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Thema des Tages Neue Ära für die "Alte Mensa"
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20:27 16.02.2016
Von Angela Brünjes
Freier Blick auf einzigartiges Schmuckstück. Quelle: Hinzmann

Freier Blick auf einzigartiges Schmuckstück

Die Stuckdecke im einstigen Theatersaal erhielt ein Bett, um sie zu erhalten. So beschreibt Robert Förster vom Gebäudemanagement  der Universität Göttingen den Vorgang, der zur Rettung nötig war. Denn nach der Wiederentdeckung der Stuckdecke, die nach 1945 abgehängt worden war, wurde im Dach der zerstörerische Schwamm festgestellt. Erst nach den Dacharbeiten konnten die Restauratoren die Decke bearbeiten. Die hat verspielte Blumenmotive in den Amuletten zu bieten und viele florale Ornamente. Von diesen aber ist viel zerstört worden. So weisen Decke und Wände Fehlstellen auf. „Wir wollten andeuten, wie es war“, erklärt Ingenieur Förster die Reparatur, die keine komplette Wiederherstellung war, des im Raum Göttingen einzigartigen Schmuckstücks.

Freier Blick auf einzigartiges Schmuckstück Quelle: Hinzmann

Überraschung auf der Galerie

Das Muster der Decke findet sich auf der Galerie wieder im Geländer. Und auch dieses war eine Wiederentdeckung. „Es war mit Holz verkleidet“, erzählt Baufachmann Förster, der auch die Sanierung von Aulagebäude und historischer Sternwarte leitete. Merkwürdige Streben, die aus dem Holz ragten, ließen Förster rätseln. Der Blick unter die Verkleidung brachte die nächste Überraschung: das gut erhaltene, filigrane Geländer.

Überraschung auf der Galerie Quelle: Hinzmann

Starkes Rot fürs Treppenhaus

Bestens erhalten sind die Treppe und das Geländer im oberen Treppenhaus. Hier hat die florale Ornamentik einen kräftigen Anstrich erhalten. Die Stockwerke der Alten Mensa sind  auch per Fahrstuhl erreichbar. Das Haus ist, bis auf einen Zugang im Cateringbereich, komplett barrierefrei, betont Bolli. Außerdem verfügt es über die für ein Tagungs- und Veranstaltungszentrum notwendige Technik. Nachdem es seit 1922 als „Studentenhaus“ mit Mensa und Aufenthaltsort diente, wird die Alte Mensa nun die nach Angaben der Universität benötigen Tagungs- und Kongressmöglichkeiten bieten.

Starkes Rot fürs Treppenhaus Quelle: Hinzmann

Weitere Informationen:

Über die Geschichte der Alten Mensa informiert eine Broschüre der Universität Göttingen. Der lesenswerte Beitrag von Bettina Kratz-Ritter ist ebenfalls auf der Webseite der Georgia Augusta zu finden: uni-goettingen.de/de/525947.html. Dort gibt es weitere Informationen zur Buchung der Räume, deren Kapazitäten und das weitere Angebot.

Alte Blickachse

Das Treppenhauses war viele Jahre abgedeckt. Nun gibt sie den Blick frei auf den ersten Stock, dessen Terrazzo-Boden erhalten ist. Im Erdgeschoss sind die Spuren der Veränderung zu sehen. „Wie kriegen wir das wieder hin“, fragten sich die Bauleiter, Robert Förster und Rainer Bolli (rechts) vom Gebäudemanagement der Universität, um das charakterische Entree des Hauses zu erhalten. Das Muster des alten Mosaik aus dem Jahr 1824 wurde nur andeutungsweise aufgenommen, um auch hier zu zeigen, was nicht mehr historisch ist.  Die reine Bauzeit für die Alte Mensa gibt Bolli mit 18 Monaten an und die Kosten mit vier Millionen Euro. Bolli: „Das Haus war immer ein Veranstaltungsort seit 1824. Es ist schön, dass es so geblieben ist.“

Alte Blickachse Quelle: Hinzmann

Blick auf den Wilhelmsplatz

Was einst der Große Zeughausplatz war, wurde nach Fertigstellung des neuen Hauses 1824 der Neue Markt und ist heute der Wilhelmsplatz. Auf den „Willi“ sind die großen Säle im Erd- und Obergeschoss ausgerichtet, aber auch die Büros der Universitätsabteilungen Alumni und Fundraising (Foto: Gudrun Böhm vom Fundraising) sowie der Seminarraum, der dort entstanden ist, wo bis 2009 in der Taberna Mittag- und Abendessen des Studentenwerks zu erhalten war. Der Raum ist kleiner geworden und hat eine neue Fensterfront erhalten. „Die hat wieder die Fensterachsen wie sie im 19. Jahrhundert existierten erhalten“, erläutet Rainer Bolli, Leiter des Gebäudemanagements der Georg-August-Universität. Aus dem ehemaligen großen Speisesaal ist ein teilbarer Veranstaltungsraum geworden, der ehemalige Kinosaal im Obergeschoss hat Bühnentechnik zu bieten und verspricht, mit den Attributen des einstigen Theatersaals, der im 19. Jahrhundert dort entstand, ein gefragter Festsaal zu werden.

Blick auf den Wilhelmsplatz Quelle: Hinzmann

Foyer: Neubau im Altbau

Das Wechselspiel von Alt und Neu zeigt das Foyer. Das dortige Fachwerk war nach Angaben von Förster „nur noch Torf“. Komplett wurde die von Holzwürmern zerfressene Konstruktion entfernt. In Kubusform sitzen das Foyer und der ehemalige Wirtschaftstrakt nun als Neubau mittendrin im Altbau. Nur die alten Steinmauern, die 1824 der erste Bauherr Christian Rohns aus dem Material der Kloster- und Kirchenmauern errichten ließ, sind geblieben, neu verputzt und eine Erinnerung an die Gebäude, die einst dort standen: Das Ende des 13. Jahrhunderts vom Barfüßerorden erbaute Kloster. Nach der Reformation wurde es Theatersaal, Büchermagazin, Zeughaus oder Stadtwaage – und schließlich 1820 abgerissen.

Foyer: Neubau im Altbau Quelle: Hinzmann
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