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Thema des Tages Näder-Vorschlag zu EWB stößt auf Gegenwind
Thema Specials Thema des Tages Näder-Vorschlag zu EWB stößt auf Gegenwind
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00:34 19.05.2018
Sitz der Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe (EWB) in Duderstadt. Quelle: Foto: BE
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Duderstadt

Anfang Mai hatte der Duderstädter Unternehmer Hans Georg Näder mit seinem offenen Brief für Wirbel in der Stadt gesorgt. Sein Vorschlag, die Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe (EWB) zu verkaufen, um mit dem Erlös zum Beispiel einen Hallenbad-Neubau zu finanzieren, ist auf Gegenwind gestoßen.

EWB-Geschäftsführer Markus Kuhlmann hatte als erste Reaktion den Näder-Vorstoß mit deutlichen Worten kritisiert. Kuhlmann sagte, die EWB sei ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen. Einen wirtschaftlichen Zwang für eine Fusion etwa mit der von Näder zusammen mit den Eichsfeldwerken genannten Harz Energie sieht er auch heute nicht.

Mehr als drei Millionen in drei Jahren investiert

In einer Pressemitteilung vom Mittwoch führt er auf, dass mit „Investitionen in „moderne Infrastruktur, in den tadellosen Erhalt des Bestands und mit engagiertem Service“ die sichere Versorgung der angeschlossenen Haushalte und Unternehmen mit Strom, Wasser und Wärme gewährleistet werde. In den Jahren 2014 bis 2016 seien jeweils 1,2 beziehungsweise 1,3 Millionen Euro investiert worden, so Kuhlmann. Außerdem bezifferte der EWB-Chef die „realisierte Bruttowertschöpfung 2016 für die Region“ auf zusammen 7 541 000 Euro. Dies fasst Positionen wie Auftragsvergaben an die heimische Wirtschaft ebenso zusammen wie Löhne und Gehälter, Gewerbesteuer, Konzessionsabgabe, Sponsoring und Spenden, Ausgleichszahlungen und Gewinnausschüttungen und den Verlustausgleich Bäder.

Die EWB mit ihren Tochtergesellschaften verstehe sich „als bedeutende Wirtschaftseinheit, als wichtiger Arbeitgeber“ und als Kooperationspartner für Schulen, Vereine und Verbände. Der Betrieb der Bäder werde in diesem Zusammenhang gesehen, heißt es in der Mitteilung weiter.

„Ein profitables Unternehmen“

„Die Gruppe ist damit mehr als ein profitables Unternehmen“, so Kuhlmann. Die Unternehmensgruppe könne seit Jahren immer mehr Kunden begeistern und stelle sich regelmäßig veränderten wettbewerblichen und regulatorischen Anforderungen. „Unter diesem Hintergrund ist auch die Beteiligung der Harz Energie GmbH & Co. KG zu verstehen. So konnten in den vergangenen Jahren Kooperationen auf Augenhöhe zum wirtschaftlichen und organisatorischen Vorteil für beide Unternehmen umgesetzt werden“, betont der EWB-Geschäftsführer.

„Einen entscheidenden Einfluss auf die wirtschaftliche Lage der Gruppe haben die Bäder. Diesen stehen aber auch ein geändertes Freizeitverhalten und prognostizierte Rückgänge innerhalb der Nutzergruppen gegenüber“, heißt es in der Mitteilung weiter. Am Beispiel Freibad macht Kuhlmann deutlich, dass Besucher- und Umsatzzahlen durch zusätzliche Angebote aufgefangen würden.

Sitz der Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe (EWB) in Duderstadt. Quelle: be

Grüne antworten mit offenem Brief

Wenige Tage, nachdem sich der Geschäftsführende Gesellschafter von Ottobock mit seinem offenen Brief an die Kommunalpolitik gewandt hatte, bekannten sich die Ratsmitglieder der Stadt zur EWB. Und während einige die Ratssitzung nutzten, um ein Statement abzugeben, hatten Stadt- und Ortsratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Ortsverband Untereichsfeld dem Unternehmer mit einem offenen Brief geantwortet.

„Wir freuen uns, dass Sie Ihre Visionen für Duderstadt tatkräftig einbringen“, schreibt Jennifer Ahlbrecht vom Ortsverbandsvorstand und stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Ortsrat Duderstadt. Das sei ein Mittel, das jedem Bürger zugestanden werden müsse und das die Ideenvielfalt bereichern könne. Mit seinem Vorstoß zum Verkauf der EWB zugunsten anderer großer Projekte in Duderstadt habe Näder dem Grünen-Schreiben zufolge „jedoch für einige Verwunderung gesorgt. Nicht, weil uns unkonventionelle Ideen abschrecken würden“, heißt es in dem Grünen-Brief an Näder weiter.

Kritisiert wird die „Art und Weise“ der „Einmischung“, mit der Näder „demokratische Strukturen“ ausklammere. Eine Kommune sei „kein Wirtschaftsunternehmen, das Teile abstoßen kann, ohne die langfristigen Folgen zu bedenken.“ Es müsse diskutiert und abgewogen werden, um letztlich Kompromisse zu finden, schreibt Ahlbrecht weiter. „Das mag manchmal müßiger sein, als spontanen Utopien nachzufolgen, so ist aber der gute Grund für die demokratischen Strukturen“, heißt es in dem Antwortschreiben an Näder weiter.

Der Unternehmer reagierte auf die Reaktionen im Rat und auf das Schreiben der Grünen prompt. An Ahlbrecht gewandt bezeichnete es Näder als „Frechheit“, wenn „die Arroganz der politischen Klasse“ nun schon so weit gehe, „Ideen eines mündigen Bürgers als spontane Utopien abzutun“.

„Arroganz der Gremien“

Und auch zeigte sich der Unternehmer verwundert darüber, dass der Rat der Stadt Duderstadt seine „von ganzem Herzen wohlgemeinten Gedanken und Anregungen zu EWB“ und weiteren Punkten „in dieser Form vom Tisch“ wische. Näder weiter: „Wenn der Bürger so gescholten wird, dann wird zumindestens mir etwas angst und bange, wenn solche Arroganz der politischen Gremien die Weichen auf Zukunft stellen sollen.“

Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) betonte, dass jeder Bürger seine Meinung artikulieren könne – „ob sie uns gefällt oder nicht“. Was die EWB angeht, sagte Nolte auch, dass Kooperationen auf unterster Stufe gebraucht würden. Man müsse zudem klar im Blick haben, ob das Unternehmen auch in Zukunft noch ein starker Versorger sein werde. „Alles zu diskutieren muss erlaubt sein“, so Nolte.

Schwimmsportangebot für Duderstadt

Durch ihren 75-prozentigen Mehrheitsanteil an der Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe Gesellschaft (EWB), zu der auch die für den Betrieb der Duderstädter Bäder zuständigen Tochtergesellschaft EBB gehört, hat die Stadt Duderstadt de facto das Sagen. Selbst dann, wenn die drei Mitgesellschafter geschlossen anderer Meinung wären.

Bestes Beispiel sind die seit Monaten andauernde Diskussion um die Zukunft des Duderstädter Hallenbades. Während die Stadt Duderstadt sämtliche Möglichkeiten und Eventualitäten einer finanziellen Unterstützung für Sanierung oder gar Neubau auszuschöpfen versucht, drängen die Bürgermeister der Samtgemeinden Gieboldehausen, Radolfshausen und der Gemeinde Katlenburg-Lindau, Steffen Ahrenhold, Arne Behre und Uwe Ahrens, seit Wochen auf eine Entscheidung. Sie hatten Duderstadts Bürgermeister und EWB-Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Nolte und dem Rat der Stadt im Januar schriftlich ihre Position klar gemacht.

EWB-Minderheitsgesellschafter drängen auf klare Aussagen

Während man in Duderstadt gar mit einem Hallenbadneubau liebäugelt und auf prall gefüllte Fördertöpfe hoffte, warnten die Minderheitsgesellschafter vor finanziellen Risiken. Investitionen für Sanierung oder Neubau des Hallenbades beziehungsweise die Folgekosten einschließlich Abschreibungen müsse die Stadt Duderstadt alleine übernehmen, betonten Ahrenhold, Behre und Ahrens unisono.

Vertreter der EWB-Gesellschafter: Die Bürgermeister Wolfgang Nolte aus der Stadt Duderstadt (2.v.r.), Steffen Ahrenhold von der Samtgemeinde Gieboldehausen (l.), Arne Behre von der Samtgemeinde Radolfshausen (2.v.l.) und Uwe Ahrens von der Gemeinde Katlenburg-Lindau Quelle: B. Eichner-Ramm

Bei einem kurzfristig anberaumten Gesprächstermin der Gesellschafter informierte Nolte jetzt seine Bürgermeisterkollegen über den aktuellen Sachstand. Von den Fördergebern sei der Stadt eine Fristverlängerung bis Ende Juni eingeräumt worden. Bis dahin muss ein Beschluss über Sanierung des Altbaus oder einen Neubau gefasst werden. Hintergrund: Seitens eines Mitglieds der Landesregierung sei ihm signalisiert worden, so Nolte, dass möglicherweise Chancen auf Mittel eines neuen Förderprogramms bestehen.

„Dankbar für Verständnis“

Nolte sagte im Anschluss an das Gespräch, er sei dankbar für das Verständnis der Gesellschafter, dass die Stadt Duderstadt weiterhin alle Möglichkeiten sondieren wolle. Dass die Stadt alles versuche, könne er verstehen, das mache die Sache aber nicht einfacher, kommentierte Behre. Ahrenhold betonte, die Minderheitsgesellschafter hätten sich eine klare Aussage der Stadt erhofft, dass es sich nämlich vorrangig um ein Investment der Stadt Duderstadt handle.„Wir hängen nicht nur mit der Finanzierung sondern auch bei den Unterhaltungskosten mit drin“, ergänzte Behre. Das müssten sie gegenüber ihren Bürgern vertreten.

„Es muss für alle tragbar sein“

Alle seien sich einig, dass das Schwimmsportangebot in Duderstadt erhalten bleiben soll, meinte Ahrens, und wenn es mit den zusätzlichen Fördermitteln klappt, sei das toll. „Nur,“ ergänzte er mit Blick auf die unterschiedlichen Interessenslagen der Kommunen, „es muss für uns alle tragbar sein.“

Der Duderstädter Rat soll am 25. Juni eine Entscheidung treffen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Ahrenhold, und gab zu bedenken, dass auch in den anderen Kommunen noch Zeit für eine Willensbildung benötigt werde.

Das Unternehmen im Überblick

Die Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe GmbH (EWB) als Muttergesellschaft mit den beiden Tochtergesellschaften Eichsfelder Energie- und Wasserversorgungs GmbH (EEW) und der Eichsfelder Blockheizkraftwerk- und Bäder GmbH (EBB) versorgen die Region mit Strom und Wasser, liefern Wärme und betreuen die Duderstädter Bäder. Mehrheitsgesellschafter der Gruppe sind die Stadt Duderstadt mit 75,01 Prozent Geschäftsanteilen, die Samtgemeinde Gieboldehausen mit 18,37 Prozent, die Samtgemeinde Radolfshausen mit 3,82 Prozent und seit 2016 auch die Gemeinde Katlenburg-Lindau mit 2,80 Prozent.

Die EWB halten 74,9 Prozent der Geschäftsanteile an der EEW, die übrigen Anteile der EEW in Höhe von 25,1 Prozent hält die Harz Energie GmbH & Co. KG – an dieser wiederum die EWB mit 0,9 Prozent als Mitgesellschafter beteiligt ist. Ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der EWB ist die EBB.

Den Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 zufolge (die Daten für 2017 werden zurzeit zusammengestellt) liegt das Bilanzvolumen der EWB bei 13,3 Millionen Euro, der EEW bei 14,4 Millionen und der EBB bei 1,9 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse werden auf der Internetseite der Unternehmensgruppe mit 1,7 Millionen Euro bei der EWB, mit 19,0 Millionen Euro bei der EEW und mit 0,7 Millionen Euro bei der EBB angegeben.

Quelle: Quelle: EWB, Grafik: Reyer

Die EWB leitet die drei Gesellschaften in geschäftlicher, betriebswirtschaftlicher und technischer Hinsicht und betreut die Netze und Leitungen, ist mit der Kläranlage Duderstadt für die Abwasserentsorgung für die Ortsteile Duderstadt, Desingerode, Werxhausen, Esplingerode, Gerblingerode, Westerode, Immingerode, Nesselröden und Tiftlingerode sowie für den Abwasserzweckverband „Obere Hahle“ im thüringischen Teistungen zuständig.

Die EEW liefert Strom und betreibt das Stromnetz für die Stadt Duderstadt und den Ortsteil Gerblingerode. Außerdem wird das Eichseld mit regionalem Wasser beliefert. Kaufmännisch wie technisch ist die EEW auch für den Trink- und Abwasserzweckverband „Obere Hahle“ zuständig und hat die technische Wasserbetriebsführung für die Gemeinde Gleichen inne.

Die EBB betreibt das Frei- und das Hallenbad in Duderstadt und erzeugt im eigenen Blockheizkraftwerk vor Ort Wärme und Strom aus Erdgas. Abnehmer dieser Wärmeenergie sind unter anderem das Hallenbad, das Schulzentrum „Auf der Klappe“ und das Wohngebiet „Über dem Siebigsbach“. Der aus der der Abwärme gewonnene Strom wird ins EEW-Stromnetz eingespeist.

Das Versorgungsgebiet der drei Gesellschaften erstreckt sich auf rund 300 Quadratkilometer mit etwa 50000 Eichsfeldern – von Katlenburg-Lindau im Norden bis zur Grenze Thüringens sowie von der Stadtgrenze Göttingens bis zur Rhumequelle.

Von Britta Eichner-Ramm

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