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Thema des Tages Große Lücken in der Breitbandversorgung
Thema Specials Thema des Tages Große Lücken in der Breitbandversorgung
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00:31 17.05.2018
Breitbandabdeckung im Landkreis Göttingen. Quelle: Henrik5000 - istock, Montage: Tater/Reyer / Daten BMVI
Göttingen

Im April erteilte die Göttinger Kreisverwaltung nach langem Vorlauf der Deutschen Telekom den Zuschlag für den Netzausbau mit Glasfaserkabel. Einen entsprechenden Beschluss hatten die Kreistage in den Altkreisen Göttingen und Osterode bereits 2016 gefasst. Landrat Bernhard Reuter (SPD) verkündete nach der Auftragsvergabe: „Mit dem Ausbau im Landkreis Göttingen schließen wir die Lücken in der Breitbandversorgung unserer Region.“

Versorgung mit schnellem Internet in den Landkreisen Göttingen und Northeim Quelle: Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen

„Hier gibt es gar nichts“

In einer dieser Lücken ist das Familienunternehmen Schedetal-Folien GmbH ansässig – direkt an der Bundesstraße 3 zwischen Dransfeld und Hann-Münden. Der Hersteller von Kunststoff-Dichtungsbahnen ist weltweit tätig und hat Bedarf an digitaler Bandbreite. Doch statt große Datenvolumen bewegen zu können, haben die Mitarbeiter schon Probleme, Emails zu empfangen. „Hier gibt es gar nichts“, erklärt Geschäftsführer Nils Altmann ernüchtert.

Man hatte bereits Kontakt zu mehreren Anbietern aufgenommen. Die seien mit einem Messwagen vor Ort gewesen, um nach einem Signal zu suchen – ohne Erfolg. Altmanns Bilanz: „Vertraglich abschließen kann ich alles, ein zuverlässiges Netz habe ich davon aber nicht.“ Und obwohl mehrere Firmen in der Umgebung vor dem selben Problem stünden, habe ihm bisher niemand Besserung in Aussicht gestellt.

Derzeit nutzt die Firma eine Verbindung über Satellit – eine Notlösung mit Einschränkungen in der Anwendbarkeit und hohen Wartungskosten. Eine andere Option – auf eigene Rechnung ein Kabel vom nächstgelegenen Grundstück zu legen – wurde verworfen. Nach Altmanns Schätzungen würden dabei Kosten von 80 000 Euro allein für Erdarbeiten anfallen. Und der Handlungsdruck steigt. „Momentan kommen wir noch zurecht“, so der Geschäftsführer. Aber das Unternehmen wächst und spätestens dann könnte es eng werden.

Versorgung mit schnellem Internet im Landkreis Göttingen Quelle: Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen

Wenig Hoffnung auf eine Anbindung an schnelles Internet

Auch in der Nähe von Dorste verfolgt man die aktuellen Entscheidungen in Göttingen mit großer Aufmerksamkeit. „Nach jeder Pressemitteilung habe ich wieder nachgefragt“, erzählt Uwe Schridde, Betriebsleiter bei der Rump & Salzmann GmbH. Und auf jede Nachfrage habe er die gleiche Antwort bekommen. Für den Steinbruch in einsamer Lage besteht wenig Hoffnung auf eine Anbindung an schnelles Internet. „Wir werden wohl ein weißer Fleck bleiben“, so Schridde.

Dabei gehe seine Kritik nicht in Richtung der WRG – Wirtschaftsförderung Region Göttingen, die mit der Umsetzung des Projekts beauftragt wurde. Er hadert vielmehr mit den Netzbetreibern. Im 1,5 Kilometer entfernten Ührde sind die Privathaushalte an das schnelle Glasfasernetz angeschlossen. Eine Leitung bis aufs Werksgelände soll 160 000 Euro kosten. „Wir erwarten, dass uns ein Telekommunikationsunternehmen das Kabel ins Haus legt.“

Aktuell ist der Standort an der B 241, in dem 25 Mitarbeiter tätig sind, notdürftig über eine Funkleitung (LTE) mit der Außenwelt verbunden. Die Geschwindigkeit ist schwankend und liegt bei 30 Mbit/s. „Manchmal dauert das Öffnen einer Internetseite schon erstaunlich lange“, berichtet Schridde und blickt besorgt in die Zukunft. Demnächst soll hier wie im Rest der Firmengruppe SAP eingeführt werden, was den Bandbreitenbedarf voraussichtlich ansteigen lässt.

Versorgung mit schnellem Internet im Landkreis Northeim Quelle: Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen

Unternehmen greift auf Funkverbindung zurück

Auf der anderen Seite des Landkreises produziert die Awuko Abrasives Wandmacher GmbH in Hann. Münden Schleifmittel. Und auch in dem Traditionsunternehmen ist man mit der aktuellen Internetversorgung nicht zufrieden. Auch hier greift man auf eine Funkverbindung zurück. Und das obwohl das Glasfaserkabel direkt vor der Tür liegt. „Bis zum Firmengelände an der B 80 fehlen keine zehn Meter“, sagt Bernd Brockmeyer, kaufmännischer Leiter des Unternehmens.

Doch statt der Telekom 20 000 Euro für den Anschluss zu bezahlen, entschied die Firmenleitung, zu einem anderen Anbieter zu gehen. Von den 185 Mitarbeitern seien etwa 50 Kollegen regelmäßig im firmeneigenen Netzwerk beziehungsweise im Internet unterwegs. Eine hohe Last für eine Funkverbindung. Daher sei mittelfristig ein Wechsel in Planung, so Brockmeyer.

Ein weiterer Schwenk durch den Landkreis: Auf der Strecke zwischen Herzberg und Osterode hat das Unternehmen Henze-Glas seinen Firmensitz. Hier war man vor noch gar nicht langer Zeit mit 1,6 Mbit/s ans Internet angeschlossen. „Da schlafen Sie ein“, berichtet Geschäftsführer Matthias Zander. Das Unternehmen ergriff selbst die Initiative und fand einen Anbieter, der seit wenigen Wochen die Verbindung mit 50 Mbit/s ermöglicht. „Hier im Industriegebiet sind noch vier Unternehmen ansässig.“ Und in Zeiten der Digitalisierung steigt bei allen der Bedarf. Konkrete Zusagen gibt es auch hier bisher nicht.

Durch die Vertragsunterzeichnung mit dem Landkreis ist die Telekom verpflichtet, jetzt mit der Feinplanung zu beginnen, um Fördermittel bei Bund und Land abrufen zu können. Wann dann die konkreten Arbeiten beginnen, ist noch offen. In der Kreisverwaltung geht man davon aus, dass noch in diesem Jahr gebaut wird.

Überblick über Versorgung

Der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur gibt einen Überblick über die aktuelle Breitbandversorgung in Deutschland.

Wo sind die weißen Flecken?

Was weiße Flecken im Festnetz-Internet betrifft, geben sich die beiden großen Netzbetreiber Deutsche Telekom und Vodafone zugeknöpft. Die Telekom verweist lediglich auf die Ausschreibung zum Breitbandausbau des Landkreises. Eine Karte, wie es sie im Mobilfunkbereich gibt, bieten beide Unternehmen nicht an. Kabelkunden von Vodafone in Dransfeld, Göttingen, Hann. Münden und Rosdorf können mit bis zu 500 Mbit/s im Netz surfen, in Osterode liegt das Maximum bei 400 Mbit/s, in Duderstadt bei 200 Mbit/s.

Genauere Angaben, auch zum DSL-Netz, will man bei beiden Unternehmen nicht machen und verweist lediglich auf allgemeine Ausbaupläne. Konkreter wird da schon der Landkreis. Nach Angaben von Kreissprecher Ulrich Lottmann ist die Liste der weißen Flecken lang:

Stadt Hann. Münden: Bursfelde, Glashütte, Hemeln, Mielenhausen, Oberode und Teile von Hede­münden.

Flecken Adelebsen: Bramburg, Teile von Adelebsen.

Gemeinde Gleichen: Benniehausen, Wöllmarshausen, Teile von ­Rittmarshausen, Kerstlingerode.

Gemeinde Friedland: Elkershausen, Klein Schneen, Stockhausen, ­Niedernjesa, Reckershausen, ­Niedergandern, Lichtenhagen.

Samtgemeinde Dransfeld: Ossenfeld, Bühren, Dankelshausen, Jühnde, Meensen, Barlissen, Teile von Scheden, Teile von Imbsen.

Flecken Bovenden: Teile von ­Lenglern, Billingshausen.

Samtgemeinde Gieboldehausen: Bilshausen, Bodensee, Krebeck, Teile von Gieboldehausen, Wollershausen, Lütgenhausen, Rüdershausen, Teile von Rhumspringe.

Gemeinde Rosdorf: Atzenhausen, Volkerode, Dramfeld, Siebolds­hausen, Klein Wiershausen, ­Olenhusen, Tiefenbrunn, Teile von Obernjesa.

Samtgemeinde Radolfshausen: Teile von Ebergötzen, Teile von Seeburg, Seulingen, Mackenrode.

Gemeinde Staufenberg: Benterode, Teile von Escherode, Teile von Landwehrhagen.

Samtgemeinde Bad Grund: Willensen, Teichhütte, Badenhausen, ­Teile von Eisdorf, Teile von Bad Grund.

Stadt Bad Sachsa: Nüxei, Teile von Neuhof.

Samtgemeinde Hattorf: Teile von Wulften, Teile von Hattorf.

Stadt Herzberg: Auekrug,

Stadt Osterode: Nienstedt, Teile von Förste, Teile von Katzenstein, Teile von Lasfelde.

Gemeinde Walkenried: Teile von Walkenried, Teile von Zorge.

In diesen Gebieten gibt es ent­weder gar keine Netzverbindung oder nur solche Anschlüsse mit 30 Mbit/s oder weniger.

Auch beim Thema Mobiles Internet sind die Auskünfte der Netzbetreiber dürr. Allerdings lassen sich hier in den Karten der Anbieter die Problem­bereiche erkennen

Das Gebiet rund Gleichen, Lichtenhagen, Gelliehausen, Bischhausen, Beienrode, Hohes Kreuz und Groß Lengden sowie Teile von Staufenberg, Witzenhausen und Reinhardshagen sind mit den verfügbaren Verbindungsstandard 4G und LTE (bis zu 50 Mbit/s) bei der Deutschen Telekom nicht gut versorgt. Auch in Herzberg am Harz und nördlich davon sieht es schlecht aus. Das gleiche Bild zeigt sich auch bei Vodafone und O2 Telefonica.

Zu Ausbauplänen, auch für Glasfaser (Kabel, DSL) und den kommenden Mobilfunkstandard 5G, gibt es keine konkreten Angaben. Die Telekom verweist mit Blick auf die weißen Flecken in der Netzversorgung auf allgemeine Probleme wie ausbleibende Genehmigungen, Naturschutz, Topographie oder Mobilfunkgegner, die einen Ausbau des Netzes verhindern können.

Sie kennen weiße Flecken im Landkreis? Teilen Sie sie uns mit!

Von Markus Scharf und Axel Wagner

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