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Thema des Tages Direktvermarktung liegt in der Region im Trend
Thema Specials Thema des Tages Direktvermarktung liegt in der Region im Trend
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18:00 05.08.2018
Konstanze Borchardt bietet in ihrem Hofladen eine große Auswahl regionaler Spezialitäten.    Quelle: Art
Göttingen

Direktvermarkter setzten vor allem auf Hofläden und Marktstände, berichtet Achim Hübner vom Landvolk Göttingen. Andere probierten es mit Automaten, Imbisswagen oder übers Netz.

„Die Direktvermarktung ist eine Nische, aber da steckt ein großes Potenzial dahinter“, meint Hübner. Fünf Prozent der landwirtschaftlichen Produktion gehe direkt an den Endverbraucher, schätzt der Landvolk-Geschäftsführer. Die Gewinnmargen der Direktvermarktung seien besser. Allerdings sei auch der Aufwand größer. Die Masse der Produktion kauften Landhandel, Molkereien und Schlachthöfe.

Weniger Verkehr quer durch Deutschland

„Wenn wir Konsumenten verstärkt Produkte aus der Region kaufen würden, müssten nicht mehr so viele Lkw durch Deutschland rollen“, meint Georgios Koukoulas, der früher das Herberhäuser Restaurant „Knochenmühle“ betrieb. Heute engagiert er sich beim Bürgerrat der Gemeinde Gleichen, der für nachhaltiges Wirtschaften wirbt. Weniger Verkehr, so Koukoulas, bedeute weniger Lärm, weniger Feinstaub und weniger Kohlendioxid, das den Klimawandel beschleunige.

Lange Transporte mindern Qualität der Produkte

„Unter langen Transportwegen leidet die Qualität der Produkte“, betont Koukoulas. Obst und Gemüse werde oft unreif gepflückt und büße auf der Fahrt an Frische und Geschmack ein. Um die Erzeugnisse gegen Beschädigungen und den Verlust von Feuchtigkeit zu schützen, würden sie zudem in der Regel in Kunststoff verpackt. Der Plastikmüll verursache dann weitere Probleme. Auch Vieh leide unter langen Transporten. Die Tiere verspannten sich auf dem Weg zum Schlachthof. Ihr Fleisch schmecke dann nicht mehr so gut.

Regionale Lieferdienste

„Ich kaufe daher so viel wie möglich direkt bei Bauern der Region“, sagt Koukoulas. „Einige Landwirte sind sehr gut in der Direktvermarktung“, berichtet Hübner und nennt etwa den Diemardener Naturmilchhof Gartetal der Familie Füllgrabe. Einige Landwirte lieferten ihre Waren den Kunden nach Hause. Einen Bio-Lieferservice biete Lotta Karotta aus Rittmarshausen. Koukoulas nennt außerdem den Grünen Boten aus Witzenhausen.

Internetseite informiert über Direktvermarkter in Südniedersachsen

„Einen Überblick über Direktvermarkter in Südniedersachsen gibt die Internetseite Land-direkt.de, für die sich insbesondere Landwirt Eberhard Prunzel-Ulrich aus Landolfshausen eingesetzt hat“, sagt Hübner. Der regionale Erzeugerverband „Kostbares Südniedersachsen“, den Siegfried Kappey aus Einbeck leite, vermarkte Spezialitäten aus dem Raum zwischen Leine und Weser, Harz und Solling unter einem gemeinsamen Logo. „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Initiative einen Laden in guter Göttinger Lage eröffnet“, meint der Landvolk-Geschäftsführer. Der Verband könne schaffen, was für einzelne Landwirte unmöglich sei.

Regionale Produkte im Supermarkt

„Einige Supermarktketten haben den Trend der Zeit erkannt und bieten regionale Produkte an“, lobt Stephan Holzhaus vom Bürgerrat. Ihm selbst gefalle das Modell der Solidarischen Landwirtschaft, bei dem Bürger die Kosten der Produktion übernähmen und sich im Gegenzug die Ernte teilten. „Über Internet-Shops erzielen meines Wissens die Bauernhöfe der Region bisher keine nennenswerten Umsätze“, meint Hübner zu einem weiteren Vertriebskanal.

Veranstaltung zu regionaler Vermarktung in Klein Lengden

Der Bürgerrat Gemeinde Gleichen, bei dem außer Holzhaus und Koukoulas noch Kirsten Räke, Matthias Heintz und Gerhard Rothaupt aktiv sind, richtet am Dienstag, 28. August, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Klein Lengden, Alte Heerstraße, eine Veranstaltung zum Thema aus. Eingeladen sind Bauer Matthias Erle aus Klein Lengden, Eberhard Prunzel-Ulrich vom Ziegenhof Landolfshausen und Hermann Heldberg, der Geschäftsführer des Großhandels Naturkost Elkershausen.

Der Göttinger Harry Osburg vermarktet selbstgeschossenes Wild und das befreundeter Jäger über seinen Imbisswagen. Quelle: Peter Heller

Heimisches Wild vom Imbisswagen

Wildspezialitätenvom Grill verkauft der Göttinger Jäger Heribert „Harry“ Osburg seit 2016 in seinem Imbisswagen. Dienstags und mittwochs steht er meistens vor dem Göttinger Rewe-Markt an der Weender Landstraße 76, freitags und sonnabends am Weender Real-Markt, Große Breite 6. Auch auf Bauernmärkten ist er präsent. „Ich vermarkte so im Jahr 100 bis 150 Wildschwein-Sauen und 50 Rehe“, sagt Osburg. Die Tiere schieße er in Nikolausberg selbst oder beziehe sie von Nachbarrevieren. Beckers Fleischwaren aus Nörten-Hardenberg zerlege und verarbeite ihm die Tiere „Über den Imbisswagen mache ich 90 Prozent meines Umsatzes“, sagt Osburg. Zehn Prozent erwirtschafte er mit seinem Wild-Lieferservice.

Gärtnerhof in Landolfshausen. Quelle: Alciro Theodoro Da Silva

Solidarische Landwirtschaft

„Unsere 140 Kunden bezahlen den Gärtner und bekommen dafür das ganze Jahr über gratis Gemüse“, sagt Kerstin Krämer vom Gärtnerhof Landolfshausen. 2012 stellte der 1988 gegründete Zwei-Hektar-Betrieb auf sogenannte Solidarische Landwirtschaft um. Ein fester Stamm an Kunden, der sich für ein Jahr bindet, zahlt monatliche Beiträge. Die Ernte wird unter ihnen aufgeteilt. „Wir haben dadurch ein festes Einkommen, unsere Kunden bekommen für ihr Geld mehr Premium-Gemüse als im Biomarkt“, versichert Krämer. Das sichere die Existenz kleiner Gärtnereien, für die die Bedingungen ansonsten „super schwierig“ wären.

Landwirt Stefan Wetekam bietet Eier aus dem Automaten an.

Hühnereier aus dem Automaten

Nach dem Tanken noch ein paar Eier am Automaten ziehen: Das ermöglicht der Witzenhäuser Landwirt Stefan Wetekam seinen Kunden. Seit einem Jahr steht einer von seinen insgesamt vier Automaten an der Esso-Tankstelle in Rosdorf, Göttinger Straße 48. „Er läuft nicht schlecht, allerdings kommen viele ältere Leute mit der Technik nicht klar“, erklärt er. Deshalb gebe es die Eier auch in der Tankstelle selbst. Die meisten Eier seiner mittlerweile 2000 Hühner vertreibe er jedoch über örtliche Rewe-Märkte. Dort sei die Gewinnmarge zwar deutlich kleiner, dafür aber die Umsätze um so größer.

Konstanze Borchardt bietet in ihrem Hofladen eine große Auswahl regionaler Spezialitäten.    Quelle: Art

Borchardts Bauernladen

Auf den Hofladen als Vermarktungsplattform setzt Konstanze Borchardt in Duderstadt. In dem Ladenlokal gebe es ausschließlich selbst gefertigte Produkte. Dies entspreche dem wachsenden Bedürfnis der Verbraucher, die nachvollziehen wollen, woher etwas komme. Alles was der Hof „abwerfe“, werde zu Lebensmitteln verarbeitet. Da viele Verbraucher Unverträglichkeiten hätten, werde auf eine große Zahl an Zusatzstoffen verzichtet. Wert legt Borchardt auf Transparenz. So könnten Gäste den Hof ohne Begleitung erkunden. Weil aus hygienischen Gründen niemand den Stall betreten dürfe, seien Fenster eingebaut worden, die sich von außen öffnen lassen.

Andreas Fröhlich vor einem Verkaufsregal mit Produkten aus dem Humboldtkeller in Werxhausen. Quelle: Art

Humboldtkeller

Der regionale Fachhandel ist für Andreas Fröhlich der wichtigste Weg, um Eichsfelder Spirituosen zu vermarkten. Wegen des hohen Bekanntheitsgrades der Erzeugnisse aus dem Hause Humboldtkeller und der entsprechenden Nachfrage sei es relativ einfach gewesen, auch bei größeren Anbietern wie Edeka Gotthardt in Duderstadt in das Sortiment aufgenommen zu werden. Die Käufer im Einzelhandel seien überwiegend Kunden aus der Region. Liebhaber der Spezialitäten aus entfernteren Region würden in den „Werxverkauf“ nach Werxhausen kommen. Um neue Produkte in den Markt einzuführen, setzt Fröhlich auf verschiedene Online-Plattformen wie Facebook und Instagram.

Iris Klingebiel packt Online-Bestellungen ihrer Kunden in einen Karton. Quelle: Art

Klingebiels Hofladen

Iris Klingebiel setzt bei der Vermarktung ihrer Produkte nicht nur auf den Hofladen in Immingerode, sondern auch auf das Internet. Über den Online-Shop beliefert sie Kunden in Deutschland, Österreich und Holland mit Eichsfelder Wurstspezialitäten. Auftraggeber seien unter anderem Feriengäste, die bei einem Aufenthalt in der Region auf den Geschmack gekommen sind und Eltern, die ihren außerhalb des Eichsfeldes lebenden Kindern eine schmackhafte Erinnerung an die Heimat schicken wollen. Unterstützt wird Klingebiel von Sohn Lennard, der via Facebook über aktuelle Angebote informiert und auch mit Gewinnspielen den Hofladen im Gespräch hält.

Von Michael Caspar

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