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Thema des Tages Mehr Betten für Göttingen
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00:17 07.05.2017
Markanteste Hotel-Baustelle der Stadt: Am Groner Tor soll im Sommer 2018 das Hotel Freigeist eröffnen. Der Rohbau (rechtes Gebäude) ist beendet. Quelle: Harald Wenzel
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Göttingen

Die letzte Erhebung zu Bestand und Bedarf von Unterkünften in Göttingen stammt aus dem Jahr 2013. Das Beratungsunternehmen „Hotour“ aus Trier hatte im Auftrag der Stadt in seiner Analyse des Göttinger Hotelmarktes damals festgestellt, dass ein Neubau mit Blick auf die Entwicklung der Nachfrage nicht zwingend erforderlich, doch aber durchaus rentabel sein könnte. Wenn es denn einige Faktoren erfüllen würde: die Nähe zum Bahnhof, ein niedriges Preis-Niveau und idealerweise den klangvollen Namen einer internationalen Kette.

Für ein derartiges Hotel sei mit ausreichendem Interesse von Seiten der Betreiber und Investoren zu rechnen, schlossen die Planer damals. Sie schränkten jedoch ein, dass mit neuen Angeboten den bestehenden Hotels sicher Marktanteile abgenommen würden. Kurzfristig sei mit einer geringeren Bettenauslastung aller Betriebe zu rechnen. Als Folge werde ein verschärfter Preiswettbewerb zu beobachten sein. Gegebenenfalls ergebe sich für etablierte Häuser die Notwendigkeit, sich neu am Markt zu positionieren.

Eine sprunghafte Entwicklung des Übernachtungsaufkommens sei jedenfalls nicht zu erwarten, hieß es 2013. Als Göttingens Tourismus-Chefin Angelika Daamen auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) die Rekord-Bilanz mit 482 652 Übernachtungen für das Jahr 2015 vorstellte, freute sie sich bereits auf die zusätzlichen Kapazitäten des für Sommer 2016 geplanten B&B-Hotels im Bartholomäusbogen. Kein sprunghafter Anstieg, aber ein stetiger war dann auch im folgenden Jahr zu verzeichnen. Göttingen ließ mit einem Plus von erneut 7,6 Prozent die 500  000-Marke hinter sich.

Über 80 Prozent der Übernachtungsgäste sind Geschäftsreisende aus dem gesamten Bundesgebiet. Privatreisende spielen eine untergeordnete Rolle. Das wird zum einen bei der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 1,8 Tagen, zum anderen im saisonalen Verlauf sichtbar. Die Übernachtungsnachfrage orientiere sich klar am Tagungs-, Kongress- und Messekalender, hieß es in der Analyse 2013. Das bestätigte Daamen auf der ITB im März erneut, Göttingen habe ein „Saison-Problem“. Es gebe Zeiten, in denen Göttingen total ausgebucht sei. Andererseits seien Monate wie Dezember und Januar eher schwach nachgefragt.

"In einem halbven Jahr sind wir schlauer"

„Das sind keine guten Entwicklungen“, kommentiert Olaf Feuerstein, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Göttingen, die Hotel-Neubaupläne in Göttingen. Er rechnet mit einem intensiven Verdrängungswettbewerb, wenn tatsächlich alles gebaut würde, was sich derzeit in Planung befindet. Wenn nur vier der geplanten Häuser an den Markt kämen, würde sich die Betten-Kapazität um 39 Prozent steigern, so Feuerstein.
Dabei wolle er keinesfalls alle Planungen verteufeln. Aus Sicht der Dehoga sei der politisch umstrittene Neubau im Umfeld der Lokhalle beispielsweise durchaus sinnvoll. Und auch in seinem eigenen zweiten Hotel, das er auf dem Freizeit-In-Gelände bauen will, sieht Feuerstein kaum ein Risiko für seine Göttinger Mitbewerber. „Wir holen uns 85 Prozent unserer Gäste traditionell aus der Bundesrepublik und nicht aus Göttingen.“
Ein Grundwachstum sei für Göttingen grundsätzlich positiv. Ab einem gewissen Überangebot könnte es allerdings für die Branche problematisch werden. Und dabei träfe es erfahrungsgemäß, trotz der zum Teil treuen Stammkundschaft, nicht die neuen Häuser zuerst.
Feuerstein bleibt dennoch optimistisch: „Ich glaube nicht, dass das alles so kommt.“ Jetzt gelte es, den Markt in den kommenden Monaten zu beobachten. Irgendwann sei ein Standort mit einem gesättigten Markt für neue Investoren nicht mehr interessant. Dann könnte sich die Situation von allein wieder beruhigen. „In einem halben Jahr sind wir schlauer.“ ms

Das scheint Investoren und Betreiber allerdings nicht abzuschrecken. Neben dem B&B-Hotel und dem Boxhotel, die bereits ihren Betrieb aufgenommen haben, werden aktuell mindestens sechs weitere Häuser konkret geplant oder bereits gebaut. Am weitesten fortgeschritten sind die Arbeiten am Hotel Freigeist am Groner Tor, das im Sommer 2018 öffnen soll. „Die Arbeiten liegen im Zeitplan“, teilte Ina ten-Doornkaat, Leiterin des Gräflichen Landsitzes, in dieser Woche mit.
Konkrete Pläne gibt es außerdem für ein Hotel an der Leine im Bereich der Lokhalle. Die Firma BauWo aus Hannover will ein fünfgeschossiges Gebäude mit 144 Zimmern im Niedrigpreissegement errichten. Der Bedarf am Standort sei vorhanden, bestätigte Anfang des Jahres GWG-Geschäftsführerin Ursula Haufe. Man habe in der Lokhalle in der Vergangenheit bereits Veranstaltungen absagen müssen, weil die fußläufige Hotelkapazität nicht ausreichte. Allerdings versuchten zunächst Anfang des Jahres die Betreiber des benachbarten Intercity-Hotels die Pläne gerichtlich zu stoppen. Parallel diskutierten die Ratspolitiker die Notwendigkeit eines weiteren Hotels. Im Januar wurde das Thema im Bauausschuss zunächst einmal vertagt.

Nach Informationen von Dehoga-Chef Olaf Feuerstein werde auch in der Nordstadt über einen Hotelbau nachgedacht. In dem 20 000 Quadratmeter großen Sartorius-Quartier soll nach dem Rückbau der Werkshallen neben Wohnungen und Lehrgebäuden auch ein Hotel mit 140 Zimmern entstehen. Pläne gibt es außerdem für ein Drei-Sterne-Haus am Freizeit In, ein Hostel im ehemaligen Gefängnis am Waageplatz, sowie Hotels auf dem ehemaligen EAM-Gelände an der Kasseler Landstraße und auf dem Mehle-Gelände an der Weender Landstraße.

Die ersten Alteingesessenen reagieren bereits mit Erweiterungen ihrer eigenen Kapazitäten auf die neuen Hotels für Göttingen.

Neu oder erweitert

Hotel Freigeist Göttingen
Betreiber: Hotel Freigeist GmbH & Co. KG
Kategorie: 4 Sterne
Lage: Groner Tor
Eröffnung: Sommer 2018
Größe: 5 Stockwerke, 118 Zimmer
Investition: 18 Millionen Euro Baukosten
Status: Der Rohbau ist beendet, der Innenausbau hat begonnen.
Hotel-Neubau an der Leine
Betreiber: Verhandlungen mit Interessenten laufen.
Kategorie: 2-3 Sterne
Lage: Ecke Groner Landstraße und Carl-Zeiss-Straße
Eröffnung: unbekannt
Größe: 5 Stockwerke, ca. 144 Zimmer
Status: Die notwendige Änderung des Bebauungsplans liegt im Bauausschuss der Stadt.
Boxhotel
Betreiber: Oliver Blume
Kategorie: ohne Wertung
Lage: Weender Landstraße 3-5
Eröffnung: Mai 2017
Größe: 1 Stockwerk, 47 Miniaturzimmer mit 4,2 Quadratmetern
Investition: 600 000 Euro
Status: Betrieb läuft
Zweites Hotel Freizeit In
Betreiber: Freizeit In
Kategorie: 3 Sterne
Lage: Dransfelder Straße
Größe: 100 Zimmer
Eröffnung: keine Angaben
Altstandort Sartorius
Lage: Weender Landstraße
Neben bis zu 450 Wohnungen und Lehrgebäuden soll auf dem ehemaligen Firmengelände auch ein Hotel mit Gastronomie entstehen.
Aktueller Stand: noch kein Bauanstrag gestellt

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