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Eine Feuerwehr - „nicht nur auf dem Papier“

Interview mit Kreisbrandmeister Volker Keilholz Eine Feuerwehr - „nicht nur auf dem Papier“

Ein Landkreis und eine Kreisfeuerwehr: Das „Wir-Gefühl“ der 159 Feuerwehren stärken ist eines der Ziele des ersten gemeinsamen Kreisbrandmeisters für Osterode und Göttingen.

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Volker Keilholz ist 54 Jahre alt, verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder. Seit einigen Monaten ist er zudem stolzer Großvater. Der gebürtige Eberhäuser war lange Gemeindebrandmeister in Adelebsen sowie stellvertretender Kreisbrandmeister. Heute lebt er in Obernfeld.

Quelle: Hartwig

Die Feuerwehren zweier ehemaliger Landkreise zusammen zu führen, das klingt nach viel Arbeit. Machen Sie das hauptberuflich?

Nein, in Niedersachsen sind die Kreisbrandmeister Ehrenbeamte. Das gilt auch für meine beiden Stellvertreter, Carsten Beuermann aus Scheden und Karsten Krügener aus Bad Grund. Für diese beiden Kandidaten haben sich die Stadt- und Gemeindebrandmeister aus Osterode und Göttingen sowie die Abschnittsleiter mit großer Mehrheit ausgesprochen. Alle unter einen Hut zu bringen, das ist vermutlich keine leichte Aufgabe.

Das Entscheidende daran ist, die Strukturen in den beiden ehemaligen Landkreisen zusammen zu bringen. Wir sind zwar alle Feuerwehr, aber das heißt nicht, das alles identisch ist. Welche Strukturen sind das?

Beispielsweise gibt es in Osterode einige andere Abläufe. Welche Feuerwehrtechnische Zentrale (FTZ) hat welche Aufgaben? Wie arbeiten die Feuerwehren mit der Verwaltung zusammen? Solche internen Dinge waren bislang noch unterschiedlich.

Es gibt also viel, was noch zu vereinheitlichen ist?
Nein, so viel ist das gar nicht. Wir müssen einfach miteinander reden. Allein in der aktiven Feuerwehr haben wir 4500 Mitglieder, dazu kommen Jugend-, Kinder- und Werksfeuerwehren sowie 16 Feuerwehr-Kapellen. Es gibt darüber hinaus noch die drei Feuerwehrverbände Göttingen, Osterode und Duderstadt-Eichsfeld. Letztere werden auch bestehen bleiben und nicht fusionieren.

Ihr Vorgänger war ja auch Vorsitzender des Feuerwehr-Verbandes. Wollen Sie das auch übernehmen?
Nein. Neu ist, dass der Kreisbrandmeister keine Vorstandsarbeit in einem der drei Verbände übernehmen wird. Ich möchte nicht, dass bei meinen Entscheidungen Interessenskonflikte entstehen, weil ich in einem der drei Verbände an der Spitze aktiv bin.

Was ist Ihr wichtigstes Anliegen in neuen Amt?
Das wir so schnell wie möglich eine Kreisfeuerwehr werden. Und das nicht nur auf dem Papier.

Woran macht man das fest? Dass ein Bad Grundner sagt, er ist Mitglied der Feuerwehr Göttingen?
Nein. Daran, dass beispielsweise ein Bad Grundner nicht einen Schritt nach hinten geht, weil er denkt, dass 38 Osteroder 121 Göttinger Feuerwehren gegenüber stehen. Künftige Planungen gehen nur gemeinschaftlich.

Welche Planungen meinen Sie?
Ab März wird es Arbeitsgruppen geben, die jeweils einer meiner Stellvertreter leitet. Darin geht es unter anderem um einen Schlauch- und einen Atemschutzverbund. Es gibt bereits Arbeitsgruppen der Bürgermeister, die eine Vereinheitlichung vorbereiten. Für die Unterhaltung der Schläuche und Geräte sind grundsätzlich die Kommunen zuständig, aber auch in diesem Bereich lassen sich durch gemeinsame Verbünde unter Einbeziehung der beiden FTZ  als gemeinsame Dienstleister erhebliche Verbesserungen schaffen.   Des Weiteren wird es eine Arbeitsgruppe Kreisfeuerwehrbereitschaften - zu Ausstattung, Fahrzeugbeschaffungen - geben. Für die Schlauchpflege gibt es eine Zweckvereinbarung mit der Stadt Göttingen und die Berufsfeuerwehr leistet die Pflege. In Osterode erfolgt die Pflege in der FTZ Katzenstein.

Was machen die FTZ denn bislang?
Beispielsweise jährlich rund 17 000 Geräte prüfen; einmal pro Jahr wird jedes Fahrzeug geprüft, Elektrogeräte und Atemschutzgeräte müssen gesetzlich vorgeschrieben ebenfalls geprüft werden. Dafür sind in Katzenstein drei und in Potzwenden vier eigene hauptamtliche Mitarbeiter im Dienst.

Und worum geht es bei der Fahrzeugbeschaffung? Derzeit stellen die Gemeinden auch einen Großteil der Fahrzeuge für die Kreisfeuerwehrbereitschaft, die bei größeren Lagen alarmiert wird. Zahlen muss dafür allerdings die Gemeinde, die die Einsatzfahrzeuge dafür anschaffen und für die Bereitschaft aus dem Bestand abstellen. Deshalb wollen die Stadt- und Gemeindebrandmeister erreichen, dass es für die Anschaffung neuer Fahrzeuge einen einheitlichen Zuschuss vom Landkreis gibt. Diese Fahrzeuge werden dann auch für die Bereitschaft zur Verfügung gestellt. Derzeit ermitteln wir den Fahrzeugbestand und analysieren ihn. Auch für die Einsatzbekleidung möchten wir eine Zuschuss erreichen. In den vier Kreisfeuerwehrbereitschaften sind 64 Fahrzeuge von den Städten und Gemeinde sowie 37 Fahrzeuge vom Landkreis Göttingen im Einsatz
Bislang muss der Landkreis nichts für diese Bereitschaft der Gemeindefeuerwehren bezahlen. Warum sollte er es also tun?
Weil vielleicht Druck von den Freiwilligen Feuerwehren kommt und die Fahrzeuge nicht immer eins zu eins ersetzt werden. Wir müssen uns alle an einen Tisch setzen und gucken, was man machen kann. Ich möchte das gemeinschaftlich lösen.

Das hört sich an, als ginge es um erhebliche Investitionen?
Wir haben unsere Mittel bis 2019 bereits angemeldet. Jetzt setzen wir uns daran, und schauen, welche Investitionen Priorität haben.

Der neue Landkreis ist groß, Sie können ja nicht überall sein. Zu welchen Einsätze fahren sie raus?
Beispielsweise bei Großbränden, Gefahrgut-Einsätzen oder bei Vorfällen mit einer großen Anzahl von Verletzten. Ich habe ja zwei Stellvertreter und Abschnittsleiter mit ihren Stellvertretern. Dennoch ist es mit wichtig, auch vor Ort bei den Einsatzkräften zu sein. Dieses Wir-Gefühl ist mir wichtig. Ich gehe gerne raus, höre den Leuten zu und versuche, sie zusammen zu bringen.

Und darüber hinaus haben Sie noch einen Vollzeitjob?
Ja, ich bin seit 39 Jahren bei Bosch als technischer Angestellter beschäftigt. Zum Glück spielt mein Arbeitgeber mit und ermöglicht mir den ehrenamtliche Einsatz für die Feuerwehr schon all die Jahre. Als ich mein Bundesverdienstkreuz dafür erhielt, war mein Werkleiter auch dabei. Ohne Bosch ginge das alles gar nicht.

Was steht dieses Jahr noch an?
Wir planen eine Großveranstaltung für alle Führungskräfte der Kreisfeuerwehr und der 18 Kommunen im Herbst. Dann hat jeder die Möglichkeit, seine Feuerwehr und Kommune vorzustellen und die Leute können sich einmal persönlich kennenlernen. Dann wollen wir auch die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen vorstellen. Wir wollen auch die vier Werksfeuerwehren ansprechen und die Zusammenarbeit mit ihnen ausbauen. Mir ist es wichtig, dass wir es schaffen, eine große Gemeinschaft zu werden. Nur wenn wir Führungskräfte gemeinsam eine Meinung vertreten, können wir auch zur Kreisverwaltung gehen, und etwas schaffen. Außerdem habe ich vor, jetzt erst einmal möglichst viele Jahreshauptversammlung im Altkreis Osterode zu besuchen und mich persönlich vorzustellen. Zuhören und miteinander reden, das ist mir wichtig. Ich möchte damit noch einmal besonders deutlich machen, dass wir nur zusammen eine gemeinsame Kreisfeuerwehr sind und entsprechend dem Leitspruch „Gemeinsam sind wir stark“ agieren.

Entdecken Sie dort im neuen Landkreis noch Ecken, die Sie noch nicht kennen?
Ich bin ganz ehrlich: Ja.

Wie sieht es mit der Nachwuchsförderung und der Einführung des Digitalfunks aus?
Wir werden am 11. Februar auch die Kreisjugendfeuerwehren zusammenführen und mit einer neuen Satzung versehen. Der Digitalfunk ist bis auf wenige Ausnahmen flächendeckend eingeführt.

Wie schaffen Sie das alles?
Ich habe es mir ja ausgesucht. Ich bin ein Familienmensch, meine Frau hält mir zu Hause den Rücken frei und wir schaffen es in der Regel auch, einmal in der Woche einen Familientag zu organisieren.

Interview: Britta Bielefeld

Kreisfeuerwehr in Zahlen

Die Kreisfeuerwehr Göttingen hat 159 Ortsfeuerwehren mit rund 4500 Mitgliedern. Dazu kommen 133 Jugendfeuerwehren mit 1580 MItgliedern und 59 Kinderfeuerwehren (830 Mitglieder). Vier Werksfeuerwehren und 16 Feuerwehrkapellen- und Spielmannszüge kommen hinzu. Die drei Feuerwehrverbände, die Vereine, die die Verbandsarbeit der aktiven Feuerwehren übernehmen, bleiben bestehen. Der Landkreis Göttingen investiert in den Jahren 2017 bis 2020 etwa 5,7 Millionen Euro in den Brandschutz und noch einmal knapp 350 000 Euro in den Katastrophenschutz. Geplant sind laut Kreisverwaktung unter anderem die Beschaffung von Fahrzeugen sowie der Ausbau und die Ausstattung der Feuerwehrtechnischen Zentralen  in Potzwenden und Osterode-Katzenstein. Die Planungen stehen unter dem Vorbehalt der Verabschiedung und Genehmigung der Haushalte.

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