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Thema des Tages Ottobock kommt ins Sartorius-Quartier
Thema Specials Thema des Tages Ottobock kommt ins Sartorius-Quartier
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20:41 02.11.2018
Visualisierung des geplanten Sartorius-Quartiers zwischen Wennder Landstraße und Annastraße in Göttingen. Quelle: Foto: r
Göttingen

Jetzt steht zudem ein weiterer Partner fest: Ottobock, Weltmarktführer in der technischen Orthopädie, wird Ankermieter auf dem Areal. Auf mehr als 2500 Quadratmetern sollen bis zu 50 Mitarbeiter ihren neuen Arbeitsplatz finden. „Mit Ottobock hat sich mein absoluter Wunschpartner dazu entschieden, sich hier auf dem Gelände anzusiedeln“, freut sich Kreuzburg.

„Wir wollen mit dem Schritt Stärken stärken“, sagt Ottobock-Eigentümer Prof. Hans Georg Näder zur künftigen Ansiedlung des Kompetenzzentrums mit der Forschungs- und Entwicklungswerkstatt und dem Bereich Forschung Biomechanik auf dem Quartier-Gelände. „Bilden – Gründen – Wohnen“ – unter dieses Leitbild stellt Joachim Kreuzburg die gesamte Entwicklung des Areals. Dort, auf dem ursprünglichen Betriebsgelände von Sartorius, haben derzeit die Bauarbeiter das Sagen. Wohnungen entstehen, ein Hotel wird gebaut. Mit Begeisterung spricht Kreuzburg über die geplante Life Science Factory. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass eine wissenschaftlich exzellente Universität in Zukunft nur noch dann existieren kann, wenn sie auch eine exzellente Gründungsuniversität ist“, sagt der Sartorius-CEO.

Raum für Forscher

Von 2020 an sollen daher Forscher aus der Universität und den Max-Planck-Instituten mit ihren Ausgründungen auf gut 3000 Quadratmetern die Möglichkeit haben, ihre innovativen Forschungsansätze in modernen Laboratorien weiterzuentwickeln.

Für Hans Georg Näder ist die Ottobock-Ansiedlung im Sartorius-Quartier eine logische Folge der jahrelangen Zusammenarbeit der „Life Science“-Unternehmen in Südniedersachsen. Näder sieht nicht nur die Forschungs- und Entwicklungswerkstatt und die biomechanische Forschung in dem neuen Quartier, „auch der weltweite einmalige Studiengang Orthobionic der PFH Göttingen könnte dort angesiedelt werden“. Eine entsprechende Option dafür ist im Quartier-Konzept vorgesehen.

Drehmomentgeber

Kreuzburg und Näder sind sich auch aufgrund Ihrer Erfahrungen aus den Tech-Zentren dieser Welt sicher, dass nur durch Kooperationen und Clusterbildung der Erfolg gesichert werden kann. „Wir wollen hier in Göttingen gemeinsam einen Nukleus kreieren, der die Gesundheitswirtschaft und die Healthcare-Thematik weiter nach vorne bringt“, sagt der Sartorius-Chef. „Wir wollen mit unseren Aktivitäten ein Drehmomentgeber für das künftige Quartier sein“, ergänzt Näder, der zudem die Bedeutung des Gesundheitscampus von Universitätsmedizin und Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst als weiteren wichtigen Mosaikstein nennt.

Ottobock-Chef Hans-Georg Näder Quelle: Swen Pförtner

„Die Labore werden offen sein und es wird auch Co-Working-Spaces geben“, setzt Kreuzburg auf eine innovative Gründerstimmung in der „Life Science Factory“. Die sogenannten Wet-Labs, also Nass-Labore, weil dort mit Flüssigkeiten gearbeitet wird, sollen für die Entwicklung neuer Wirkstoffe genutzt werden. „Das ergänzt sich perfekt mit den Fab-Labs in Südniedersachsen“, ist sich Näder sicher. Dort könnten etwa an 3-D-Druckern Prototypen für die Prothetik hergestellt werden. In Duderstadt soll nach den Wünschen Näders im nächsten Jahr ein solches Labor seine Arbeit aufnehmen.

Marktnähe

Die Forschungs- und Entwicklungswerkstatt von Ottobock wird in einem eigenen Gebäudekomplex untergebracht. „Wir versuchen dort eine Brücke zwischen der orthopädietechnischen Industrie, den Erwartungen der Orthopädietechniker und natürlich den Patienten zu bauen“, sagt Rolf Jarasch. Der Orthopädietechnikermeister ist bei Ottobock Göttingen Betriebsleiter. „Wir wollen viel Marktnähe erzeugen, um diese Erfahrungen in Produkte und Dienstleistungen münden zu lassen“, ergänzt Jarasch.

Dr. Malte Bellmann verantwortet den Bereich der biomechanischen Forschung bei Ottobock. Aus seiner Sicht sei es nur logisch und konsequent, in das Sartorius-Quartier zu ziehen. „Wir wollen weiterhin der internationale Benchmark in der biomechanischen und klinischen Forschung im Kontext der Entwicklung von orthopädietechnischen Hilfsmitteln bleiben“, so Bellmann. Auf mehr als 2500 Quadratmetern sollen künftig bis zu 50 Mitarbeiter dazu beitragen, dass dies gelingt.

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Kommentar

Einen Kommentar zur „Life Science Factory“ und den aktuellen Problemen finden Sie hier.  

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Dunkle Wolken über dem Gesundheitscampus

„Bilden, Gründen, Wohnen“ – das Konzept für das Sartorius-Quartier steht seit Langem. Während die Punkte Wohnen und Gründen auf dem Weg sind, hakt es gewaltig beim Thema Bilden. Es geht um den Gesundheitscampus von Universitätsmedizin (UMG) und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK). In drei Studiengängen sind derzeit 186 Studierende am Start, 48 im Bereich Pflege, 101 bei den Therapiewissenschaften und 37 im Mediziningenieurwesen. Zum Wintersemester 2016/17 startete das innovative Konzept der beiden Hochschulen, das auch den Gesundheitsstandort Göttingen stärken soll. Um den Start auch räumlich zu ermöglichen, hatte Sartorius Teile seines ehemaligen Betriebsgeländes zügig geräumt, Mitarbeiter in angemieteten Flächen untergebracht und Räume für den Hochschulbetrieb hergerichtet.

„Wir wollen einen echten Leuchtturm bauen“

Der Gesundheitscampus ist ein wichtiger Baustein im neuen Sartorius-Quartier, eingebettet in eine Gründerszene im Life-Science-Bereich sowie die Forschungs- und Entwicklungswerkstatt und der biomechanischen Forschung von Ottobock. „Wir wollen hier einen echten Leuchtturm bauen und mit dem Gesundheitscampus ein progressives Signal nach außen setzen“, sagt Ottobock-Eigentümer Prof. Hans Georg Näder. „Das wäre nach den Tiefschlägen der vergangenen Wochen das richtige Zeichen“, will Näder nach dem Scheitern der Exzellenz-Strategie der Georg-August-Universität einen Wechsel zu positiven Themen.

Doch über dem Gesundheitscampus hängen seit Längerem dunkle Wolken. „Von der Spitze der Landesregierung gibt es klare Zusagen bezüglich einer dauerhaften Ansiedlung des Gesundheitscampus“, erklärt Sartorius-Chef Dr. Joachim Kreuzburg, „das wird aber von dem Mittelbau in den verschiedenen Landesverwaltungen bislang mit Erfolg torpediert“.

Joachim Kreuzburg: Projekte, die die Spitze der Landesregierung zusagt, laufen Gefahr, über die Zeitschiene letztlich verhindert zu werden. Quelle: CHH

Dabei sei der Gesundheitscampus eine deutschlandweit einmalige Einrichtung, hebt er hervor. Konkret geht es um die Unterschrift unter einen Mietvertrag für den Campus. Nach Tageblatt-Informationen gibt es eine mehr als einjährige Hängepartie, obwohl die Kerndaten des Mietvertrages längst ausgehandelt sind. „Ich hätte mir das vorher nicht vorstellen können. Projekte, die die Spitze der Landesregierung zusagt, laufen Gefahr, über die Zeitschiene letztlich verhindert zu werden“, ärgert sich Kreuzburg. Damit drohe der Gesundheitscampus im Frühjahr ohne Räume dazustehen.

UMG ähnlich problematisch

 „Ähnlich problematisch ist es mit dem Neubau der UMG. Wenn man sich anguckt, wie viel Zeit dort mittlerweile ins Land gegangen ist, nachdem angekündigt wurde, ein Sondervermögen zu bilden, dann ist das schon sehr bemerkenswert. Und auch hier muss man sagen, dass dies nichts mit dem Willen der Spitze der Landesregierung zu tun hat. Es ist schlicht die mangelnde Fähigkeit oder der mangelnde Wille des Apparates, die Dinge umzusetzen“, sagt Kreuzburg. Ähnlich eindeutig sieht Näder die Lage: „Die Landesregierung ist gefordert, Zusagen, die sie gegeben hat, auch in Richtung UMG und HAWK nicht nur einzuhalten, sondern auch durchzusetzen.“ Im Frühjahr 2019 brauchen 186 Studierende vertragliche Sicherheit.

Von Uwe Graells

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