Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Thema des Tages Die berühmte Außenseiterin
Thema Specials Thema des Tages Die berühmte Außenseiterin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 20.05.2017
Sie gehört zu den Topstars des Springreitens: Meredith Michaels-Beerbaum. Beim 39. Burgturnier (18. bis 21. Mai) wird die mit Markus Beerbaum verheiratete Amazone im und abseits des Parcours zu den Publikumslieblingen zählen. Quelle: Pförtner
Anzeige
Thedinghausen

Langsam öffnet sich das schwarze Metall-Tor und gibt eine Allee frei. Der Boden reflektiert glitzernd die Frühlingssonne - und führt zu einem Hof, der nicht nur Pferdefreunde erstaunen lässt. Ein weißes Haus mit Reetdach, die Büsche davor perfekt in Form geschnitten. Es könnte eine Aufnahme von der Ferieninsel Sylt sein - wenn hier statt Dünen und Strand nicht ein Reitstall, ein großer Platz mit Sprüngen und saftig-grüne Weiden wären.

Ein Paradies in Thedinghausen

Dieses Paradies im beschaulichen Thedinghausen ist seit 19 Jahren das Zuhause von Meredith Michaels-Beerbaum und ihrer Familie. Hier, zwischen Bremen und Verden, lebt die 47-jährige Springreiterin, die es als erste Frau auf Platz eins der Weltrangliste Springen schaffte, gemeinsam mit ihrem ebenfalls im Springsport erfolgreichen Mann Markus Beerbaum und der siebenjährigen Tochter Brianne.

Auf einer Weide hinter dem Haus stehen Pferde wie Checkmate und Shutterfly, denen die Amazone ihre größten Erfolge verdankt - und im Stall die Youngster, von denen Michaels-Beerbaum hofft, dass auch sie einmal solch große Springen gewinnen werden. Einer davon ist die neunjährige Stute Daisy. „Sie ist mein Liebling“, verrät die zierliche Reiterin mit dem amerikanischen Akzent, den man, wenn die gebürtige Kalifornierin spricht, trotz ihres guten Deutsches heraushört.

Daisy ist Meredith Michaels-Beerbaums Liebling

„Ich hoffe, dass sie eins meiner besten Pferde wird“, sagt Michaels-Beerbaum über die braune Stute Daisy. Gemeinsam mit der Stute Jackie Brown und dem Hengst Samurai gehört Daisy zu ihren Hoffnungsträgerinnen - vielleicht schon für die Weltreiterspiele 2018.

Michaels-Beerbaum musste gerade erst einen Verlust hinnehmen, der für sie auch die EM im August in weite Ferne gerückt hat: Fibonacci, mit dem sie vergangenes Jahr bei den Olympischen Spielen in Rio Dritte mit der Mannschaft wurde, ist verkauft worden. „Er war nicht mein Pferd“, sagt Michaels Beerbaum. Die Besitzer hätten ein gutes Angebot für den Schimmelwallach bekommen. „Es war keine Überraschung, aber ging dann doch schneller als gedacht“, sagt Michaels-Beerbaum.

Ihr Ziel: wieder große Preise gewinnen

Doch sie nimmt das EM-Aus recht gelassen: „Ich drücke meinem Mann die Daumen, dass er in die Mannschaft kommt.“ Stattdessen arbeite sie daran, ihre jungen Pferde zu Top-Pferden aufzubauen. Ihr Ziel: wieder große Preise gewinnen. „Ich möchte, dass die anderen mit mir rechnen“, sagt sie schelmisch.

Auf dem heimischen Reitplatz tauschen Meredith und Markus sich auf Englisch aus. Der Vormittag gehört meist nur den sportlichen Vierbeinern, wird zum trainieren genutzt. „Dann reite ich meist fünf bis sechs Pferde“, erzählt Michaels-Beerbaum. Zurzeit seien es allerdings nur drei, sie sei auf der Suche nach neuen Talenten. Mittags koche sie dann oft etwas für sich und Markus. „Und ich versuche, so oft wie möglich meine Tochter zur Schule zu bringen und abzuholen“, sagt die Reiterin. Die hält sie dann nachmittags meist auf Trab. „Da bleibt nicht viel Zeit für anderes“, sagt die 47-Jährige.

Im Garten steht ein Mini-Springparcours

Eins ihrer Hobbys hat die Siebenjährige sich bei den Eltern abgeschaut: Im Garten steht ein Mini-Springparcours. „Da springt sie immer zu Fuß drüber“, erzählt Michaels-Beerbaum lachend. Aber auch auf dem Rücken ihres Ponys habe Brianne gerade ihre ersten kleinen Kreuze aus dem Galopp gesprungen. „Sie ist absolut verliebt mit den Pferden“, erzählt Michaels-Beerbaum, die ihre Tochter mit ihrem Mann zweisprachig erzieht - sie spricht Englisch mit ihr, Markus Deutsch. „Sie korrigiert mein Deutsch schon immer“, erzählt sie grinsend.

Brianne finde es gar nicht gut, dass sie, seitdem sie zur Schule gehe, nicht mehr jedes Turnierwochenende komplett mit Mama und Papa verbringen könne, erzählt Michaels-Beerbaum. So wie am kommenden Wochenende beim Burgturnier, wo die Kleine wohl erst nach der Schule nachkommen wird. „Das ist ihr Lieblingsturnier“, erzählt Michaels-Beerbaum. Und auch sie schätzt die Atmosphäre: „Nörten ist sehr familiär“, sagt sie, „auch wenn das Wetter schlecht ist“. Daran habe sie eine ganz besondere Erinnerung: Vor ein paar Jahren hätte es total geregnet - und sie hätten in der Rezeption des Hotels am Hardenberg gesessen und mit Bruce Springsteen vor dem Kamin gequatscht.

Mit welchem Pferd sie im Großen Preis um die Goldene Peitsche antreten wird, hat sie noch nicht entschieden: „Daisy und Jackie sind fast gleichauf“, sagt sie, „ich denke aber, dass ich mit Daisy um die Goldene Peitsche reite“. Dabei schätze sie sich als Außenseiterin ein - „Daisy ist gut und auch schnell, aber sie hat so etwas noch nicht gewonnen“, sagt Michaels-Beerbaum und ergänzt: „Aber irgendwann ist immer das erste mal.“

Beerbaum will die Goldene Peitsche

Am Fuße der Hardenberger Burgruine sind die Helfer noch fleißig am Vorbereiten. Carl Graf von Hardenberg hat aber schon zwei Tage vor dem offiziellen Beginn den „Auftakt des 39. Burgturniers“ eingeläutet. Dabei war einer, der am Sonntag nach der Goldenen Peitsche greifen möchte: Markus Beerbaum.

Während einer Pressekonferenz verriet er seine Favoriten für den Sieg in dem Großen Preis, die vorletzte Prüfung eines langen Wochenendes: „Martin Fuchs, Rolf-Göran Bengtsson und als Geheimtipp Chloe Reid“. Aber auch Vorjahressieger Felix Haßmann, Nachwuchsreiterin Laura Klaphake, Lokalmatador Dirk Klaproth sowie Lars und Gerrit Nieberg seien heiße Anwärter.

Vor allem möchte Beerbaum selbst aber weit nach vorn: In den vergangenen Jahren stand seine Frau Meredith Michaels-Beerbaum sportlich im Vordergrund. Er war viel in der Trainerfunktion unterwegs. Nun will er sportlich wieder Anschluss finden. „Es gibt hier wertvolle Weltranglistenpunkte zu holen“, sagt der 47-Jährige. Eine Vorbereitung für einen möglichen Europameisterschaftsstart im August seien die Ritte in Nörten-Hardenberg aber nur indirekt – sein Top-Pferd Comanche wird dieses Wochenende geschont. „Ich werde wahrscheinlich mit der neunjährigen Charmed um die Goldene Peitsche reiten“, sagt Beerbaum.

Geladen war auch Tjark Nagel, der 2005 Zweiter beim Großen Preis um die Goldene Peitsche wurde – und nun in anderer Funktion unterwegs ist: Gemeinsam mit Thomas Münch ist er für die Fohlenauktion am Freitagabend zuständig. „Das ist neu in diesem Jahr“, sagte Gastgeber Carl Graf von Hardenberg. Ein weiteres Highlight sei am Sonnabendabend der Auftritt von Dressurreiterin Isabell Werth.

So entwickele sich das internationale Springturnier immer weiter, wie Kaspar Funke vom Veranstalter Escon Marketing erzählte: „Wir spielen im europäischen Kontext oben mit.“ Wichtig war Carl Graf von Hardenberg dabei, dass an diesem Wochenende nicht nur ein Reitturnier auf die Beine gestellt wird: „Es ist ein Event-Wochenende mit einem sportlichen Event und einem Park-Event“, sagte er und verwies damit auch auf die Klassika-Gartenausstellung. Die Gastgeber wollen mit Vielfalt alle Generationen abholen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige