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Thema des Tages Vereine stellen Maibäume auf
Thema Specials Thema des Tages Vereine stellen Maibäume auf
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15:18 02.05.2018
Aufstellen des Maibaums auf dem Dorfplatz Desingerode unter Leitung von Ansgar Rudolph. Am Teleskopstapler Dietmar Germerott. Quelle: Niklas Richter
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Region

In vielen Ortschaften Südniedersachsens ist zum Mai-Feiertag ein Maibaum aufgestellt worden. Zum Teil ist das bereits am letzten Tag im April erfolgt, andere richteten die stattlichen Stämme erst am 1. Mai auf. In vielen Ortschaften in Südniedersachsen hat das Aufrichten eines mit Kranz und Vereinswappen geschmückten Maibaums inzwischen Tradition.

Desingerode

Einen sogenannten Telelifter des örtlichen Bauunternehmens von Stefan Kellner haben die Organisatoren beim Aufrichten ihres Maibaums in Desingerode zu Hilfe genommen. Daher genügten drei Mann – Ansgar Rudolph, Hans-Dieter Becker und Manuel Schenke –, um den 14-Meter-Baum samt Kranz und Wappen in die Senkrechte zu bringen. Den Kranz aus echtem Reisig hatten Ilona Weber, Eva Welle und Klaudia Maring gewickelt, wie Ortsbürgermeister Dennis von Ahlen berichtete. Er lobte das große Engagement der Vereine bei der Vorbereitung für die Gemeinschaftsaktion im Ort. „Wir ziehen alle an einem Strang“, freute sich von Ahlen, „denn ein solches Fest stemmt man nicht alleine“. Zum nunmehr vierten Mal wurde der Maibaum aufgestellt, und etwa 150 Einwohner schauten nach Angaben des Ortsbürgermeisters zu. Im Anschluss wurde beim Pfarrheim in den Mai getanzt, wobei um Mitternacht eine etwa 1,60 Meter große Strohhexe im Mai-Feuer verbrannt wurde. Die Einnahmen der Veranstaltung am 30. April sollen dem Förderverein Desingerode zugute kommen, kündigt von Ahlen an. Der Maibaum bleibt nun bis September stehen. Dann werde der Kranz gegen eine Erntekrone ausgetauscht. „Das Erntekronen-Fest ist dann das nächste Highlight im Dorf“, auf das sich die Desingeröder schon jetzt freuten.

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Wie schön ist euer Maibaum?

Habt ihr auch an einer traditionellen Maifeier teilgenommen? Schickt uns euer schönstes Mai-Baum-Foto an online@goettinger-tageblatt.de.

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Friedland

Zum dritten Mal haben am Montagnachmittag die Mitglieder des Sportvereins SC Blau-Weiß Friedland am Kreisel beim evangelischen Kindergarten einen Maibaum aufgestellt. Der Vereinsmitglieder möchten mit ihren Aktionen einen Beitrag zur Dorfgemeinschaft leisten.

„Uns ist bei unseren Veranstaltungen aber auch wichtig, dass wir die anderen Vereine und den Ortsrat miteinbeziehen“, erklärte der Vereinsvorsitzende Mathias Lange. Innerhalb eines Ortes sei es wichtig, dass die Vereine miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Etwa 120 Besucher seien in den vergangenen Jahren zum Maibaumaufstellen gekommen. „Wir sind mit den Besucherzahlen zufrieden. Ich denke, die Veranstaltung wird über die Jahre größer werden“, sagte Lange. Erstmals wurde der Baum in diesem Jahr bereits am 30. April aufgestellt. „Wir haben uns entschieden, das Maibaumaufstellen diesmal in den ´Tanz in den Mai´ im Sporthaus übergehen zu lassen“, sagte der Vereinsvorsitzende. Außer dem Maibaumfest hat der Verein in den vergangenen Jahren auch die Ausrichtung des Osterfeuers und in Zusammenarbeit mit dem Ortsrat den Weihnachtsmarkt übernommen.

Bilder von den Maibäumen in der Region

Am Montag und Dienstag sind in Südniedersachsen eine Reihe von Maibäumen aufgestellt worden.

Rittmarshausen

Einen besonderen Maibaum haben die Rittmarshäuser bei ihrem traditionellen Thiefest aufgestellt. Denn dieser ist kein Baum, sondern eine Stange, an der als „Krone“ Schilder angebracht sind, auf denen die Vereine und Organisationen des Ortes vorgestellt werden. „Es ist das zweite Mal, dass wir diese Baumvariante gewählt haben“, sagte Bürgermeister Chicgoua Noubactep (Wählergemeinschaft Rittmarshausen). Zum einen sei er pflegeleicht und zum anderen sei dies eine gute Möglichkeit eine Übersicht über die Angebote im Dorf zu geben. Organisiert wird das Thiefest, das laut Noubactep ein Fest unter Freunden ist von den Vereinen und dem Ortsrat. „Wir wollen ein paar gemütliche Stunden auch mit Freunden aus den Nachbarorten verbringen“, erklärte der Bürgermeister. Für die Kinder gab es unter anderem eine Hüpfburg und wer wollte konnte am Ponyreiten teilnehmen. Wie auch in Friedland stand das Fest in Rittmarshausen im Zeichen der Dorfgemeinschaft.

Lindau

Einer Fahrt von Sängern aus der südniedersächsischen Ortschaft Lindau an die Mosel sei die Tradition des Maibaumaufstellens in Lindau zu verdanken. 1988 seien die Lindauer Sänger an der Mosel beim Maibaumaufstellen dabei gewesen, berichtet Wolfgang Erdmann, ehemaliger Vorsitzender des Männergesangvereins (MGV) Concordia Lindau. 1989 sei dann „mit Segen der Kirche“ erstmals in Lindau ein Maibaum aufgestellt worden, ergänzt der heutige MGV-Vorsitzende Hans-Joachim Strüder. Bei der Premiere 1989 sei der Baum noch von der Dorfmitte zum Freizeitgelände gezogen worden. Seither befindet sich der Maibaum bereits auf dem Freizeitgelände Am Hopfenberg, wo er diesmal zum 30. Mal von den Mitgliedern des örtlichen Männergesangvereins aufgerichtet wurde. Der Baum von einst habe vor einigen Jahren ersetzt werden müssen, weil er morsch war. Daher hatte der damalige Ortsbürgermeister Heinrich Schmidt einen neuen Baum spendiert, so Strüder.

Auch wenn sich die Sänger mittels technischer Hilfsmittel wie einer Handwinde die Arbeit erleichtern, im kommenden Jahr soll es beim Maibaumaufstellen einen Generationswechsel geben. 2019 werden die Junggesellen des örtlichen Schützenvereins die Tradition übernehmen. Von den „alten Hasen“ gab es bereits einige Hinweise, damit der Baum am Ende senkrecht und fest in seiner Metallhalterung steht. Ansonsten, so kündigen Schaffer Christoph Wollborn und Dominik Schmidt an, werde über Änderungen im Ablauf nachgedacht. Diesmal indes gab es am 1. Mai Beifall für den aufgerichteten Baum und Mai-Lieder vom gemischten Chor, vom Kinderchor Little Voices und vom gemischten Chor 4Klang zur Umrahmung der Veranstaltung.

Adelebsen

Mit einem jungen Birken-Bäumchen behelfen mussten sich die Adelebser, denn der eigentliche Maibaum konnte nicht aufgestellt werden, da er zu morsch war, wie der stellvertretende Ortsbürgermeister Bernd Aschenbrandt berichtete. Gefeiert wurde rund ums Rathaus dennoch.

Dransfeld

Viel Betrieb herrschte in der Parkanlage Köterwelt in Dransfeld. Rund um den dortigen mit Vereinswappen und Kranz geschmückten Maibaum, nutzten viele die Veranstaltung der Dransfelder Vereine, um am Mai-Feiertag gesellige Stunden miteinander zu verbringen.

Maibaum mit geschmücktem Kranz in Desingerode. Quelle: Niklas Richter

Tradition und Brauchtum

Seit wann es die Tradition des Aufstellens eines Maibaums gibt, ist nicht genau bekannt. Es wird aber davon ausgegangen, dass sich hier im Laufe der Jahrhunderte heidnische und christliche Bräuche miteinander vermischt haben.

Es wird vermutet, dass der Ursprung bei den alten Germanen, die verschiedene Waldgottheiten verehrt haben, liegt. Die heutige Form des Maibaums mit Spitze und Kranz wurde erstmals im 16. Jahrhundert überliefert. Etwa im 19. Jahrhundert habe der Maibaum sich dann der Brauch entwickelt, dass in jeder Gemeinde ein Baum zum Zeichen ihres Selbstbewusstseins aufgestellt werde. Mittlerweile habe sich bei den Maibäumen ein starkes lokales Brauchtum entwickelt, so dass die Traditionen sich auch innerhalb einer Region von Dorf zu Dorf stark unterscheiden. Auch im Landkreis Göttingen gibt es Unterschiede, denn in einigen Orten werden die Maibäume erst zu Pfingsten aufgestellt.

Ebenfalls großer Beliebtheit erfreut sich in zahlreichen Regionen das Aufstellen eines Baums vor den Häusern junger, unverheirateter Frauen. Hierzu werden in der Regel Birken verwendet, die mit Krepppapier geschmückt werden. Der Baum bleibt dann etwa einen Monat lang vor dem Haus stehen, bevor der Aufsteller ihn wieder abholt. Dies ist meistens mit einer Einladung durch die beschenkte Frau verbunden.

Maibaum-Diebstahl

Vorwiegend in Bayern sind die Maibaum-Organisatoren gut beraten, wenn sie ihren Maibaum bis zum Tag des Aufstellens bewachen, denn es ist in manchen Gemeinden Brauch, dass gewitzte Strategen auf Maibaum-Diebestour im Nachbardorf gehen. Dabei gelten gewisse Regeln, etwa dass zwar der Baum selbst, nicht aber dessen Schmuck wie Zunftzeichen oder Kränze mitgenommen werden dürfen. Auch darf das gute Stück nicht einfach abgesägt werden. Und auch ein bereits aufgestellter Baum darf nicht mehr gestohlen werden. Gelingt der Maibaum-Diebstahl, und der Baum wird über die Gemeindegrenze geschafft, können die Bestohlenen ihn gegen Lösegeld in Form von Bier und Brotzeit ausgelöst werden.

Ärgerlich für die Mitglieder des Ballenhäuser Karnevalsclubs (BKC) war vor einigen Jahren, dass zum wiederholten Mal Unbekannte den Maibaum beschädigt haben. Weil zwei Sicherungsbolzen gelöst worden waren, fiel der Baum um. Ein Jahr zuvor hatten unbekannte Täter den Maibaum mit einer Säge gefällt.

Mehr zum Thema:

Der Maibaum – Ursprung, Bedeutung, Tradition (vivat.de)

Mehr zum 1. Mai:

Kundgebung in Göttingen: Friedlicher Protest in der Innenstadt

Tanz in den Mai: 50 Menschen feiern in Herberhausen

Von Britta Eichner-Ramm und Vera Wölk

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