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Thema des Tages Alkohol und Süßigkeiten: Jeder Zweite will verzichten
Thema Specials Thema des Tages Alkohol und Süßigkeiten: Jeder Zweite will verzichten
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21:37 13.02.2018
. Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fasten- oder Passionszeit. Evangelische und katholische Christen bereiten sich von diesem Tag an auf das Osterfest vor. Quelle: epd

Am Aschermittwoch ist für viele Deutsche vorübergehend Schluss mit Feiern, die Karnevalszeit ist beendet, die Fastenzeit beginnt. Auch viele Bürger, die nicht aus Glaubensgründen fasten, beteiligen sich an der Aktion „Sieben Wochen ohne” und üben den einen oder anderen Verzicht. Mehr als jeder Zweite will nach Angaben der DAK in Göttingen in den kommenden Wochen gezielt bestimmte Genussmittel oder Konsumgüter meiden. Am häufigsten wurde 2016 der Krankenkasse zur Folge übrigens auf Alkohol verzichtet, gefolgt von Süßigkeiten, Fleisch und Zigaretten. Jeder Vierte möchte weniger online sein.

„Damit der Verzicht erfolgreich umgesetzt werden kann, ist ein möglichst konkretes Ziel wichtig“, rät Hiltrud Degenhard von der DAK in Göttingen. „Auch mit Rückschlägen sollte man rechnen, damit die Fastenzeit nicht zur Frustzeit wird.“

Aktion kommt bei Jugendlichen gut an

Auf den weiteren Rängen der Verzicht-Charts stehen Fernsehen, Handy/Computer und das Auto. Zum „Klimafasten” ruft beispielsweise auch die Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz auf. Diese Aktion sieht vor, sechs Wochen lang auf eine klimaschädliche Sache zu verzichten. „Ob statt des Autos der ÖPNV und das Rad genutzt wird, sich vegan ernährt wird oder beim Einkauf auf Plastiktüten verzichtet wird, es gibt unzählige Möglichkeiten, das Klima zu schonen”, teilt die Organisation mit.

In den vergangenen Jahren sei die Aktion bei Jugendlichen gut angekommen, die hätten ihr Smartphone in der Schublade gelassen, andere versuchten, beim Lebensmitteleinkauf Produkte mit Plastikverpackung zu vermeiden. Auch Zucker-Verzicht oder TV-Serien-Fasten seien angesagt.

Online-Fasten ist beliebt

Nach Angaben der DAK-Gesundheit ist auch das Online-Fasten in der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen mit 25 Prozent beliebt. Jeder zweite Deutsche hat laut der DAK-Studie bereits mindestens einmal für mehrere Wochen gefastet (53 Prozent). Vor allem junge Leute zwischen 18 und 29 Jahren haben sich demnach dem bewussten Verzicht verschrieben: Zwei Drittel von ihnen wollen fasten oder können sich dies vorstellen. Im Gegensatz zu den Älteren wollen jüngere Menschen aber deutlich seltener auf ihre Smartphones oder auf das Internet verzichten (12 Prozent zu 25 Prozent). Die Generation 45-plus habe eher ein starkes Bedürfnis, abzuschalten. Klarer Fasten-Favorit bei Männern ist der Verzicht auf Alkohol (71 Prozent). Frauen möchten lieber Schokoriegel & Co. links liegen lassen (72 Prozent).

Zeit für Ruhe, Besinnung und Gebet

Der Verzicht auf Speisen und Getränke wie Fleisch und Wein oder auch auf den Fernsehkonsum gilt in der Fastenzeit als Symbol der Buße und der spirituellen Erneuerung. In den sieben Wochen vor dem Osterfest nehmen sich viele Christen zudem mehr Zeit für Ruhe, Besinnung und Gebet, um sich selbst und Gott näherzukommen. In der katholischen Kirche zeichnet der Priester am Aschermittwoch ein Aschekreuz als Symbol der geistigen Reinigung und der Vergänglichkeit auf die Stirn der Gottesdienstbesucher. Diese Gelegenheit haben Göttinger aller Konfessionen am Aschermittwoch auch um 19 Uhr im ökumenischen Gottesdienst in der Groner Kirche St.-Heinrich-und-Kunigunde, so Dechant Wigbert Schwarze.

„7 Wochen Ohne“

In der evangelischen Kirche beteiligen sich rund drei Millionen Menschen an der Fasteninitiative „7 Wochen Ohne“, um aus gewohnten Konsum- und Verhaltensweisen auszusteigen und neue Lebensziele zu finden. In der Fasten- und Passionszeit erinnern Christen an das Leiden und Sterben Jesu Christi und bereiten sich auf Ostern vor, auf die Botschaft von der Auferstehung. Die Aktion „7 Wochen Ohne“ soll helfen, diese Wochen bewusst zu erleben und zu gestalten.

Die Kampagne wurde vor mehr als 30 Jahren gegründet und steht in diesem Jahr unter dem Motto „Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen“. Koordiniert wird die Aktion von einem Projektbüro im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt am Main. Traditionell greifen viele Kirchengemeinden das aktuelle Thema von „7 Wochen Ohne“ auf und gründen Fastengruppen. Ein Kalender, ein Begleitbuch und Fastenmails bieten Anregungen für eine intensive Beschäftigung. „Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen“: mit dem Motto für 2018 möchte die Kirche dafür werben, die eigene Meinung öffentlich zu vertreten.

Gegen Mobbing am Arbeitsplatz

Dazu passe auch das Titelmotiv der Aktion mit Vater und Sohn, die nach den Worten von Arnd Brummer, Geschäftsführer von „7 Wochen Ohne“, auf den Kern der Kampagne verweisen: „Hallo, hier sind wir, wir zeigen uns und wir sind auch bereit, uns öffentlich zu positionieren.“ Den Appell, ehrlich zu sagen, was man denke und nicht zu kneifen, richteten die Organisatoren der Aktion an alle. „Wir denken, dass wir zum Beispiel in Vereinen und Gemeinschaften nicht klarkommen, wenn alle nur die Klappe halten.“ Es müsse deutlich werden, dass es sich lohnte, sich für den Mitschüler einzusetzen, sich gegen Mobbing am Arbeitsplatz zu stellen, sich auf die Seite von Bedürftigen zu schlagen. Rücksichtnahme in der Schule, Fair Play beim Fußball, Respekt gegenüber einem Ausländer – die Vermittlung von Nächstenliebe, Empathie und Hilfsbereitschaft seien Grundsäulen der Zivilcourage und Grundsäulen einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft.

Hotline zum Thema Fasten

Kampagnen-Chef Brummer ermutigt: „Sieben Wochen ohne Kneifen meint, dass wir nur dann eine Gemeinschaft sind, wenn wir uns im Guten wie in der Auseinandersetzung als Person und als Persönlichkeit zeigen.“ Also sich nicht in anonymen Blogs verstecken, sondern im Zweifel mit offenem Visier streiten.

Die DAK-Gesundheit in Göttingen bietet am 22. Februar von 8 bis 20 Uhr eine Hotline zum Thema Fasten an. Per Telefon beraten Ärzte und geben Tipps, wie gesund gefastet werden kann.Die Hotline unter der kostenlosen Rufnummer 0800 / 1111 841 können Kunden aller Krankenkassen nutzen.

Radio-Fasten und weniger Süßes

Jeder Zweite möchte in den nächsten sieben Wochen Verzicht üben. Wie halten es die Südniedersachsen, die sich von Berufs wegen mit Lebensmitteln, Genuss und mit Glauben beschäftigen?

Friedrich Selter Quelle: r

„Ich mache in diesem Jahr bei der siebenwöchigen Fastenaktion mit, im vergangenen Jahr habe ich ausgesetzt”, sagt Friedrich Selter, Superintendent der Evangelischen Kirche in Göttingen. Selter will in diesem Jahr auf Alkohol und auf Süßigkeiten verzichten. Er möchte damit bezwecken, sich Genussmittel, zu denen man manchmal wie selbstverständlich greife, wieder bewusster zu machen. „Ich möchte diese Selbstverständlichkeit in meinem Handeln wieder mehr hinterfragen”, sagt er.

Olaf Feuerstein Quelle: Alciro Theodoro Da Silva

Olaf Feuerstein, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes in Göttingen, hat als Gastronom eine andere Einstellung zum Genuss: „Fasten wäre für einen Genussmenschen wie ich es bin, die Höchststrafe. Sieben Wochen Schokoladen-Fasten wäre schon unzumutbar. Da ich bei meinem täglichen Laufpensum keine Gewichtsprobleme habe, verschwende ich auch keinen Gedanken ans Fasten”, sagt er.

Probst Bernd Galluschke Quelle: Oliver ThieleOliver Thiele

Seine ganz eigene Art des Fastens hat der Duderstädter Probst Bernd Galluschke: „Ich habe ein Standardfasten, das ganz gut klappt”, sagt er. Und das ist: „Kein Radio beim Autofahren hören, sondern stattdessen mit Jesus reden und ihm alles erzählen, was mich bewegt. Ausnahme: Nachrichten”, sagt der Katholik. Ansonsten sei sein Motto, seine Botschaft für die Fastenzeit: „Gemeinsam unsere Welt verändern – aufstehen und handeln: ein Segen sein. Dafür gibt es auch das Aschenkreuz, denn Asche ist ja Dünger dafür, dass Energie wachsen kann”, sagt Galluschke.

Daniel Raub Quelle: Alciro Theodoro Da Silva

Daniel Raub, Sternekoch im Landhaus Biewald Friedland, hält es ähnlich wie sein Gastronomie-Kollege Feuerstein. „Ich faste nicht, auf gar keinen Fall, für mich ist das absolut undenkbar”, sagt der Küchenchef. Und weiter: „Ich hoffe natürlich auch, dass unsere Gäste nicht fasten”, sagt er.

Hubert Kellner Quelle: Christina Hinzmann

Hubert Kellner ist Kreislandwirt und als echter Eichsfelder nicht nur Ferkelzüchter sondern auch Katholik. Sein Fasten fällt moderat aus. “Ein bisschen weniger Süßes”, sagt er ganz pragmatisch. Darüber hinaus habe er „keine Vorsätze” und auch „keinen Verzicht” geplant.

Inke Teuteberg Quelle: Christoph Mischke

Ähnlich geht es der Vorsitzenden der Landfrauen Göttingen, Inke Teuteberg. Sie habe sich an der siebenwöchigen Fastenaktion „noch nie” beteiligt. Dennoch sagt sie: „Ich bewundere Menschen , die das Vorhaben erfolgreich durchhalten. Viele kenne ich davon allerdings nicht.”

Dechant Wigbert Schwarze Quelle: Christina Hinzmann

Wigbert Schwarze, Dechant der Katholischen Kirche in Göttingen, fastet auf klassisch katholische Art und Weise: „Ich mach’ immer mit, ich faste am Aschermittwoch und an Karfreitag”, sagt er. An beiden Tagen nehme er jeweils nur eine Fastenmahlzeit zu sich. In der Zeit bis Ostern verzichte er zudem auf Alkohol an den Wochentagen und genieße insgesamt deutlich weniger. „Dafür höre ich viel geistliche Musik”, sagt Schwarze. In der Fastenzeit nehme er sich zudem mehr Zeit für seine Mitmenschen.

Leichtathletin Neele Eckhardt Quelle: Christoph Mischke

Und eine Leistungssportlerin, kann die fasten? Neele Eckhardt, Leichtathletin aus Göttingen, ist sich noch nicht ganz sicher: „Ich überlege noch, die wenigen Süßigkeiten, die ich esse, wegzulassen. Aber es ist schon ein bisschen Lebensqualität, weil ich sowieso schon so auf meine Ernährung achte. Es wäre schon traurig“, sagt die Leichtathletin lachend. Auf das Smartphone zu verzichten, würde ihr leichter fallen. Aber weil sie für die Anti-Doping-Agentur erreichbar sein muss, sei das für sie leider keine Option.

Von Britta Bielefeld (mit epd)

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