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Winzige Kügelchen für große Hunde

Tier-Kinesiologin Winzige Kügelchen für große Hunde

Kinesiologie – abgeleitet vom griechischen Kinesis – wird als Lehre von der Bewegung übersetzt. Wenn die Bewegungen in Körper oder Geist unterbrochen werden, sagt die Kinesiologin Marianne Birkholz, kann es zu einer Störung oder Erkrankung kommen. Chronische Krankheiten, Altersbeschwerden, Nahrungsunverträglichkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten seien darauf zurückzuführen.

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Was fehlt dem Hund? Marianne Birkholz untersucht Alea.

Quelle: Hinzmann

Durch ihre selbst entwickelte „Kinesiologie for Animals“ will die Göttingerin, im Hauptberuf Lehrerin für Mathematik, leidenden Tieren helfen. Birkholz, die als Yoga-Ausbilderin in der Erwachsenenbildung und über die Homöopathie am Menschen zur Kinesiologie kam, ließ sich 2010 zur Tierheilpraktikerin ausbilden, um dem eigenen kranken Hund zu helfen. „Das war nebenberuflich ein großer Aufwand“, sagt die 43-jährige Göttingerin. Ihre eigene Arbeit sieht sie ausschließlich als Ergänzung zur Veterinärmedizin.

#Neben einer körperlichen Untersuchung des Tieres lässt Birkholz sich beim ersten Termin über dessen Vorgeschichte, Verhalten und Platz im Familienverbund informieren. Dann folgt der für Laien rätselhafte Teil: Über sogenannte Muskeltests – als Ersatzperson (Surrogat) für das Tier fungiert der Halter – oder durch Auspendeln mit einem „Tensor“ sucht sie Störungen in den kinesiologischen Bereichen: Körper-, Energie-, Mental-, System- und Seelenebene. Mit gleichen Mitteln begibt sie sich auf die Suche nach Therapiemöglichkeiten. Kann der Mensch seinem Tier durch eigene Verhaltensumstellung helfen, spricht es auf Akupressur, homöopathische Substanzen, Bachblüten oder Farb-Licht-Therapie an?

Auch wenn laut Kritikern der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit kinesiologischer Methoden bislang fehlen soll: Britta Apelt, Inhaberin eines sogenannten Barf-Ladens in Sieboldshausen, eines Geschäftes, in dem Hundebesitzer Zubehör für die Fütterung von rohem Fleisch, Knochen und Gemüse kaufen können, hat ihre Golden-Retriever-Hündinnen Perle und Alea schon wiederholt von Birkholz diagnostizieren und behandeln lassen.

Die sechsjährige Alea etwa hat Probleme mit einem knackenden Knie, „das Röntgenbild beim Tierarzt war ohne Befund“, sagt Apelt. Jetzt soll die Kinesiologin Gemüts- und Körperbewegungen des Vierbeiners unter die Lupe nehmen. Auch bei der goldfarbenen Hündin kommt an diesem Tag der Tensor zum Einsatz. Den Termin in Birkholz’ Praxis nimmt Alea gelassen hin. Entspannt kaut sie an einem Tennisball.

Schnell sind Verschiebungen in der System-Ebene ausfindig gemacht, die Aleas Frauchen gerade rücken soll. „Manchmal sind Tierkrankheiten Ablenkungsmanöver für irgendein Problem in der Familie, das ist wie bei Kindern“, sagt Birkholz und wendet sich dem Mäppchen mit den homöopatischen Heilmitteln zu. Substanz für Substanz testet sie mit dem Tensor, bis sie bei den Globuli fündig wird – winzige Kügelchen für das kleine Problem eines großen Hundes.

Apelts zweite Hündin Perle leidet unter Altersbeschwerden, was sich nach Auskunft ihrer Besitzerin durch Birkholz’ Behandlung bereits verbessert habe. „Man muss nicht immer mit Kanonen auf Spatzen schießen“, begründet die Geschäftsfrau, warum sie ihren Hunden neben der tierärztlichen Versorgung auch alternativmedizinische Behandlungen angedeihen lässt.

Alles andere als schussfest

Betty, dreieinhalb Jahre alt, Schnauzer-Terrier-Mischling mit Tierschutzerfahrung, hat Angst. Riesig war die Furcht vor allem Unbekannten, als sie mit anderthalb Jahren in ihr neues Zuhause zog. Angst vor Geräuschen, vor Menschen, vor Autos, Hubschraubern, Fahrrädern und anderen Hunden.

Davon ist wenig geblieben. Etwas Zickerei, wenn ein anderer Vierbeiner aufdringlich wird, Bogen schlagen im Feld, wenn ein unheimlicher Nordic Walker naht. Kläfferei und Rückzug, wenn ein fremder Mensch in die Wohnung kommt. Heute gibt es nur noch eines, bei dem Betty ohne Rücksicht auf Zurückbleibende unwiderruflich auf und davon rennt: den großen Knall.

Was ist der Auslöser für die Angst, wenn Gewitterdonner oder Böllerschüsse an ihr Ohr dringen? „Ein Erlebnis als Junghund im Zwinger des Tierheims“, glaubt Marianne Birkholz, die Betty einer kinesiologischen Untersuchung unterzieht. Die Hündin falle in ihr Verhalten als Junghund zurück, wenn sie Schüsse oder Donnern hört, sagt Birkholz.

Mysteriös der Weg, wie sie das herausgefunden haben will: mit dem Tensor über Bettys Haaren, weil die Patientin selbst nicht zu sprechen war. Und auch der Therapievorschlag, der Akupressur-Elemente enthält und darauf abzielt, dem Tier seinen Erwachsenen-Status klar zu machen, birgt Rätsel. Wird der Hund sich überzeugen lassen? Und gibt ihm das einmalig verabreichte homöopathische Mittel namens Lac caninum – Hunde-Muttermilch – mehr Sicherheit, dem Fluchtinstinkt künftig zu widerstehen? Erwiesen ist noch nichts. Der große Knall ist glücklicherweise seit Betty Termin mit der Kinesiologin ausgeblieben. kk

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