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Thema des Tages „Das war die tollste Zeit in meinem Leben“
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15:48 07.08.2018
Schaupieler Claus Theo Gärtner. Quelle: dpa
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Göttingen

Er ist ein bekannter TV-Star, sein Herz aber schlägt auch für das Theater. Am Deutschen Theater in Göttingen hat seine Karriere begonnen. Heute ist Claus Theo Gärtner 75 Jahre alt. An Göttingen erinnert er sich gerne.

Herr Gärtner, Sie kommen nach Göttingen zu Besuch. Sie waren dort ja in den späten 60er-Jahren am Deutschen Theater beschäftigt. Aber Sie führten auch eine Kneipe. Wie kam das denn?

Es handelte sich um eine Studentenkneipe namens Auditorium Minimum am Papendiek. Die betrieben damals ein Schauspieler und ein ehemaliger NVA-Soldat. Die sind allerdings mit der Kasse nach Marokko abgehauen und haben sich dort einen schönen Lenz gemacht. Mit 60.000 Mark konnte man ja lange Urlaub machen. Damals eine unvorstellbar hohe Summe.

Und wie kamen Sie ins Spiel?

Die beiden waren also weg. Es war ja aber die Stammkneipe des SDS - quasi die Zentrale zwischen Berlin und Göttingen. Wir haben uns gefragt, wie es nun weitergeht und wer es macht. Der Bühnenbildner Gralf-Edzard Habben und ich - wir hatten gerade kein Geld, aber Urlaub - haben dann gesagt, okay, dann übernehmen wir. Es waren gerade Semesterferien, die Kneipe war ruhig, und so machten wir einen auf Kneipenwirt.

Waren Sie damals Student?

Nein, ich spielte damals am Deutschen Theater in Göttingen und in Braunschweig. Ich fuhr also immer hin und her.

„Das war die tollste Zeit in meinem Leben“

Haben Sie heute noch Weggefährten aus dieser Zeit?

Ja, den Göttinger und Journalisten Reinhard Kahl, der an dem Gesprächsabend in Göttingen auch teilnehmen wird. Er war ebenfalls Stammgast in der Kneipe, wo natürlich kräftig politisiert wurde. Wir haben später in Hamburg sogar eine Zeit lang zusammen gewohnt. Ich war dort am Theater, er beim NDR.

Wenn Sie zurückblicken auf ihre Zeit in Göttingen, welches Fazit ziehen Sie?

Das war die tollste Zeit in meinem Leben.

Na, das hören wir doch gerne.

Ich habe ja damals auch meine erste große Liebe kennengelernt. Die Göttingerin Renate. Nach 14 Jahren war das dann aber zu Ende.

Sie waren ja im SDS aktiv, was ist vom Geist der alten 68-er geblieben?

Na ja, ich war ja mehr in der Kneipe aktiv als auf dem Rollfeld. Aber es ist viel geblieben. Es wäre doch heute eine ganz andere Republik, hätte es die 68-er nicht gegeben.

Sie sind also stolz darauf, eine Teil dieser Bewegung gewesen zu sein?

Na ja, nicht auf alles. Ich war und bin nie ein Sympathisant der RAF gewesen. Sie hätten wir dafür nicht gebraucht.

Und dann kam Matula?

Nein, noch nicht. Ich habe vorher viele, viele Jahre lang Theater gespielt. Nach den beiden Jahren in Göttingen bin ich nach Braunschweig gegangen, dann nach Oldenburg, Stuttgart, Berlin - Schaubühne und Schillertheater - es folgten Hamburg, Wien und andere Städte.

Für was schlägt Ihr Herz schneller? Bühne oder Film?

Jetzt wieder für die Bühne.

Wir kommen ja um Josef Matula trotzdem nicht drumrum. Tragen Sie auch privat diese Lederjacken?

Das ist mir derzeit zu warm. Im Winter manchmal schon, aber mit einem ganz anderen Schnitt. Ich habe die Matula-Jacke natürlich noch, und im nächsten Film spielt sie auch wieder mit.

Ist das wirklich nur eine Jacke?

Es gibt jetzt nur noch eine. Die anderen hängen im Fundus des ZDF - im Keller.

Mit der Matula-Jacke ist es ja ein wenig wie mit der Schimanski-Jacke, die hat sich in das Gedächtnis einer Fernseh-Generation gegraben, oder?

Ja. Deswegen meide ich privat eher Lederjacken - denn damit ist mein Erkennungswert immer noch viel größer.

Sie leben den größten Teil des Jahres in der Schweiz?

Ja, da stimmt. Meine Frau arbeitet hier als Autorin und Regisseurin. Also geht es häufig zwischen Basel und Berlin hin und her. Das Baseler Finanzamt hätte es gerne, wenn ich meinen Lebensmittelpunkt hierher verlagere.

Sie haben ja über all die Jahre ihrer Bühnen- und TV-Karriere unglaublich viele Menschen kennengelernt. Wer hat Sie besonders beeindruckt?

Das hat es eine ganze Menge Menschen gegeben. Toll ist es doch, wenn man mit Kollegen, mit denen man seit mehr als 15 Jahren dreht, immer noch befreundet ist. Mit Paul Frielinghaus beispielsweise habe ich ständig Kontakt.

Wer zählt noch dazu?

Mario Adorf beispielsweise. Er ist nicht nur ein fantastischer Mensch und ein großartige Schauspieler, er ist auch ein sehr gebildeter und eloquenter Mann. Ich kenne ihn sehr gut. Ach, war ich stolz, als er mir zu einer Premiere an der Schaubühne einmal eine Uhr geschenkt hat. Ich hatte später dann die Freude und die Ehre, vier Wochen bei ihm im Rom zu leben. In diesen vier Wochen hat er mir und meiner Freundin die Stadt gezeigt. Ich habe noch wunderschöne Fotos, wie wir hoch oben auf dem Petersdom stehen – ich in einer breit blau-weiß gestreiften ausgestellten Schlaghose. Das sieht grausam aus.

Damit würden Sie heute in Berlin Mitte wieder groß rauskommen.

Ach, da sehen viele noch viel schlimmer aus.

Wer hat Sie noch beeindruckt?

Ach wissen Sie, ich habe 300 Folgen “Ein Fall für zwei” gedreht. In jeder Folge traf sich fünf, sechs, Schauspieler. Wenn ich von Zeit zu Zeit mal an einer Preisverleihung teilnehme und die Kollegen wieder treffe, denke ich manchmal: Mit wem habe ich eigentlich noch nicht gedreht?

Sie waren ja auch begeisterter Motorsportler. Haben Sie immer noch Benzin im Blut?

Ich habe früher Werksautos von Mercedes gefahren - beispielsweise bei dem Autorennen Mille Miglia. Ich durfte auch am Porsche-Cup teilnehmen - als Gastfahrer. Insgesamt bin ich zwölf Jahre lang im Langstreckenpokal gestartet. Begeistert bin ich immer noch, aber ich fahre nur noch Oldtimerausfahrten.

Haben Sie eigene Oldtimer?

Ja, ich habe einen VW-Bus T2 von 1968 - wie sich das für einen Alt-68er gehört. Und einen Hochdecker mit Rechtssteuerung, der war früher als Postbus unterwegs. Es steht nicht mehr Post drauf, er ist als Camper eingerichtet.

Sie reisen gerne und waren mit Autos in der halben Welt unterwegs?

Damals allerdings in einem 12,5-Tonner Mercedes-Allrad-Lkw. Mit dem war ich Afrika und vielen anderen Ländern.

Sie habe wirklich fast alle Träume gelebt, oder?

Jau.

Gibt es noch ein Land, das auf dem Plan steht?

Tadschikistan - und generell die Seidenstraße. Aber es kommt natürlich immer drauf an, wieviel Zeit man hat.

Apropos Zeit. An was arbeiten Sie zurzeit?

Ich drehe demnächst wieder einen “Matula”. Wir stehen gerade in den Startlöchern für einen neuen 90-Minüter. Matula kommt wieder!

Gesprächsabend mit Gärtner

„Claus Theo Gärtner im Gespräch“ heißt die Veranstaltung, die das Städtische Museum am Freitag, 10. August, um 19 Uhr im Alten Rathaus organisiert. Claus Theo Gärtner ist einem breiten Fernsehpublikum aus der Krimireihe „Ein Fall für Zwei“ bekannt. Zwischen 1981 und 2013 verkörperte er in der vom ZDF produzierten Serie 300 Mal den kantiger Detektiv Josef Matula. Weniger bekannt ist, dass der Schauspieler Gärtner seine Wurzeln in Göttingen hat, wo er 1966 am Deutschen Theater (DT) unter Heinz Hilpert debütierte. Gärtner war schon damals ein politischer Kopf und während seiner Göttinger Zeit in der 68er-Bewegung und im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) aktiv.

Gärtner hat diese bewegte Zeit in Göttingen hautnah miterlebt. Er war als Akteur und Beobachter wichtiger Teil der lokalen 68er-Bewegung. Im Rahmen der Ausstellung „Klappe auf! Ausstellung zu 68er Bewegung in Göttingen“ – sie läuft noch bis zum 2. September – ist der Schauspieler für den Gesprächsabend mit Museumschef Ernst Böhme zu Gast. Karte sind im Städtischen Museum am Ritterplan und an der Abendkasse erhältlich.

Im April 75. Geburtstag gefeiert

Der Kaufmannssohn Claus Theo Gärtner, geboren 1943 in Berlin, studierte Schauspiel in Hannover und Braunschweig, gastiert an vielen Theatern und bekam gleich für seine erste Filmrolle 1972 („Zoff“) den Bundesfilmpreis. Ab 1981 ermittelt er – zunächst an der Seite seines Freundes Günter Strack – in „Ein Fall für zwei“ 32 Jahre lang im ZDF. Ein Ausflug in ein anders Genre erfolgte 2009 als er die Rolle des Heiner Geißler im Kohl-Biopic „Der Mann aus der Pfalz“ übernahm. Vier Jahre nach seinem letzten „Fall für zwei“ kehrte Gärtner 2017 als Matula auf die Bildschirme der Nation zurück. Der Vater eines Adoptivkindes lebt mit seiner 35 Jahre jüngeren Frau in Berlin und Basel. Im April feierte er seinen 75. Geburtstag.

Von Britta Bielefeld

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