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Thema des Tages Anlaufstelle für Forscher und Fachkräfte
Thema Specials Thema des Tages Anlaufstelle für Forscher und Fachkräfte
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00:17 22.04.2017
Quelle: Eckermann
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Göttingen

Einzelne erfolgreiche Angebote wie die des Welcome Centres der Universität Göttingen oder der „geniusgöttingen-Guide-Service“ der Südniedersachsen-Stiftung sollen für das  Projekt Welcome Centre Südniedersachsen gekoppelt und weiter ausgebaut werden, um zusätzliche Zielgruppen zu erreichen und noch bedarfsgerechter anzusprechen. „Hier bedarf es eines kooperativen regionalen Managements, das die zahlreichen begrenzten Einzelinitiativen verzahnt sowie ergänzt und klare Wege in den Arbeitsmarkt aufzeigt“, erklärt das Wirtschaftsministerium die Idee hinter der zentralen Anlaufstelle für Forscher und Fachkräfte.

Fachkräfte sollen es leicht haben

Im Göttinger Fall seien es Uni und Südniedersachsen-Stiftung, die mit dem Welcome Centre ihre bisherigen Beratungsangebote zusammenlegten, um insbesondere auch ausländische Wissenschaftler und Fachkräfte anzusprechen. Das Ziel: Gut ausgebildete Kräfte sollen es leicht haben, Fuß zu fassen in der Region. Das Land Niedersachsen unterstützt das Projekt „Welcome Centre für den Göttingen Campus und die Region Südniedersachsen, kurz „WeCoCampus&Region“ mit rund 350 000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds für zwei Jahre, die Übergabe des Bescheids steht am Donnerstag an. Ferner ist das Projekt in die Strukturen des Regionalen Fachkräftebündnisses Südniedersachsen eingebunden.

Petra Kirchhoff, Leiterin Unternehmens- kommunikation Sartorius

Das Welcome Centre bietet der Region eine kompetente und serviceorientierte Anlaufstelle für Neu-Göttinger und solche, die einen beruflichen Wechsel in die Region erwägen. Wir unterstützen das Projekt, weil viele Institutionen, auch Sartorius, regelmäßig vor der Aufgabe stehen, neue, ortsunkundige Mitarbeiter zu orientieren, angefangen bei der Wohnungssuche, über die richtige Schule für die Kinder bis hin zum möglichen Arbeitgeber für den Partner.

Petra Kirchhoff Quelle: r

Wir halten es für sinnvoll, die Kräfte zu bündeln und gemeinsam ein Center zu schaffen, das solche Aufgaben für seine Partner übernimmt.

Um Erfahrungen aus den Unternehmen und der Region einzubringen, ist ein breites Netzwerk aufgebaut worden, dem mittlerweile nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mehr als 40 Partner und Unterstützer angehören. Unter anderem beteiligen sich die Landkreise und Städte der Region aktiv am Aufbau des Welcome Centres. Auch IHK und HWK, Unternehmen und weitere regionale Hochschulen tragen das Projekt, dessen räumliches Zentrum sich im Gebäude des Bahnhofsmanagements befinden soll. Im rechten Gebäudeflügel des Bahnhofs soll das „Zentrale Tor zur Region“ entstehen: eine „Welcome Lounge“ als erste Anlaufstelle für Ankommende, die nach Angaben des Ministeriums voraussichtlich im Winter 2017 eröffnet werden soll. Und auch online soll Neuankömmlingen Starthilfe geboten werden: Einer der Schwerpunkte liegt auf dem digitalen Angebot.

Die Idee ist nicht allein in Göttingen angekommen. Weitere Welcome Center gibt es bereits in Braunschweig und Wolfsburg. Zudem existieren in Niedersachsen acht Fachkräftebündnisse in den Regionen, in denen jeweils Ansprechpartner mit ähnlicher Zielsetzung zur Verfügung stehen. Sie erhalten ebenfalls Hilfe: Das Niedersächsische Wirtschaftsministerium fördert die Bündnisse von 2014 bis 2020 mit 26 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds sowie Landesmitteln – und zeigt damit, dass es den Verantwortlichen ernst ist mit dem Ansinnen, die Willkommenskultur stärken zu wollen. „Exzellente Fach- und Führungskräfte sowie Wissenschaftler aus dem In- und Ausland sollen gewonnen und gehalten werden“, hat sich das Ministerium vorgenommen.

Zielgruppen seien Unternehmen, insbesondere kleine und mittelständische, sowie internationale Fach- und Führungskräfte, Wissenschaftler, Studierende und deren Familien. Entsprechend umfasse der Begleitservice für Fach- und Führungskräfte nicht nur das Thema Arbeit. Auch Tipps zum Wohnen und Leben in der Region sollen gegeben werden.

750 000 Euro: Näder unterstützt das Welcome Centre privat

„Eine lange gehegte Idee wird Wirklichkeit“, kommentiert Ottobockchef Hans Georg Näder den Aufbau des Welcome Centres, den er mit 750 000 Euro „aus der privaten Schatulle“ fördere. Er habe bereits vor rund 20 Jahren Ideen gesammelt, eine „Business-Lounge nach dem Vorbild großer Flughäfen“ am Göttinger Bahnhof zu installieren. Damals habe der inzwischen verstorbene Architekt Jochen Brandi Entwürfe für ein Gebäude in der Nähe des Sycor-Geländes geliefert. Zu einer Umsetzung sei es lange Zeit nicht gekommen. Brandis Tod habe zur Folge gehabt, dass viele Gespräche neu hätten aufgenommen werden müssen, so Näder. Für ihn aber sei es eine Herzensangelegenheit gewesen, die Idee voranzutreiben, sagt er. Grund dafür sei die „weltweit große Anziehungskraft der Universität“ mit dem „Haus des Wissens“, das er mit seiner Firma mit einer Viertelmillion Euro unterstütze. Grund sei ebenso das Potenzial der „wirtschaftlichen Leuchttürme in der Region“, zu dem er auch die Möglichkeiten, Start-Ups aufzubauen, zähle.
„Für Fachkräfte und Wissenschaftler ist der Bahnhof ein Hub in die Welt“, erklärt Näder. Dort müsse Gelegenheit gegeben werden, auf Geschäftsreise durchzuatmen, aber auch, sich mit den regionalen Gegebenheiten vertraut zu machen und Kontakte zu knüpfen. „Im Life-Science-Bereich sehen wir tagtäglich, wie wichtig es ist, Wirtschaft und Wissenschaft zu verknüpfen.“ Dies sei auch für andere Branche erstrebenswert. Nachholbedarf sieht Näder unter anderem im Ingenieurwesen. „In dem Bereich müssen wir uns in Südniedersachsen mit den Metropolen der Welt messen. Umso wichtiger ist es, angemessen willkommen zu heißen.“ Für die Zukunft hoffe er darauf, dass in Göttingen ein optisch ansprechender und informativer Anlaufpunkt entstehe, der durch ein breites digitales Angebot unterstützt werde. Und dass das Projekt nicht irgendwann in Geldnot gerate. Hier seien die Initiatoren gefragt – aber auch die Vertreter der Politik. ne

Dr. Martin Rudolph, Leiter der Geschäftsstelle Göttingen der IHK Hannover

Bisher schon von der Universität Göttingen und der SüdniedersachsenStiftung getrennt und für unterschiedliche Zielgruppen angebotene Dienstleistungen für neu ankommende Fach- und Führungskräfte werden jetzt unter einem Dach zusammengefasst. Die gesamte Region erhält ein Angebot aus einem Guss. Hier entsteht endlich das attraktive Tor in die Region, das wir schon lange am ICE-Halt Göttingen brauchen. Im Wettbewerb um gut ausgebildetete Fachkräfte sind Wirtschaft und Wissenschaft auf ein attraktives Umfeld mit gutem Regionalmarketing nach innen und außen angewiesen.

Martin Rudolph Quelle: r

Das gemeinsame Welcome Centre für den Göttingen Campus und die Region Südniedersachsen ist ein gutes Fundament, um darauf weitere gemeinsame Aktivitäten in der Region aufzubauen. Das Engagement der regionalen Mittel- und Grundzentren als aktive Außenstellen des Centres wird wesentlich dazu beitragen, die etablierten und neuen Dienstleistungen für Unternehmen im ländlichen Raum viel stärker als bisher sicht- und nutzbar zu machen.

Klaus Hoffmann, Vorsitzender der Südniedersachsenstiftung

Mit dem Welcome Centre stärken wir die Region als Ganzes ebenso wie die einzelnen Kommunen. Es dient Fachkräften und deren Familien als Tor nach Südniedersachsen und bietet detaillierte Informationen über die jeweiligen Zielorte. So profitieren insbesondere auch die Mittel- und Grundzentren von dem Angebot.

Klaus Hoffmann Quelle: r

Für Südniedersachsen ist das Projekt ein weiterer Meilenstein, um im internationalen Wettbewerb um gut qualifizierte Fachkräfte zu punkten und sich als attraktiver Lebensraum mit Zukunft zu präsentieren.

Dr. Sabine Michalek, Bürgermeisterin der Stadt Einbeck

Das Projekt Welcome Centre zeichnet sich insbesondere durch zwei Aspekte aus: Zum einen der regionale Ansatz und zum anderen die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft in der Region Südniedersachsen. Die Besetzung von offenen Stellen mit qualifizierten Fach- und Führungskräften ist ein gemeinsames Anliegen der Hochschulen und der Unternehmen in der Region Südniedersachsen.

Sabine Michalek Quelle: r

Das Projekt Welcome Centre unterstützt sie dabei, indem es eine Anlaufstelle für alle in diesem Zusammenhang auftretenden Fragestellungen schafft. Die aufeinander abgestimmten Angebote der zentralen Welcome Lounge in Göttingen und der dezentralen Anlaufstellen in den Rathäusern der Region machen Südniedersachsen nah und persönlich. Somit wird unsere Region für die „neuen“ Fachkräfte und ihre Familien erlebbar und bietet ihnen die Möglichkeit, die Region schnell kennenzulernen und sich hier bald zu Hause zu fühlen.

Regionales Fachkräftebündnis Südniedersachsen

Im Regionalen Fachkräftebündnis Südniedersachsen haben sich die Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode am Harz sowie die Stadt Göttingen zusammengeschlossen. Weitere Bündnis-Partner sind die IHK Hannover, Geschäftsstelle Göttingen, die HWK Hildesheim-Südniedersachsen, Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen, der Arbeitgeberverband Mitte, der DGB Region Südniedersachsen-Harz, IG Metall Süd-Niedersachsen-Harz sowie Ver.di Bezirk Süd-Ost-Niedersachsen und die Agentur für Arbeit Göttingen.

Regionale Fachkräftebündnisse in Niedersachsen, Übersicht des Wirtschaftsministeriums. Quelle: Screenshot

Außerdem engagieren sich die Georg-August-Universität Göttingen, die PFH Private Hochschule Göttingen und HAWK Hildesheim Holzminden Göttingen, die WRG Wirtschaftsförderung Göttingen GmbH mit der GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH, dem Regionalverband Südniedersachsen e.V., der Beschäftigungsförderung Göttingen kAÖr, der Gesundheitsregion e.V. und dem  Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft. Beteiligt sind auch das Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig, Projektbüro Südniedersachsen, und die SüdniedersachsenStiftung. Das Erwerbspersonenpotenzial beziffert das Wirtschaftsministerium auf 247000. Das virtuelles Budget für drei Jahre liegt bei 610000 Euro.

http://www.mw.niedersachsen.de/assets/image/zoom/132211

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