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Therapiehund öffnet Türen zu den Menschen

Assistenzhundeteam Therapiehund öffnet Türen zu den Menschen

"Pack um“, kommandiert Kathrin Kahlmann. Ganz vorsichtig fasst der Hund den Ärmel. Mit Aykos Hilfe kann Kahlmann die Jacke ausziehen. Hündin Jule zeigt, wie sie die Türen für ihr „Frauchen“ öffnet. An der Klinke ist eine Schnur befestigt. Auf Kommando zieht Jule an der Schnur, die Tür schwingt auf. Die Ergotherapeutin Kahlmann hat ihre beiden Golden Retriever selbst ausgebildet.

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Assistent seiner Besitzerin: Golden Retriever Ayko hilft Kathrin Kahlmann beim Ausziehen der Jacke.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Ayko ist sechs Jahre alt, Jule acht. Beide kann sie in der Therapie einsetzen. Doch auch im Alltag können Hunde für Menschen mit Handicap hilfreich sein. Monika Fuhrmann aus Friedland ist ein Beispiel. Seit sieben Jahren hält die 55-Jährige den Golden Retriever Ginger. Wegen Muskel-Dystrophie ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Ginger hilft ihr, die Jacke auszuziehen, er kann Türen aufmachen und hebt Dinge auf. Ein „Riesenthema“ ist für Fuhrmann die Beziehung zu anderen Menschen. Da habe ihr Ginger viel gegeben. Behindertenbegleithunde könnten nicht nur Türen aufmachen, sie öffneten „auch Türen für Kontakte zu anderen Menschen“, bestätigt Kahlmann. „Über den außergewöhnlichen Hund kommt man ins Gespräch. Man ist nicht der Behinderte, sondern der Hundehalter.“ Das ermögliche Inklusion.

Die Idee, einen tierischen Assistenten für motorisch eingeschränkte Menschen einzusetzen, stamme aus den 1960er- Jahren, erzählt Kahlmann. Allerdings sei es wichtig, auf den Hund zu achten, spricht Fuhrmann für die Helfer auf vier Pfoten. Kein Hund solle die Begleithundprüfung machen, wenn er nicht rundum gesund sei.

In der Regel werden Begleithunde wie Ginger zwei Jahre lang von einem Trainer ausgebildet, bevor sie zu ihrem Herrchen kommen. Kahlmann will dieses Vorgehen modifizieren. Sie möchte, dass ein Welpe „seinen“ Menschen schon in der Prägephase sehr gut kennenlernt. „Optimal wäre, wenn der Hund ab der achten Woche beim Behinderten aufwächst“, sagt die Hundekennerin. Die Bindung zwischen Mensch und Hund sei sehr wichtig. Kahlmann spricht aus Erfahrung: Seit 25 Jahren hält sie Hunde, seit acht Jahren arbeitet die Therapiebegleithundführerin mit Hunden in der Ergotherapie. Als Mitglied im „Ersten Polizeihundsportverein von 1950 Göttingen“ kann sie auf dem barrierefreien Vereinsgelände in der Otto-Brenner-Straße mit Menschen mit Einschränkungen trainieren. „Es ist gar nicht so einfach, vom Rollstuhl aus ein attraktiver Mensch für Hunde zu sein“, weiß sie.

Für zweijährige Ausbildung rund 8000 Euro

Den Weg dorthin will Kahlmann ebnen. So hat sie das Ziel, in der Region innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Assistenzhundeteam auszubilden. Angesprochen sind Menschen ab dem Alter von zehn Jahren, denen ein Hund im Alltag eine Hilfe sein kann. Für die zweijährige Ausbildung des Hundes müsse man rund 8000 Euro rechnen. Wichtig sei vor der Anschaffung eines Hundes eine gute Beratung, betont Kahlmann. Geeignet seien etwa Rassen wie Retriever, Königspudel, Collies und Setter. Nach speziellen Welpentests werden die gewählten Hunde dann je nach Region durch verschiedene Vereine nach unterschiedlichen Methoden ausgebildet.

Für die hiesige Region gebe es keinen Verein, sagt Kahlmann. Diese Lücke will sie schließen, damit auch Spenden für die Ausbildung des Hundes fließen können. Das vordringlichste Anliegen aber sei es, zunächst einen Menschen mit Handicap zu finden, der von dem zweijährigen Projekt profitieren möchte. Dann können weitere Paare folgen. Als Patin für einen Begleithund möchte Kahlmann das Tier in den ersten zwei Jahren auf seine Spezialaufgaben vorbereiten, gegebenenfalls auch in ihrem „Rudel“. Das sei nur bei räumlicher Nähe möglich. Und eine weitere Voraussetzung ist unabdingbar: Der Mensch mit Handicap muss Hunde mögen.

Eine Projektbeschreibung gibt es im Internet unter gesundheitsregiongoettingen.de. Auskünfte erteilt Kahlmann auch unter Telefon 05 51 / 9 97 22 88 oder per E-Mail an assistenzhund-team-goettingen@web.de.

Von Ute Lawrenz

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