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Lothar Koch scheidet aus dem Landtag aus

Nach 23 Jahren Lothar Koch scheidet aus dem Landtag aus

Wenn sich der neue Landtag wie geplant am 14. November konstituiert, wird das offiziell Lothar Kochs letzter Tag als Abgeordneter des Niedersächsischen Landtages sein. Er hatte 23 Jahre lang den Wahlkreis Duderstadt vertreten. Für eine sechste Wahlperiode war der 78-Jährige nicht wieder angetreten.

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Nach 23 Jahren ist Lothar Koch nicht wieder für den Landtag engetreten.

Quelle: Bänsch

Duderstadt. „Ich bin ja wie zuhause hier“, sagte Lothar Koch unlängst und meinte damit den Plenarsaal, die Abgeordnetenbüros, den Niedersächsischen Landtag. Seinen Rückzug von dieser politischen Bühne hatte der Duderstädter im Kreis der CDU-Stadt-, Gemeinde- und Samtgemeindeverbandsvorsitzenden seines Wahlkreises Ende vergangenen Jahres verkündet. Für die Landtagswahl 2018 wolle er nicht mehr antreten, sagte er und begründete seinen Entschluss mit den Worten: „Der Kopf ist fit“, doch körperlich strenge ihn die Arbeit zunehmend an.

„Ich habe einen guten Nachfolger“, kommentierte Koch das Ergebnis der vorgezogenen Landtagswahl im Wahlkreis 15 Duderstadt. Dort holte CDU-Kandidat Thomas Ehbrecht mit 41,40 Prozent der Stimmen das Direktmandat. Ehbrecht wird mit der konstituierenden Sitzung in Kochs „große Fußabdrücke“ treten, die dieser in mehr als 23 Jahren hinterlässt. „Ich wurde fünf Mal direkt gewählt“, bilanzierte Koch seine Zeit als Abgeordneter. Er habe „alle Ministerpräsidenten kennengelernt“ – Gerhard Schröder, Gerhard Glogowski, Sigmar Gabriel (alle SPD), Christian Wulff, David McAllister (beide CDU) und Stephan Weil (SPD). Seine fünf Wahlperioden als Landtagsabgeordneter bezeichnete der 78-Jährige als eine „voll erfüllte Zeit“.

Wenige Tage vor seinem Ausscheiden aus dem Landtag zog Koch eine persönliche Bilanz seiner Zeit als Abgeordneter. Auf die Frage nach dem herausragendsten Thema seiner Abgeordnetenkarriere nannte Koch gleich drei Ereignisse. „Dass wir es geschafft haben, den vorher totgesagten Bundesgrenzschutz in Duderstadt zu erhalten“, so Koch, „war für mich eine Sternstunde“. Auch dass es gelungen sei, das Krankenhaus St. Martini in die Förderkulisse hereinzubringen und das Duderstädter Haus zu sichern, zählte Koch auf. Auf der Höhepunkte-Liste Kochs taucht schließlich auch ein „Versprechen per Handschlag“ auf, das alle Beteiligten - Koch selbst, Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU), Hans-Georg Näder und der damalige Ministerpräsident Siegmar Gabriel (SPD) - in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ vereinbart und auch eingehalten hätten: die Förderung des Logistikzentrums von Ottobock.

Quelle: Arne Bänsch

Rückblickend habe ihn am meisten geärgert, „dass das Landesblindengeld in einer Kampfabstimmung auch mit Stimmen der CDU gestrichen wurde“. Koch: „Ich hätte das lieber ungeschehen machen lassen.“ Unglücklich sei er auch mit der Schulpolitik im Land. Diese sei über alle wechselnden politischen Verantwortlichkeiten hinweg „nicht so gelaufen, wie ich es mir gewünscht hätte“, sagte der frühere Schulleiter und Schulamtsdirektor.

Koch machte sich in seiner Zeit als Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags einen Namen durch engagierten Einsatz für seinen Wahlkreis. Bernd Busemann (CDU), wie Koch seit 1994 im Landtag, hatte dem Eichsfelder einmal „eine enorme Emsigkeit“ attestiert. Koch zeichne sich durch seine unkomplizierte Art aus, Dinge in die Wege zu leiten, so Busemann. Und weiter: „Andere schreiben dicke Akten, Lothar führt Gespräche. „Das Hinterhersein für Duderstadt und den Landkreis ist schon beachtlich“, sagte Busemann. „Die Sache mit dem Wendebachstausee“ sei Busemann zufolge ein „echter Husarenstreich“ gewesen. Viereinhalb Millionen Euro, die nicht im Haushalt vorgesehen waren, fehlten. „Da war eigentlich schon Feierabend,“, erinnerte sich Busemann. „Koch hat innerhalb der Fraktion so ein Theater gemacht, dass die Entscheidung innerhalb von vier Tagen gefallen ist. Ohne CDU und FDP wäre er zu.“

Politische Karriere und regionale Aktivitäten

Seit 1973 ist Lothar Koch Ortsbürgermeister in Brochthausen und Langenhagen, ebenfalls seit 1973 ist er Mitglied im Rat der Stadt Duderstadt. Zunächst war Koch erster stellvertretender Bürgermeister, 1978 gewann er die Wahl zum Bürgermeister, dreimal wählten ihn die Duderstädter. Zunächst als Parteiloser engagiert, trat Lothar Koch 1976 in die CDU ein. Auch im Kreistag und als Mitglied des Kreisausschusses hat Koch seine Spuren hinterlassen. Seit 1981 gehört Koch dem Kreistag des Landkreises Göttingen an. Seit 1986 ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender, seit 2001 stellvertretender Landrat. Im selben Jahr wurde Lothar Koch Ehrenbürger der Stadt Duderstadt und erhielt das Bundesverdienstkreuz. Abgesehen von den politischen Aktivitäten ist Lothar Koch in der Region auch in Vereinen engagiert: Die Mitgliedschaften reichen vom Schützenverein Diana über die Kolpingsfamilie St. Josef und den MGV Concordia Langenhagen bis hin zum Sportverein VfR, dessen Vorsitzender Koch seit 1972 ist. Lang auch die Liste seiner verschiedenen Ehrenämter: So ist er Mitglied in den Aufsichtsräten der Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe und der Landesausstellung Niedersachsen im Städtebau Duderstadt, Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse Duderstadt und dessen Kreditausschusses, des Brandkassenausschusses der VGH Hannover sowie Vorsitzender des Instituts Brückenschlag Duderstadt.

Der Eichsfelder hat sich aber nicht nur durch seinen Einsatz für den Süden Niedersachsens in Hannover und auch in Berlin einen Namen gemacht. Wie auch sein südniedersächsischer SPD-Landtagskollege Ronald Schminke - auch er war nicht wieder angetreten - versorgte Koch seine Mitmenschen mit Wurstspezialitäten aus der Heimatregion. Es gebe wohl kaum einen, der nicht schon einmal von seiner „Eichsfelder Kälberblase“ probiert habe, meinte Koch. Er lasse jedes Jahr zwei Sauen schlachten. Davon seien etwa 90 Prozent nach Hannover oder Berlin gegangen. Schminke sei ein Original, so Koch, und als es im Landtag um die Aufhebung von Schminkes Immunität ging, habe er dagegen gestimmt, so Koch.

Wie lief die Zusammenarbeit mit den Mandatsträgern aus Südniedersachsen? Lothar Koch zählt auf: Mit Fritz Güntzler und Harald Noack (beide CDU),.auch Thomas Oppermann (SPD) und Stefan Wenzel (Grüne), und vor allem mit „meiner lieben Gabriele Andretta“ (SPD) sei er freundschaftlich verbunden. Die Arbeit als Landtagsabgeordneter werde er weniger vermissen als die Menschen, betonte Koch. „Ich habe viele Freunde gewonnen“, sagte er rückblickend.

Auch wenn Lothar Koch die landespolitische Bühne als Abgeordneter verlässt – politisch kürzertreten will er deshalb nicht. Vor allem kommunalpolitisch wolle er sich weiter einbringen und die kommunalpolitische Arbeit „bewusst beleben“, kündigte er an – „volle Kanne und mit Freude“ und so lange es geht. „Ich möchte so lange wie möglich an der Gesellschaft teilhaben“, begründete der 78-Jährige und bezeichnete die Arbeit in den Gremien als eine Bereicherung. Dabei wolle er seine vielen Kontakte nach Hannover, sowohl zur CDU als auch zur SPD nutzen.

Wissenswertes rund um Kochs Zeit im Niedersächsischen Landtag

23 Jahre, vier Monate, drei Wochen und vier Tage - das ist die Zeit, die Lothar Koch vom Beginn der 13. Wahlperiode am 21. Juni 1994 bis zum Ende der 17. Wahlperiode am 14. November 2017, Mitglied des Niedersächsischen Landtags gewesen ist. Eine Verabschiedung der ausscheidenden Abgeordneten habe bisher nicht stattgefunden, teilt die Landtagsverwaltung mit, sei aber wohl im Dezemberplenum vorgesehen.

Lothar Koch war als CDU-Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags vom 4. März 2003 bis zum 26. Februar 2008 Mitglied der Regierungsfraktion und war von 19. Februar 2013 bis 14.November 2017 in der der Opposition. 35 Reden hielt der Eichsfelder im Landtag. Das Amt des Alterspräsidenten bekleidete er in den letzten beiden Wahlperioden.

Persönliches und beruflicher Werdegang

Lothar Koch wurde am 27. September 1939 in Hilkerode geboren. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne und drei Enkelkinder. Nach dem Abitur, das Koch 1961 ablegte, und dem Lehramtsstudium in Göttingen von 1961 bis 1964 studierte Koch von Germanistik und Politikwissenschaften in Göttingen und Berlin.1968 bis 1979 war er Schulleiter in Desingerode, Langenhagen und Realschulrektor in Gieboldehausen. Danach wechselte er zum Schulaufsichtsamt in Göttingen, dessen Schulamtsdirektor er von 1979 bis 1994 und Leiter er von 1985 bis 1994 war.

Im September feierte Koch seinen 78. Geburtstag. Im Ranking der dienstältesten Abgeordneten belegt Koch aber nur Platz vier (gemeinsam mit den Abgeordneten Klaus-Peter Bachmann (SPD), Bernd Busemann (CDU), Hans-Heinrich Ehlen (CDU) und Heinz Rolfes (CDU), wie das Archiv des Landtages recherchiert hat. In der abgelaufenen Wahlperiode waren die drei dienstältesten Abgeordneten Karl-Heinz Klare (CDU) und Uwe Schwarz (SPD, seit 21. Juni 1994) und Astrid Vockert (CDU, seit 20.Juni 1990).

Während der 13. bis 16. Wahlperiode war Koch Mitglied im Kulturausschuss, in der 15. Wahlperiode saß er diesem Ausschuss vor. Dem Ältestenrat gehörte der Eichsfelder aus dem Wahlkreis Duderstadt von der 15. bis zur 17. Wahlperiode an. In der 13. war er Vorsitzender des Ausschusses für öffentliches Dienstrecht. Dem Ausschuss für Verwaltungsreform und öffentliches Dienstrecht und dem Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten gehörte Koch in der 14. Wahlperiode an. Darüber hinaus war er während seiner letzten Wahlperiode Mitglied der Ausschüsse für Wissenschaft und Kultur, zur Vorbereitung der Wahl der Mitglieder des Staatsgerichtshofs und des Ausschusses zur Vorbereitung der Wahl des Landesrechnungshofs.

Von Britta Eichner-Ramm

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