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Thema des Tages Welches Studium darf’s sein?
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20:05 05.03.2018
Lina Buschmann (re.) aus der Nähe von Hamburg ist physikbegeistert. Sie möchte in Göttingen studieren und probiert mit der Studentin Anna-Marie Strehl (li.) die Elektrisierungsmaschine aus. Quelle: Foto: Hinzmann
Göttingen

60 Informationsstände und mehr als 150 Veranstaltungen bieten die Informationstage, die die Universität Göttingen am Montag und Dienstag im Zentralen Hörsaalgebäude ausrichtet. Tausende Studieninteressierte, Schulklassen, aber auch Einzelpersonen haben am Montag die Veranstaltung besucht.

„Professoren und Studierende der 13 Fakultäten der Universität stellen die im Vergleich zu anderen Hochschulen ungewöhnlich große Bandbreite an Studienmöglichkeiten vor“, hob Organisatorin Claudia Wüllner von der Zentralen Studienberatung hervor. An den Ständen könnten sich Schüler unter anderem auch über Stipendien, die Mensen, Wohnheime, den Hochschulsport oder Sprachunterricht schlau machen.

„Erstmals haben wir in diesem Jahr einen Ruhebereich eingerichtet, da die jungen Menschen doch sehr viele Informationen aufnehmen müssen,“ sagte Wüllner. Neu sei zudem die Social-Media-Wand mit aktuellen Twitter- und Instagram-Nachrichten. Angeschrieben habe die Universität 450 Schulen in einem Umkreis von 150 Kilometern. Einzelpersonen reisten zum Teil auch von weiter her an. Wie in den Vorjahren erwarte die Hochschule 5000 Besucher.

Aus Bremen hatte sich am Montag Dominik Wolters (19) auf den Weg gemacht. Psychologe, Lehrer oder Arzt würde er gerne werden, erzählte er. Um sich zu orientieren, sei er nach Göttingen gekommen. Die Universität in Bremen sei mehr technisch ausgerichtet. Göttingen gelte zudem nicht als teuer. Als Studienort kommt für ihn auch Hannover infrage. Zurzeit absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr.

Den Bachelor in Psychologie mit Schwerpunkt Pädagogik macht Emma Prüßner (22) gegenwärtig an der Universität Hildesheim. Nach einem Auslandssemester in Mexiko möchte sie gerne im Anschluss in Göttingen Spanisch und Mathematik auf Lehramt studieren. Den Infotag nutzte sie, um den Studienortwechsel vorzubereiten. Zudem machte sie einen Spanisch-Leistungstest.

Modedesign würde Luca Keller (18) aus Adelebsen gerne studieren. „Dazu müsste ich aber nach Berlin oder Hamburg ziehen“, schilderte er sein Problem. Deshalb suche er nach einem Fach, für das er sich auch in Göttingen einschreiben könne. Erstmals erfuhr er hier an der Universität etwas über Geschlechterforschung. Interessieren würde ihn Theologie. In diesem Jahr habe er sich bei den Kirchenvorstandswahlen aufstellen lassen. Keller gefiel, dass er an den Ständen angesprochen wurde und alle sehr hilfsbereit seien.

Numerus Clausus

Wenn es den Numerus clausus nicht gebe, würde Nora Michelle Weber (18) aus Bovenden Psychologie studieren. Biologie oder Mediendesign gehören zu ihren weiteren Favoriten. Sie lobte, dass Studierende an den Ständen Informationen aus erster Hand weitergeben.

Eltern kommen mit ihren Kindern aus Prag

Mit Sohn und Tochter, die an der deutschen Schule in Prag die zehnte und elfte Klasse besuchen, waren Lilian und Gunter von Stark (49 und 44 Jahre) nach Göttingen gekommen. Dort hat Gunter von Stark nach dem Abitur in Clausthal-Zellerfeld Anfang der 90er-Jahre Betriebswirtschaftslehre studiert. Nun würde er sich freuen, wenn der Sohn dort ebenfalls BWL oder die Tochter Medizin oder Psychologie studieren würde. „Von dem Tag der offenen Tür haben wir über das Internet erfahren“, sagte Ehefrau von Stark.

Syrerin will Zahnärztin werden

Beratungsangebote gab es auch für Geflüchtete. Vor einem guten Jahr ist Amar Shamma (19) aus Syrien nach Deutschland gekommen. „Ich habe zu Hause bereits meinen Realschulabschluss gemacht, muss ihn aber an der Abendschule wiederholen, da ich mein Abschlusszeugnis nicht mehr habe“, erzählte die Syrerin. Zahnärztin oder, wenn das nicht gehe, Zahntechnikerin wolle sie werden.

Abitur wird nicht anerkannt

Informatik oder Ingenieurswesen möchte Abdulaziz Alfatithe (20) aus dem irakischen Mossul studieren. Er komme mit Zahlen besser zurecht als mit der deutschen Sprache, sagte der Flüchtling. Das Problem sei nur, dass sein Abitur für die genannten Fächer nicht anerkannt werde. Er habe es an keinem mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium absolviert. Seit gut zwei Jahren lebe er in Deutschland, gegenwärtig in Holzminden.

Dekan Frey und Student Papenfuß mit einem der Elektro-Rennwagen, die Studierende der HAWK bauen. Quelle: Julian Habermann

Bau von Rennwagen im Studium

Knapp 300 Schüler sind für die dreitägigen Infotage der Göttinger Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) angemeldet. Sie erfahren, welche Studiengänge es gibt und welche Möglichkeiten ein Abschluss bietet.

Es gehe darum, Möglichkeiten aufzuzeigen, erklärt der Organisator Peter Kärst den Sinn der Informationstage. Studenten können an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik die Fächer Elektrotechnik/Informationstechnik, physikalische Technologien und Präzisionsmaschinenbau sowie Laser- und Plasmatechnik studieren. Jeder der drei Infotage hat zwei Informationsblöcke, die den Studiengängen zugeordnet sind. „Da gibt es dann einen Vortrag und wir schauen durch die Labore. Im Schnitt haben wir hier immer so 300 bis 350 Schüler und Schülerinnen über die drei Tage verteilt. Dieses Jahr sind es knapp 300“, teilt Kärst mit.

Torben Kalisch ist zu den Infotagen gekommen, weil er Informatik studieren will. „In der Schule sind die Abläufe sehr bestimmt geregelt“, sagt der Schüler einer Berufsbildenden Schule. Im Studium sei das alles etwas lockerer, meint er. Das Informationsangebot findet er „ganz okay“..

„Wir entwickeln in jedem Jahr einen neuen Elektrorennwagen und versuchen, was wir im alten Fahrzeug an Technik eingebaut hatten, zu optimieren“, sagt Lukas Papenfuß. Er vertritt das studentische Projekt „Formula Student“ der HAWK. „Wir möchten bei den Infotagen neue Schüler und Studenten dafür begeistern, am Projekt teilzunehmen und praktische Erfahrungen während des Studiums zu sammeln. Im Sommer nehmen wir an Rennen teil, zum Beispiel auf dem Hockenheim-Ring. Da treten wir dann gegen Teams anderer Universitäten an.“ Die maximale Geschwindigkeit im Studentenbereich liege aus Sicherheitsgründen bei 110 Stundenkilometern. „Es gibt im Formel-Eins-Bereich Rennwagen, die erreichen bis 300 Stundenkilometer“, sagt Papenfuß.

„Das Angebot der Infotage wird sehr gut angenommen“, sagt der Dekan der HAWK-Fakultät, Christopher Frey. „Die Schüler bestätigen mir immer wieder, dass das klasse ist, wenn sie mit den Professoren in Kontakt treten können und die Hochschule von innen sehen“, betont Frey.

Die Besucher kämen aus Göttingen, aber auch aus dem Umland, erläutert Kärst. Die meisten sind von berufsbildenden Schulen. Kärst: „Am Dienstag wird vom Felix-Klein-Gymnasium eine große Klasse aus den Leistungskursen Mathe und Physik da sein.“

Die HAWK sei stark in der Forschung und die Zahl der Studenten an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik sei mit etwa 650 Personen seit Jahren ziemlich stabil. Die meisten Studierenden seien männlich. „Das ist deutschlandtypisch. In anderen Ländern ist das anders: In Italien beispielsweise, aber auch in islamischen Ländern ist die Frauenquote der Studierenden von Ingenieurswissenschaften eine ganz andere, weil auch der Stellenwert der Ingenieurswissenschaften in diesen Ländern ein anderer ist“, erklärt Kärst. Die Quote der Frauen, die etwas im technischen Bereich studierten, sei in Deutschland niedriger.

Von Michael Caspar und Julian Habermann

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