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Thema des Tages Nachwuchs für die Feuerwehren
Thema Specials Thema des Tages Nachwuchs für die Feuerwehren
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00:32 19.04.2018
Lea, Sandra, Moritz und Holger Bock, Jörg Jakubassa (v.l): Drei Generationen für die Feuerwehr in Groß Ellershausen. Quelle: Swen Pförtner
Göttingen

Es gibt nicht mehr genügend Einsatzkräfte, die Bürger werden jetzt zwangsverpflichtet: So lautete ein Aprilscherz, den die Feuerwehr Diemarden am 1. April veröffentlich hat. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren löschen Brände, helfen bei Unfällen, retten Leben. Damit sich die Bürger auch in Zukunft auf ihre Feuerwehr verlassen kann, dafür brauchen die ehrenamtlichen Helfer Nachwuchs. Wie sieht es aus in der Region?

Für die Familie Bock/Jakubassa ist Nachwuchsmangel in der Feuerwehr kein Thema - zumindest nicht in der eigenen Familie. Drei Generationen sind der Ortsfeuerwehr Groß Ellershausen engagiert. Jörg Jakubassa (62), Holger Bock (51) und Ehefrau Sandra (42) und deren Kinder Moritz (20) und Lea (17) tragen ihre Uniform aus Überzeugung. Holger ist zudem stellvertretender Ortsbrandmeister, Sandra ist Kinderfeuerwehrwartin und Stadtkinderfeuerwehrwartin. Moritz sagt: „Die Feuerwehr war schon immer mein Traum.” Er erinnert sich noch gut daran, als er im Alter von zehn Jahren „endlich” in die Jugendfeuerwehr eintreten durfte. Das größte für ihn damals: Opa Jörg überreichte eine Uniform zum Geburtstag. Auch heute, so erzählt Sandra, seien die Kinder und Jugendlichen „stolz wie Oskar”, wenn sie in ihren Uniformen zum Übungsabend kommen.

Mehr als 7000 Mitglieder

Im Landkreis Göttingen gibt es insgesamt 160 Feuerwehren mit rund 5409 aktiven Mitgliedern (Stand 2016). An der Spitze der Kreisfeuerwehr steht Kreisbrandmeister Volker Keilholz. Die Feuerwehren im Landkreis Göttingen haben 124 Jugendabteilungen und 55 Kinderabteilungen. Im Alter von 10 bis 15 Jahren sind insgesamt 1277 junge Leute, darunter 827 Jungs und 450 Mädchen dort engagiert, im Alter von 18 bis 18 Jahren sind es 283 Mitglieder - 184 junge Männer und 99 Frauen. Die Kinderabteilungen (6 bis 10 Jahre) haben 923 Mitglieder, davon 562 männlich und 361 weiblich

Eine Uniform und Feuerwehrautos: Für viele Kinder macht das einen Teil der Faszination aus. Das sei aber eigentlich von den offiziellen Verbänden nicht gerne gesehen, erklärt Karsten Beuermann, Gemeindebrandmeister in
Dransfeld
. Aber: „Die Regeln für Kinder werden jetzt gelockert”, sagt er. Statt Malen und Basteln rücke die Feuerwehr wieder mehr in den Mittelpunkt. In Dransfeld gibt es elf Orts-, zehn Jugend- und sieben Kinderfeuerwehren. Und es geht bergauf: „In Jühnde wird gerade eine neue Kinderfeuerwehr gegründet”, so Beuermann. In der Samtgemeinde gebe es zudem einen Verein, der Aktivitäten der jungen Brandschützer finanziell unterstützt, beispielsweise Fahrten und Zeltlager. Die Mitgliederzahlen seien stabil.

Und das ist für Freiwillige Feuerwehren enorm wichtig. Denn: Dort, wo es eine Kinderfeuerwehr gibt, wechseln später mehr Jugendliche in den dringend benötigten aktiven Dienst: Das sagt Alexander Otte, Jugendfeuerwehrwart für den Landkreis Göttingen. In die Jugendfeuerwehr treten Kinder erst im Alter ab zehn Jahren ein. „Dann haben sie sich aber oftmals bereits für ein anderes Hobby entscheiden”, so Otte. Deshalb sei es wichtig, die Kinder schon in einem Alter ab sechs Jahren für die Kinder-Feuerwehr zu gewinnen. Das Nadelöhr, das zum Problem für die Freiwilligen Feuerwehren werden kann, ist später der Übertritt von der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst - wo ehrenamtliche Retter in fast allen Gemeinden des Landkreises gebraucht werden. „Es kann immer besser sein“, sagt Otte, massive Nachwuchsprobleme aber gebe es kaum.

2002: Erste Kinderfeuerwehr des Landkreises in Lenglern gegründet

2002 wurde in Lenglern die erste Kinderfeuerwehr des Landkreises gegründet. In Bovenden gibt es seit 2010 in jedem Ort eine Jugend- und eine Kinderfeuerwehr. Und dafür, dass das so bleibt, werben die Verantwortlichen der Gemeindefeuerwehr. Denn: „In den Jahren 2007 bis 2017 ist die Zahl der Mitglieder in den Jugendfeuerwehren um 60 Prozent zurückgegangen”, sagt Marcel Lahrsow, Sprecher der Bovender Feuerwehr. Eine Auswertung ergab: „40 Prozent gaben an, dass Schule oder Beruf der Grund sind”, so Lahrsow. Zweithäufigster Grund ist der Wohnortwechsel. Auch Otte bestätigt. „Die steigende Belastung in Schule und Ausbildung ist häufig der Grund für einen Austritt.”

Im Schnitt, so Lahrsow weiter, treten jährlich 13 neue Kräfte in die aktive Feuerwehr ein, sieben davon waren zuvor in der Jugendfeuerwehr, fünf seien Quereinsteiger. Mit einer Werbekampagne wollen die Bovender das Interesse der Kinder und Jugendlichen werden. Banner, Schlüsselbänder, Infostände, Social-Media-Aktionen, Schnuppertickets: „Es gibt bereits erste Erfolge, in Bovenden freuen wir uns über sieben, in Eddigehausen über fünf neue Mitglieder seit August”, so Lahrsow.

Gemeinde Gleichen In 16 Orten 16 Ortsfeuerwehren

In der Gemeinde Gleichen gibt es in 16 Orten 16 Ortsfeuerwehren, 15 Jugendfeuerwehren und zehn Kinderfeuerwehren. Aber das war nicht immer so. Manchmal, so erzählt Gemeindebrandmeister Heiko Böhlken, braucht es einen kleinen Anstoß um ein Erfolgsmodell zu werden. „Beispielsweise in Sattenhausen”, so Böhlken. Bis zur Jahrtausendwende gab es in Etzenborn und Stattenhausen keine Jugendfeuerwehren. Böhlken schnappte sich kurzerhand den damaligen Gemeindejugendfeuerwehrwart Peter Heinzelmann und nahm ihn mit zu den Versammlungen. Ziel: Für Gründung von Jugendfeuerwehren werben. In Etzenborn und Sattenhausen hatten sie Erfolg. Im Jahr 2000 wurde die Jugendfeuerwehr Etzenborn gegründet, der heutige Jugendwart Felix Benseler trat damals ein. „Alle Mitglieder der Geburtsjahrgänge 1991 bis 95 sind in die Reihen der Aktiven übergetreten”, so Böhlken. „Sei es im eigenen Ort oder in Feuerwehren in ihren neuen Wohnorten, so Benseler. In Sattenhausen wurde die Jugendfeuerwehr 2003 gegründet. „80 Prozent der Mitglieder sind in den aktiven Dienst gewechselt”, so Ortsbrandmeister Tobias Rümenapf. In der Gemeinde Gleichen engagieren sich 445 Aktive (Vorjahr 432) 164 Jugendliche (Vorjahr 162) und 65 Kinder (Vorjahr 67) in der Feuerwehr.

In Adelebsen, so berichtet Gemeindebrandmeister Thomas Wille, habe jeder Ort eine eigene Jugendfeuerwehr – auch wenn er noch so klein ist. Die beiden Kinderfeuerwehren stünden Kinder aus mehreren Orten offen; in kleinen Orten, so Wille, müsse man sich zusammentun. Auch in Adelebsen seien die Zahlen weitgehend stabil. Denn auch wenn es in kleinen Dörfern einmal dazu kommt, dass – wie in Eberhausen – in einem Jahrgang keine Jugendlichen Interesse haben, im nächsten Jahr seinen wieder welche da. Wille hält es deshalb für enorm wichtig, in jedem Ort eine Jugendfeuerwehr zu haben. „Zumachen kann man nur einmal“, sagt er.

Von Britta Bielefeld

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