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Thema des Tages Empfang für Medaillengewinner Arnd Peiffer und Steffen Lehmker
Thema Specials Thema des Tages Empfang für Medaillengewinner Arnd Peiffer und Steffen Lehmker
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13:45 20.04.2018
Arnd Peiffer hält seine bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang gewonnene Goldmedaille in der Hand. Quelle: dpa
Göttingen/Clausthal-Zellerfeld

Herr Peiffer, kommt man automatisch mit Biathlon in Verbindung, wenn man in Clausthal-Zellerfeld aufwächst?

Ja, die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch. Wir haben kurz hinter unserem Ortsschild eine kleine Biathlon-Anlage, dort kann auch im Sommer trainiert werden. Unweit von Clausthal-Zellerfeld gibt es am Sonnenberg die große Anlage mit 24 Schießständen. Vor Ort findet sich also alles, was der Sportler braucht. Deswegen ist auch das Landesleistungszentrum vor Ort.

 Wie und wann sind Sie zum Biathlon beim WSV Clausthal-Zellerfeld gekommen?

Etwa im Alter von neun Jahren. In der Schule haben wir Waldläufe gemacht, und da ist mir durchaus Talent nachgesagt worden. Und meine ältere Schwester machte ja auch schon Biathlon, da wollte ich das natürlich auch ausprobieren. Ich merkte dann aber früh, das Biathlon eigentlich ein reiner Leistungssport ist.

 Wie wurden Sie als Jugendlicher in Ihrem Verein WSV Clausthal-Zellerfeld gefördert?

Die Voraussetzungen waren ausgesprochen gut. Mein Trainer Frank Spengler war gleichzeitig Landestrainer, zudem hatten wir zwei weitere hauptamtliche Trainer und zahlreiche ehrenamtliche Übungsleiter vor Ort. Als Landeskader-Athlet bin ich beispielsweise fürs Training von der Schule abgeholt worden. Mit elf, zwölf Jahren habe ich schon vier- bis fünfmal in der Woche trainiert.

Empfang für Peiffer und Lehmker

Die Stadt Clausthal-Zellerfeld und der Wintersportverein (WSV) Clausthal-Zellerfeld organisieren am Sonnabend, 21. April, einen Empfang für die Medaillengewinner bei den Olympischen und Paralympischen Winterspielen, Arnd Peiffer und Steffen Lehmker. Ebenfalls empfangen wird Thierry Langer, der als Clausthaler WSV-Mitglied für Belgien bei den Olympischen Spielen an den Start gegangen ist. Peiffer und Lehmker starten ebenfalls für den WSV Clausthal-Zellerfeld, Peiffer ist auch im Oberharz aufgewachsen. Ab 19 Uhr werden die erfolgreichen Sportler und weitere Gäste in der Clausthaler Stadthalle, Berliner Straße 6, empfangen.

Außerdem wird die Stadt Clausthal-Zellerfeld Peiffer die Ehrenbürgerwürde verleihen. Das habe der Stadtrat am Dienstagabend einstimmig beschlossen, sagte am Mittwochmorgen eine Mitarbeiterin von Bürgermeisterin Britta Schweigel (parteilos). „Wir sind sehr stolz, dass Arnd Peiffer Olympisches Gold im Biathlon Sprint-Wettbewerb und zusätzlich auch noch mit der Biathlonstaffel der Männer den dritten Rang gewonnen hat“, erklärt Schweigel. „Arnd ist einer von uns und natürlich ist Clausthal-Zellerfeld und der Oberharz Olympia-Sieger!“

 Wann und wie wurde Ihnen oder Ihrem Trainer klar, dass Sie ein Top-Talent oder sogar Olympia-Kandidat sind?

Erst spät, sehr spät. Ich halte es für ausgemachten Quatsch, wenn Olympia-Teilnehmer sagen, dass das ein Kindheitsziel war. Nicht jedes Kind muss diesen Riesentraum haben, denn die tägliche Motivation und das Erreichen von kurz- und mittelfristigen Zielen ist viel wichtiger. 99 Prozent der Kinder werden nie bei Olympia starten, und das sollte man wissen. Mit 15 bin ich Deutscher Schülermeister geworden, da ging es bei mir dann langsam los.

 Sie haben Ihr Abitur gemacht, war das problemlos mit dem Leistungssport zu vereinbaren?

Nein, trotz großer Anstrengungen und der Bereitschaft der Schule, durch Wettkämpfe ausgefallenen Unterricht durch Förderunterricht nachzuholen. Ich hätte mit 19 beinahe alles hingeschmissen. Meine Konkurrenz ist mir enteilt, weil sie schon in die Spitzenförderung beim Zoll oder der Bundespolizei gerutscht ist und kein Abi gemacht hat. Ich bin 2006/07 sozusagen auf der letzten Rille noch in den C-Kader gekommen. Ohne die starke Unterstützung von Frank Spengler, der mich zum Weitermachen schon ein stückweit überreden musste, hätte ich aufgehört. Danach habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Kreissportbund Goslar gemacht. Auch da bin ich enorm gefördert worden und holte wieder auf.

 Und dann kam die Entscheidung für die Bundespolizei und die Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten?

Ja, denn die Bundespolizeisportschule Bad Endorf am Chiemsee bot und bietet noch heute perfekte Bedingungen, Spitzensport und Ausbildung zu kombinieren. Wir Wintersportler haben unsere Ausbildungsblöcke immer vom 1. April bis 1. August absolviert und sind dann acht Monate lang fürs Training freigestellt worden.

 Sie sind dem Süden treu geblieben, leben und trainieren in Oberhof. Wie oft zieht es Sie noch in den Harz, und verfolgen Sie die Ergebnisse Ihres Heimatklubs WSV Clausthal-Zellerfeld?

 Natürlich verfolge ich den WSV und den Nachwuchs aus dem Harz. Mit Danilo Riethmüller ist ja wieder ein sehr talentierter Sportler da. Er ist seit Februar auch bei der Bundespolizei. Da versuche ich schon, ein wenig zu helfen. Vor Ort bin ich allerdings doch selten. Etwa sechsmal im Jahr schaffe ich es noch, Clausthal-Zellerfeld zu besuchen.

 Welche Medaille wollen Sie dann im kommenden Winter mit nach Clausthal-Zellerfeld bringen?

(lacht): Momentan ist ja eigentlich noch Trainingspause, auch wenn ich gleich mal rausgehe und ein Stündchen trainiere. Mein Ziel ist es schon, unter die Top-Ten im Gesamtweltcup zu kommen. Und dann ist da ja auch die Weltmeisterschaft in Östersund. Ich fühle mich da immer wohl, mag die Bedingungen dort in Schweden sehr gern. Von dort eine Medaille mitzubringen, das wäre natürlich top.

Steffen Lehmker: In vier Jahren vom Amateur zum Paralympics-Medaillengewinner

Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie es sie nur selten gibt: Erst mit 25 Jahren hat der Göttinger Student Steffen Lehmker mit dem Langlauf und Biathlon angefangen. Heute, vier Jahre später, hält er seine erste Paralympics-Medaille in den Händen. Bei den paralympischen Winterspielen in Pyeongchang gewann der Sportler mit der Langlauf-Mixed-Staffel Bronze.

Steffen Lehmker (rechts) hat mit der Langlauf-Mixed-Staffel bei den paralympischen Winterspielen Bronze gewonnen. Quelle: Ralf Kuckuck

„Ich habe nie gedacht, dass ich das nach vier Jahren schaffe“, sagt Lehmker, der seit seiner Geburt eine Plexuslähmung im Arm hat und diesen nur eingeschränkt bewegen kann. Er sei zwar immer sportlich gewesen und schon als Jugendlicher häufiger Snowboard und Ski mit der Familie im Urlaub gefahren. Darauf, professionell Langlauf zu laufen, habe ihn aber erst sein Bruder 2014 gebracht. „Mein Bruder hat damals Langlauf mit Behinderung bei den paralympischen Winterspielen in Sotschi gesehen und mir das gezeigt“, erzählt der 29-Jährige.

Daraufhin habe er angefangen, für sich allein Langlauf zu trainieren und sich dann beim Nachwuchstrainer des Olympiastützpunktes in Freiburg gemeldet, der ihn zu einem Sichtungslehrgang eingeladen habe. So nahm seine Karriere seinen Lauf: „Mir wurde damals gesagt, dass eine Perspektive für die Paralympics in vier Jahren möglich ist“, erzählt Lehmker, der in Göttingen Sport und Wirtschaftspädagogik auf Lehramt studiert. Seitdem sei er alle sechs bis acht Wochen zum Trainingslager nach Freiburg gefahren – im Sommer auf Skiroller statt auf Langlaufski.

Seit einem Jahr trainiert er nun beim Wintersportverein (WSV) Clausthal-Zellerfeld. „Der WSV ist für mich in den Behindertensportverband eingetreten“, erzählt Lehmker. „Da bin ich der Einzige mit nur einem Stock.“ Im Harz trainiere er mit den nicht-behinderten Biathleten zusammen. „Unsere Klasse ist recht nah an den Nicht-Behinderten“, sagt er. „Steher-Klasse“ würde seine Klasse genannt, weil er zwar einarmig, aber trotzdem – im Gegensatz zu Rollstuhlfahrern – stehend laufe.

Die größte Herausforderung liegt für ihn darin, auf seine Gesundheit zu achten, erklärt Lehmker. „Das ist schon eine andere Bewegung mit nur einem Arm, ich muss mehr aus den Beinen machen“, sagt der Göttinger Student. Er brauche mehr Rumpfstabilität, um beim Langlauf gerade zu bleiben, und müsse deshalb sehr darauf achten, nicht nur einseitig Muskeln aufzubauen, sondern auch den gelähmten Arm und den Rücken mitzutrainieren.

Das scheint ihm gut zu gelingen: „In meinem zweiten Jahr war ich beim Weltcup, im dritten bei der Weltmeisterschaft und jetzt im vierten Jahr bei den Paralympics“, zieht der 29-Jährige Bilanz. Wie geht es jetzt weiter? „Wir planen jetzt schon für Peking 2022“, verrät der Wintersportler. Er sei jetzt aber auch in seinem letzten Mastersemester an der Uni Göttingen und müsse daran arbeiten, Strukturen dafür zu schaffen, dass er danach gleichzeitig arbeiten und trotzdem genug trainieren könne. „Der Erfolg bei den Paralympics jetzt ist gut dafür, als Aushängeschild“, glaubt er. Trotzdem sehe er, dass auch der Behindertensport immer professioneller werde und in anderen Ländern paralympische Sportler den Sport schon hauptberuflich ausübten. Er hingegen könne zurzeit nicht vom Sport allein leben.

Er weiß aber auch die Vorteile des Behindertensports zu schätzen: „Die Strukturen sind so, dass man schnell vorankommt, wenn man Leistung zeigt“, sagt Lehmker. „Die Konkurrenz ist im Nichtbehinderten-Sport natürlich größer.“ So habe er es 2014 schnell zum Bundestrainer und in den Kader geschafft, weil es auch einfach nicht so viele Einarmer im Biathlon gebe. Er jedoch ist einer, von dem man wahrscheinlich noch viel hören wird. Das nächste Ziel ist erstmal die WM 2019 in Kanada. „Wenn ich die Leistung beim ersten Weltcup im November wieder abrufen kann, bin ich, denke ich, dabei“, so Lehmker.

Von Mark Bambey

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