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Thema des Tages „Die neue Situation als Chance begreifen“
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00:21 28.09.2018
Joachim Kreuzburg Quelle: CHH
Göttingen

Das Welcome Centre Göttingen kommt. Allerdings soll diese Einrichtung entgegen ursprünglichen Planungen nicht im Bahnhof realisiert werden, sondern im Forum Wissen seinen Platz finden. Die Hintergründe dazu erklären die Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel, Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg und der ottobock-Chef Hans Georg Näder im Interview mit dem Tageblatt-Chefredakteur Uwe Graells.

Frau Beisiegel, warum ist der Standort am Forum Wissen für das Welcome Centre besser als der am Bahnhof?

Ulrike Beisiegel: Wir haben in den vergangenen Monaten die baulichen Gegebenheiten im Nordflügel des Bahnhofs untersucht und dazu zwei Fachgutachten in Auftrag gegeben. Diese haben gezeigt, dass sich die Räume nicht so umbauen lassen, wie es unser Konzept vorgesehen hatte. Die Ergebnisse beider Gutachten und die damit verbundenen Konsequenzen waren im Vorfeld der Untersuchungen nicht absehbar gewesen.

Das war der Moment, in dem wir gesagt haben, dann müssen wir mit unseren Partnern noch mal sprechen und überlegen, was wir nun machen.

Herr Näder, wie bewerten Sie diesen Schritt, mit dem Welcome Centre ins Forum Wissen zu gehen?

Hans Georg Näder: Zwischendrin habe ich mich gefragt, warum es so still um das Gebäude am Bahnhof war… Natürlich unterstütze ich gemeinsam mit den weiteren Akteuren Frau Beisiegel bei ihren Bemühungen zu 100 Prozent. Wir alle wollen dieses Forum Wissen zu einer richtigen Attraktion machen, für Göttingen, für die Region, aber auch für unsere weltweiten Aktivitäten. Und so stellt sich mir eigentlich nur eine Frage: Wie kommen die Bahnreisenden trockenen Fußes vom Bahnhof die 100 Meter ins Welcome Centre? Dafür muss es eine Lösung geben. Wir können keinem Besucher aus China oder Japan bei strömendem Regen in Südniedersachsen zumuten, mit seinem Koffer durch die Gegend zu laufen. Das heißt, es muss ein Konzept her, indem ein überdachter Übergang, der wetterfest ist, zur Verfügung steht. Der Übergang muss so schnell wie möglich mit Kosten unterlegt werden. Und dann werden wir dementsprechende Mittel finden müssen, sei es beim Land, der Stadt Göttingen, bei der Universität oder allen Beteiligten gemeinsam. Erst einmal müssen wir wissen, was so ein Übergang überhaupt kostet.

Herr Kreuzburg, Sie haben ja seitens Sartorius großes Interesse an einem schnellen Start des Welcome Centre. Wie sehen Sie diese neue Situation?

Kreuzburg: Wir sind in der Tat sehr daran interessiert, dass es mit dem Welcome Centre über die bisherigen guten und hilfreichen Aktivitäten hinaus zügig voran geht. Sartorius hat von Anfang an bereits die von Frau Caspar-Hehne angeschobene Konzeptionsphase mit Ideen und finanziell unterstützt. Schon heute ist es sowohl für die Hochschulen als auch für die Unternehmen nicht leicht, geeignete Mitarbeiter für Göttingen zu begeistern, und das dürfte mit Blick auf die Demografie in den nächsten Jahren noch schwieriger werden. Da kann eine attraktive und professionell betriebene Anlaufstelle für Neuankömmlinge einen echten Unterschied machen.

Frau Beisiegel, gibt es Änderungen im Zeitplan, wenn es nun einen neuen Standort geben soll?

Da die Universität Göttingen in ihrer Eigenschaft als Stiftungsuniversität die Bauherreneigenschaft besitzt, können wir den Umbau selbst planen und umsetzen. Wenn wir uns mit allen Partnern abgestimmt haben, beginnen wir mit der neuen Bauplanung, damit der Umbau dann schnellstmöglich beginnen kann.

Die Nutzung des Forum Wissen ist ja schon klar, und das hier wäre dann ein Zusatzbauantrag, der hoffentlich nicht so schwierig sein dürfte. Wir wollen auch sofort anfangen. Ich hoffe, dass wir zeitlich nicht weiter in Verzögerung kommen, und da wir jetzt in unserer eigenen Immobilie arbeiten, bin ich da ganz optimistisch. Das zeitliche Drängen unserer Partner verstehe ich aber sehr gut, Sie glauben gar nicht, mit wie viel Energie und Engagement – und wie viel Ungeduld – insbesondere meine Vizepräsidentin Frau Casper-Hehne dieses Projekt vorantreibt. Insofern wollen wir das Projekt ganz sicher beschleunigen, und das gilt dann auch für die Pergola.

Trauen Sie sich denn, einen Eröffnungsmonat für diesen Standort zu nennen?

Beisiegel: Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös. Das kann ich erst, wenn wir mit allen Partnern gesprochen haben und die Bauplanung steht. Ich hoffe aber, dass wir sehr bald einen klaren Fahrplan haben. Der Nordflügel der Zoologie steht ja bereits leer. Aber es wäre jetzt nicht vernünftig, sich festzulegen. Den Verlauf solcher Baumaßnahmen kann ich selbst nicht beurteilen, das überlasse ich den Experten. Ich könnte nur einen Wunsch äußern, aber das hilft ja in der Regel nicht.

An die beiden großen Förderer dieses Projektes die Frage, wie man jetzt abschließend diesen Punkt der zeitlichen Komponente bewertet. Eigentlich sollte das Welcom Centre bereits in diesem Jahr in Betrieb sein.

Näder: Mit einem kleinen Augenzwinkern freue ich mich natürlich, wenn uns das Baumanagement der Universität Göttingen zeigen kann, dass sie dort schnellbootfähig sind. Zweitens muss die erwähnte fußläufige, wetterfeste und möglichst auch noch attraktive Anbindung vom Bahnhofsgebäude entstehen, die wir mit visuellen Reizen aufladen sollten. Dazu können wir uns bei den Leuchttürmen der Region bedienen. Dabei denke ich an die Wirtschaft, aber auch unsere vielen Nobelpreisträger, die wir in Göttingen haben. Das geht ohne großen Aufwand. All das müssen wir jetzt schnell angehen, sonst verliert die Idee an Kraft.

Und dann vielleicht noch eine Anmerkung zu den Betreuern der Hotelgruppe Freigeist. Die müssen die gewünschte Bewirtschaftung der Gäste natürlich auch leisten können und dementsprechend das Welcome Centre personell mit Gastgebern besetzen, die dann ihre Gäste aus der ganzen Welt dementsprechend empfangen und eben auch begleiten.

Beisiegel: Vielleicht ganz kurz, wenn ich darf: Das Hotel Freigeist ist ein wichtiger Punkt, aber die haben ja den Wettbewerb gewonnen, unsere Caféteria, die direkt daneben liegt, zu betreiben. Insofern glaube ich, haben wir da ganz gute Karten.

Näder: Hospitality muss dafür sorgen, dass sich die Menschen angesprochen und betreut fühlen. Und darauf werde ich ein positiv-kritisches Auge halten. Joachim Kreuzburg sicher auch. Aber was jetzt wirklich notwendig ist, ist Geschwindigkeit und schnellstens eine Lösung über einen fußläufigen Zugang, für den auch die Universität im Zweifel Mittel investieren muss. Im Moment wird ja immer in meine Richtung geschielt, aber jetzt muss die Uni auch ran. Und auch da werden wir freundschaftlich begleitend draufgucken. Also mir ist ganz wichtig, totaler Schulterschluss in der Sache. Sowieso mit Frau Beisiegel, die ja ganz andere Herausforderungen zu managen hat. Aber eben auch proaktiv, kritisch im Detail. Wenn wir das jetzt machen, dann wollen wir auch wirklich eine gute Lösung finden.

Herr Kreuzburg, bitte Ihre Sicht der Dinge, Ihr Fazit. Und wie bedeutsam ist auch für Sie das Thema, trockenen Fußes vom Bahngleis zum Welcome Centre zu gelangen?

Kreuzburg: Klar, das ist wichtig, und man sollte die neue Situation als Chance begreifen, denn nun kann eine gute Verbindung vom Bahnhof nicht nur zum Welcome Centre, sondern auch zum Haus des Wissens geschaffen werden. Zum Thema Hospitality: Wenn wir gemeinsam Leute von Göttingen überzeugen wollen, dann brauchen wir Informationen, Service und praktische Hilfen, idealer Weise aus einer Hand, vorausgesetzt die Kompetenz und Qualität sind absolut top. Und wie gesagt: lieber heute als morgen.

Beisiegel: Noch eine Sache: Ich stimme mit allem überein und wir nehmen die Herausforderung an. Aber weil Sie eben fragten, wann es anfängt. Das Welcome Centre arbeitet ja schon. Die Beschäftigten in den neuen Regionalbüros betreuen bereits 51 Fälle aus der Wirtschaft mit insgesamt 75 Personen, neun Unternehmen sind aktiv beteiligt. Das Welcome Centre der Universität betreut 450 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler pro Semester. Das Welcome Centre, und das ist ja wichtig, weil die SüdniedersachsenStiftung und das Land Geld investiert haben, läuft – im Moment eben in den Räumen der Universität und in den Regionalbüros. Ich muss sagen, das ist schon eine gute Leistung. Und auch, dass die Wirtschaft schon mit so vielen betreuten Personen dabei ist, finde ich sehr gut.

Neuer Standort für das Welcome Centre

Die Pläne für die Zentrale des Welcome Centres im Göttinger Bahnhofsgebäude sind ad acta gelegt: Aus bautechnischen Gründen erhält die erste Anlaufstelle für Fach- und Führungskräfte von Hochschulen und aus der Wirtschaft ein neues Domizil. Die Universität Göttingen bestätigte am Freitag die Information. Die

Im zukünftigen Forum Wissen soll das Welcome Centre eingerichtet werden. Quelle: Peter Heller

ersten Regionalbüros sind in diesem Jahr in Northeim und Osterode eröffnet worden. Im Oktober ist das Büro der Stadt Göttingen an der Reihe, vier weitere folgen. Für die Zentrale des Welcome Centres wurde der Nordflügel des Bahnhofsgebäudes ausgewählt. Doch die Bauvorarbeiten haben nun ergeben, dass die Unterbringung entsprechend der architektonischen Vorstellungen nicht umzusetzen sind. Aus der „Welcome Lounge“, die im Januar 2019 im Bahnhof eröffnen sollte, wird an der Stelle nichts.

Der neue Standort ist in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof zu finden: Das derzeit im Umbau zum Forum Wissen befindliche Gebäude an der Berliner Straße soll nun das Domizil fürs Welcome Centre werden. Dort kann alles so gebaut werden, wie geplant. Nach Tageblatt-Informationen werden dort keine bautechnischen Probleme erwartet, da der gesamte Komplex derzeit umgebaut wird. Für die an der Stelle vorgesehene Unterbringung eines Graduiertenkollegs ist bereits Ersatz in einem anderen Gebäude der Universität Göttingen gefunden worden.

Das Projekt Welcome Centre unterstützen derzeit mehr als 40 Partner, darunter Hochschulen, Wirtschaftsunternehmen, Verbände und Kommunen aus den Kreisen Göttingen und Northeim sowie die beiden Landkreise selbst. Aufgabe der Teams in den Büros des Welcome Centres ist es, Fachkräften aus dem In- und Ausland beratend und betreuend zur Seite zu stehen in allen Fragen, die sich beim Wechsel von Lebensmittelpunkt und Berufsstandort ergeben. Das Projekt wird bis Ende 2019 vom Land Niedersachsen gefördert und soll danach in den Regelbetrieb gehen. (jes)

Von Uwe Graells

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