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Thema des Tages Angela Merkel gratuliert Ottobock in Duderstadt
Thema Specials Thema des Tages Angela Merkel gratuliert Ottobock in Duderstadt
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23:29 18.02.2019
Bundeskanzlerin Angela Merkel gratuliert Ottobock zum 100-jährigen Firmenjubiläum in Duderstadt. Quelle: Peter Heller
Duderstadt

100 Jahre Ottobock. In Duderstadt wurde das Jubiläum des Medizintechnik-Unternehmens und Prothetik-Weltmarktführers mit einem hochkarätig besuchten Festakt im Duderstädter Rathaus gefeiert. Angeführt wurde die Liste der Ehrengäste von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie lobte das Unternehmen in ihrer 15-minütigen Ehrenrede als Paradebeispiel für den deutschen Mittelstand und der Familienunternehmen und setzte sich zudem kritisch mit der deutschen Wirtschaftspolitik auseinander.

Andacht in St. Servatius vor dem Festakt

Bevor der Festakt um 11.30 Uhr mit 350 geladenen Gästen im festlich geschmückten Duderstädter Rathaus begann, hatte für viele bereits ein Kirchenbesuch angestanden. Pastorin Christina Abel und Propst Bernd Galluschke hielten ab 9.30 Uhr eine etwa einstündige ökumenische Andacht zum Auftakt des Festtages. Die Kirche St. Servatius war dabei gut gefüllt.

Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Firmengruppe Ottobock: Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere prominente Gäste sind zum Festakt nach Duderstadt gekommen.

In der sonnendurchfluteten Duderstädter Innenstadt waren zu diesem Zeitpunkt noch relativ wenige Menschen unterwegs. Das änderte sich jedoch beinahe schlagartig. Als die Kanzlerin um 11.25 Uhr mit ihrer Staatskarosse vorfuhr, brandete beim Public Viewing mit knapp 1000 Besuchern vor dem Rathaus enormer Jubel auf. Im Saal hätten sich die geladenen Gäste wahrscheinlich auch ohne die Bitte von Organisationsdirektor Peter Franzel zur Begrüßung erhoben. Unter ihnen waren neben den Rednern zum Beispiel Bundespräsident a. D. Christian Wulff, Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, Musiker und Näder-Freund Peter Maffay, die Nobelpreisträger Stefan Hell und Erwin Neher, Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel, UMG-Vorstand Heyo Kroemer und Verleger Gerhard Steidl.

Applaus im Saal und beim Public Viewing

Die Rede der Kanzlerin widmet sich den aktuellen Herausforderungen in der Wirtschaft. „Wir brauchen Qualität und Geschwindigkeit“, betonte Merkel. Applaus brandete daraufhin auf – sowohl im Saal als auch beim Public Viewing vor dem Rathaus. In ihrer Rede lobte Merkel, dass sich die Idee, dass die Technologie dem Menschen dienen soll, wie ein roter Faden durch die Geschichte von Ottobock ziehe.

Doch die Kanzlerin fand auch mahnende Worte. Die Welt befinde sich in einer „Transformationsphase großen Ausmaßes“, umschrieb die Kanzlerin das Dauerthema Digitalisierung. Diese könne mit ihrem Umwälzpotenzial mit der Erfindung des Buchdrucks und der Industrialisierung gleichgesetzt werden. Und die Konkurrenz in der Welt schlafe nicht. Auch in den USA und Asien gebe es Unternehmen, die gut sein möchten. „In solchen Zeiten werden Vormachtstellungen neu verteilt und müssen wieder neu erkämpft werden“, unterstrich Merkel. Als mahnendes Beispiel erinnerte Merkel an den Niedergang der deutschen Kutschenhersteller. Bis auf Karman in Osnabrück habe kein deutscher Hersteller das Aufleben der Automobilindustrie überleben können. Zu viele hätten - wie auch Kaiser Wilhelm II. - gedacht, dass das Auto bald wieder verschwinden werde.

Streitthema Automobilindustrie

Auch aktuell sei das Thema Automobilindustrie wichtig. Dabei stellte sich die Kanzlerin auf die Seite von Hans Georg Näder, der in seiner Rede die deutschen Manager und Politiker kritisierte, Deutschlands Schlüssel-Industrie zu gefährden. „Wenn heute weite Teile der Bevölkerung sagen, auf den einzelnen Arbeitsplatz kommt es doch jetzt nicht an, dann ist das eine ganz gefährliche Einstellung, weil im Moment viele Dinge neu verteilt werden.“ Deshalb müsse man aktuell sehr genau aufpassen. „Wir streiten politisch darüber, inwieweit die Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit Vorrang hat oder doch die Entwicklung neuer Technologien und wie wir diese entwickeln.“

Künstliche Intelligenz und digitale Infrastruktur

Als weitere Themen sprach die Bundeskanzlerin die Umsetzung einer Strategie Künstliche Intelligenz an. Diese sei längst überfällig gewesen und der Kampf um die klügsten Köpfe habe längst begonnen. Dabei sei es allerdings wichtig, erst einmal die Basics zu erarbeiten, also die digitale Infrastruktur. Die Kanzlerin wiederholte dabei ihre Meinung zum Thema 5G als neuen Mobilfunkstandard. „2020 haben wir eine 4G-Netabdeckung von 99 Prozent. Wir werden in der Kommission gleichwertige Lebensverhältnisse noch darüber sprechen, wie wir auf 100 Prozent kommen. Parallel beginnt der 5G-Ausbau. Mittel und langfristig brauchen wir natürlich überall 5G. Aber momentan brauchen wir erst einmal überall 4G.“

„Inklusion ist unser aller Grundsatz“

Vor den rund 350 geladenen Ehrengästen warb die Kanzlerin auch für ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen, unabhängig von deren Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen. Dabei griff sie die Anmerkungen von Heinrich Popow auf, die der Paralympionike und Ottobock-Mitarbeiter in einem kurzen aber emotionalen Beitrag aufgeführt hatte. „Die Inklusion, dass wir alle ein Teil der Gesellschaft sind und für jeden das herausholen möchten, das seine Lebensqualität verbessert, das ist unser aller Grundansatz“, betonte Merkel und erntete reichlich Applaus, der nur noch von dem zum Abschluss ihrer Rede überboten wurde.

Emotionales Dankeschön von Heinrich Popow

Er sprach nur kurz, dafür wirkten seine Worte lange nach. Mit emotionalen Worten bedankte sich Heinrich Popow bei Hans Georg Näder für dessen Paralympisches Engagement. Der mehrfache Paralympics-Medaillengewinner und Weltmeister berichtete von der Unterstützung, die er durch den Unternehmer und das Unternehmen erfahren habe.„Dankeschön, dass wir die Menschen sein dürfen, die wir sein wollen, danke für die DNA des Unternehmens,“ sagte Popow. Der Sprinter und Weitspringer hat seine aktive Sportlerkarriere im Sommer 2018 beendete. Er engagiert sich aber weiterhin für den Paralympischen Sport, zum Beispiel bei den Ottobock Running Clinics.

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Ottobock-Inhaber Hans Georg Näder hat die Heine-Hessing-Medaille in Gold für seine Verdienste rund um die Orthopädie-Technik erhalten.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat die Firmengruppe Ottobock beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen als Musterbeispiel für den „German Mittelstand“ bezeichnet.

„Vom Start-up zum Weltmarktführer. 100 Jahre Ottobock“ lautet der Titel der Ausstellung über die Familien- und Firmengeschichte, die in der Kunsthalle HGN in Duderstadt eröffnet wurde.

Stimmen zum Festakt und den Redebeiträgen – das sagen die Festgäste.

Von Mark Bambey

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