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Thema des Tages Felix Benseler engagiert sich seit 16 Jahren in der Feuerwehr
Thema Specials Thema des Tages Felix Benseler engagiert sich seit 16 Jahren in der Feuerwehr
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00:18 10.01.2018
Felix Benseler, Mitglied der FFW Etzenborn, dortiger Jugendwart und Ausbilder.  Quelle: Fotos: Richter
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Potzwenden / Etzenborn

„In die Jugendfeuerwehr bin ich damals gemeinsam mit Freunden eingetreten“, erinnert sich Benseler . Ihn habe dabei vor allem die Technik interessiert, und er habe ein Hobby gesucht, bei dem er etwas gemeinsam mit anderen machen kann. „Da gibt es in einem kleinen Ort wie Etzenborn nicht so viele Möglichkeiten“, so Benseler. Als dann mit 18 Jahren der Wechsel in die aktive Wehr anstand, war es für ihn keine Frage, dass er weiterhin dabei bleiben möchte. Die Arbeit in der Feuerwehr mache ihm großen Spaß, und er sei bereit, etwas für andere zu tun. Mit 16 Jahren absolvierte er am Feuerwehrzentrum in Potzwenden den ersten Teil der Grundausbildung (Truppmann). Danach habe er an zahlreichen Lehrgängen an der niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz teilgenommen. Mittlerweile sei er ausgebildeter Zugführer und Hauptlöschmeister. „Ich habe 2011 die Leitung der Jugendfeuerwehr übernommen, da es bei uns im Ort einen Umbruch gegeben hat, und ich mir vorstellen konnte, die Jugendlichen zu übernehmen“, sagte Benseler. Ihm mache es Spaß, den Jungen und Mädchen etwas beizubringen, und außerdem habe die Jugendfeuerwehr Etzenborn mittlerweile wieder elf Mitglieder.

Übung der freiwilligen Feuerwehr Rittmarshausen

Seit 2013 ist Benseler, der als Landwirt arbeitet und an der Uni Göttingen Agrarwissenschaften studiert, auch in die Grundausbildung der Feuerwehrkräfte am Feuerwehrzentrum Potzwenden als Ausbilder eingebunden. „Mir ist es wichtig, die zu fördern, die auch wirklich Interesse an der Arbeit innerhalb der Feuerwehr haben“, begründet er seine Entscheidung. Während der Grundausbildung, die am Wochenende unter anderem für Mitglieder der Gemeindefeuerwehr Gleichen stattfand, erfuhren die Teilnehmer die Grundlagen des Einsatzgeschehens. „Dazu gehören neben praktischen Übungen auch Theoriestunden. Diese gebe ich zum Beispiel für Fahrzeugkunde und Technische Hilfeleistungen“, erklärt Benseler, der seit 2016 auch stellvertretender Gemeindejugendwart in Gleichen ist. Für ihn ist die Arbeit in der Feuerwehr vielseitig. Außerdem werden seiner Meinung nach im Jugendbereich nicht nur Feuerwehrthemen behandelt, sondern auch verschiedene Aktionen unternommen, um die Gemeinschaft zu stärken. „Hierzu gehören beispielsweise Ausflüge“, so Benseler. Reizvoll seien zudem die Wettbewerbe, bei denen die Jugendlichen als Gruppe zusammenarbeiten müssen, um Erfolg zu haben. Dies sei für die Jugendlichen immer ein tolles Erlebnis. Der 26-Jährige weiß aber auch, dass ein Engagement in der Feuerwehr zeitaufwendig ist. Deshalb sei es für ihn wichtig, dass er auch einmal zugunsten von Familie und Freunden auf eine Feuerwehrveranstaltung verzichte: „Dies funktioniert bei uns ganz gut, weil wir im Ort und in der Gemeinde als Team arbeiten. Und uns so absprechen können, wer welche Veranstaltung besucht“. Für seine weitere Zukunft in der Feuerwehr könne er sich vorstellen, irgendwann das Amt des Ortsbrandmeisters zu übernehmen. „Doch dies würde bedeuten, dass ich die Jugendfeuerwehr, die mir am Herzen liegt, aufgeben muss“, sagte der Feuerwehrmann. Aus seiner Sicht sind beide Ämter aufgrund des Zeitaufwandes nicht miteinander kombinierbar. Dennoch freue er sich auf neue Herausforderungen innerhalb der Feuerwehr in den kommenden Jahren.

Leichter Mitgliederanstieg in den Wehren des Landkreises

Die Zahl der Bürger, die sich in den Freiwilligen Feuerwehren für ihre Mitmenschen einsetzen wollen, scheint zurückzugehen. In verschiedenen Gemeinden des Landkreises wurden in den vergangenen Jahren Wehren zusammengelegt, um die notwendige Einsatzstärke zu erreichen.

Doch die Mitgliedszahlen zeigen im Vergleich der Jahre 2015 und 2016, eine Statistik für 2017 liegt noch nicht vor, einen leichten Anstieg. Waren es 2015 in den Landkreisen Göttingen und Osterode 5395 Feuerwehrleute, waren es im fusionierten Landkreis ein Jahr später 5409. Einen deutlichen Anstieg gab es bei den Aktiven, die zwischen 18 und 20 Jahre alt sind. Hier waren 878 gemeldet, was gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 224 Aktiven bedeutet.

1100 Mitglieder waren Ende 2016 zwischen 41 und 50 Jahren alt. Älter als 50 Jahre waren im Landkreis 1019 Feuerwehrleute. Organisiert waren die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren in 160 Wehren.

2016 gab es im Landkreis 1560 Mädchen und Jungen, die in den 124 Jugendfeuerwehren die Grundbegriffe des Feuerwehrwesens erlernen.

In den 55 Kinderfeuerwehren wird der Nachwuchs im Alter von sechs bis zehn Jahren spielerisch mit den Aufgaben der Feuerwehr vertraut gemacht. Hier beteiligten sich 923 Kinder im Jahr 2016. Hierbei gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Mitgliederzuwachs von knapp 200 Kindern. Nach Aussage des Vorsitzenden des Göttinger Kreisfeuerwehrverbandes Martin Willing muss es noch besser gelingen, dass der Nachwuchs nach der Jugendfeuerwehr auch weiterhin den Freiwilligen Feuerwehren in den aktiven Gruppen erhalten bleibt, um einsatzfähige Wehren zu erhalten.
 

Kinder spielerisch an Feuerwehr heranführen

Wie können die Feuerwehren im Landkreis Nachwuchs gewinnen, damit sie auch in Zukunft einsatzfähig bleiben? Für den Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Göttingen, Martin Willing, ist es notwendig, Kinder schon früh mit der Feuerwehr vertraut zu machen.

Deshalb ist es seiner Meinung nach wichtig, dass die Freiwilligen Feuerwehren Kindergärten und Grundschulen besuchen. „Dabei sollten sie das Fahrzeug dabei haben und ihre Feuerwehrkleidung tragen“, sagte Willing. Räumungsübungen, die mit Erziehern und Lehren geplant werden, sind eine Möglichkeit, die Aufgaben der Feuerwehr zu vermitteln.

Auch soll die Feuerwehr sich und ihre Aufgaben in den Dörfern besser vorstellen, zum Beispiel durch einen Tag der offenen Tür, erklärt Willing. Denn Kinder und Jugendliche seien von den Aufgaben und der Ausstattung der Feuerwehrleute von klein auf fasziniert. Und so „lassen sich die Kinder auch durch eine Nachtwanderung, die für sie aufregend und spannend ist, für die Feuerwehr begeistern“, meint Willing.

Eine weitere Möglichkeit, um Nachwuchs zu gewinnen sieht Willing darin, dass die Wehren Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche organisieren, die erst einmal keinen Bezug zur Feuerwehr haben.

Wenn Kinder sich dafür entschieden haben, Mitglied bei der Feuerwehr zu werden, dann müsste die Kinderfeuerwehr sie spielerisch auf die Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr vorbereiten. „Dazu gehören auch Brandschutz- und Verkehrserziehung“, erklärte Willing.

Zudem sollten die Kinder dazu gebracht werden, anderen in Notsituationen innerhalb ihrer Möglichkeiten zu helfen. Doch bei allen Übungen ist es wichtig, dass der spielerische Charakter im Vordergrund steht, fordert Willing. Deshalb seien auch der Besuch von Wehren in anderen Orten oder in einem Feuerwehrmuseum eine gute Gelegenheit, sich über Einsatz und Notwendigkeit der Feuerwehr zu informieren.

In den Jugendfeuerwehren setzt Willing auf den Einsatz von erlebnispädagogische Aktionen und Experimenten: „So lernen die Jugendlichen, miteinander als Team zu arbeiten.“ So etwas förderten auch die gemeinsamen Freizeiten, wie das Zeltlager in Potzwenden. Und ein gutes Training, das Erlernte zu zeigen, seien die Wettbewerbe.

Bei dem aktuellen Stand der Mitgliedergewinnung geht der Verbandsvorsitzende davon aus, dass es in den kommenden Jahren zu weiteren Schließungen und Zusammenlegungen bei den Feuerwehren kommen wird. „Die Vereinbarung zwischen Ehrenamt, Beruf und Familie wird immer schwieriger“, sagte Willing. Das liege auch an einem erkennbaren Rückgang der Bereitschaft von Arbeitgebern als ehrenamtliche Feuerwehrleute tätige Arbeitnehmer für Einsätze freizustellen.

Um das Ehrenamt, vor allem für junge Menschen wieder attraktiver zu machen, fordert Willing: „Deshalb müssen die Gemeinden, die für die Feuerwehren zuständig sind, den Interessierten etwas anbieten. Als Möglichkeiten nennt Willing zum Beispiel Vergünstigungen im Freizeitbereich und eine kostenlose Nutzung von Öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn die Feuerwehrleute in Uniform unterwegs sind. Auch eine Bezuschussung bei dem Erwerb des Führerscheins ist für Willing eine denkbare Form der Mitgliederwerbung. Die Gemeinden seien zudem nach dem Brandschutzgesetz für die Aufrechterhaltung des Brandschutzes zuständig, auch wenn die Wehr in einem Ort nicht mehr die erforderliche Mindeststärke von 18 Aktiven habe. „Zum einen kann die Alarm- und Ausrückordnung dahin gehend geändert werden, dass mehrere Feuerwehren gleichzeitig alarmiert werden“, sagte Willing, der Gemeindebrandmeister in Rosdorf ist. Und in Niedersachsen bestehe auch die Möglichkeit, sogenannte Pflichtfeuerwehren einzuführen. Doch Willing hofft, dass diese Optionen erst einmal nur Theorie sind, und sich weiterhin genug Freiwillige für die Feuerwehren finden.

Von Vera Wölk

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