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Thema des Tages Göttingens Rekord-Kämmerer
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00:30 02.03.2018
27 Jahre und einen Monat muss Göttingens neuer Kämmerer Christian Schmetz (links), der Stadt dienen, um Hans-Peter Suermanns Rekord zu brechen. Quelle: Christph Mischke
Göttingen

„Drei Tage nachdem ich als Kämmerer anfing, das war im Jahr 1991, da wies die Stadt erstmals einen geringen, negativen Haushalt aus“, sagte Suermann (CDU) und ergänzt aber gleich darauf hin, dass er dafür nicht verantwortlich zu machen war. Er lacht. Doch in den Folgejahren wurde die Arbeit des begeisterten Tennisspielers nicht einfacher. „Zu Beginn meiner Amtszeit waren die Sorgen noch nicht so groß, der Haushalt war noch stabil.“ Doch dann sei es innerhalb von zehn Jahren steil bergab gegangen, viele neue Aufgaben seien vom Bund auf die Kommunen übertragen worden. Die Stadt musste vermehrt Geld für soziale Leistungen ausgeben, somit gingen die Investitionen zurück. „Und manchmal saß das Geld auch sehr sehr locker“, sagte Suermann, der im Jahr 1949 in Hildesheim das Licht der Welt erblickte.

„Ich habe intern dagegengehalten“

Bis zum Jahr 2001 seien dann die Kassenkredite auf 150 Millionen Euro (damals mehr als 300 Millionen Deutsche Mark) angewachsen, „sehr zum Leidwesen des Kämmerers“, sagte Suermann rückblickend. „Die letzte Entscheidung, ob Geld ausgegeben wurde, trägt aber immer für die Verwaltung der Hauptverwaltungsbeamte, also der Oberstadtdirektor oder dann der Oberbürgermeister. Ich habe intern sehr häufig dagegenhalten müssen, wieder und wieder – aber eben immer nur intern. Es gehört sich nicht als zweiter Mann der Stadt Politik gegen den gewählten Hauptverwaltungsbeamten zu machen“, sagte Suermann, der im Hildesheimer Josephinum mit Griechisch und Latein sein Abitur machte und zum Studieren des Rechts erstmals nach Göttingen kam.

Erste Bestrebungen zur Konsolidierung des Haushaltes hätten, sehr zu seiner Freude, dann mit dem Oberbürgermeister Jürgen Danielowski begonnen. „Der Haushalt mit den vielen Altlasten konnte stabilisiert werden“, sagte Suermann, den es nach Studium und Referendariat in Göttingen ins damalige Ministerium für Wissenschaft und Kunst nach Hannover zog. In Hildesheim lebend, wurde Suermann dann Beigeordneter des Niedersächsischen Städtetages, bevor er im August des Jahres 1988 in Göttingen zum Stadtrat für Recht, Ordnung und Feuerwehr berufen wurde.

„Die große Stunde des Zukunftsvertrages“

Höher schlug das Kämmererherz von Suermann als die „große Stunde des Zukunftsvertrags“ kam, der im Jahr 2012 unterzeichnet wurde. Der sei mit breiter Ratsmehrheit beschlossen worden, sagte Suermann. Er erinnerte daran, dass der Fonds, von dem die Stadt 114 Millionen Euro bekam, zu einem großen Teil von den Kommunen gefüllt worden war.

Dazu seien dann noch deutlich steigende Steuereinnahmen ab 2011 gekommen und so sei es möglich gewesen, dass mit Jahresende 2015 die Kassenkredite auf Null gestellt werden konnten, sagte Suermann, einem der vermeintlich größten Fans des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 in Göttingen. „Die langfristige Verschuldung Göttingens ist im Städtevergleich eher unterdurchschnittlich.“ Allerdings hätte der Kämmerer die Stadt gerne noch länger im Zukunftsvertrag belassen. „Dadurch hätten wird vielfach höhere Förderungen bekommen“, sagte Suermann und verweist auch auf die Nicht-Finanzierung des Anbaus der Sparkassen-Arena, für den es eben keine 90 Prozent Förderung mehr gebe.

Überregionale Gremien

Wichtig war Suermann immer, dass in seinem Dezernat alles gut funktionierte, er sich auf seine Mitarbeiter verlassen konnte. Denn als städtischer Dezernent habe man immer auch die Aufgabe, die Stadt in überregionalen Gremien zu vertreten. So war er im Deutschen und im Niedersächsischen Städtetag für Göttingen ebenso aktiv wie als „Präsident“ der Niedersächsischen Kämmererkonferenz.

Ein ganz besonders Verhältnis pflegte Suermann zur Freiwilligen Feuerwehr. „Ich habe mich da voll reingestürzt“, sagte er. Schon gleich bei seinem ersten Auftritt habe er wohl großen Eindruck hinterlassen. „Beim Stadtfeuerwehrtag in Grone habe ich mit einem launigen Grußwort überzeugen können – und auch noch einen ausgegeben, das ist immer noch Thema, vermutlich weil das vor mir noch niemand gemacht hatte.“ Auch wurde auf seine Initiative eine Anerkennungsprämie bei der Freiwilligen Feuerwehr in Göttingen eingeführt. „Für zehn Jahre Dienst gibt es 100 Euro, für 20 Jahre 150 Euro, für 30 Jahre 200 Euro und für 40 Jahr 250 Euro als Anerkennung“, sagte Suermann.

Als Vertreter des „auf der Ostsee schippernden Oberbürgermeisters“ wurde Suermann im Jahr 2010 zum Göttinger Krisenmanager. „Beim sehr traurigen Fall des Todes der drei Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes auf der Baustelle der Sparkassen-Arena“, sagte Suermann. Er habe dann vor der versammelten deutschen Presse seine Statements abgegeben. „Ich war zwar angespannt, aber eigentlich kaum aufgeregt, sah nur Mikrofone und Kameraobjektive vor mir. Aber als ich das geschafft hatte, wusste ich, dass ich mir bezüglich meiner Arbeit in der Öffentlichkeit keine Sorgen mehr machen muss. So hat mich ein tragisches Ereignis persönlich ein Stück weiter gebracht.“

Hans-Peter Suermann geht nach 27 Jahren und einem Monat Dienstzeit als Göttinger Kämmerer in den Ruhestand – ein Rückblick in Bildern...

Groß ist seine Freude über einen Prozess, den er im Jahr 2001 für die Stadt Göttingen gegen das Land Niedersachsen vor dem Staatsgerichtshof angestrengt hatte. „Ich hatte das Land vorher gewarnt, bei den Zuständigkeiten zwischen Stadt und Landkreis genau zu formulieren. Die haben aber nicht auf mich gehört, und die Stadt bekam 22 Millionen Euro Schadensersatz zugesprochen.“

Nachfolger Christan Schmetz – auch aus Hildesheim

Mit seinem Nachfolger als Erstem Stadtrat und Kämmerer, Christian Schmetz (CDU), hat sich Suermann schon zusammengesetzt und die Übergabe der Amtsgeschäfte veranlasst. „Das hat prima geklappt, Schmetz kommt übrigens auch aus Hildesheim und hat im selben Ortsrat in Ochtersum gesessen wie ich – nur 30 Jahre später“, sagte Suermann.

Ein Rückblick in Bildern Quelle: Frank Beckenbach

Er hat für sich beschlossen, dass er im Ruhestand keinerlei Ehrenämter mehr übernehmen wird. „Ich bin jetzt 68 Jahre, das sollen die Jüngeren machen. Ich werde zwischen Hildesheim, Sylt und Göttingen pendeln, aber in Südniedersachsen wohnen bleiben“, sagte Suermann, der seit 1985 mit Ehefrau Ilona verheiratet ist und zwei Kinder hat. Und viel Tennis spielen, auch wenn seine Knie nicht mehr taufrisch seien. „Doppel, das geht immer.“ Selbstverständlich werde er weiterhin zu den Spielen von Hannover 96 fahren. „Jetzt aber nur noch mit dem Zug, früher bin ich manchmal sehr sportlich schnell mit dem Pkw zum Stadion gefahren.“ Seine Leidenschaft für die „Roten“ hatte Suermann schon in seiner Hildesheim-Zeit begonnen. „Im Jahr 1964 bin ich mit der Familie bei den Aufstiegsspielen dabei gewesen. Danach, wenn die Familie nicht zum Spiel wollte, habe ich mich mit meiner 96-Fahne an die Bundesstraße gestellt. Alle wussten, wo ich hinwollte und ich wurde immer schnell mitgenommen.“ Seit 18 Jahren hat Suermann nun seine Dauerkarte. „Wenn ich es irgendwie einrichten kann, dann bin ich beim Heimspiel dabei, und im Ruhestand werden bestimmt auch noch Auswärtsspiele hinzukommen.“

Von Frank Beckenbach

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