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Thema des Tages Erinnerungen an Bihunfeste und Elchsuppe
Thema Specials Thema des Tages Erinnerungen an Bihunfeste und Elchsuppe
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00:21 17.08.2018
Die Bihunsuppen-Feste auf dem Betriebsgelände lockten jährlich mehrere Tausend Besucher nach Barterode (Archivbild). Quelle: Peter Heller
Barterode

Immer am ersten Wochenende im Oktober zog es Menschen aus Nah und Fern auf das Betriebsgelände des Unternehmens. Was ursprünglich einfach nur als „Tag der offenen Tür“ gedacht war, wuchs sich zu einem regelrechten
Volksfest aus – mit Live-Musik, Ponyreiten, Hüpfburgen, Karussells,Tombolas und Suppen-Wettessen. Nach Firmenangaben kamen sogar Bihun-Fanclubs mit Bussen aus ganz Deutschland angereist, um das „monumentale Familienfest“ Jahr für Jahr mitzuerleben.

Volksfest mit Erfolgsrezept

Das Konzept des Bihunfestes sah vor, einen kleinen Eintrittspreis zu zahlen und dann an den verschiedenen Probierständen „Suppe satt“ zu löffeln – anfangs nur Bihunsuppe, später aber auch Würstchen-Eintopf, Chili con carne, Kartoffelsuppe oder Nasi Goreng. Die Schüsseln und das nötige Besteck konnten vor Ort gekauft oder von zu Hause mitgebracht werden. Auf dem Gelände standen sogar Spülstationen zur Verfügung.

2013 fiel das Fest erstmals aus. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass die Auftragsspitzen der Barteroder Suppenköche sich in die Monate September bis Dezember verlagert hatten. Dadurch sei die Organisation eines Volksfestes und die damit verbundene mehrtägige Stilllegung des regulären Betriebes nicht mehr möglich gewesen. Immerhin kam es noch zu einer Ersatzveranstaltung („Bihunfest basic“) am Göttinger „Kauf Park“ – in sehr viel kleinerem Rahmen allerdings.

2010 noch auf Wachstumskurs

Dass es dem Familienbetrieb zu dieser Zeit so gut ging, dass er nicht mal mehr Kapazitäten für sein wohl größtes Image-Projekt freischaufeln konnte, erschien nach den 2010 vorgestellten Plänen des Geschäftsführers Thomas Loibl nicht abwegig. Damals stellte Loibl eine Expansionsstrategie vor, die ein jährliches Wachstum von 20 bis 30 Prozent ermöglichen sollte. Neue Lagerhallen wurden gebaut, neue Produkte entwickelt. In der Spitze gab es bis zu 160 unterschiedliche Kreationen in verschiedenen Kategorien – darunter auch im hochpreisigen Feinkost-Segment – und mehr als 100 Mitarbeiter am Standort. Nach damaligen Unternehmensangaben wurden 2010 noch einmal 3,8 Millionen Euro in die Zukunft der Firma investiert. Neben immer neuen Suppensorten kamen damals auch Pasta- und Grillsaucen ins Sortiment; sogar Starkoch Eckart Witzigmann half seinerzeit bei der Vermarktung.

99 Dosen Elchsuppe

An Kreativität mangelte es dem Unternehmen ganz offensichtlich nicht, wie auch ein erfolgreicher Marketing-Gag bewies, der sich mehr als ein Jahrzehnt lang – bis 2015 – halten konnte: Als Sonderabfüllung produzierte die Barteroder Feinkost GmbH das Elch-Rahm-Süppchen, das alljährlich dem Gewinner des Satirepreises „Göttinger Elch“ feierlich überreicht wurde – und das gleich 99-fach. Empfänger waren unter anderen Otto Waalkes, Olli Dittrich und Helge Schneider.

Pferdefleisch-Verdacht nicht bestätigt

In die Schlagzeilen geriet die Barteroder Feinkost GmbH, als bekannt wurde, dass das Unternehmen 2011 Fleisch vom niederländischen Großhändler Willy Selten bezogen hatte. Dieser war damals verdächtigt worden, Pferdefleisch unter als Rinderhack verkauftes Fleisch gemischt zu haben. Die Göttinger Landkreisverwaltung hatte den Barteroder Suppenhersteller daraufhin sogar angewiesen, betroffene Produkte nicht mehr zu vertreiben und bereits ausgelieferte Waren zurückzuholen. Das Göttinger Verwaltungsgericht erklärte diese Anweisung später für rechtswidrig. Loibl ließ damals sein gesamtes Sortiment auf Pferdefleisch überprüfen – mit dem Ergebnis, dass in keinem der getesteten Gerichte Pferde-DNA gefunden wurde.

Die letzten drei großen Bihunfeste in Barterode:

2010 (mit Bildergalerie)

2011

2012 (mit Bildergalerie)

2018: Barteroder Bihunsuppe endgültig am Ende

Von Markus Riese

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