Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Thema des Tages Ein Kreuz für die Kirche
Thema Specials Thema des Tages Ein Kreuz für die Kirche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 02.03.2018
TdT Kirchenkreise Grafik Quelle: Silvia Tater
Anzeige
Göttingen

Jede Kirchengemeinde muss einen Vorstand haben. Doch was macht der eigentlich? „Der Kirchenvorstand ist ebenso wie das Pfarramt für die Erfüllung der Aufgaben der Kirchengemeinde nach § 3 verantwortlich“, heißt es dazu in der Kirchengemeindeordnung. Dazu gehört neben den Finanzen beispielsweise die Bereitstellung von Räumen, die Besetzung von Pfarrstellen, die zeitliche Organisation von Gottesdiensten und von Gemeindeaktivitäten.

Wie oft wird der Kirchen­vorstand gewählt?

Alle sechs Jahre wird der Kirchenvorstand in den Gemeinden neu gewählt. Nach der Wahl werden außerdem noch Kirchenvorsteher in den Vorstand berufen.

Wer darf wählen?

Wahlberechtigt ist, wer getauft und Mitglied der Kirchengemeinde ist. Erstmals darf bei dieser Wahl in der evangelischen Landeskirche bereits ab 14 Jahren gewählt wählen. In den Wahlen zuvor mussten die Wähler mindestens 16 Jahre alt sein. Der Vorsitzende der Landesjugendkammer in der hannoverschen Landeskirche, Jan Hendrik Saxe, erhofft sich dadurch eine stärkere Wahlbeteiligung von Jugendlichen. „Viele 14-Jährige sind noch im Konfirmandenunterricht und leichter zu erreichen als Ältere, die sich vielleicht in der Jugendarbeit engagieren“, sagt er.

Wie werden junge Menschen für das kirchliche Ehrenamt ­gewonnen?

Saxe findet aber, dass den Jugendlichen insgesamt ehrenamtliches Engagement schwerer gemacht werde. Der Druck in der Schule und beim anschließenden Übergang in Beruf oder Studium habe zugenommen, sagt der Student aus Lüneburg. „Junge Menschen haben immer weniger Freiräume, und damit haben wir gesellschaftlich ein Problem.“

Insgesamt betätigen sich Saxe zufolge rund 10 000 Jugendliche in der Landeskirche. In den Kirchenvorständen, in die sie ab 18 Jahren gewählt werden können, seien sie aber deutlich unterrepräsentiert. Die Amtszeit von sechs Jahren sei mit der Lebenssituation junger Menschen oft schwer vereinbar. Die Möglichkeit der Berufung von weiteren Kirchenvorstehern nach der Wahl sollte aber genutzt werden, um mehr Jugendliche zu gewinnen, sagte Saxe. Auch Friedrich Selter, Superintendent im Kirchenkreis Göttingen, wünscht sich mehr junge Kirchenvorstandsmitglieder: „Nur wenn junge Menschen mitgestalten, bleibt Kirche auch attraktiv für Kinder und Jugendliche“, sagt er. „Nebenbei lernt man auch noch Gremienarbeit kennen und zu verstehen, wie eine große Institution funktioniert.“

Welche Bedeutung hat der Kirchenvorstand?

Wie wichtig die Wahl der Kirchenvorstände für die Kirche und ihre Gemeinden ist, betont Thomas Henning, Superintendent im Kirchenkreis Münden: „In der evangelischen Kirche gibt es den Begriff des ,Priestertums alle Getauften’“, sagt er. Das bedeute, dass jeder Christ für sein Tun selbst verantwortlich sei und die Kirche ihm keine Vorgaben mache. „Das findet sich in der Struktur wieder“, so Henning, „der Kirchenvorstand ist ein demokratisch gewähltes Gremium, es gibt nicht eine Einzelperson, die entscheidet.“ Deshalb halte er es für elementar wichtig, Menschen zu finden, die diese Verantwortung übernehmen wollen – und sei froh, dass im Kirchenkreis Münden genug Kandidaten gefunden wurden.

Volkmar Keil, Superintendent im Kirchenkreis Harzer Land, stellt vor allem die Wichtigkeit des Miteinander von Pastor – der sich hauptamtlich um die Aufgaben der Kirchengemeinde kümmert – und ehrenamtlichem Kirchenvorstand heraus: „Pastorinnen und Pastoren kommen ,von außen’ ins Dorf, Kirchenvorsteher und Kirchenvorsteherinnen gehören dazu und bringen die Anliegen der Menschen vor Ort zur Sprache“, sagt er. Außerdem würden sie aus ihren unterschiedlichen Berufen Kompetenzen mitbringen, die eine Kirchengemeinde sowohl für die Verwaltung als auch für das geistliche Leben dringend brauche. Selter sieht das ähnlich: „Wir sind eben keine ,Pastorenkirche’“, sagt er. Die unterschiedliche Lebenserfahrung der Vorstandsmitglieder präge die Kirchen vor Ort.

Landeskirche führt allgemeine Briefwahl ein

Zur Wahl der evangelischen Kirchenvorstände am 11. März hat die hannoversche Landeskirche ihren Gemeinden erstmals die Möglichkeit einer allgemeinen Briefwahl eröffnet. Die Gemeinden, die das wahrnehmen, verteilen an alle Mitglieder schon in diesen Tagen die Briefwahlunterlagen, die niemand extra beantragen muss. Insgesamt 55 Gemeinden haben sich für diesen neuen Weg entschieden, sagte Hartmut Salewski vom Landeskirchenamt in Hannover.

Wie bei politischen Wahlen können die Wähler die ausgefüllten Stimmzettel per Post an die Gemeinde zurückschicken oder im Gemeindebüro abgeben. Ausgezählt wird am Wahltag. Durch die allgemeine Briefwahl erhoffe sich die hannoversche Landeskirche eine höhere Wahlbeteiligung, sagte Salewski.

Die Beteiligung lag demnach zuletzt zwischen unter fünf Prozent in manchen städtischen Gemeinden und bis zu 70 Prozent und mehr auf dem Land. Schon bei den Wahlen vor sechs und vor zwölf Jahren habe der Anteil der Briefwähler zugenommen. Die einfache Briefwahl auf Antrag sei bereits damals möglich gewesen und ­bleibe dies auch in den übrigen Gemeinden.

Diese Gemeinden der Kirchen­kreise Göttingen, Harzer Land, Münden und Leine-Solling haben sich für die allgemeine Briefwahl entschieden:

St. Petri Atzenhausen, St. Johannis Göttingen, St. Petri Göttingen-Grone, St. Petri Göttingen-Weende, St. Cosmas und Damian Herberhausen, St. Martin Roringen, St. Paulus Bilshausen, Kreuz-Kirche Lindau, Aegidien-Kirche Wulften, Hevensen-Lutterhausen, Michaelis Rhumetal, Scheden-Dankelshausen

Drei Kirchenvorsteher berichten von ihrer Arbeit:

„Meine ganze Familie ist kirchlich engagiert“

„Damals gab es Schwierigkeiten im Kindergarten, da wollte ich was machen“, sagt Wilhelm Worbs. Damals war das Jahr 2000 und der heute 69-Jährige ließ sich in den Kirchenvorstand der Gemeinde in Dransfeld wählen. Der Vorstand war zu der Zeit noch für die Kindertagesstätte zuständig, gründete einen Kindergartenausschuss, zu welchem dann auch Worbs gehörte.

Wilhelm Worbs, Kirchenvorstandsvorsitzender in Dransfeld Quelle: r

Seit 2013 sei der Kindertagesstätten-Verband im Kirchenkreis Münden, zu dem seine Gemeinde gehört, für das Thema zuständig und nicht mehr der Kirchenvorstand, erzählt Worbs. Trotzdem ist er seit sechs Jahren sogar Vorstandsvorsitzender. Ihn verbindet nicht nur das Kindergarten-Thema mit der Kirche: „Meine ganze Familie ist kirchlich engagiert.“

Neben dem mittlerweile ausgelagerten Kindergartenausschuss gebe es im Kirchenvorstand noch einen Bau- und einen Landausschuss. Als Vorsitzender sitze er auch häufiger den verschiedenen Ausschüssen bei. Nochmal kandidieren wird Worbs aber nicht: „Jetzt sollen ein paar Jüngere ran“, sagt er. Vier neue Kandidaten würden in seiner Gemeinde kandidieren, alle zwischen 40 und 50 Jahren alt. So alt war er auch in etwa, als er mit der Arbeit im Kirchenvorstand begann.

„Jeder Kirchenvorstand hat seine eigenen Gestaltungsmöglichkeiten“

Seit 45 Jahren ist Renate Just ein Teil der Kirchengemeinde St. Johannis in Göttingen. „Meine ganze Familie ist dort, ich habe da geheiratet, meine Kinder wurden dort getauft“, sagt die 66-Jährige. Deshalb habe sie vor 18 Jahren auch „Ja“ gesagt, als sie gefragt wurde, ob sie für den Kirchenvorstand kandidieren wolle.

Renate Just, Kirchenvorstandsvorsitzende in St. Johannis Göttingen Quelle: r

Seitdem hat Just sich viel engagiert in der Kirchengemeinde und ist zurzeit Vorsitzende des Kirchenvorstandes: „Die Arbeit war so interessant, dass ich weitergemacht habe“, sagt sie. Als „leitendes Organ in der Gemeinde“ würde der Vorstand sich um die Finanzen kümmern, um Mitarbeiterangelegenheiten und das Gemeindeleben. „Jeder Kirchenvorstand hat seine eigenen Gestaltungsmöglichkeiten“, spricht Just über ihr Ehrenamt. Dass diese genutzt werden, sei auch gefordert.

So würden sie sich im Vorstand teilweise die Aufgaben nach Interessen und Fähigkeiten aufteilen. Einer kümmere sich beispielsweise um juristische Angelegenheiten, ein anderer mehr um Finanzen. „Aber verantwortlich ist immer das Gremium“, sagt Just. Zum 11. März will sie das Ehrenamt aber abgeben: „Jetzt kann mal neuer Schwung rein.“

„Die Liebe zur Kirche muss da sein“

„Die Liebe zur Kirche und ein Zugehörigkeitsgefühl muss da sein“, sagt Monika Güll. Diese Voraussetzung war bei ihr gegeben: Als der damals langjährige Pastor sie im Jahr 2000 darauf ansprach, kandidierte die heute 66-Jährige gern für den Kirchenvorstand in der Gemeinde Lindau – und wird das auch in diesem Jahr nach 18 Jahren ehrenamtlichen Engagements als Kirchenvorsteherin wieder tun.

Monika Güll, Kirchenvorstandsvorsitzende in Lindau Quelle: r

Ob sie dann auch wieder Vorstandsvorsitzende wird, ist noch nicht klar: „Wenn die Vorsteher gewählt und berufen wurden, wird ein Vorsitzender ausgewählt“, erklärt sie das Verfahren. In ihrer Arbeit im Kirchenvorstand setze sie sich mit der Frage „Wo soll die Kirche hin?“ auseinander. Gemeindearbeit, Gottesdienste, Konfirmandenunterricht, Finanzen und mehr stünden auf der Agenda. „Und in Lindau haben wir auch noch den Friedhof zu verwalten“, erklärt die Rentnerin, die jetzt auch genug Zeit dafür hat.

„Ich bin froh über diese Aufgabe, die ich auch für sinnvoll halte“, sagt sie über das Ehrenamt. „Das ist für die Gemeinde und für mich gut.“ Sie sieht aber auch die Problematik, neue – besonders jüngere – Kandidaten zu finden. Sechs Jahre seien eben eine lange Amtszeit, gerade für junge Menschen.

Von Hannah Scheiwe mit epd

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es ist kalt in der Region. Während heute schon bei viel Sonne minus 3 Grad Höchsttemperatur erreicht werden, erwartet der Wetterdienst für die Nacht auf Montag Tiefstwerte bis unter minus 10 Grad. Die Seen in der Region werden aber voraussichtlich nicht so sehr zufrieren, dass sie begehbar sind.

26.02.2018
Thema des Tages Botanischer Garten Göttingen - Titanwurz lockt Hunderte Besucher

Sie wächst und gedeiht – blüht aber noch nicht: die Titanwurz im Alten Botanischen Garten in Göttingen. Dennoch kommen viele Göttinger schon vor der Blüte, um die Pflanze zu bestaunen.

11.03.2018

Der Rat der Stadt Göttingen hat mehrheitlich dafür gestimmt, ein Hilfsprojekt in Nicaragua zu unterstützen: Für 35 000 Euro soll ein Bus für die Partnerstadt La Paz Centro angeschafft werden. CDU und FDP sind dagegen. CDU-Ratsherr und CDU-Stadtverbandsvorsitzender Ludwig Theuvsen kritisierte die Entscheidung scharf. Doch wo setzen die Göttinger Ratsfraktionen eigentlich ihre Schwerpunkte bei der Förderung von Projekten?

11.03.2018
Anzeige