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Thema des Tages 26,6 Millionen Euro für Neubau
Thema Specials Thema des Tages 26,6 Millionen Euro für Neubau
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21:21 24.01.2018
Montage, Neubau Haus 3, Evangelisches Krankenhaus Weende Quelle: Stefan Rampfel
Weende

„Wir können endlich einen lang ersehnten Plan umsetzen: die Einhäusigkeit mit unserem Standort Lenglern“, sagt Czeczelski. Die bisher in Lenglern angesiedelte Lungenfachklinik soll mit ihren 86 Betten im neu entstehenden Haus 3 einziehen. Das 26,6-Millionen-Euro-Projekt stellt die bisher größte Einzel-Förderung des Evangelischen Krankenhauses Weende dar. Seit 1997 seien bereits mehr als 100 Millionen Euro investiert worden, so Czeczelski, der betont: „Ein nicht unmaßgeblicher Anteil besteht aus Eigenmitteln.“

Am Standort Weende entstehe eine Lungenklinik von A bis Z, und es ergäben sich zahlreiche Synergieeffekte, unterstreicht Karaus. Dies sei auch der Wunsch des Sozialministeriums gewesen, das sich „einen großen Wurf“ gewünscht habe, so Karaus weiter. Es gebe beispielsweise auch ein Schlaflabor oder eine sogenannte Weaning-Station. Hier werden Patienten von der Beatmung entwöhnt. Czeczelski fügt an: „Es gilt, Zentren zu bilden. Unser Modell ist zukunftsweisend, Es wird zusammengeführt, was zusammengehört.“

Bauzeit von etwa 24 Monaten

Nach Vorstellung der Weender Klinik-Spitze könnten Ende des Jahres schon die Bagger anrollen. „Wir benötigen noch etwa bis Ende April, bis alles mit dem Sozialministerium geklärt ist. Danach können wir den Bauantrag stellen“, sagt Czeczelski. Mit dem städtischen Baudezernat und Stadtbaurat Thomas Dienberg (SPD) sei man schon länger in Gesprächen, berichten Projektmanager Christian Habenicht und Herbert Schmidt, technischer Betriebsleiter des Evangelischen Krankenhauses. „Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler hat doch erst betont, dass er Kräne sehen will. In Weende kann das ganz schnell gehen. Wir rechnen mit einer Bauzeit von etwa 24 Monaten. Läuft alles optimal, können wir das neue Haus 3 Ende 2020/Anfang 2021 in Betrieb nehmen“, sagt Czeczelski.

Das aktuelle Haus 3 (Baujahr 1936) soll abgerissen und deutlich größer wieder aufgebaut werden. Geplant ist ein etwa 60 Meter langer und 26 Meter breiter Korpus. Die alten Gebäude Haus 1 und 2 sind jeweils nur 16 Meter breit. Zudem wird der Neubau eine Etage höher sein als die Häuser 1, 2 und 4. Die später errichteten und nicht zu den ehemaligen Kasernengebäuden zählenden Häuser 5 und 6 sind bereits genauso hoch, wie der geplante Neubau. Neben Keller und Erdgeschoss gehören drei Obergeschosse zum Gebäude.

Hier sind die sechs Zentren zu finden

Haus 1: Brustzentrum, Kontinenz- und Beckenbodenzentrum (Zusammenführung der Abteilungen plastische Chirurgie, Gynäkologie und Urologie)

Erweiterungsbau zwischen Haus 1 und 2: Zentrum für Intensiv- und Beatmungsmedizin, Funktionsdienst Urologie und Gynäkologie

Haus 2: Gastroenterologisch-viszeralmedizinisches Zentrum (Magen-Darm-Erkrankungen und damit verbundene Organe)

Haus 3: Kardio-pulmonares Zentrum (Herz und Lunge), Funktionsdiagnostik Innere Medizin und Pneumologie (Lungenheilkunde)

Haus 5: Onkologisch-palliativ-medizinisches Zentrum (Krebspatienten und unheilbar Kranke) und chirurgische Bettenstation

Haus 6: Geriatrisches Zentrum (Altersmedizin)

Der Neubau von Haus 3 zieht nicht weniger nach sich als eine komplette Umstrukturierung des medizinischen Betriebs. Es entsteht eine Erschließungsachse. Diese verbindet sämtliche Häuser auf Höhe des ersten Obergeschosses und damit die jeweilige Funktionsdiagnostik miteinander. „Dadurch vollziehen wir einen Wandel. Das pflegeorientierte Evangelische Krankenhaus Weende wird ein diagnostisch-interdisziplinärer Versorgungsdienstleister.“ Es sollen sechs Zentren entstehen, diese sind ebenso wie die Funktionsdiagnostik über die Achse miteinander verbunden.

Übernahme von Neu-Mariahilf

Der Plan hat auch Folgen für die Gynäkologie und Geburtshilfe. Diese ist aktuell noch im ehemaligen katholischen Krankenhaus Neu-Mariahilf am Göttinger Waldweg untergebracht. Das Evangelische Krankenhaus Weende hatte Neu-Mariahilf im Jahr 2014 erworben. In den vergangenen drei Jahren wurden 10 Millionen Euro in Sanierungs-, Umbau- und Neubauarbeiten investiert.

„Wir können auch Entwarnung für Lenglern geben, denn wir werden diesen Standort nicht aufgeben“, sagt Czeczelski. Es sei unstrittig, dass die Versorgung von Patienten im ländlichen Raum von Bevölkerung und Politik als mangelhaft wahrgenommen werde. Lenglern sei nach der Aufgabe als stationärer Standort dafür geeignet, ambulante Leistungen und wohnortnahe Versorgung älterer Patienten zu gewährleisten. „Das ist vom Ministerium auch so gewünscht. Dort können Arztpraxen entstehen sowie Kurzzeit-Pflege und Rehabilitationseinrichtungen“, skizziert Czeczelski.

Mit dem Neubau von Haus 3 sind die Pläne zur Umstrukturierung am Standort Weende noch nicht abgeschlossen. Kein Geheimnis ist, dass für Haus 4 eine zukunftsweisende Lösung gefunden werden muss. Es stammt ebenfalls aus dem Jahr 1936 und hat eine Kasernen-Vergangenheit. „Wir sehen noch Handlungsbedarf am Standort Weende und haben auch Ideen“, sagt Czeczelski.

Geschichte des Krankenhauses

Das Evangelische Krankenhaus Weende betreibt Grund- und Regelversorgung an den drei Standorten Weende, Waldweg (Neu-Mariahilf) und Lenglern. Es stehen 601 Betten zur Verfügung. Aktuell sind mehr als 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Seit 1994 sei das Wachstum besonders ausgeprägt, betont Frank Czeczelski.

Der kaufmännische Geschäftsführer verweist dabei auf eine Steigerung des Versorgungsauftrags um mehr als 60 Prozent. Damit verbunden sei auch ein Wechsel der öffentlichen Wahrnehmung verbunden. „Wir haben uns von einem kleinen Grund- und Regelversorger zu einem christlichen Krankenhaus der Schwerpunktversorgung entwickelt. Das Evangelische Krankenhaus Weende ist das Stadtkrankenhaus für die Bürger der Stadt und des Landkreises“, betont Czeczelski. Angefangen hat alles auf dem Göttinger Rohns. Das Evangelische Krankenhaus Weende blickt auf eine mehr als 70-jährige Historie. Noch älter sind sogar die teilweise noch genutzten Gebäude des hochmodernen Spitals in Weende. Die Gebäude der ehemaligen Kaserne wurden 1936 errichtet.

1. Dezember 1945

Einrichtung des Flüchtlings- und Heimkehrerkrankenhaus „Hilfskrankenhaus Göttingen-Rohns“ in einer Behelfsunterkunft, der Gaststätte Rohns im Wald östlich des Stadtgebietes. Bettenzahl: 250.

20. Oktober 1950

Verlegung des Krankenhauses an den Weender Standort, da die Traditionsgaststätte im Jahr 1950 wieder in Betrieb genommen werden sollte. Das Evangelische Krankenhaus Weende konnte die ehemalige Kasernenanlage von der Bundesrepublik Deutschland erwerben. Bettenzahl: 135.

24. April 1951

Gründung des Vereins „Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende

8. Oktober 1966

Einweihung des Erweiterungsbaus zwischen Haus 1 und Haus 2

23. Januar 1985

Der OP-Neubau wird eingeweiht. Bettenzahl: 370.

1. Januar 1995

Übernahme des Kreiskrankenhauses An der Lieth in Lenglern. Bettenzahl: 434

Oktober 2001

Inbetriebnahme des Geriatrischen Zentrums mit Eingangshalle und Bistro. Bettenzahl: 434 (370 Akutbetten und 64 Reha-Betten)

15. April 2014

Übernahme des katholischen Krankenhauses Neu-Mariahilf. Bettenzahl: 601 (537 Akutbetten und 64 Reha-Betten).

Von Mark Bambey

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