Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Thema des Tages GSO-Dirigent Milton setzt auf Broadway-Melodien
Thema Specials Thema des Tages GSO-Dirigent Milton setzt auf Broadway-Melodien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 05.12.2018
Dirigent Nicholas Milton vor der Lokhalle in Göttingen. Die Veranstaltungshalle wird Spielstätte des Göttinger Symphonie Orchesters während der Modernisierung der Stadthalle. Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) gibt erstmals ein Abonnementskonzert in der Lokhalle. Eine Woche lang probt das Orchester unter Nicholas Milton dafür am neuen Ort Broadway-Melodien. Am Freitag, 7. Dezember, erklingt dann die Musik von Bernstein und Gershwin.

In den kommenden zwei Jahren muss das GSO auf seine angestammte Spielstätte verzichten. Die 54 Jahre alte Stadthalle wird saniert. Auf rund 19,5 Millionen Euro werden die Kosten derzeit geschätzt.

Nicholas Milton, seit Beginn dieser Spielzeit Chefdirigent des GSO, weiß, dass er schwierige Zeiten vor sich hat. Keiner seiner Vorgänger musste auf die heimische Spielstätte verzichten. Aber die Herausforderung reizt ihn.

Besondere Programme im Industrie-Bauwerk

Die Programme für die zweite Hälfte der Spielzeit ohne Stadthalle hat Milton genau auf die anderen Säle abgestimmt. Die Lokhalle sei mit ihrem industriellen Flair wie geschaffen für besondere Programme. So verspricht er für Freitag echtes Broadway-Feeling: „Wir können eine ganz andere Seite des Orchesters zeigen. Die Orchestermusiker, sonst an Beethoven, Brahms, Bruckner und Mahler gewöhnt, werden transformiert in eine Latin Jazz Band, die einfach grooven kann.“

Zu hören sind am Freitag Werke von George Gershwin und Leonard Bernstein, Musik „voller Leben und Energie“, wie Milton beschreibt. „Das reicht vom Blues über den Cha-Cha-Cha bis zum Mambo.“ Der Dirigent ist sich sicher, dass das GSO dabei Freude am Musizieren ausstrahlen wird. „Das GSO beherrscht die Raffinesse, die Feinheit und Kunst der Mahler-Symphonien. Aber nun kann es seine Vielfältigkeit zeigen, wenn es mit derselben Energie eine andere Richtung der Musik einschlägt.“

Klavierkonzert von George Gershwin

Milton freut sich auf Bernsteins Ouvertüre zu „Candide“, auf die symphonischen Tänze aus der „West Side Story“ und besonders auf das Klavierkonzert von George Gershwin „mit dem wunderbaren Trompetensolo im zweiten Satz“.

Für den Klavierpart hat er den Pianisten Joseph Moog engagiert. „Mit dem habe ich schon fünf CDs aufgenommen“, berichtet Milton. Das 2016 erschienene Album mit Klavierkonzerten von Grieg und Moszkowski mit Moog und Milton wurde in der Kategorie „Best Classical Instrumental Solo“ für den Grammy nominiert. „Besseres kann es nicht geben im Bereich der klassischen Musik“, sagt Milton stolz.

Pianist Joseph Moog

Moog, 1987 in Ludwigshafen geboren, hat in Würzburg und Hannover studiert und wurde bei den Gramophone Classical Music Awards zum Nachwuchskünstler des Jahres 2015 (Young Artist of the Year) gekürt. Inzwischen ist er weltweit aktiv, nicht nur in den europäischen Metropolen, sondern auch in Asien, den USA und Südamerika.

Das Konzert ist zwar nicht der erste Auftritt des GSO in der Lokhalle – es gastierte unter anderem mehrfach bei „Pop meets Classic“ und mit der Ballettaufführung von Strawinskys „Sacre du printemps“ – , aber das Orchester bestreitet dort zum ersten Mal ein Abonnementskonzert. Die dafür vorgesehene Bestuhlung bietet Platz für 2400 Hörer, also gut doppelt so viel wie in der Stadthalle. Deshalb spielt das GSO in den geplanten Lokhallen-Konzerten für beide Abo-Reihen zusammen, den Philharmonischen Zyklus I und II. Auf die Frage nach den akustischen Verhältnissen antwortet Milton: „Der Tonmeister ist bei jeder Probe dabei. Es wird live verstärkt, und zwar optimal für den Spielraum. Dafür proben wir auch die ganze Woche. Wir nehmen uns die Zeit, um das beste musikalische Ergebnis zu erzielen.“

„Was ganz Tolles liefern“

Seit rund drei Monaten ist der gebürtige Australier Milton, der zuletzt in Saarbrücken engagiert war, jetzt in Göttingen und hat sich seinem Publikum mit drei Konzerten vorgestellt. „Ich wollte was ganz Tolles liefern, große Hauptwerke: eben alles zeigen in diesen Konzerten.“ Die großen Hauptwerke: dazu gehörten im Begrüßungskonzert („Welcome Nicholas Milton am 21. September) Beethovens Fünfte, im Konzert „Seelendrama“ am 28. September Tschaikowskys Vierte und, last but not least, im Konzert „Titanen“ am 19. Oktober Mahlers Erste. Alle drei Konzerte waren ein Riesenerfolg beim Publikum, Milton musste sogar Orchester-Zugaben liefern, was in solchen Konzerten eine Seltenheit ist.

„Ich habe die Gelegenheit gesucht, dem Publikum nahe zukommen, es zu ermutigen, unsere Konzerte zu besuchen. Ich glaube, das ist mir gelungen. Und auch das Orchester und ich sind zusammengekommen, ja, wir haben uns gefunden“, sagt er bewegt. „Wir freuen uns auf die Odyssee, die vor uns liegt, wir freuen uns darauf, in verschiedenen Sälen ein unterschiedliches Repertoire zu präsentieren – mit ganz tollen Überraschungen.“ Und er fasst seinen Auftrag zusammen: „Wir wollen offen sein für das Wunder des Lebens. Wir gestalten ein Stück Zeit, um die Seele zu bereichern.“

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier.

Nicholas Milton (rechts) mit dem Göttinger Symphonie Orchester bei einem Konzert in der Göttinger Stadthalle im September 2018. Quelle: el

Von Csárdás bis Carmina Burana

Nach dem „Broadway“-Programm am 7. Dezember gibt das GSO zehn Tage später sein traditionelles Konzert für die Tageblatt-Hilfsaktion „Keiner soll einsam sein: am Montag, 17. Dezember, um 19.45 Uhr. Karten für das Benefizkonzert gibt es zum Preis zwischen 18 und 22 Euro beim GT-Ticketservice, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt, und online unter gt-tickets.de.

Zum Jahreswechsel ist das GSO gleich zweimal in der Lokhalle zu erleben: am 31. Dezember um 18 Uhr mit dem traditionellen Silvesterkonzert, das diesmal unter dem Motto „Csárdás“ steht und eine Fülle zündender Melodien von Johann Strauß, Johannes Brahms, Pablo de Sarasate, Camille Saint-Saëns und anderen bietet. Solistin ist die junge Violinistin Anne Luisa Kramb, die zuletzt Mitte August 2018 auf Schloss Berlepsch im Abschiedskonzert von Christoph-Mathias Mueller das GSO-Publikum bezaubert hat. Das Silvester-Programm ist am 1. Januar 2019 um 17 Uhr in der Lokhalle noch einmal als GSO-Neujahrkonzert zu hören. Beide Konzerte stehen unter der Leitung von Nicholas Milton.

Am 24. Januar haben die GSO-Abonnenten abermals Gelegenheit, die Lokhalle auf ihre Qualitäten im Bereich der klassischen Musik zu testen: beim Konzert „Feurig“, in dem neben Musik von Mendelssohn (Hebriden-Ouvertüre) und Schostakowitsch (9. Symphonie) das Konzert „Veni, veni, Emmanuel“ für Schlagwerk und Orchester des schottischen Komponisten James Macmillan auf dem Programm steht. Gastdirigent ist Roger Epple.

Gegen Ende der Saison bietet am 7. Juni die Lokhalle hoffentlich genug Platz, um die vielen Fans der „Carmina Burana“ von Orff zu beherbergen. Es singen die Göttinger Stadtkantorei und der Göttinger Knabenchor, die Leitung hat Nicholas Milton.

Die zweite GSO-Spielstätte 2019 ist die Aula der Universität. Für diesen Raum mit seinen gut 420 Plätzen hat Milton angemessen kleiner besetzte Programme vorbereitet. Um allen Abonnenten Raum zu bieten, sind Doppelkonzerte donnerstags und freitags angesetzt.. Die Termine: 14. und 15. März sowie 25. und 26. April jeweils um 19.45 Uhr. Die Einführungsvorträge zu den Konzerten im I. und II. Philharmonischen Zyklus werden auch an den neuen Spielstätten fortgeführt. Sie beginnen am Konzerttag um 19 Uhr und dauern eine halbe Stunde.

Karten im Vorverkauf gibt es unter anderem beim GT-Ticketshop, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt, sowie online unter gso-online.de.

Von Michael Schäfer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Thema des Tages Kommentar zum Wechsel des GSO in die Lokhalle - Schöne Bescherung

Die Lokhalle kann sich als Veranstaltungsort sehen lassen, findet Angela Brünjes, Leiterin des Kultur-Ressorts beim Tageblatt. Ihr Kommentar zum Spielstätten-Wechsel des Göttinger Symphonie Orchesters:

05.12.2018

Nach wie vor bestehenden Vorurteilen und Unwissen tritt die Göttinger Aids-Hilfe am Welt-Aids-Tag entgegen. Bei erfolgreicher Therapie sei sogar Sex ohne Übertragungsrisiko möglich.

30.11.2018

Ein Problem untersucht der Daseinsvorsorgeatlas besonders gründlich: die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum.

28.11.2018