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Thema des Tages Drittes Kurzfilmfestival Göttingen beginnt am 24. Mai
Thema Specials Thema des Tages Drittes Kurzfilmfestival Göttingen beginnt am 24. Mai
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13:10 23.05.2018
Ein Kurzfilm sollte Emotionen auslösen: Jury-Vorsitzende Gerit Kling. Quelle: r
Göttingen

Für das dritte Kurzfilmfestival Göttingen haben die Veranstalter die Theater-, Film- und Fernsehschauspielerin Gerit Kling als Jury-Vorsitzende gewinnen können. Die 53-Jährige studierte an der legendären Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, spielte in den nächsten zehn Jahren an großen Häusern. Ihr Fernsehdebüt gab sie in der ARD-Serie „Die Gerichtsreporterin“ – zahlreiche Film- und Fernsehrollen folgten. Aktuell ist sie in der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“ zu sehen. Regie, auch im Bereich Film, ist ihr Zukunftsprojekte. Im Interview zeigt sich Gerit Kling beeindruckt von den Leistungen der jungen Filmemacher, deren Werke während des Festivals gezeigt und von der Jury bewertet werden.

„Ich habe ganz viel Begabung gesehen“

Frau Kling, Sie sind dem Publikum vor allem aus Film und Fernsehen bekannt. Wie bewerten Sie das Genre Kurzfilm?

Kurzfilm ist für mich eine wahnsinnig interessante Stufe vor dem Spielfilm. An den Hochschulen starten die Studierenden mit Kurzfilm. Sie fokussieren sich, üben und wachsen daran. Ich habe in der vergangenen Woche die Festivalfilme gesichtet, einige mehrfach angesehen und gestaunt, wie gut die Filmproduzenten gearbeitet haben. Ich habe ganz viel Begabung von Musikern, in der Schauspielführung, von Regisseuren gesehen.

Was macht einen guten Kurzfilm aus?

Ein Kurzfilm sollte mit Beginn, Höhepunkt und Ende eine in sich geschlossene Geschichte erzählen – in sechs, acht, 14 oder auch nur drei Minuten. Er sollte in erster Linie Gefühle transportieren, etwas Emotionales im Betrachter auslösen. Trickfilm, Musikvideo oder kleiner Krimi: Ein guter Kurzfilm muss mich erreichen und berühren, das Publikum mitnehmen. Ich kenne Filmemacher, die mit ihrem Kurzfilm Oscar-Preisträger wurden.

Mit Leidenschaft und Herzblut

Der Verein Göttinger Filmnetzwerk hat etwa 50 Mitglieder, so Kassenwart Daniel Bernhard. Zehn von ihnen arbeiten in der Planungsgruppe Festival. Ausstattung, Finanzierung, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit liegen „in direkter Verantwortung des Vorstands“. Die erste Vorsitzende Stephanie Fischer (35) ist selbstständig mit der Filmproduktionsfirma „EneMeneMovie“ – ebenso wie der 38-jährige Bastian Brunke (zweiter Vorsitzender). Daniel Bernhard (44) ist Inhaber der Werbeagentur „Nortia“ und der Produktionsfirma „Harder Film“. Etwa 40 bis 50 Prozent der Festival-Finanzierung würden durch Eigenleistung der Mitglieder erbracht, betont Bernhard – vom „Kartenabreißen über die Verköstigung der Workshop-Teilnehmer bis zur Akquisition von Sponsorengeldern. „35 Filme, neun ausgelobte Preise, sieben Festivallocations, zwei Workshops mit Meistern ihres Fachs, eine hochkarätig besetzte Jury und ein Podiumsgespräch mit der Film- und Fernsehschauspielerin Gerit Kling – das Festival wächst stetig, die Förderung aber nimmt ab“, sagt Bernhard. Deshalb hätten die drei Vorstände eine Crowdfunding-Aktion initiiert, die privaten Förderern Anreize biete: „Von exklusiven Ticketpaketen über Festivalbeutel und T-Shirts bis hin zur Gelegenheit, im Rahmen der glanzvollen Gala selbst einen Preis zu überreichen“, sei „für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei.“ Die Aktion endet am Mittwoch, 23. Mai. Die Crowdfunding-Aktion: https://www.startnext.com/3-kurzfilmfestival-goettingen

Als die Anfrage vom
Göttinger Filmnetzwerk
zur Mitarbeit in der Jury als Jury-Vorsitzende kam: Haben Sie gezögert; spontan Ja gesagt?

Ich habe gezögert, weil ich nicht weiß, ob ich dem Anspruch gerecht werden kann, alles umfassend einschätzen zu können. Aber ich habe Kollegen, deren Erfahrung in der Teamarbeit wertvoll sein wird. Und ich habe Ja gesagt, weil ich mich als angehende Regisseurin für diese Arbeit Interessiere. In Göttingen bin ich mittendrin. Wie drücken sich die Filmemacher aus? Wie sehen sie die Schauspieler? Ich habe viele Fragen – auf dem Festival gibt es Antworten.

Für wie wichtig halten Sie ein Kurzfilm-Festival wie das in Göttingen – welche Bedeutung kann das Festival für Autoren und Regisseure haben?

Junge Künstler, Regisseure und Filmemacher zeigen, mit welchen Mitteln an den Hochschulen gearbeitet wird, welche Budgets wie genutzt werden; sprechen darüber, welchen Weg sie gegangen sind, welchen Weg sie gehen wollen. Die Kontakte, die Vernetzungsmöglichkeiten schaffen neue Erfahrungen, erweitern Kenntnisse.

Haben Sie Jury-Erfahrung bei anderen Film-Festivals?

Nein, das Kurzfilmfestival in Göttingen ist für mich eine Premiere. Für mich als Theater- und Fernsehschauspielerin wird die Juryarbeit ganz sicher hoch interessant und spannend.

Ziele: Vernetzung, Produktion, Bildung

Der Verein Göttinger Filmnetzwerk, so Vorstand Daniel Bernhard, gründe auf vier Säulen: Vernetzung, Bildung, Produktion, Festival. „Unser Verein möchte vor allem ein Netzwerk des kreativen Austausches sein“, so Bernhard – zwischen Filmschaffenden und Filmbegeisterten. „In Kooperation mit Schulen, Berufsschulen und weiterbildenden Einrichtungen unterstützen wir das Angebot medienpädagogischer Bildung“ – inklusive Projekte mit Theatern und Workshop-Angeboten. Die Produktion von Kurzfilmen in der Stadt habe durch den Göttinger Kurzfilm „Where to go”, der 2013 im Lumière Premiere hatte, Schwung aufgenommen. „Nicht wir laden andere zu uns ein, wir wollen uns auf anderen Festivals zeigen“, sagt Bernhard. „Dafür kann das Netzwerk Dinge anschieben – überwiegend im Bereich Kurz-, aber auch für den Langfilm.“ Mit dem Festival „Mach mal halblang!“ würde der Verein „gute Leute, gutes Wissen“ in Göttingen begrüßen. „Hier können wir etwas aufbauen, das uns weiterführt.“

Kennen Sie die anderen Jury-Mitglieder – Tim Garde, Christoph Schauer, DT-Intendant Erich Sidler, Lotte Neumann? Was verbinden Sie mit Ihnen?

Nein. Aber ich habe das Deutsche Theater kennengelernt, ein sehr schönes Haus. Im vergangenen Jahr bin ich extra nach Göttingen gefahren, um Erich Sidlers Inszenierung der ,Falschen Schlange‘ von Alan Ayckbourn zu sehen. Erich Sidler ist ein sehr erfahrener Kollege. Ich wollte das Stück selber inszenieren, mein erstes als Regisseurin. Ich habe es allerdings ganz anders inszeniert. In Rotenburg ob der Tauber war es ein großer Erfolg und wurde von einem Tourneeunternehmen übernommen. 2019 werde ich es künstlerisch neu gestalten und selber mitspielen.

Stehen Sie lieber vor der Kamera oder auf der Bühne?

Die Frage kann ich nicht eindeutig beantworten. Die Angebote punkten je nach Projekt. Eine Rolle, die ich mag, oder ein schwieriges, herausforderndes Stück sind nur zwei Beispiele.

Welche sind Ihre nächsten Projekte?

Ich habe eine Web-Serie entwickelt, für die es aber noch keinen Zeitplan gibt. Ich werde eine sehr schöne Rolle in einer neuen ARD-Serie spielen, die ich mit den Autoren gemeinsam entwickelt habe. Start ist zwischen Sommer und Herbst 2019, mehr darf ich nicht verraten. Bei ,Notruf Hafenkante‘ im ZDF spiele ich nach wie vor – das ist ,meine Familie‘. Mit meiner Schwester werde ich in einem Fernsehfilm spielen und wir planen ein schönes Buchprojekt, Start ist im Juni.

Ihre Schwester Anja Kling ist ebenfalls eine gefragte Film- und Fernsehschauspielerin. Hat sie schon mal eine Rolle bekommen, die Sie selbst gern übernommen hätten?

Ja, das gab es schon. Anjas Karriere ist allerdings ganz anders als meine. Sie hat sich von Anfang an auf Filme konzentriert, auch fürs Kino. Ich war mit Theater und Fernsehen schon immer breit aufgestellt; also ein ganz unterschiedlicher Werdegang. Nachdem ich die Ernst-Busch-Schauspielschule absolviert hatte, habe ich zehn Jahre Theater gespielt. Die Mischung macht mir einfach Spaß. Und ich habe etwas Neues entdeckt: Auf lange Sicht werde ich in die Regie wechseln, auch im Bereich Film. Auch diesbezüglich wird mir das Filmfestival Göttingen Anregungen geben, vielleicht sogar Impulse.

Das Programm des Kurzfilmfestivals in Göttingen

Seit dem ersten Festival 2014 gebe es eine „super Zusammenarbeit mit dem Lumière, Woggon am Wilhelmsplatz, dem Deutschen Theater und dem Unikino“, so Netzwerk-Vorstand Daniel Bernhard. Mit der Festivallounge Schillereck sowie den „Partnerkneipen Diva Lounge und CineCafé, in denen am späteren Abend Kurzfilme laufen“ stünde „eine bunte Mischung von Veranstaltungsorten“ zur Verfügung. Am Sonnabend, 26, Mai, werde das Festival mit einer „von Lars Wätzold moderierten Gala und der Verleihung der ,Göttinger Golden Shorts‘ ihren feierlichen Abschluss“ finden.

Eröffnung ist am Donnerstag, 24. Mai, um 17.30 Uhr im Lumière mit dem Göttinger Filmpreis. Ebenfalls um 17.30 beginnt im DT-Keller die „Lange Kurzfilmnacht“. Im Anschluss folgen jeweils um 20 Uhr Filmblöcke im Unikino, bei Woggon und im Lumière sowie die Eröffnung der Festivallounge im Schillereck. Der letzte Filmblok des Tages ist um 22.30 in der Diva Lounge zu sehen.

Am Freitag werden ab 18.30 Uhr Filmblöcke gezeigt – der letzte um 22.30 Uhr. Die Festivallounge öffnet um 20 Uhr.

Plätze in den beiden Workshops „mit Meistern ihres Fachs“ („Schauspiel und Regie“ sowie „Filmmusik“) am Freitag von 13 bis 17 Uhr und am Sonnabend von 11 bis 17 Uhr seien heiß begehrt, so Bernhard. Dennoch sei es einen Versuch wert, sich anzumelden.

Am Sonnabend beginnt der Festivaltag um 16 Uhr mit demm Podiumsgespräch „Wege zum Film“ im Coworking Space an der Düsteren Straße – mit der Jury-Vorsitzenden Gerit Kling. Start der Gala, die feierliche Preisverleihung, ist um 20 Uhr im Lumière. Um 22 Uhr öffnet die Festivallounge.

Zum kompletten Programm geht es hier.

Von Stefan Kirchhoff

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