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Thema des Tages Ältestes Linoleum der Welt wird saniert
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19:58 14.02.2018
Neues Linoleum für die Sternwarten-Kuppe: Die historische Wandverkleidung wird saniert. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Der große Wissenschaftler Carl Friedrich Gauss lebte von 1816 - dem Jahr der Fertigstellung - bis 1855 dort: Die Göttinger Universitäts-Sternwarte an der Geismar Landstraße ist ein ganz besonderes Bauwerk. Einzigartig ist auch die Innenverkleidung der Kuppel. „Das ist das wahrscheinlich älteste Linoleum der Welt”, sagte Sigrid Lüttge, Vorsitzende der Göttinger Gauß-Kuppel-Gemeinschaft. Gemeinsam mit Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel und Markus Bludau (Volksbank Kassel Göttingen) stellte sie die aktuellen Sanierungspläne vor.

Die Uni kündigt die Sanierung an

Das Linoleum, mit dem die Kuppel ausgekleidet ist, stammt aus dem Jahr 1886. Damals wurde die heutige Kuppel auf das Gebäude aufgesetzt und ihr gesamtes Innere mit dem damals noch relativ jungen Material Linoleum verkleidet. „Mittlerweile ist dieses mürbe geworden und muss saniert werden”, so Rainer Bolli vom Uni-Baumanagement.

Sternwarte stiftet Identität für Göttingen

Beisiegel nannte das Engagement Lüttges und der Volksbank „etwas ganz besonders”, denn der Einsatz des Vereins und die Unterstützung des Sponsors sei „ganz, ganz, wertvoll”. Beisiegel kündigte an, dass im Sommer ein kleines Büchlein, ähnlich dem über die frisch sanierte Alte Mensa, herausgebracht werden soll. Die „übergeordnete” Hausherrin der Sternwarte lobte die Zusammenarbeite aller und sagte: „Ich freue mich darauf, wenn es fertig ist”. Und weiter: „Die Kuppel auf der Historischen Sternwarte ist ein gutes Beispiel dafür, welchen Identifikationswert Denkmäler der Universität für die ganze Stadt haben.”

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Der Kuppelsaal der Sternwarte soll saniert werden: Das Linoleum im Inneren ist vermutlich das älteste der Welt.

Lüttge freute sich über das Lob, verwies aber vor allem auf ihr Team. Die Gauß-Kuppel-Gemeinschaft hatte sich bereits im Jahr 2005 gegründet, um sich für die Sanierung und Öffnung der Sternwarte einzusetzen. „Ich hatte damals große Angst, dass wir die 200 000 Euro für die Renovierung der Kuppel nicht schaffen”, sagte sie. „Ohne die Unterstützung der Presse hätten wir das damals nicht geschafft”, so Lüttge. „Die Sternwarte lag damals ja in einem Dornröschenschlaf.” Kaum jemand konnte sie damals besichtigen, „das darf nie wieder passieren.” Um die Innenauskleidung der Kuppel zu sanieren, mussten Lüttge und ihre Verein 50 000 Euro aufbringen - und jemanden finden, der altes Linoleum restaurieren kann.

Beim Geld half, wie schon 2008, die Volksbank mit 11 000 Euro. Lüttge freute sich über „das schöne Geschenk zum Valentinstag”, Beisiegel über die „Unterstützung zur Exzellenzinitiative”. Mit der Sanierung des Linoleums beenden die Gemeinschaft nun einen Prozess, der vor mehr als zehn Jahren mit der Instandsetzung der Technik und der Restauration des Teleskops sowie der äußeren Kuppelverkleidung begann“, erklärte Lüttge.

Bludau fand heraus, dass es außerdem „Parallelen” zur Volksbank gibt. Kuppel und Bank wurden Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. Und: “Linoleum ist ebenfalls widerstandsfähig, beständig und schwer entflammbar.” Er nannte die Förderung solcher Projekte in der Region eine „Herzensangelegenheit”.

Tapeten-Spezialist Walter muss helfen

Bolli verwies darauf, dass die Innenverkleidung der Kuppel, die das Teleskop umgibt, vor allem als Schutz diente. “Es wurde bis heute nie verändert”, sagt er. Die Universität hatte bereits im vergangenen Ausschau nach einem Restaurator gehalten. Eigentlich, so Bolli, gebe es aber nur einen einzigen, der mit diesem Material arbeiten kann, der Tapeten-Spezialist Lutz Walter aus Wernigerode. Die Arbeiten sollen im Frühjahr beginnen, sie dauern etwa drei Monate und werden von der Landesdenkmalpflege begleitet.

Sternwarte: Bis 2005 Sitz der Astrophysik

Sternwarte an der Geismar Landstraße nach einer umfangreichen Sanierung wieder eröffnet - nach etwa zwei Jahren Bauzeit. Rund zwei Millionen Euro waren damals in die Sanierung des historischen Universitätsgebäudes und in die Modernisierung der kompletten Haustechnik – gut versteckt und den historischen Eindruck nicht störend – geflossen. 200 000 Euro für die Restaurierung der Beobachtungskuppel brachte der Verein Göttinger Gauß-Kuppel-Gemeinschaft auf.

Der Teleskopraum schlummerte bis dahin vor sich hin, der Zugang zum Himmel war seit 1961 versperrt. Damals hatte es durchgeregnet. Die 1,8 Millionen Euro der Sanierung trugen zu 50 Prozent der Bund und zu je einem Viertel das Land Niedersachsen und die Stiftungsuniversität Göttingen. Der Uni-Anteil war durch Sponsoren finanziert worden. Größter Förderer: Otto-Bock-Geschäftsführer Hans Georg Näder.

150. Todestag von Gauss

Bereits für das Jahr 2005 plante die Universität erste Sanierungsschritte.Damals war dort noch die Astrophysik untergebracht, die 2005, mit der Fertigstellung des Physik-Neubaus, in den Uni-Nordbereich umzog. Im Jahr 2005 wurde der 150. Todestag des großen Gelehrten Gauss gefeiert. Er war dort als erster Direktor tätig. Die Sternwarte sollte dann zumindest in Teilen für die Bürger zu besichtigen sein, so der Plan der Uni.

Seit 2008 sind statt verwinkelter, kleiner Büros wieder die vier großen, bis zu acht Meter hohen Räume im Mitteltrakt des 1816 fertiggestellten Gebäudes wieder so zu sehen - so wie sie ursprünglich geplant waren. In Rot, Grau und Zartgrün erstrahlen die Räume. Eine Farbgebung, wie es sie schon zu Gauß’ Zeiten gab.

Überraschungen bei der Sanierung

Und immer stießen die Handwerker während der Sanierung auf Überraschungen: So entdeckten sie beispielsweise in der um 1924 nachträglich eingerichteten Bibliothek Wandmalereien, die nun zum Teil wieder freigelegt sind. Eine nicht so schöne Überraschung wartete auf dem Dachboden: Die Balken waren stark von Würmern zerfressen.

Bei der Sanierung der Sternwarte dienten die alten Baupläne der Warte als Vorlage. Einige bauliche Änderungen – etwa die nachträgliche Verbreiterung der Meridianschlitze oder neu eingezogene Decken – konnten nicht mehr rückgängig gemacht werden. 1886 und etwa 1924 hatte es massive Eingriffe gegeben. Zu den vier zentralen Räumen, die als Seminarräume und Bibliothek dienen, sind im Ost- und Westflügel rund 40 Büros und Sitzungsräume entstanden. Die Graduiertenschulen der Uni und das Lichtenberg-Kolleg haben dort ihr Domizil.

Erster Telegraf weltweit

Erbaut wurde die Sternwarte an der Geismar Landstraße im klassizistischen Stil zwischen 1803 und 1816 – weitgehend erschütterungsfrei, als aufwendiges Observatorium. Allein durch die Entwicklung des ersten elektromagnetischen Telegrafen 1833 durch Gauß und Wilhelm Weber ist die Sternwarte auch international bekannt geworden. Sie ist eines der herausragenden Denkmäler der Stadt und der Wissenschaftsgeschichte.

Von Baumeister Borheck gebaut: die historische Sternwarte Göttingen mit Kuppel in der Geismar Landstraße. Quelle: Hinzmann

Baumeister Borheck

Die beiden Gelehrten funkten von der Sternwarte aus erstmals in der Geschichte mit einem Telegrafen – zur Johanniskirche. Der grüne Laser am Göttinger Nachthimmel zeugt heute von dieser bahnbrechenden Erfindung.

Baumeister des Gebäudes war Georg-Heinrich Borheck. Gauß lehrte, forschte und wohnte dort bis zu seinem Tod 1855. Etwa 1886 ist es an der Sternwarte zu ersten baulichen Veränderungen gekommen. Die heutige Kuppel stammt aus dieser Zeit.

Von Britta Bielefeld

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