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Thema des Tages Vom Folkmusik-Wohnzimmer zum Musikzentrum
Thema Specials Thema des Tages Vom Folkmusik-Wohnzimmer zum Musikzentrum
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15:38 09.05.2017
Quelle: Peter Heller
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Unter dem Motto „Ohne Schlips und Kragen“ soll das 40-jährige Bestehen der Musa im November gefeiert werden. „Wir wollen den Göttingern ein Konzert schenken. Wer auftritt, das verraten wir noch nicht", sagt Tiedemann. Sie ist unter anderem für Öffentlichkeitsarbeit und die Bauprojekte im Team der Musa zuständig. Zudem sei ein Fest für geladene Gäste vorgesehen.

Seit dem Beginn im Jahr 1977 hat sich die Musa enorm verändert. Aus dem anfänglich etwa 200 Quadratmeter kleinem Kulturzentrum sind nach dem Umbau etwa 5.000 Quadratmeter geworden. 1977 haben einige Musiker und Kulturschaffenden um den Göttinger Musiker Wieland Ulrichs die Idee für das Kulturzentrum entwickelt. „Der Legende nach war das in Ulrichs Wohnzimmer", sagt Tiedemann. Der frühe Schwerpunkt lag auf der Folkmusik - "ein Verein von Männern mit Bärten“, scherzt Tiedemann. Die Idee aber trägt Früchte, der Verein, noch ohne festen Wohnsitz, kümmert sich um Musik, Tanz, Kunst und Theater. Das erste „Umsonst und draußen"-Festival geht Ende der 70er-Jahre über die Bühne. „Daraus entstand später der KWP-Fest“, sagt Tiedemann. Zunächst arbeitet der Verein in einer Halle hinter dem heutigen Gallus-Park, es folgt erneut eine heimatlose Zeit, bis dann 1990 die Musa in dem Gebäude der alten Heeresbäckerei am Hagenweg einzieht. Zunächst werden nur im „Roten Salon“ Konzerte, Partys, Workshops und Theater organisiert.

„Die Musa war über all die Jahre immer politisch gewollt“, sagt Tiedemann. Und: Sie ist stets parteiübergreifend unterstützt worden. Wohl auch deshalb wuchs und wuchs sie. Proberäume für Bands kamen hinzu, die Musa wurde zum „größten Musikzentrum Südniedersachsens“, so Tiedemann. Aus wenig viel machen, das sei schon immer ein Kernanliegen des Vereins gewesen - und das solle auch so bleiben. Tiedemann selbst ist seit 1996 dabei, mit zwei Armen in Gips stellt sich die Studentin damals als Praktikantin vor - und bleibt. „Den Bestand sichern und Visionen entwickeln, das treibt mich an“, sagt sie. „Wir alle hier arbeiten für wenig Geld und bleiben trotzdem.“

Die Herausforderung, in der oft als Problemstadtteil angesehen Weststadt zu bestehen und mit der Musa-Arbeit in der ganzen Stadt akzeptiert zu sein, das ist ihr wichtig. Die Themen wurden vielfältiger. Außer Kozerten, Partys und  Workshops geht es heute mehr und mehr auch um die Integration von Menschen aus vielen Ländern. Das ist ein großes Thema für die Musa-Mitarbeiter. „Wir können uns hier schnell und flexibel auf neue gesellschaftliche Herausforderungen einstellen“, sagt sie. Wenn im August der Umbau abgeschlossen ist, stehen im Erdgeschoss in 17 Räumen auf mehr als 1.000 Quadratmetern neue Ateliers, Werkstätten, Filmproduktion, eine Probebühne für Göttingens freie Theaterszene und ein Co-Working-Space zur Verfügung. Auch die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte findet dort ein Domizil. Tiedemann wünscht sich, dass auf dem Gelände auch Werkstätten entstehen, in denen junge Menschen vielleicht Ausbildungsplätze finden - beispielsweise in einer Tischlerei mit 3D-Fräse, in der unter anderem Skateboards gefertigt werden können. Raum für Kreativwirtschaft, den gebe es in Göttingen bislang kaum. Das soll sich mit dem Ausbau ändern. 400.000 Euro fließen in die neuen Räume, „unsere Aufgabe war, daraus deutlich mehr daraus zu machen“, sagt sie. Und das hat man, unter anderem durch die Akquise von Fördergeldern, geschafft. Etwa 1,2 Millionen Euro sind es geworden. Die Musa bekommt zudem jährlich 40.000 Euro von der Stadt Göttingen, das ist weniger ein Drittel des Gesamt-Etats. „Alles andere erwirtschaften wir selbst.“

Zukunftsmusik

Die Musa wird 40, und es gibt weitere Pläne für die Zukunft: Als nächstes, so Musa-Sprecherin Tine Tiedemann, soll das Außengelände saniert werden. Die Einfahrt - nicht wenige Besucher landen erst einmal beim benachbarten Zoll auf dem Parkplatz -, die marode Kopfsteinpflasterstraße und der mit Pfützen übersähte Parkplatz sollen bald der Vergangenheit angehören. Der Umbau zählt zu dem von Land und Bund geförderten Programm „Soziale Stadt - Weststadt“. Tiedemann hofft auf Baubeginn in diesem Jahr. 

Das Gelände rund um die alte Bäckerei umfasst neben der Musa etliche Lagerhallen, die Feuerwehr Stadtmitte ist dort ebenso zu Hause wie das Haus der Kulturen, das Atelierhaus und einige Firmen. Und: Eine Weiterentwicklung ist geplant. Eine neue Konzerthalle im Bereich der Lagerhallen, die mit 800 Plätzen deutlich mehr Platz für Gäste bietet als die Musa mit 400 Besuchern, eine Funsporthalle und einer Beachbar mit Leineblick sind Tidemanns Ziele für die Zukunft. „Darüber laufen bereits viele Gespräche, unter anderem mit der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH.“

Die Pläne des Musa-Teams stoßen auf Zustimmung. „40 Jahre Musa bedeutet 40 Jahre Kultur- und Sozialentwicklung in der Weststadt“, sagt Göttingens  Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). "An diesem Standort kann ich mir daher eine Weiterentwicklung etwa in Form einer sogenannten Kalthalle sehr gut vorstellen.“ Allerdings gibt Köhler zu bedenken, dass es  „ein mühsamer Prozess“ werde, das Geld dafür zusammen zu bekommen. Köhler: „Wir werden uns langsam weiter durchhangeln und sehen, in welchen Zyklen wir handeln können.“

Die Bauarbeiten an Straße, Kanälen und Parkplätzen sollen noch in diesem Jahr beginnen, bestätigt Verwaltungssprecherin Stefanie Ahlborn. Sie hofft, dass die Ausschreibungen im Juli beginnen. Noch aber stecke man in den letzten Abstimmungen mit der Bima, der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten. Nachbargrundstücke und Hallen, die an die Musa angrenzen, sind im Besitzt des Bundes.

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