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Happy Birthday, Landkreis!

Ein Jahr nach der Fusion Happy Birthday, Landkreis!

Vor einem Jahr sind die Landkreise Osterode und Göttingen fusioniert: Ein Vorbild für andere Landkreise?

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Feier zur Kreisfusion vor einem Jahr mit Bernhard Reuter, Christel Wemheuer, Klaus Becker und Harald Noack (von links).
 

Quelle: Harald Wenzel

„Göttingen am Harz“.  Happy Birthday! Der neue Landkreis wird ein Jahr alt. Am 1. November 2016 sind Osterode und Göttingen zum neuen Landkreis Göttingen fusioniert worden. Sichtbares Zeichen der beiden vereinigten Landkreise war bei der Fusionsfeier in Osterode ein Ortsschild mit der Aufschrift „Göttingen am Harz“. Was hat sich seither getan? Wie weit ist die Fusion tatsächlich umgesetzt worden? Wo hakt es noch? Und ist diese Fusion Blaupause für weitere Reformen in Niedersachsen?

Das Tageblatt hat bei zwei exponierten Akteuren in der Kreispolitik, dem Landrat Bernhard Reuter und dem Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion, Harald Noack, nachgefragt.

Ein Jahr Kreisfusion: Fremdeln Sie noch mit den „neuen“ Gemeinden im Landkreis Göttingen?

Bernhard Reuter (SPD): Nein, als ehemaliger Landrat der früheren Landkreise Osterode am Harz und Göttingen kenne ich alle Gemeinden sehr intensiv. Außerdem gibt es keine „neuen“ Gemeinden, wir sind ein neuer Landkreis als Nachfolger der beiden Altkreise.

Harald Noack (CDU): Ich habe nie mit den „neuen“ Gemeinden im Landkreis Göttingen „gefremdelt“. Sowohl während meiner Zeit als Kreisvorsitzender der CDU Göttingen bis 2009 als auch im Verlauf der Diskussion um eine mögliche Fusion der drei Landkreise Osterode, Northeim und Göttingen haben wir stets engen Kontakt mit unseren Parteifreundinnen und Parteifreunden im Landkreis Osterode gehalten. Ich halte die Städte und Gemeinden im alten Landkreis Osterode aufgrund ihrer historischen Entwicklung, der in der Vergangenheit starken Wirtschaftskraft des stark industrialisierten Landkreises Osterode, der Potenziale für künftige gemeinsame Entwicklungen in Südniedersachsen, schlichtweg aber auch aufgrund der liebenswerten Menschen für eine Bereicherung unseres jetzt großen Landkreises Göttingen. Die Zusammenarbeit der Kreistagsmitglieder aus den alten Landkreisen Osterode und Göttingen in unserer Fraktion ist übrigens schon im Vorfeld der Fusion in deren Vorbereitung harmonisch und konfliktfrei gewesen. Wir empfinden uns ganz selbstverständlich als Kreistagsabgeordnete der CDU im großen Landkreis Göttingen.

Film über den Landkreis

Einen kompakten und nach Angaben der Kreisverwaltung „unterhaltsamen Einstieg“ in die Kreisfusion und den neuen Landkreis bietet auch der Imagefilm „Der Landkreis Göttingen“. Er vermittele mit zentralen Kennzahlen und eindrucksvollen Bildern einen Überblick über den Raum von Bad Grund im Norden bis Staufenberg im Süden und von Hemeln im Westen bis nach Walkenried im Osten. Der Film ist auf der Startseite der Landkreis-Webseite abrufbar.

Weiterführende Informationen sind in der Broschüre „Der neue Landkreis Göttingen“ zu finden. Schlaglichtartig beleuchtet der Autor Jan Fragel darin die Themen Wirtschaft, Natur, Freizeit und Kultur in kurzen, einprägsamen Texten. Auch Sagen und Kulinarisches verdeutlichen die Vielfalt des neuen Landkreises mit seinen Landschaften und Mentalitäten an Weser und Leine, im Harz und im Eichsfeld. Die Broschüre im Zeitungsformat war zum Start des neuen Landkreises im November 2016 flächendeckend an die Haushalte im Kreisgebiet verteilt worden. Auf der Webseite des Landkreises ist sie im PDF-Format eingestellt (unter dem Menüpunkt >>Aktuelles>>Kreisfusion).

Der neue Landkreis Göttingen ist aus der Fusion der Vorgänger-Landkreise Osterode am Harz und Göttingen hervorgegangen. Er umfasst 19 Städte und Gemeinden mit rund 324.000 Einwohnern.

Was halten Sie im Fusionsprozess für besonders gelungen?

Reuter: Die neue Kreisverwaltung war vom ersten Tag an arbeitsfähig, dafür ist den Beschäftigten und ihrem außerordentlichen Engagement zu danken. Die Gemeinden im Altkreis Osterode profitieren von der höheren Leistungsfähigkeit und einer niedrigeren Kreisumlage, aber auch die Gemeinden im Altkreis Göttingen kann der neue Landkreis besser unterstützen, beispielsweise durch die Förderung von Kindertagesstätten.

Noack: Der Fusionsprozess ist insbesondere von den Verwaltungen in den alten Landkreisen Göttingen und Osterode hervorragend vorbereitet worden. Die Arbeitsgruppen haben effektiv zusammengearbeitet. Das entstandene Vertragswerk ist gelungen.

An welchen Stellen sind die Verwaltungen und andere Institutionen noch nicht so zusammengewachsen, wie Sie es erwartet hatten?

Reuter: Es gibt Bereiche, in denen die Harmonisierung noch nicht vollständig umgesetzt ist. Das wird Schritt für Schritt abgearbeitet.

Noack: Die im Zuge des Fusionsprozesses vereinbarten künftigen Standorte der Kreisverwaltung – Göttingen und Osterode – bringen naturgemäß Friktionen mit sich. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben plötzlich lange Wege zu fahren, was intern für erhebliche Unruhe gesorgt hat. Auf der Arbeitsebene wird der Prozess des Zusammenwachsens noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die von Landrat Reuter zugesagte Fusionsrendite, also das Einsparen von Haushaltsmitteln, ist allerdings nicht eingetreten. Der Landrat wirft, bildlich gesprochen, für eine nie dagewesene Stellenvermehrung Geld zum Fenster hinaus. Die Fusion ist allerdings nicht Endpunkt, sondern Beginn der Aufgaben, den Landkreis Göttingen zu einem wirtschaftlich erfolgreichen, lebenswerten Landkreis zu gestalten. Da liegt noch viel vor uns.

Wie steht es um die Problemfälle Volkshochschule und Kreisjugendmusikschule?

Reuter: Die Probleme der Kreisvolkshochschulen konnten mit der Fusion zur Volkshochschule Göttingen Osterode gelöst werden. Die Probleme der beiden Kreismusikschulen sind unabhängig von der Fusion entstanden und haben mit ihr nichts zu tun.

Noack: Die Volkshochschule Göttingen-Osterode GmbH ist kein Problemfall. Sie arbeitet, unter neuer Geschäftsführung, nahezu geräuschlos, effektiv und sehr erfolgreich. Bei der Musikschule des Landkreises Göttingen, (einziger) wirtschaftlicher Bestandteil der Kreisvolkshochschule Göttingen gGmbH, stehen derzeit entscheidende Weichenstellungen an. Es gelingt entweder, das Sanierungskonzept des Interims-Geschäftsführers Dr. Staufenbiel unter Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umzusetzen – oder: die Kreismusikschule wird liquidiert. Wir von der CDU befürworten Anstrengungen, die Kreismusikschule in wirtschaftlich ausgerichtetem Konzept und mit neuer tatkräftiger Führung fortzusetzen.

Hat diese Fusion Vorbildcharakter für andere Kreise in Niedersachsen? Wenn ja, wo?

Reuter: Ja, außer Osterode am Harz gibt es weitere Landkreise, die dauerhaft nicht lebensfähig sind und die als Problemfälle das Land noch beschäftigen werden. Mindestens genauso notwendig wären Fusionen bei nicht zukunftsfähigen Gemeinden.

Noack: Wenn auch – was unsere damaligen Bedenken waren – die Bevölkerung der Landkreise Göttingen und Osterode nicht in ausreichendem Maße „mitgenommen“ wurde, ist die aus meiner Sicht zwischenzeitlich nahezu vollständig gelungene Fusion in der Tat Vorbild für andere Landkreise in Niedersachsen, so im Bereich Hildesheim/Peine oder im Helmstedter Raum. In den von mir beobachteten Fällen sind allerdings die Fliehkräfte stärker als ein starker, effektiver und sachkundiger Wille zur notwendigen Fusion.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz als einer der maßgeblichen Protagonisten des Fusionsprozesses aus?

Reuter: Der Kraftakt hat sich gelohnt.

Noack: Befürchtungen, die ich wegen der zunächst mangelnden Akzeptanz der Fusion in der Bevölkerung hatte, haben sich nicht bewahrheitet. Ich halte die Fusion der beiden Nachbarlandkreise Osterode und Göttingen für im Wesentlichen gelungen. Das liegt auch an dem starken Willen der gewählten Kreistagsmitglieder, ein neues Kapitel in Südniedersachsen in einem großen Landkreis Göttingen zu schreiben.

Von Christoph Oppermann

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