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Barrierefreiheit in Göttingen

Schwachstellen und gute Beispiele in der Stadt Barrierefreiheit in Göttingen

In vielen  Restaurants liegen die Toiletten im Keller oder im ersten Stock, viele Arzt-Praxen sind ebenfalls oft nur über Stufen zu erreichen. Für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ist das ein schwer zu nehmendes Hindernis. In Göttingen hat sich vieles bereits verbessert.

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Quelle: Hartwig

Göttingen. Das findet jedenfalls Frank Lackner. Er ist schwerbehinderter Rollstuhlfahrer. Seit seiner Geburt ist er auch in Sachen Mobilität auf Hilfsmittel angewiesen. Mit seiner Bürgerinitiative Interrolli setzt er sich für die Rechte von Behinderten ein. Während eines kleinen Rundgangs durch die Stadt zeigt Lackner, wo es unter anderem Verbesserungsbedarf gibt.

Er arbeitet im Neuen Rathaus im Fachdienst Stadtkasse. Deshalb kennt er sich in dem Gebäude besonders gut aus. "Das Neue Rathaus ist für Behinderte schon sehr gut ausgestattet", sagt er. Dennoch hat er Verbesserungsbedarf ausgemacht, vor allen an den Zugängen von der Reinhäuser Landstraße aus.

Am Haupteingang hat er nichts auszusetzen aber dort: "Die Türen sind so schwer, die bekomme ich kaum auf", sagt er. Fällt die erste zu, sieht es aus, als säße er in einem Käfig. Sind die Herausforderungen der schweren Türen gemeistert, muss er noch eine Kante im Boden der Tiefgarage umschiffen und es geht barrierefrei im Lift nach oben.

Dort zeigt Lackner eine Toilette. "Die ist vorbildlich eingerichtet", sagt er. Im Inneren befinden sich neben einer Behindertentoilette auch ein Telefon und eine Liege. Die ist wichtig für Schwerbehinderte, die nicht auf der Toilette sitzen können und beispielsweise Inkontinenzeinlagen wechseln müssen.  "In der Bahn beispielsweise sind die Liegen oft zu hoch angebracht", sagt Lackner.

Öffentliche Verkehrsmittel nutzt er häufig. Pünktlich um 11.09 Uhr kommt der Göttinger zum Treffen, die Tür des Stadtbusses am Geismar Tor öffnet sich. Lackner wartet kurz. Dann ist Busfahrerin Bianka Heinemann auch schon da und klappt mit einem langen Haken eine Rampe auf den Gehweg.

Mit reichlich flotter Geschwindigkeit manövriert sich Lackner in seinem Elektrorolli durch die Straßen seiner Heimatstadt. Die größten Problemstellen in der Innenstadt sind für ihn die Kurze Geismarstraße zwischen Mauer- und Jüdenstraße und der noch nicht sanierte Teil der Jüdenstraße.

Frank Lackner macht auf Schwachstellen und gute Beispiele aufmerksam

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Hohe Bordsteine und abschüssige, holprige Gehwege machen es Rollstuhlfahrern dort besonders schwer. "Mit meinem Faltrollstuhl habe ich hier Schwierigkeiten, nicht auf die Fahrbahn zu geraten", sagt Lackner, der heute mit seinem anderen Rolli unterwegs ist. "Eine widerliche Kurve", findet er.

Die Bereiche der Innenstadt, die bereits umgebaut und saniert sind, seien aber ideal für Behinderte. Lackner hat sein ganzen Leben in Göttingen verbracht, kennt die Straßen deshalb auch noch aus den Zeiten, wo viele so aussahen, wie heute noch die Jüdenstraße.

"Es hat sich vieles verbessert", sagt er. Dennoch: "Ein geeignetes Restaurant für eine Weihnachtsfeier zu finden, ist auch heute nicht ganz leicht." Auch manche Geschäfte seien noch immer schwer zugänglich, viele, die keinen ebenerdigen Eingang haben, stellen aber bereits Rampen für Rollifahrer zur Verfügung.

Ein Beispiel für eine gute Umsetzung findet er auch in dem Lift  zur Halle des Alten Rathauses. "Ich komme gerne hier herauf auf den Balkon und genieße die Aussicht auf die Stadt", sagt er.

Niedersachsen ist Schlusslicht: Nur jede siebte Arztpraxis rollstuhlgerecht

Göttingen /Hannover. Nur jede siebte Arztpraxis in Niedersachsen ist nach einer Erhebung des Verbandes der Ersatzkassen (Vdek) rollstuhlgerecht. Dafür müssten die Räume entweder stufenlos erreichbar sein oder eine nicht zu steile Rampe haben, hieß es. Zudem müssten Türen und Gänge breit genug sein.

In Niedersachsen sei das bei weniger als 2000 der  rund 13500 Praxen von Ärzten, Zahnärzten oder Psychotherapeuten der Fall, kritisierte der Verband. Im Bundesschnitt ist fast jede vierte Praxis rollstuhlgerecht, in Mecklenburg-Vorpommern jede zweite, in Berlin, Bremen, Hessen, Saarland und Schleswig-Holstein etwa jede dritte. 

Niedersachsen bildet damit das Schlusslicht unter den westdeutschen Ländern. Noch schlechter sieht die Bilanz aus, wenn es um echte Barrierefreiheit geht. Diese müssen zudem eine behindertengerechte Toilette, Behindertenparkplätze und Orientierungshilfen für Sehbehinderte aufweisen.

Solche Parkplätze gebe es in Niedersachsen aber nur vor 621 Praxen, barrierefreie Toiletten sogar nur in 357 Praxen. Lediglich 171 Praxen böten Orientierungshilfen für Sehbehinderte an. Unter www.vdek-arztlotse.de können Interessierte bundesweit  nach Ärzten, Zahnärzten sowie psychologischen Psychotherapeuten mit kassenärztlicher Zulassung suchen und sich über die Barrierefreiheit der Praxen informieren.

 

 

Städtische Gebäude und Kreishäuser in Göttingen sind (noch) nicht vollständig barrierefrei

Von Alisa Altrock

In der Stadt Göttingen gibt es keine  städtischen Neubauten, die den gesetzlichen Anforderungen zur Barrierefreiheit nicht entsprechen: Das sagt der Sprecher der Stadtverwaltung, Detlef Johannson.  Dennoch gebe es „einen Nachholbedarf im Bestand“, der nach und nach abgebaut werden müsse.

„Dieser Aufgabe stellen wir uns im Rahmen des Prozesses ‚Inklusion bewegen‘ ausdrücklich“, so Johannson. Das Neue Rathaus, das Amtshaus, das Alte Rathaus und die Stadtbibliothek sind ihm zufolge Beispiele für Gebäude, die einen oder mehrere Aufzüge haben und somit im Wesentlichen barrierefrei sind.

Zum Teil barrierefrei seien beispielsweise die Stadthalle und die Hainbundschule. „Damit sind alle diese Gebäude nicht unbedingt gänzlich barrierefrei“, erläuterte er und gab ein Beispiel: „Man kommt barrierefrei ins Neue Rathaus, aber (noch) nicht barrierefrei in den Ratssaal.“ Das Kreishaus Göttingen sei für Gehbehinderte vollständig zugänglich, teilte Verwaltungssprecher Ulrich Lottmann vom Landkreis Göttingen mit.

Jede Etage sei mit einem Aufzug zu erreichen, und Behinderten-WCs seien auch vorhanden. „Hinsichtlich von Sehbehinderungen besteht noch ein Optimierungsbedarf“, so Lottmann. Türschilder in Blindenschrift oder Leitsysteme für Sehbehinderte seien zum Beispiel vorgesehen.

Auch das Kreishaus Osterode sei für Sehbehinderte nicht barrierefrei. Dennoch ist es Lottmanns Angaben folgend für Gehbehinderte weitgehend zugänglich. „Davon ausgenommen sind das Dachgeschoss und ein kleiner Bereich im Bauteil C. Zudem sind etliche Brandschutztüren nicht mit einer Automatikfunktion ausgestattet“, so Lottmann.

 

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