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18 Jahre und zweimal überlebt: Stammzellen retten Celina

Thema des Tages 18 Jahre und zweimal überlebt: Stammzellen retten Celina

Reitstunden, Führerschein, Popstars: Dinge, die ein junges Mädchen so interessieren. Hochdosis-Chemotherapie, Todesangst, Morphium-Halluzinationen: Celina Krechsky spricht über beide Themen. Sie ist 18 Jahre alt. Sie war todkrank, zwei Mal. Nur dank einer Stammzelltransplantation kann sie dieses Jahr Weihnachten feiern.

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Celina Krechsky

Quelle: Wenzel

Moringen/Göttingen. „Letztes Weihnachten, das war kein Weihnachten“, sagt die Moringerin, die im September volljährig geworden ist. Dass sie diesen Geburtstag überhaupt erlebt hat, hat sie einem passenden Stammzell-Spender zu verdanken. Celina hatte als Kind im Alter von acht Jahren Leukämie.

Nach erfolgreicher Behandlung folgt der Rückschlag

Ein Jahr lang ist sie mehr auf der Kinderkrebsstation der Universitätsmedizin Göttingen zu Hause als bei ihren Eltern. Die anstrengende Behandlung, auch mittels Chemotherapie, ist erfolgreich. Celina bleibt dort in der Nachsorge. 2015 werden ihre Blutwerte schlechter, so schlecht, dass sie wieder stationär in der Klinik aufgenommen wird. Nach etlichen Untersuchungen steht im Herbst die Diagnose: MDS, Myelodysplastisches Syndrom. Eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks.

Spenden

Universitätsmedizin Göttingen Georg-August-Universität KMSG Abteilung Transfusionsmedizin Robert-Koch-Straße 40 37075 Göttingen Karin Slotty 05 51/39 - 1 43 89 Dr. med. Beatrix Pollok-Kopp (05 51) 39 - 96 15 Spendenkonto: Universitätsmedizin Göttingen Konto-Nr.: 448 Sparkasse Göttingen BLZ: 260 500 01 IBAN: DE55 2605 0001 0000 0004 48 BIC: NOLADE21GOE Verwendungszweck: KMSG-Spenden 134 6270

„Meine erste Reaktion war, dass ich damit nichts zu tun haben will“, erinnert sich die Schülerin. „Dann stellt man fest, dass man daran sterben kann.“ Celina gibt nicht auf, sie packt an. Organisiert eine Typisierungsaktion. „Ich wollte etwas Gutes tun, nicht nur für mich, auch für alle anderen“, sagt sie. Sie spricht ihre Mitschüler an, geht in Schulklassen. „Hallo, ich bin Celina, ich habe MDS. Ich brauche eine Stammzellspende, sonst sterbe ich“. Mit dieser Ansprache hat sie Schüler, Lehrer und viele andere überzeugt, rund 1000 Menschen haben sich daraufhin typisieren lassen, darunter viele junge Leute.

"Das war extrem"

„Nach der Aktion war ich richtig fertig“, sagt Celina. Im Januar dann ist ein Spender für sie gefunden - aber nicht aus ihrer eigenen Aktion. Freude und Angst. Was auf das Mädchen zukommt, weiß sie damals noch nicht, heute sagt sie: „Ich hätte mir das leichter vorgestellt.“ Zur Vorbereitung auf die Transplantation der Stammzellen bekommt sie sieben Tage lang eine Hochdosis-Chemo. „Die Ärzte haben mir ja alle Nebenwirkungen erklärt“, sagt sie. Dass sie sie alle treffen, hat sie nicht erwartet. „Das war extrem.“ Die zwei Schritte, die diese vom Bett zur Toilette gehen muss, schmerzen so, dass sie laut schreien muss. Am ganzen Körper hat die junge Frau Verbrennungen, toxische Verbrennungen von dem Gift, das ihre Zellen zerstört. Sie bekommt Morphium gegen die Schmerzen, halluziniert, sieht Menschen an ihrem Bett, die es nicht gibt.

Die lebensrettenden Stammzellen, ein paar hundert Milliliter Flüssigkeit, werden transplantiert. Wenige Tage danach bessert sich ihr Zustand. Langsam aber sicher geht es bergauf. Die Zellen finden den Weg in Celinas Knochenmark, bilden ein neues Immunsystem. „Ostern konnte ich schon zu Hause feiern“, sagt sie. Und: „Ich musste ja erst wieder laufen lernen, meine Muskeln waren kaum mehr vorhanden.“

Startkapital für die Gala

Die Transplantation ist erfolgreich, dennoch zeigt ihr Körper eine Abstoßungsreaktion. Die kann jedes Organ betreffen, bei Celina ist es die Haut. Sie muss Cortison nehmen, nimmt dadurch zu. Dennoch geht es der Schülerin heute vergleichsweise gut. „Ich bin noch nicht voll belastbar“, sagt sie. Aber sie hat viele Pläne: Im nächsten Jahr beginnt sie ihr Freiwilliges soziales Jahr - in der Kinderorthopädie der UMG. Im März will sie in der Northeimer Stadthalle eine Spendengala für die Göttinger Knochenmark- und Stammzellspenderdatei KMSG organisieren, unter anderem mit dem Supertalent-Gewinner Marcel Kaupp.

Mit dem Künstler verbindet sie viel - er ist der Angehörige eines Freundes, der 2007 ebenfalls auf der Kinderkrebsstation behandelt wurde. „Er ist damals gestorben“, sagt Celina. Auch deshalb ist ihr Engagement gegen den Krebs und für die Göttinger Stammzelldatei so groß. Für ihre Spendengala muss sie 7000 Euro Startkapital zusammen bekommen, dafür sammelt sie jetzt Spenden. Aber: „Das wird schon.“

Spender und Spenden direkt für Göttingen

In der Knochenmark- und Stammzellspenderdatei (KMSG) der Universitätsmedizin Göttingen werden rund 33000 potenzielle Spender geführt. Sie alle haben sich bereits typisieren lassen, um todkranken Menschen mit ihrem Blut das Leben zu retten.

Dr. med. Beatrix Pollok-Kopp

Quelle: Wenzel

„Dafür müssen die sogenannten HLA-Merkmale des Spenders und des Empfängers übereinstimmen“, erklärt Beatrix Pollok-Kopp, Oberärztin der KMSD. Für eine Typisierung wird eine Blutprobe benötigt, gesunde Menschen im Alter von 18 bis 55 Jahren sind geeignet. Eine Typisierung kostet 50 Euro, die komplett aus Spenden finanziert werden muss. „Die Daten werden dann an das Zentrale Knochenmarkspende-Register in Ulm weiter geleitet“, so die Oberärztin. In Deutschland gibt es 26 Spenderdateien, die bekannteste darunter ist die DKMS.

Egal wer die Typisierung ausführt, die Daten werden bundesweit und auch international genutzt. „Unsere Datei hat für die Spender in Südniedersachsen den Vorteil, dass alles aus einer Hand und vor Ort angeboten wird, von der Typisierung bis zur Stammzellentnahme - wenn man als Spender passt“, so die Oberärztin. Das bedeute auch kurze Wege für alle Beteiligten. Jeden Monat werden etwa 30 Personen aus der Datei gelöscht, sie sind älter als 61 Jahre und kommen als Spender nicht mehr in Frage. Deshalb braucht die KMSG immer wieder neue Spender.

Vier Millionen Stammzellen

Die Typisierung geht schnell. Wird ein passender Empfänger gefunden, gibt es zwei Wege, zu helfen. Zum einen gibt es die Möglichkeit, Stammzellen aus dem Blut zu filtern. Dafür bekommt der Spender ein paar Tage lang ein Hormonpräparat, das die Lösung der Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut fördert. Die zweite Methode ist die Entnahme der Zellen aus dem Beckenknochen. „Im vergangenen Jahr hatten wir fünf solche Eingriffe, das waren schon recht viele“, sagt Pollok-Kopp. Vor allem, wenn die Empfänger Kinder sind, wird diese Methode benutzt. Beim Blutfiltern sind die Spender etwa vier bis fünf Stunden an eine Maschine angeschlossen, die das Blut filtert, ähnlich wie bei einer Dialyse. „Für eine Transplantation benötigen wir vier Millionen Stammzellen“, so die Medizinerin. Spender und Empfänger bleiben zwei Jahr lang anonym. Erst dann können sie sich, bei gegenseitigem Einverständnis, kennen lernen. „Ich möchte das auf jeden Fall“, sagt Celina Krechsky. Zunächst ?will sie einen Dankes-Brief schreiben, der dann anonymisiert ihren Spender erreicht. bib

INFO:

KMSG

Universitätsmedizin Göttingen Georg-August-Universität KMSG Abteilung Transfusionsmedizin Robert-Koch-Straße 40 37075 Göttingen Karin Slotty 05 51/39 - 1 43 89 Dr. med. Beatrix Pollok-Kopp (05 51) 39 - 96 15 Spendenkonto: Universitätsmedizin Göttingen Konto-Nr.: 448 Sparkasse Göttingen BLZ: 260 500 01 IBAN: DE55 2605 0001 0000 0004 48 BIC: NOLADE21GOE Verwendungszweck: KMSG-Spenden 134 6270

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