Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Thema des Tages Das Schlachtross
Thema Specials Thema des Tages Das Schlachtross
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:49 15.09.2017
Eines der bekanntesten Gesichter der Grünen: Jürgen Trittin an einem seiner Lieblingsplätze im Wahlkreis. Quelle: Foto: Heller
Anzeige
Göttingern

Vor ziemlich genau vier Jahren saß Jürgen Trittin an einem Dienstagnachmittag in seinem Göttinger Wahlkreisbüro und erklärte Parteikollegen und einigen Wählern, welche Konsequenzen er und die Grünen aus der Niederlage bei der Bundestagswahl 2013 zu ziehen gedächten. Die Grünen stünden jetzt vor einer Neuaufstellung für den Wahlkampf in vier Jahren, „und ich hatte nie vor, diesen wieder anzuführen.“

Jetzt ist er wieder da. Trittin sitzt zwischen zwei Wahlkampfterminen auf der Terrasse eines Lokals am Göttinger Kiessee und spricht ein wenig über sich und viel über seine Pläne zur Bundestagswahl 2017. Den Ort hat er ausgewählt. Er liegt an seiner Laufstrecke. Hier läuft er sechs Kilometer, wenn er in Göttingen ist. Das ist machbar, sagt der 63-Jährige. Alles eine Frage der Geschwindigkeit. Die Sonne scheint, der Kaffee schmeckt, die Stimmung ist erstaunlich entspannt, dafür, dass Trittin sich mitten im Wahlkampf befindet.

Vor einigen Tagen hatte er gerade mal wieder Teile seiner Partei erschreckt, weil er fernsehöffentlich über die Machtoptionen verschiedener Koalitionen nachdachte. Es folgte eine deutliche Ansage von Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt, Herr Trittin werde in möglichen Koalitionsverhandlungen keine Rolle spielen. Wie reagiert man darauf? – „Gar nicht“, sagt Trittin, lacht und reagiert dann doch: „Ob und mit wem wir sondieren, wird am 24. September entschieden. Und dann schaut man, für welche Fälle man welche Leute braucht.“

Trittin hat sich in der Vergangenheit wiederholt als Freund der reinen Farbenlehre geoutet. Eine Jamaika-Koalition wie in Schleswig-Holstein ist für ihn auf Bundesebene schwer vorstellbar. So gab es beispielsweise bei der Göttinger IHK-Podiumsdiskussion zwar ein Sympathiebekenntnis für Konstantin Kuhle. Eine Zusammenarbeit mit dessen FDP könne Trittin allerdings nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Auch mit der CDU gibt es wenig Schnittmenge für den Mann, der sich während des Studiums beim Kommunistischen Bund engagierte, bevor er 1980 zu den Grünen wechselte.

Und so sagt er: „Wir haben hier in Göttingen einen fairen Wahlkampf.“ Die Direktkandidaten würden respektvoll miteinander umgehen. „Aber bei aller Fairness, ich bekomme den Herrn Güntzler nicht ohne Herrn Seehofer oder Herrn Dobrindt.“ Es sind diese spitzen Bemerkungen, die Jürgen Trittin seit Jahrzehnten zu einem beliebten Gesprächspartner in Interviews und Talkrunden machen. Auch wenn er nach der letzten Bundestagswahl sämtliche Spitzenämter niedergelegt hat, gilt er in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer als das Gesicht der Grünen.

Das prägt seinen Wahlkampf. Die Wähler kennen ihn aus dem eigenen Wohnzimmer, er flimmert über die Mattscheibe. In die TV-Streitgespräche gehe man hinein, platziere seine zentralen Botschaften, sei Teil einer Inszenierung. Doch das alleine reiche nicht aus, um Wähler von den eigenen Ideen zu überzeugen, sagt Trittin. Für ihn sei das direkte Gespräch auf der Straße wertvoller. Da sei er hinterfragbarer und authentischer. Auch bei großen Auftritten? Wird es beim Wahlkampf-Höhepunkt der Grünen vor dem Alten Rathaus eine ähnliche Show geben wie bei der SPD vor einigen Tagen?

Gehört eben auch dazu, sagt Trittin. Dann verrät ein Schmunzeln, was er über Politiker beim Bad in der Menge zu lauter Rockmusik denkt. „Ich bin zu sehr Fan der Red Hot Chili Peppers, um zu sagen, dass das gut zu Martin Schulz gepasst hat. Da wäre ,Glück auf, der Steiger kommt’ angemessener gewesen.“ Gelächter. Trittin macht offenbar auch vor möglichen Koalitionspartnern nicht halt, wenn es um eine gute Pointe geht.

Zur Galerie
Jürgen Trittin besucht die internationalen Gärten

Wie geht er selbst damit um, wenn despektierlich über ihn gesprochen oder geschrieben wird? Beispielsweise finden sich in den Medien in jüngster Zeit immer mal wieder Begriffe wie „Schlachtross“ vor seinem Namen. „Ich bin 63 Jahre alt. Ich war Landesminister. Christian Wulff hat dreimal erfolglos versucht, mich abwählen zu lassen, weil ich als Minister gesagt habe, wir seien ein Einwanderungsland. Ich habe gegen heftige Widerstände in Deutschland den Atomausstieg umgesetzt, habe das Entsorgungsgesetz mitgemacht. Ich habe den Partikelfilter gegen den Widerstand der Autoindustrie durchgesetzt. Ich habe durchgesetzt, dass wir unseren Müll nicht mehr unbehandelt auf die Deponie werfen. Dabei musste ich im übertragenen Sinne Schlachten mit Worten und Abstimmungen schlagen. Dann hat man sich eine solche Bezeichnung schon verdient.“

l.

Jürgen Trittin – Vita

Geboren in Bremen ist der Diplom-Sozialwirt seit Jahrzehnten für Niedersachsen aktiv. Ob als niedersächsischer Europaminister oder als Bundesumweltminister war seine politische Leitlinie immer klar: Ökologie ist globale Gerechtigkeit. Wenn wir die Erde für unsere Kinder lebenswerter machen wollen, müssen wir die Ungleichheit bekämpfen und den Raubbau an unserer Natur beenden. Es gibt keinen Planet B. Darum Grün!

Jürgen Trittin – Kontakt

www.trittin.de

https://www.facebook.com/juergen.trittin

https://twitter.com/jtrittin

juergen.trittin@bundestag.de

Büro Berlin: (030) 227-72247

Büro Göttingen: (0551) 5 31 60 90

Politische Essentials in Twitterlänge

  • Energiepolitik: Klimaschutzziele 2020 erreichen. 20 dreckigste Kohlekraftwerke vom Netz, Deckel für Erneuerbare weg, Sonnensteuer streichen #Energiewende
  • Europa: Schluss mit Kaputtsparen! Investitionen in Klimaschutz, Erneuerbare und Infrastruktur schaffen Arbeit. #Europa zusammenhalten
  • Außen: Keine Rüstungsexporte und keine Abschiebungen in Kriegs- und Krisengebiete. Rüstungsexportkontrollgesetz statt 30 Mrd. € für #Aufrüstung
  • Soziales: Bürgerversicherung für Rente und Krankenversicherung. Wiedereinführung Parität bei Krankenversicherungsbeiträgen #gerecht
  • Verkehr:Saubere Luft in unseren Städten: Blaue Plakette - Diesel nachrüsten. Ab 2030 nur noch abgasfreie Autos #Verkehrswende

Oppermann und Güntzler über Trittin

#oppermann:

„Der einzige, mit dem ich schon in drei Parlamenten war: im Göttinger Studentenparlament, im Landtag und im Bundestag. Er repräsentiert die ganze Geschichte der Grünen.“

#güntzler

„Ich bin immer wieder überrascht, in welch inhaltlicher Tiefe Jürgen Trittin argumentiert. Man kann im politischen Alltag gut mit ihm klarkommen.“

Von Markus Scharf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Thema des Tages Fritz Güntzler, CDU - Der Sportler

Fritz Güntzler tritt als Direktkandidat der CDU im Wahlkreis 53 an. Er spricht mit dem Tageblatt über den Wahlkampf, sein Team und die Gründe, weshalb das Sofa in seinem Berliner Büro selten genutzt wird.

14.09.2017

Dorfläden sind nicht nur für die Versorgung der Menschen in Orten ohne Supermarkt wichtig. Vor allem, so sagen Experten, erfüllen sie eine soziale Funktion.

14.09.2017

Die UN-Behindertenrechtskonvention ist 2009 in Deutschland in Kraft getreten. Seitdem wird im Zuge der Inklusion einiges in die Wege geleitet, um Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Wie und wo funktioniert Inklusion bisher – und was fehlt?

13.09.2017
Anzeige