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Thema des Tages Rettungshundeprüfung beim PHSV Göttingen
Thema Specials Thema des Tages Rettungshundeprüfung beim PHSV Göttingen
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00:17 06.09.2017
Ältester Prüfungsteilnehmer ist der 79-jährige Peter Gabriel mit seinem Bordeauxdoggen-Pudel-Mischling Bino. Quelle: Franke
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Göttingen

Bei den unterschiedlichen Prüfungen müssen die Hunde Personen finden – entweder unter Trümmern oder auf einer Fläche. „Der Unterschied für den Hund ist, dass die Person bei der Flächensuche sichtbar ist“, erklärt Trainerin Jutta Günther, „bei der Trümmersuche nicht, weil sie beispielsweise verschüttet ist.“

Bevor ein Hund aber überhaupt Rettungshundeprüfungen absolvieren darf, muss er mit seinem Hundeführer die Begleithundeprüfung ablegen. „Das ist die Voraussetzung“, sagt Jutta Günther. Dabei müsse der Hund seine Verträglichkeit mit Fußgängern, Joggern, Radfahrer und anderen Hunden zeigen. Auch dürfe er sich nicht ablenken lassen. „Gehorsam ist wichtig, auch wenn der Hund später eigene Entscheidungen treffen darf.“ Das bedeute dann auch, dass er sich über eine Anweisung seines Hundeführers hinwegsetzen dürfe, wenn er die zu suchende Person gewittert habe, die Suche aber gerade verlagert werden solle. „Der Hund soll die Person finden. Das hat Priorität“, so die Trainerin weiter. Das sei zum Beispiel am Sonntag auch in der Prüfung geschehen und habe nicht zu Punktabzug geführt. „Weil der Hund zwar die Anweisung nicht befolgt hat, aber durch seine Entscheidung die Person gefunden hat.“

Unsicherheit durch Nervosität

„Die ersten Prüfungen sind immer sehr schwer“, erklärt Mario Abram aus Obernfeld, der an der Weltmeisterschaft der Rettungshunde in Österreich teilnehmen wird. Dabei bringe der Hundeführer meist die Unsicherheit mit auf den Platz. „Er ist nervös und das spürt der Hund, der dadurch auch unsicherer wird.“ Das gebe sich aber mit der Zeit. Die Rettungshunde-Prüfung 2 sei auch die, die bei der WM geprüft würde. Der Unterschied zur Prüfung in Göttingen ergebe sich einerseits aus der deutlich strengeren WM-Wertung. „Außerdem dürfen wir nicht vorher auf den Platz oder in das Gelände.“ Wer vorher dort erwischt würde, werde automatisch disqualifiziert.

Doch wie kann man einen Hund dazu bringen, dass er so professionell arbeitet? „Diesen Grad zwischen Gehorsam und Selbstständigkeit zu finden ist eine Herausforderung“, erklärt Jutta Günther. Das Lernen funktioniere nur über Spaß und Motivation. „Voraussetzung ist also, dass er Leckerli toll findet oder aber Spiele toll findet.“

Rettungshundeprüfung beim Polizeihundesportverein Göttingen

Zu Beginn behalte sie den Hund bei sich und das Herrchen laufe weg, sagt die Trainerin. „Nicht weit, etwa 20 bis 30 Meter.“ Dort solle Herrchen sich hinsetzen, damit dem Hund von Anfang an eine zu suchende Person simuliert werde. „Wenn er dann zu Herrchen läuft, wird der Hund belohnt“, erläutert sie. Nach einer Weile werde die Strecke verlängert, später auch der Sichtkontakt unterbrochen. Wenn der Hund dann am Herrchen vorbeilaufe und zurückkomme, sei zu erkennen, dass er außer seinen Augen auch seine Nase einsetze. „Dann können wir eine zweite Person einsetzen.“

Nun bekomme der Hund seine Belohnung von der zweiten Person, die eng neben dem Herrchen sitze, erzählt die Trainerin. Nach einer Weile solle der Hund dann nur noch die fremde Person suchen, die wiederum irgendwann die Leckerli zurückhalte. Dann fange der Hund an, seine Belohnung erst durch leise Geräusche und später durch Bellen einzufordern. „Und dann haben wir die Situation, die wir brauchen“, sagt Jutta Günther. Im Wald sei der Hund eventuell 80 oder 100 Meter weit entfernt. „Da brauche ich das Bellen als Orientierung“, erklärt sie. Also müsse der Hund bellen, bis der Hundeführer bei ihm sei. Wichtig sei der menschenfreundliche Charakter des Hundes. „Er darf den Menschen nicht belästigen und soll Abstand halten“, sagt Jutta Günther.

Die Mitglieder des PHSV gehen nach Angaben der Trainerin nicht in Wettkämpfe, sondern betreiben nur Rettungshundesport. „Trotzdem würde ein Hund, der die höchste Stufe erreicht, im Einsatz sofort bestehen“, sagt sie.

Julian und Bernhardt – ein gutes Team

Mit neun Jahren ist Julian der jüngste Teilnehmer am Prüfungstag. Auch ist er einer der Teilnehmer mit der längsten Anreise. Julian ist Mitglied in der Ortsgruppe Elbufer-Drawehn Bleckede des Vereins für Deutsche Schäferhunde (SV).

Julian ist seit etwa eineinhalb Jahren im Verein aktiv und betreibt Rettungshundesport, hat jetzt auch mit dem Schutzhundesport begonnen. „Hunde sind meine Lieblingstiere“, sagt er. Die Zuschauer sehen, dass er mit Bernhardt eine Einheit bildet. Julian bekommt ein großes Kompliment vom Prüfer. Er mache seine Sache besser als mancher Erwachsene. Das zeigt sich auch in den Punkten. Er bekommt 85 Punkte in der Kategorie Unterordnung und sogar 94 Punkte in der Flächensuche. Was schwieriger ist? Julian schaut amüsiert und sagt: „Nichts. Das ist alles einfach.“

Für sein Hobby investiert der Neunjährige viel Zeit. Er trainiert dienstags, sonnabends und sonntags. „Und zwischendurch auch manchmal donnerstags“, ergänzt seine Mutter Martina Rohde. Der Übungsbetrieb dauere vier Stunden, sagt sie. Doch niemand sei die ganze Zeit auf dem Platz. „Wir haben auch immer Pausen zwischendurch.“ Insgesamt seien es dann aber doch jeweils etwa eineinhalb Stunden Arbeit mit dem Hund. „Es macht Julian Spaß“, sagt seine Mutter. „Wir zwingen ihn nicht mitzukommen, wenn er keine Lust hat.“Gleiches gelte auch für seinen ein Jahr jüngeren Bruder, der ebenfalls mit dem Rettungshundesport begonnen habe. Und eines sei auch klar: „Die Schule geht vor.“ Ob er ein guter Schüler sei, beantwortet Julian ehrlich mit: „Es geht. Könnte besser sein.“

“Ich will weitermachen“, sagt Julian. Wie lange er dabei den sehr erfahrenen Partner Bernhardt an seiner Seite hat, bleibt abzuwarten. Der Schäferhund lässt sich nicht ablenken, ist ja auch ein alter Hase auf dem Prüfungsgelände. „Er hat mittlerweile 45 Prüfungen hinter sich“, erklärt Julian. Der Neunjährige hat jetzt auch mit der Schutzhundeausbildung begonnen. „Er stellt sich auch mit der Schutzausrüstung in ein Versteck und lässt sich aufspüren“, erklärt seine Mutter. Es sei aber immer ein Erwachsener zur Sicherheit mit im Versteck. „Ich habe keine Angst“, sagt Julian. „Ich weiß auch, wie ich sicher stehe, damit der Hund mich nicht umwirft“, erklärt er.

Auf den Prüfungstag beim 1. Polizeihundesportverein (PHSV) Göttingen von 1950 sind sie aufmerksam geworden, als Jutta und Heinz Wilfried Günther im Juni zu einem Trümmerworkshop nach Bleckede in die Nähe von Lüneburg gefahren sind. „Sie haben uns von der Prüfung berichtet“, sagt Martina Rohde. Überhaupt sei die Familie öfter zu anderen Vereinen unterwegs, wenn es die Zeit erlaube. „Julian hat zum Beispiel auch in Bad Bodenteich eine Prüfung abgelegt“, sagt sie. Auch seien sie zum Tag der Hunde vom Verein für Deutsche Schäferhunde in Hannover gewesen.

Ihre Reise nach Göttingen haben sie bereits am Sonnabend angetreten. „Wir haben hier gezeltet“, sagt Martina Rohde. „Das war ganz schön kühl mit sechs Grad in der Nacht.“ Da seien sie froh gewesen, als es am Morgen warme Getränke gegeben habe.

Von Rüdiger Franke

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