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Thema des Tages Barteroder Bihunsuppe endgültig am Ende
Thema Specials Thema des Tages Barteroder Bihunsuppe endgültig am Ende
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00:21 17.08.2018
Die Produktion der Barteröder Suppen ist inzwischen eingestellt worden. Quelle: Christina Hinzmann
Barterode

Noch im Juni hatte sich Köke hinsichtlich der Suche nach möglichen Käufern optimistisch geäußert: „Das Interesse ist da, und ich habe bereits erste Gespräche geführt“, bestätigte er dem Tageblatt. „Die Investorensuche ist zwischenzeitlich gescheitert, nachdem der zuletzt einzig verbliebende ernsthafte Interessent Ende Juli eine Absage erteilt hat“, musste Köke jetzt einräumen.

Keine Investoren – und keine Hoffnung mehr

Der Insolvenzverwalter sieht gleich mehrere Gründe für die gescheiterte Sanierung des Unternehmens, das als Barteroder Feinkost GmbH im Jahr 2015 schon einmal in Schwierigkeiten geraten war. Die Anfang 2016 neu gegründete Athalevo Foods GmbH hatte den Betrieb aus der damaligen Insolvenz heraus übernommen – in der Hoffnung auf eine langfristige Perspektive für den Produktionsstandort in Barterode. Doch diese Hoffnung hat sich nicht bestätigt, nachdem Athalevo Ende Mai 2018 selbst einen Insolvenzantrag stellen musste. Köke betont, dass Athalevo selbst nahezu über keine eigenen Vermögenswerte verfüge. „So liegen die Markenrechte der Schuldnerin bei Dritten. Sämtliche Maschinen sind mit Aus- und Absonderungsrechten belastet. Ebenfalls steht die Betriebsimmobilie im Eigentum Dritter“, zählt der Insolvenzverwalter auf. Deshalb sei es „leider nicht gelungen, die Preisvorstellungen der unterschiedlichen Parteien mit den Vorstellungen des Erwerbsinteressenten in Einklang zu bringen.“

Fehlendes Zertifikat führt zum endgültigen Aus

Einen weiteren entscheidenden Grund für das Aus sieht Köke darin, dass das sogenannte IFS-Zertifikat (Abkürzung für „International Featured Standards“) für den Produktionsstandort in Barterode im Juli 2018 ausgelaufen war. Dieses Zertifikat sei im lebensmittelrechtlichen Bereich Voraussetzung, um Produkte in den großen Einzelhandelsketten platzieren zu können. Zertifiziert werden jeweils für ein Jahr. In jährlichen sogenannten Audits wird regelmäßig überprüft, ob ein neues Zertifikat für ein weiteres Jahr ausgestellt werden kann. Und genau dies wurde Athalevo bei der jüngsten Überprüfung verwehrt. Laut Köke lag das daran, dass die schon im Audit 2017 monierten Probleme nicht hätten behoben werden können. „Der Zeitraum seit der Antragstellung Ende Mai war zu kurz, um die geforderten Änderungen noch durchführen zu können. Die Behebung der Problemfelder würde etwa weitere drei bis fünf Monate erfordern, um die Anforderungen vollständig zu erfüllen“, rechnet der Insolvenzverwalter vor.

Keine finanziellen Mittel zur Überbrückung

Zwar sei es gelungen, die defizitäre Situation der Athalevo Foods GmbH seit der Insolvenzantragstellung durch verschiedene Maßnahmen zu verbessern. Dennoch bedeute der Verlust des IFS-Zertifikates das Ende des Geschäftsbetriebes. „Durch den Verlust des Zertifikates können die wesentlichen Kunden der Schuldnerin keine Waren mehr beziehen“, erklärt Köke. Finanzielle Mittel zur Überbrückung seien nicht vorhanden. „Ich war daher zwischenzeitlich gezwungen, den Produktionsbetrieb einzustellen“, beschreibt er die harte Konsequenz. Zudem sei der „Belegschaft insgesamt die Kündigung ausgesprochen“ worden. Von den 45 betroffenen Mitarbeitern seien 33 bereits freigestellt. „Mit einer kleinen Mannschaft wird derzeit der vorhandene Warenbestand abverkauft“, beschreibt der Insolvenzverwalter die aktuelle Situation. Zwei regionale Anbieter der Barteröder Suppen (bekannteste Marke: „Indonesia“-Bihunsuppe) berichteten noch vor wenigen Tagen, dass sie von den Schwierigkeiten bei Athalevo nur wenig mitbekommen würden. Die Lieferung bestellter Waren funktioniere demnach noch.

Wiederaufnahme der Produktion ausgeschlossen

Dennoch: Eine Fortführung des Geschäftsbetriebes und eine Wiederaufnahme der Produktion erscheint unter den gegebenen Umständen ausgeschlossen. „So ist es leider“, bestätigt Köke diese Vermutung. Mittlerweile sind auch die Internetseite der Athalevo Foods GmbH, die Facebookseite „Barteroder Suppen“ sowie der Onlineshop „Barteroder Suppenversand“ abgeschaltet worden. Wer den Shop unter der Adresse rakuten.de/shops/barteroderfactory aufrufen will, bekommt folgende Nachricht angezeigt: „Sind bald zurück! Unser Shop ist leider vorübergehend nicht erreichbar. Bitte schauen Sie doch später noch einmal vorbei!“ Anders verhält es sich auf der Seite indonesia.de, wo Interessierte noch am Dienstag viele Informationen über die Geschichte des Unternehmens, die Produktpalette und auch die früheren Bihunsuppen-Feste nachlesen konnten. Sogar die „Hymne des Bihunfestes“ ließ sich noch als Audiodatei abspielen.

Erinnerungen an Bihunfeste und Elchsuppe

Von Markus Riese

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