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Thema des Tages Weitblick und Einblick am Tag des offenen Denkmals
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00:22 12.09.2018
Besucher informieren sich in der Spinnerei Gartetal über die Funktionsweise des „Pelzkrempels“. Quelle: Nora Garben
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Göttingen

In der Göttinger Galerie Ahlers wurde über das Kunstquartier und das Kunsthaus in der Innenstadt berichtet und diskutiert. Der Tag des offenen Denkmals fand in diesem Jahr zum 25. Mal statt – unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“.

Kunstquartier „ein Gewinn für Göttingen“

„Vorsicht Kunst – Entwicklung des Kunstquartiers Göttingen“ lautete der Titel einer Diskussion über das Innenstadt-Projekt. Es ging auch um das umstrittene Kunsthaus. Moderiert von Tageblatt-Redakteurin Angela Brünjes ging es bei der Veranstaltung in den voll besetzten Räumen der Galerie Ahlers um Fragen wie „Was bringt ein Kunstquartier für Göttingen?“, „Verändert eine Galeriegebäude ein Quartier?“, „Wer hat etwas von einem Kunstquartier?“ oder „Moderne Architektur zwischen zwei denkmalgeschützten Fachwerkhäusern – Passt das?“.

Diskussionsrunde Thomas Oppermann, Reinhold Frunder, Angela Brünjes, Ute Eskildsen, Gerhard Steidl und Frank Neuschulz (von links). Quelle: Peter Heller

Ihre Gesprächspartner stehen alle hinter dem Projekt, insofern gab es erst in der anschließenden Diskussion kurze kritische Anmerkungen. Beispielsweise als ein Zuhörer die Frage nach der Unterstützung des Kunsthauses durch die Bürger in den Raum stellte. Eine andere entgegnete, dass ja schon sechs Millionen Euro Steuergeld in dem Projekt stecken würden – eine Summe, die Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) sogleich korrigierte: 500.000 Euro kommen von der Stadt, 4,5 Millionen Euro vom Bund und eine Million aus der Spende von Ottobock-Chef Hans Georg Näder. Verleger und Kuqua-Initiator Gerhard Steidl ergänzte, dass natürlich auch die Bürger gefordert seien und kündigte an, dass es einen Freundeskreis geben soll.

„Chance für das Quartier“

Als eine „Chance für das Quartier“ bezeichnete Ute Eskildsen, Kuratorin und Beraterin für das Kunsthaus Göttingen und bis 2012 stellvertretende Direktorin des Museum Folkwang Essen, das Projekt. Ihren Worten zufolge setze die inhaltliche Konzeption des neuen Kunsthauses auf zeitgenössische Kunst wie etwa Zeichnungen, Bücher, Grafiken, Typografien oder Fotografien. Dazu werde eine Zusammenarbeit mit der Universität angestrebt. Mit Blick auf das Quartier und die dort vertretenen anderen Kultur-Disziplinen verspricht sich Eskildsen, dass man sich im künftigen Kunstquartier gegenseitig „Publikum abschöpfen“ könne.

Sowohl Eskildsen als auch Steidl versicherten in ihren Statements, dass das Kunsthaus nicht etwa mit dem Kunstverein in Konkurrenz treten werde. „Wir holen Kunst aus der ganzen Welt nach Göttingen“, so Steidl. Er erklärte, dass als nächstes mit dem Marketing begonnen und die geplante Bildungsarbeit angestoßen werden soll. „Dann geht es konkret an die Ausstellungen.“

Raumskulptur von Jim Dine für Göttingen

Der Verleger kündigte außerdem an, dass auf seinem benachbarten Gelände ein Pavillon für eine Raumskulptur des Pop-Art-Künstlers Jim Dine errichtet werde. Dine lebe seit 30 Jahren in Göttingen, ergänzte Köhler und freute sich, dass durch Steidl eine der bedeutendsten Skulpturen des Künstlers dauerhaft in Göttingen stehen werde.

Als sich im Vorfeld bei den Baukosten des Ausstellungshauses eine Finanzierungslücke auftat, hatte er kurzzeitig schlaflose Nächte, schilderte Steidl seine Sorge um die Zukunft des Projekts. Doch da habe der Duderstädter Unternehmer Hans Georg Näder seine Unterstützung zugesagt. Steidl sagte aber auch: „Man will sich nicht abhängig machen von der Wirtschaft“. Unternehmer Frank Neuschulz von Mayer Feintechnik in Göttingen hält die Unterstützung von Kunst und Kultur als Marketing-Instrument für ein Unternehmen für ungeeignet. Im Gegenteil, das könnte falsch verstanden werden und Neid hervorrufen.

Impulse für die Stadt

Keinen Zweifel ließen die Teilnehmer der Diskussionsrunde daran, dass das Kunstquartier ein Gewinn für Göttingen sein werde. „Ich finde das ist eine gute Sache und so etwas fehlt noch“, sagte der im Quartier lebende Künstler Reinhold Frunder. Überzeugt, dass etwas daraus wird, zeigte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete und Vizepräsident des Deutschen Bundestages Thomas Oppermann, der sich für die Förderung des Projektes durch den Bund eingesetzt hatte. „Es ist eine gute Ergänzung zu dem, was wir schon haben“, sagte der Abgeordnete. Zusammen mit den anderen großen Kulturprojekten, dem Forum Wissen und der Sanierung der Ethnologie, würden sich mit dem Kuqua für die Göttinger Kulturlandschaft Impulse ergeben.

Sie habe in den 70er-Jahren die Stadt Göttingen verlassen, weil es „zu wenig bildene Kunst“ gegeben habe. Jetzt sei sie zurückgekehrt, sagte eine Zuhörerin und ergänzte: „Ich freue mich unendlich, dass dieses Kuqua hier entsteht.“

Vorgeschichte und Finanzierungsfragen

2008 wurde erstmals die Idee vorgestellt, 2020 soll das Ausstellungsgebäude stehen. In die Schlagzeilen war das Projekt Kunstquartier (Kuqua) vor allem wegen der Kosten geraten. Die Diskussion um die finanziellen Folgewirkungen dauern bis heute an, denn obwohl der Bund das Kuqua-Projekt mit viereinhalb Millionen Euro unterstützt, muss die Stadt Göttingen den Bau mit 500000 Euro gegenfinanzieren. Und auch bei den Betriebskosten ist die Stadt in der Pflicht – nach aktuellen Berechnungen, so hatte der OB im Juni verkündet, seien 425 000 Euro nötig, die allerdings zu großen Teilen durch Sponsoring gesichert werden sollen, so dass der städtische Anteil von jährlich 180000 Euro nicht steige.

Und obwohl mittlerweile die Finanzierung der Baukosten durch das Engagement von Ottobock-Chef Hans Georg Näder gesichert sein dürfte und auch Sartorius finanzielle Zusagen gemacht hat, wird es nicht ruhiger um das Kuqua. So fordert etwa der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler ein nachhaltiges Finanzierungskonzept und klare Aussagen über die Betriebskosten des Ausstellungsgebäudes.

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