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Thema des Tages Menschen aus der Region Göttingen berichten über Funklöcher und „kreative Lösungen“
Thema Specials Thema des Tages Menschen aus der Region Göttingen berichten über Funklöcher und „kreative Lösungen“
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00:20 23.07.2018
Metallbauer Lars Becker in Klein Lengden auf der Suche nach dem Netz. Quelle: Niklas Richter
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Von einem „Land im digitalen Aufbruch“ hat der niedersächsische Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, Bernd Althusmann (CDU), vor einigen Wochen gesprochen. Dazu zählt für den Minister auch das Thema Mobilfunk. Eine Abfrage wurde gestartet, bei der die Bürger im Land Funklöcher und Probleme mit der Netzabdeckung melden konnten. Es hatten sich so viele Menschen gemeldet, dass die Aktion noch einmal verlängert wurde. Erste Auswertungen der fast 9000 Betroffenen haben deutliche Diskrepanzen beim Handy-Empfang zwischen den Angaben der Mobilfunkbetreiber und den realen Bedingungen vor Ort gezeigt. Althusmann musste inzwischen feststellen, dass es offenbar „erhebliche Lücken in der Mobilfunk-Versorgung“ gibt.

„Mancherorts ist die Problemlage den Mobilfunkanbietern gar nicht bekannt“, so der Eichsfelder Landtagsabgeordnete Thomas Ehbrecht (CDU). Es sei sehr erfreulich, „dass die Mobilfunkanbieter die Hinweise aus der Bevölkerung aufgreifen und diese mit in ihr Konzept der ganzflächigen Mobilfunkversorgung aufnehmen“. Und während das Ministerium in Hannover noch auswertet und Maßnahmen sowie Zeitpläne erarbeitet, die Abhilfe schaffen sollen, hat das Tageblatt sich bei den Menschen in der Region nach ihren Erfahrungen umgehört.

Funklöcher je nach Standort

Mal schnell beim Außendienstmitarbeiter anrufen, dass es eine Änderung des Auftrags gibt, sich während der Autofahrt mit der Freundin in der Stadt zum Kaffee verabreden oder als auswärtiger Zulieferer beim Kunden nach der Wegstrecke fragen – Alltagssituationen, bei denen üblicherweise das kurze Telefonat mit dem Handy genutzt wird. Allerdings ist das nicht überall in der Region gleichermaßen gut möglich. Entweder gibt es erst gar kein Netz, oder aber das Gespräch bricht ab. Wo die berüchtigten Funklöcher sind, ist jeweils abhängig vom Standort und vom Netzbetreiber. An einer Stelle funktioniert D1 (Telekom), an der anderen D2 (Vodafone), und an der nächsten klappt es mit dem E-Netz (O2) – oder eben auch nicht.

Tageblatt-Leserin Helga Klischat-Pauer ist dem Tageblatt-Aufruf gefolgt und hat ihre Erfahrungen mit den Lücken im Handynetz auf der Tageblatt-Facebook-Seite gepostet: „Kommen Sie doch einfach mal nach Klein Lengden, oder auch das ,Tal der Ahnungslosen’ genannt. Hier geht so gut wie nichts... egal, ob bei uns Am Westerberg, in Waldnähe oder auch bei der neuen Seniorenwohnanlage Carpe Diem am Kleinen Feld. Das darf eigentlich nicht sein, dass es da keine Verbindungen gibt. Egal, ob Handwerker dort stehen und verzweifelt ihr Handy in alle Windrichtungen halten, bei der Seniorenwohnanlage Angehörige nicht über Handy telefonieren können oder ein Bewohner auf einem Spaziergang vielleicht schwächelt und keine Hilfe rufen kann. Das ist schlichtweg 2018 ein totales Armutszeugnis!“

Besseres Netz in der Wüste

Ähnlich klare Worte findet Jens Schiele in seinem Beitrag: „Im Ganzen allgemein, ist im Landkreis das mit dem Netz nicht gut ausgebaut von den Netzbetreibern. Ausgenommen das D1 Netz, da habe ich fast überall Empfang aber leider teilweise nur E zum Benutzen des Internets, und das ist eine Katastrophe! In einem so weit entwickelten Land wie Deutschland ist das für mich unverständlich! Wenn ich das vergleiche wenn ich im Urlaub in Ägypten bin, habe ich kein LTE, was hier in Deutschland ja der höchste Stand ist. Sondern 4G, und das überall auf dem Meer, mitten in der Wüste, am Strand etc.... Und kaufe ich mir da eine Prepaidkarte, kostet mich das umgerechnet etwa neun Euro für acht Gigabyte. Und das in einem sogenannten Drittland....“

Viele Leser zählen einfach nur auf, wo es beim mobilen Telefonat Probleme gibt – andere kommentieren ihre Hinweise wie Dani E La mit „Gefühlt ist ganz Seulingen ein großes Funkloch“. Und Birge Ra schreibt: „Oh, in Barterode geht mit Vodafone so gut wie nichts und selbst D1 ist im Ort nicht lückenlos... von Barterode nach Dransfeld verliert sogar das Autoradio seinen Empfang, so tot ist es hier.“

Eigenkreative Lösungen

Schlechtes oder gar kein Netz, das ist vor allem auch für Firmen ein Problem. Lars Becker von Metallbau Becker in Klein Lengden fühlt sich bei der Frage nach seinen Erfahrungen an Zeiten erinnert, in denen es noch keine Handys gab. Das Vodafone-Netz bezeichnet er als „eher schlecht“. In manchen Situationen, etwa wenn er seine Mitarbeiter mobil nicht erreichen könne, sagt Becker, müsse das Problem „wie früher eigenkreativ gelöst werden“.

Fragt man Dieter Brauch, Geschäftsführer von der Pilosith GmbH in Parensen, nach seinen Erfahrungen zum Mobilfunk, folgt ein Stöhnen. Just als er den Anfruf des Tageblattes bekam, hatte er Techniker der Telekom im Betrieb. Grund: Die funkbasierte Telefonanlage mit Voice-over-IP streikte. „Gespräche kommen nur abgehackt oder gar nicht hier an“, so Brauch, „nix und null.“ Der Pilosith-Geschäftsführer weiter: „Das ist ärgerlich, die Nummern der entgangenen Anrufe notieren, zurückrufen... voll nervig“, kommentiert er.

„Ein großes Funkloch“

Als „gruselig“ bezeichnet Toni Limburg von der Firma Grünplan in Reiffenhausen seine Erfahrungen. Intern nutze sein Gartengestaltungs- und -pflegebetrieb ISDN-Telefonie, doch wenn er etwa seine Mitarbeiter mobil erreichen möchte, gebe es Probleme. Zum Beispiel wenn sich diese im Bereich Lichtenhagen oder Ludolfshausen aufhalten. Dort sei „ein großes Funkloch“, wie Limburg weiß, und zwar egal ob im D1- oder im D2-Netz. In dringenden Fällen müsse er dann „zur Not mal zur Baustelle hinfahren“, sagt er und fügt hinzu: „Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld.“

Ein Funkloch, auf das auch eine Reihe von Lesern hingewiesen hat, befindet sich entlang der Bundesstraße 27, etwa zwischen Ebergötzen und Södderich. Auch im Bereich der B 446 in Höhe Seulingen und in Mackenrode gebe es einige bekannte Schwachstellen, sagt Radolfshausens Samtgemeindebürgermeister Arne Behre (SPD). Grundsätzlich sei die Netzabdeckung in der Samtgemeinde „gut, aber ausbaufähig“. Seeburgs Bürgermeister Martin Bereszynski (CDU) berichtet, die Qualität der Mobilfunkverbindung hänge zwar mit der Topographie zusammen, „aber nicht nur“. Er sagt aber auch, dass Deutschland zum Beispiel gegenüber Polen den Ausbau der Netzabdeckung verschlafen habe.

Mobilfunk immer wichtiger

Mobilfunk sei in der heutigen Zeit immer wichtiger, so Steffen Ahrenhold (CDU), Samtgemeindebürgermeister von Gieboldehausen. Daher freue es ihn, dass das Thema in Bund und Land angegangen werde. Auch in der Samtgemeinde Gieboldehausen gebe es Funklöcher. „Renshausen ist tot“, zählt er mit Blick auf Mobilfunk auf, auch in Obernfeld, Krebeck und Wollershausen gebe es einige Funklöcher. Ahrenhold berichtet, dass für alle Bauhöfe in der Samtgemeinde Digitalfunk angeschafft worden sei – „und dann funktioniert der Mobilfunk nicht“. Das bedeute, dass die Mitarbeiter nicht erreichbar seien. Ahrenhold sieht die Netzbetreiber in der Pflicht. Als „kleine Gemeinde“ können wir nicht viel machen“, sagt er.

So funktioniert LTE

Die Grafik verdeutlicht die Standard-Mobilfunktechnologie (LTE). Quelle: Deutsche Telekom

Netzabdeckung: Zwei von drei Netzbetreibern liefern Zahlen für die Landkreise Göttingen und Northeim

Wie steht es um die aktuelle Netzabdeckung beim Mobilfunk in der Region? Die Antworten der drei Netzbetreiber fallen unterschiedlich offen und ausführlich aus.

Der Mobilfunkmarkt in Deutschland wird seit 2014 von nur noch drei großen Netzbetreibern versorgt. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht auf ihrer Internetseite die Anzahl der Teilnehmer je Quartal und Netzbetreiber. Die aktuellsten Zahlen stammen vom ersten Quartal 2018. Danach hat Vodafone 46 300 000 Teilnehmer im D2-Netz, Telefónica 42 777 000 im E-Netz (aus ehemals E1-Netz der E-Plus-Gruppe und E2-Netz Telefónica/O2) und die Telekom 42 730 000 Teilnehmer im D1-Netz.

Vodafone

Vodafone gibt für die Landkreise Göttingen und Northeim eine „nahezu flächendeckende Mobilfunkversorgung“ an. 65 Stationen im Kreis Göttingen sorgen nach Angaben des Unternehmens „in den besiedelten Gebieten für eine Outdoor-Versorgung von fast 99 Prozent der Bevölkerung“; im Landkreis Northeim seien es 38 Mobilfunkstationen und ebenfalls 99 Prozent der Einwohner. Bei der mobilen Breitbandversorgung mit der LTE-Technik (=4G) weist Vodafone der Eigenauskunft zufolge „schon jetzt eine Netzabdeckung von 78 Prozent der besiedelten Fläche im Kreis Göttingen und von über 74 Prozent im Kreis Northeim auf. In „den nächsten beiden Jahren“ seien in den Landkreisen Göttingen und Northeim „gleich acht Bauvorhaben“ geplant, „darunter der komplette Neubau von Sendestationen und die erstmalige Installation von LTE an bestehenden Standorten“, so Konzernsprecher Volker Petendorf.

Telekom

Telefónica antwortet auf die Frage nach dem aktuellen Stand der Netzabdeckung in den Landkreisen Göttingen und Northeim nicht ganz so detailliert, wie Vodafone, immerhin aber doch sehr viel konkreter als die Deutsche Telekom, deren Sprecher die komprimierte Darstellung als wettbewerbsrelevant und vertraulich bezeichnet. Das gelte „nicht zuletzt für unsere Ausbauplanungen“, heißt es auf die Tageblatt-Anfrage. Zur Information über die Netzabdeckung wird auf die Verfügbarkeitsabfrage auf der Konzern-Seite verwiesen. Unter telekom.de/schneller findet sich eine interaktive Karte, bei der sich der Ausbaustatus des Telekom-Netzes sowohl für Festnetz (Breitband) als auch für Mobilfunknetz (differenziert auswählbar).

Telefónica

Telefónica versorge im Landkreis Northeim, so gibt das Unternehmen an, über „insgesamt zehn GSM-, acht UMTS,- und sechs LTE-Stationen versorgt“. Somit sei „eine flächendeckende GSM-Versorgung gegeben und größtenteils UMTS- sowie LTE-Versorgung“. Weiter teilt der Konzern mit, dass im Zuge der aktuell deutschlandweiten Netzzusammenführung von o2 und E-Plus „die Stationen mit moderner und leistungsfähiger Technik bestückt“ würden. Des Weiteren seien zwei Neubauten für weitere GSM-Station geplant. Der Landkreis Göttingen wird nach Auskunft von Telefónica „über 41 GSM-, 40 UMTS- und 15 LTE-Stationen versorgt. Auch hier ist demnach flächendeckende GSM-Versorgung gegeben und größtenteils UMTS- sowie LTE-Versorgung“, heißt es weiter.

Weitere Informationen zum Thema:

Interaktive Karte zur Netzabdeckung Mobilfunk der Telekom

Interaktive Karte zur Netzabdeckung Mobilfunk von Vodafone

Verfügbarkeitscheck von Telefónica

Informationen der Bundesnetzagentur zu Teilnehmerentwicklung im Mobilfunk

Von Britta Eichner-Ramm

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