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Thema des Tages „Weiße Flecken“ sollen schnell geschlossen werden
Thema Specials Thema des Tages „Weiße Flecken“ sollen schnell geschlossen werden
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18:36 24.07.2018
Quelle: dpa-Zentralbild
Landkreis

Durch die vom Bund überarbeitete Förderrichtlinie für den Ausbau des schnellen Internets erwartet Althusmann „weniger Bürokratie, unkompliziertere Verfahren und eine Ausrichtung auf das Gigabitziel“, heißt es in einer Mitteilung des Ministers. Die Kommunen in Niedersachsen blieben „zentrale Akteure im Giganetzausbau“. Außerdem würden die Antrags- und Umsetzungsverfahren deutlich einfacher und unbürokratischer werden, „zum Beispiel durch Wegfall des Scorings“, ergänzt der Eichsfelder Landtagsabgeordnete Thomas Ehbrecht (CDU). Das Land werde „mit einer ergänzenden Landesförderung massiv in den Gigabitausbau“ investieren, so Althusmann weiter, um „die ,weißen Flecken’ schnell zu schließen, Gewerbegebiete gigafähig zu machen, sowie Schulen und Krankenhäuser in den nächsten drei Jahren mit einer guten digitalen Infrastruktur zu versorgen“. In diesem Jahr würden vom Land bereits 100 Millionen Euro bereitgestellt. Damit es mit dem Breitbandausbau zügig voran gehe, werde „jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt bereits in diesem Jahr mit mindestens zwei Millionen Euro unterstützt“, heißt es in der Mitteilung von Althusmann. Derzeit werde die dafür notwendige Förderrichtlinie erarbeitet.

Skepsis, weil Firmen kaum Kapazitäten haben

Unternehmer Hans-Werner Rink, ist skeptisch, ob die von Althusmann genannten Ziele tatsächlich so schnell umgesetzt werden können. Rink, dessen Vermessungsbüro seinen Sitz in Seulingen und Göttingen hat, glaubt, dass die Fördermittel zunächst einmal nicht abgerufen werden und begründet dies damit, dass es zurzeit keine Firmen gebe, die Kapazitäten für den notwendigen Leitungsausbau frei haben.

Mit dem Ausbau des Glasfasernetzes durch die Telekom stehe in der Samtgemeinde Radolfshausen in jedem Ort eine Bandbreite von rund 50 Mbit zur Verfügung, sagt Samtgemeindebürgermeister Arne Behre (SPD). „Für den Privatgebrauch ist das gut,“ ergänzt er, für manche Firmen genüge das aber eben nicht. Auch Martin Bereszynski (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Seeburg mit der Ortschaft Bernshausen, nennt die gegenwärtige Situation für Unternehmen „nicht befriedigend“.

Gleichwertige Lebensverhältnisse von Stadt und Land

Der Seulinger Sägewerksbetrieb Kurth-Holz bewertet das ähnlich. „Erst seit kurzem haben wir eine ausreichend schnelle Internetanbindung,“ sagt Inhaber Thomas Kurth, „aber zukunftsgerichtet wäre direkt ein Glasfaseranschluss gewesen“. Der Unternehmer weist darauf hin, dass der Anschluss an das digitale Netz für die hochtechnologisierte Säge- und Holzindustrie ein wichtiger Wettbewerbsfaktor sei. Außerdem sei der Ausbau der digitalen Versorgung ein „entscheidender Baustein für gleichwertige Lebensverhältnisse von Stadt und Land“, so Kurth weiter. „Nur wenn die Sägeindustrie neben spannenden Jobs auch ein attraktives Umfeld bietet, können wir unsere Fachkräfte auf Dauer halten. Dazu gehört auch die digitale Anbindung“, betont er. Das dürfte auch für andere Branchen gelten.

Dennoch – Behre und Bereszynski erinnern sich noch an die Zeiten vor dem Ausbau. Seulingen sei gar nicht angebunden gewesen. „Die hatten eine grottige Funkanbindung“, bringen es beide auf den Punkt. Jetzt sei eine „deutliche Verbesserung“ für die privaten Haushalte eingetreten. Wer die 50 Mbit allerdings nutzen möchte, müsse sich melden und gegebenenfalls einen neuen Tarif wählen.

Öffentlichkeitswirksam wird nach und nach von Versorger und kommunalen Vertretern das Breitbandangebots von bis zu 100 MBit/s freigegeben. Quelle: Niklas Richter

Mit seinem Vermessungsbüro benötige er große Kapazitäten, um Datenmengen zu transferieren. „Wir arbeiten mit Terrabites, die verschoben werden müssen“, erläutert Rink. 50 Mbit, wie sie seit vergangenem Jahr in Seulingen zur Verfügung stehen, genügten zwar einem Privathaushalt, reichten dem Vermessungsbüro aber nicht aus. Inzwischen hat sich das Büro in Göttingen eingerichtet, wo derzeit deutlich mehr Bandbreite möglich sei. In Seulingen stehe einen Server des Büros für die externe Datensicherung, erklärt Rink. „Wir wollten dafür von der Telekom eine stärkere Leitung haben“ so Rink, der für seinen Gewerbebetrieb Glasfaserkabel bis zum Betrieb haben möchte.

Unverständnis über Preispolitik

Unverständnis äußert Rink in diesem Zusammenhang gegenüber der Preispolitik der Telekommunikationsunternehmen. Vor dem Ausbau des Breitbandangebotes in Seulingen auf 50 Mbit hätte Rink monatliche Kosten in Höhe von etwa 1000 Euro für 20 Mbit bezahlen müssen. Am jetzigen Standort in Göttingen hätte man ihm Glasfaser gelegt und eine Leistung von 300 Mbit zugesagt. Doch dafür sollte er allerdings fast 720 Euro monatlich bezahlen, ärgert sich Rink. Ein normaler Privathaushalt bekomme einen 1-Gigabit-Anschluss für 150 Euro, sagt der Unternehmer, als Gewerbebetrieb solle er aber für weniger Leistung ein Vielfaches mehr bezahlen.

Als „sehr unterschiedlich“ beschreibt der Gieboldehäuser Samtgemeindebürgermeister Steffen Ahrenhold (CDU) die derzeitige Versorgungssituation mit schnellem Internet. Ein paar Orte seien mit 50 bis 100 Mbit „gut aufgestellt“, aber es gebe nach wie vor „weiße Flecken“ – etwa in Rüdershausen, Krebeck und Bodensee, auch Rhumspringe und Lütgenhausen nennt Ahrenhold. Im April berichtete das Tageblatt über einige Anwohner aus Bodensee, die sich darüber ärgerten, dass drei Straßen im Neubaugebiet erschlossen werden, „aber nicht für schnelles Internet gesorgt wird“. Eine Bürgerin sagte seinerzeit, sie könne gerade einmal eine Bandbreite von 384 Kilobit pro Sekunde nutzen. Eine andere hatte mitgeteilt, dass ihr Mann für seine Online-Schulungen morgens in ein Fastfood-Restaurant fahre, um dort das WLAN zu nutzen.

Zuschlag an die Deutsche Telekom

Ebenfalls im April 2018 erteilte der Landkreis Göttingen der Deutschen Telekom AG den Zuschlag zum geförderten Breitbandausbau. Danach sollen unterversorgte Gebiete im sogenannten Wirtschaftlichkeitsmodell ausgebaut werden, erklärt Ulrich Lottmann, Sprecher der Kreisverwaltung. Danach werde der Ausbau der „weißen Flecken“ mit mindestens 50 Mbit gefördert. Mit „weißen Flecken“ seien Bereiche mit einer Downloadbreite von weniger als 30 Mbit gemeint. Übrigens hat auch der Landkreis Northeim zwischenzeitlich einen Vertrag mit der Telekom geschlossen, um bis Sommer 2019 rund 16 000 Haushalten, die derzeit mit weniger als 30 Mbit versorgt werden, schnelles Internet zu bieten.

Die Grafik der Deutschen Telekom zeigt, wie der Nahbereichsausbau funktioniert. Quelle: Deutsche Telekom

Inzwischen habe das Unternehmen die Feinplanung für den gesamten Landkreis Göttingen vorgelegt, so Lottmann, woraufhin „unverzüglich“ der Antrag auf vorzeitige Baufreigabe eingereicht worden sei und die Wirtschaftsförderung Region Göttingen GmbH (WRG) zusammen mit Telekom und anderen Beteiligten über das Projekt, die Planung und die Projektierung der Trassenverläufe informierte. Die Telekom habe „die Realisierung innerhalb von zwölf Monaten nach Vorlage des endgültigen Förderbescheides zugesichert“, so Lottmann weiter.

Mittel so effizient und effektiv wie möglich nutzen

Die von Althusmann angekündigten geänderten Richtlinien zur Förderung des Breitbandausbaus bedeute, dass weitere Förderanträge gestellt werden könnten, erklärt Lottmann. Die zusätzlichen Mittel in Höhe von zwei Millionen Euro, die der Aussage des Ministers entsprechend auch der Landkreis Göttingen erhalte, sollen „so effizient und effektiv wie möglich“ genutzt werden. Die Kommunen selbst hätten nur mittelbar Einfluss auf die Reihenfolge des Ausbaus. Sie sind dem Kreissprecher zufolge über Genehmigungen für Standorte und Trassenverläufe involviert.

Gieboldehausens Samtgemeindebürgermeister Ahrenhold hofft auf eine zeitnahe Umsetzung des Ausbaus sowie die Vergabe des Ausbaus auf 50 bis 100 Mbit – „auch wenn wir noch nicht über Gigabit reden“, ergänzt er. Ahrenhold warnt indes vor falschen Erwartungen der Bürger, denn das Verfahren dauere „fürchterlich lange“, die Arbeiten müssten europaweit ausgeschrieben werden, und schließlich stünden die Baufirmen auch nicht sofort zur Verfügung, weil sie ausgelastet seien.

100 Mbit für Duderstadt „nicht der letzte Schluss“

In puncto Breitbandversorgung ist die Stadt Duderstadt mit ihren Ortschaften bereits seit Herbst 2016 auf bis zu 100 Mbit ausgebaut. Dazu zählen nach Angaben von Michael Jendrysik, Leider der Bauverwaltung in Duderstadt, auch die Ortsteile Brochthausen und Hilkerode im Vorwahlbereich 05529. Derzeit nehme die Telekom Verbesserungen im Nahbereich der Verteilerkästen vor, wo bislang nur bis zu 16 Mbit möglich waren.

„Weiße Flecken“ gebe es im Bereich der Gewerbegebiete, so Jendrysik weiter. Bei der Erschließung des Gewerbegebietes Breiter Anger in Duderstadt seien allerdings bereits Leerrohre einbebaut worden, die künftig Glasfaserkabel aufnehmen sollen. Die Breitbandversorgung am Breiten Anger sei Teil der Ausbauplanungen des Landkreises, teilt der Leiter der Bauverwaltung weiter mit. Und schließlich blickt Jendrysik auch in die Zukunft – 100 Mbit sollten „nicht der letzte Schluss sein“. Super Vectoring mit bis zu 250 Mbit sei für die Stadt immer auch ein Thema.

Die Grafik der Deutschen Telekom zeigt, wie der Nahbereichsausbau funktioniert. Quelle: Deutsche Telekom

Download unter 30 Mbit pro Sekunde

Die Liste jener Bereiche, die im Landkreis Göttingen weniger als 30 Mbit pro Sekunde Downloadbreite haben, ist noch relativ lang. Das soll sich jetzt ändern. Die Verträge sind geschlossen und Fördermittel beantragt.

Der Landkreis Göttingen, der mit der Telekom den Breitbandausbau mit Glasfaser bis zu den sogenannten Multifunktionsgehäusen vertraglich vereinbart hat, nennt auf Tageblatt-Nachfrage folgende Bereiche, die als „weiße Flecken“ gelten. Es sind dies mit Stand Dezember 2017:

- im Bereich Stadt Hann. Münden: Bursfelde, Glashütte, Hemeln, Mielenhausen, Oberode und Teile von Hedemünden,

- im Bereich Flecken Adelebsen: Bramburg, Teile von Adelebsen,

- im Bereich Gemeinde Gleichen: Benniehausen, Wöllmarshausen, Teile von Rittmarshausen, Kerstlingerode,

- im Bereich der Gemeinde Friedland: Elkershausen, Klein Schneen, Stockhausen, Niedernjesa, Reckershausen, Niedergandern, Lichtenhagen,

- im Bereich der Samtgemeinde Dransfeld: Ossenfeld, Bühren, Dankelshausen, Jühnde, Meensen, Barlissen, Teile von Scheden, Teile von Imbsen,

- im Bereich des Flecken Bovenden: Teile von Lenglern, Billingshausen,

- im Bereich der Samtgemeinde Gieboldehausen: Bilshausen, Bodensee, Krebeck, Teile von Gieboldehausen, Wollershausen, Lütgenhausen, Rüdershausen, Teile von Rhumspringe,

- im Bereich der Gemeinde Rosdorf: Atzenhausen, Volkerode, Dramfeld, Sieboldshausen, Klein Wiershausen, Olenhusen, Tiefenbrunn, Teile von Obernjesa,

- im Bereich der Samtgemeinde Radolfshausen: Teile von Ebergötzen, Teile von Seeburg, Seulingen, Mackenrode,

- im Bereich der Gemeinde Staufenberg: Benterode, Teile von Escherode, Teile von Landwehrhagen,

- im Bereich der Samtgemeinde Bad Grund: Willensen, Teichhütte, Badenhausen, Teile von Eisdorf, Teile von Bad Grund,

- im Bereich der Stadt Bad Sachsa: Nüxei, Teile von Neuhof,

- im Bereich der Samtgemeinde Hattorf: Teile von Wulften, Teile von Hattorf,

- im Bereich der Stadt Herzberg: Auekrug,

- im Bereich der Stadt Osterode: Nienstedt, Teile von Förste, Teile von Katzenstein, Teile von Lasfelde,

- im Bereich der Gemeinde Walkenried: Teile von Walkenried, Teile von Zorge.

Von Britta Eichner-Ramm

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