber es durchaus „kontinuierliches Engagement“ einer Partei bedarf, um in der Kommunalpolitik etwas zu bewegen. Zwei Jahre später wird Reuter Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Herzberg. 1991 zieht er in den Stadtrat ein, 1996 in den Kreistag. 1999 macht Reuter die Politik zu seinem Beruf.

Der Schritt zur Sozialdemokratie war ihm durch seine Familie gegeben. Sozialdemokratische „Grundwerte“ habe er dort vermittelt bekommen. Reuter nennt Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Schon zu seinen Schulzeiten in Kassel, wo er 1955 geboren wird und aufwächst, engagierte er sich mit anderen für Kinder aus Obdachlosenfamilien. „Der Anspruch war: Wir verändern die Gesellschaft“, sagt Reuter. In diesen „wilden 70er Jahren“ habe er das Gegenteil von dem gemacht, was von ihm erwartet wurde. Seinem Vater, einem Anwalt, nachzueifern kam nicht in Frage: „Ein Jurastudium galt damals als systemstabilisierend“, erinnert sich Reuter an die Zeit, in der es in Schule und Freundeskreis darum ging „Wer war der Linkeste“. Statt Jura studiert Reuter in Göttingen Sozialwissenschaften und auf Lehramt. Erst später, er ist schon Lehrer an der Göttinger Leinebergschule, beginnt er doch noch ein Jurastudium, das Reuter neben Beruf und Familie mit dem ersten Staatsexamen abschließt. „Eine harte Zeit.“ Heute urteilt Reuter über die „wilden 70er“: „Das Bewusstsein war wilder als das Sein.“

Es ist neben all den beruflichen Aufgaben – „Eine 70 bis 80 Stunden Woche ist keine Seltenheit“ – die Familie, die bei Reuter im Mittelpunkt steht. „Ich bin ein Familienmensch. Die Familie ist mir wichtiger als meine Karriere“, sagt er. Zur Familie Reuter gehören vier, inzwischen erwachsene Kinder und vier Enkelkinder. „Hoffentlich werden das noch mehr.“ Bei der Entscheidung, den Wechsel von Osterode an die Verwaltungsspitze des Landkreises Göttingen zu wagen, habe es viele Gespräche in der Familie gegeben. Seine Frau sei nicht auf Anhieb begeistert gewesen, vier Wochen Bedenkzeit habe sie sich genommen. Auch wenn er sich in Herzberg wohlfühle, sei es, so Reuter, jetzt eine „schöne Chance“, wieder gemeinsam nach Göttingen zu ziehen. Dorthin, wo er seine Frau Ulrike damals im Studium kennengelernt hat.

Noch bis Sonntag hat Reuter Zeit, wie er betont, „Wahlkampf für sich, und nicht gegen andere zu führen“. Dann entscheidet sich an den Wahlurnen, ob sein Plan in Göttingen in Erfüllung geht, „Landrat aller Bürger“ zu werden.

Von Michael Brakemeier

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Bernhard Reuter

Kinder, Bildung, Zukunft. Die drei Schlagworte gehören für den SPD-Landratskandidat Bernhard Reuter zu den wichtigsten Themen in den kommenden acht Jahren als Landrat.

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