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Eine Großbaustelle im Gewölbe

Aktueller Umbau das Kellers Eine Großbaustelle im Gewölbe

Der Ratskeller hat sich in eine Großbaustelle verwandelt. Es staubt, es lärmt, es riecht nach Zement und Putz. Handwerker verputzen Wände, ziehen Kabel und installieren Rohre.

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Bauherren: Pächter Olaf Feuerstein und Betriebsleiter Matthias Schönfeld begutachten die Umbaupläne.

Quelle: Hinzmann

Allein zehn Kilometer Strom- und Datenkabel sind bereits verlegt worden. Hinzu kommen unzählige Meter an Lüftungs- und Heizungsrohren und Getränkeleitungen. In der ehemaligen Scharwache ist die Südseite vom Putz befreit worden, künftig soll die raue Bruchsteinmauer sichtbar bleiben. Die Räume, in denen sich einst die Toiletten für die Scharwache befunden haben, sind heute bereits voll gestopft mit der neuen Lüftungsanlage. Die Sanitäranlagen für den Hauptgastraum werden komplett erneuert. Sie wurden vom Norden in den Süden verlegt. Die Säulen im Gewölbekeller sind inzwischen gesandstrahlt. Links und rechts des Eingangs entstehen im Hauptraum, in dem sämtliche Trennwände entfernt worden sind, zwei erhöhte Sitzbereiche.

Seit März arbeiten Handwerker aus bis zu 20 Firmen in dem historischen Gewölbe, wenn es die Koordination untereinander erfordert auch am Wochenende. Denn der Zeitplan ist eng. Ende Oktober soll der neue Ratskeller wieder eröffnet werden. Neupächter Olaf Feuerstein, Harald Melzer, Fachbereichsleiter Gebäude und Immobilien bei der Stadt, und Architekt Ralf Weitemeier glauben: Das ist zu schaffen. Auch wenn Melzer einräumt: „Die Arbeit in alten Objekten ist kompliziert.“ Man habe es mit alter Bausubstanz zu tun, der Denkmalschutz müsse beachtet werden.

Ein Großteil der zeitaufwendigen Arbeiten ist aber geschafft oder kommt gut voran. „Der Einbau der Aufzüge hat es von der Machbarkeit in sich“, sagt Weitemeier. Nicht nur der Lastenaufzug für den Küchenbereich wird instand gesetzt. Neben der Eingangstreppe wird es einen Personenaufzug geben, mit dem Gäste vom Marktplatz aus in den Keller fahren können. Um das historische Gewölbe frei von Lüftungsrohren zu halten, so erläutert Weitemeier, habe man diese komplett in den Boden verlegt. In ein bis zwei Wochen sollen dann Eichenbohlen verlegt werden.

Doch nicht nur in dem historischen Gewölbe wird gearbeitet. Auf der Westseite in der Zindelstraße arbeiten Bauarbeiter am Bordstein über den darunter liegenden Kellerräumen. Auf der Marktseite sind weite Teile der unteren Sandsteinfassade erneuert worden. Der schwerwiegendste Eingriff führt aber im Inneren des denkmalgeschützten Gebäudes vom Keller bis aufs Dach: Durch vier Decken, inklusive einer Gewölbedecke, vorbei an den mittelalterlichen Dachbalken verlaufen die drei komplett neuen Lüftungsrohre, um dann im mitteleren der drei Dächer nach draußen geführt zu werden. „Eine aufwendige und zeitraubende Arbeit“, erläutert Architekt Weitemeier. Eine Arbeit, die auch einen Kompromiss darstellt zwischen der Überlegung, den Ratskeller weiterhin als Gastronomiebetrieb nutzen zu können und den Bedenken des Denkmalschutzes.

Wenn der Ratskeller Ende Oktober wieder öffnet, werden die Stadt als Eigentümerin und das Freizeit In als Pächter jeweils rund 1,5 Millionen Euro in Sanierung und Umbau investiert haben. Melzer ist guter Hoffnung, dass es dabei bleiben wird. „Wir haben inzwischen einen guten Kostenüberblick.“
Damit das so bleibt, darf nichts Überraschendes mehr passieren. Erst im März musste der Rat die für die Sanierung bereit gestellte Summe um rund eine halbe Million Euro aufstocken. Der Sanierungsbedarf hatte sich auch wegen maroder Decken im westlichen Kellerbereich als deutlich höher erwiesen als zunächst gedacht. „Der Ratskeller hat es wirklich nötig gehabt. Aber jetzt kommt die Technik auf den aktuellen Stand“, sagt Melzer heute. Hätte man den Pächterwechsel nicht für eine Sanierung genutzt, wäre vermutlich in den nächsten 30 Jahren nichts passiert, meint Melzer.

Dass die Renovierung des Rathauses mit dem Ratskeller gerade erst begonnen hat, weiß auch Melzer und gibt der CDU im Rat Recht, die unlängst „eine bauliche Bestandsaufnahme“ gefordert hatte. Sie kritisiert eine fehlende Belüftungs- und Klimaanlage, sieht Mängel an Fenstern und der Elektroinstallation. „Langfristig haben wir die Sanierung des Hauses auf dem Schirm“, sagt Melzer.

In der nächsten Folge: historische Umbauten im Ratskeller.

Das Alte Rathaus in Göttingen – seit fast 740 Jahren dominiert das Gebäude das Stadtzentrum. Gut 30 Jahre nach der bisher größeren Sanierung wird im Rathaus wieder gebaut. Ende Oktober soll ein neues Restaurant eröffnen.

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