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Einfach mal groß denken

Thema des Tages Einfach mal groß denken

Wird es auf dem Gelände des Schützenplatzes zukünftig eine Brauerei und Veranstaltungszentrum und in unmittelbarer Nähe ein Hotel, neuen Wohnraum und zusätzliche Angebote für Arbeitsplätze geben? Über seine Ideen hat Hans Georg Näder am Freitag die Mitglieder des Verwaltungsausschusses der Stadt informiert - und nicht nur erstaunte Blilcke, sondern auch viel spontane Zustimmung geerntet.

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Quelle: Eckermann

Duderstadt. Der Ort, den Näder gewählt hatte, um einen Überblick über seine Pläne zu geben, hätte nicht symbolträchtiger gewählt werden können. Auch Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) hob darauf ab, dass das Grundgerüst dafür während der Zukunftskonferenz 2015 gelegt wurde. In diesem Jahr hätte Max Näder, der Vater des Unternehmers, seinen 100. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass hatte HGN, wie sich der Duderstädter selbst nennt, der Stadt eine weitere architektonische Attraktion geschenkt, indem er das Elternhaus umbauen und erweitern ließ.

2015 wurden dort Visionen skizziert. Am Freitag wurde deutlich: Sie sind näher an der Realität als das, was unter der Dachmarke „Duderstadt 2030“ erarbeitet worden war. Sofern jedenfalls die politische Entscheidung für das Mammutprojekt „Futuring Duderstadt“ hinsichtlich der stadtentwicklerischen Pläne Näders fällt.

Groß denken und im Ganzen planen

Nachdem nun die Mitglieder des Verwaltungsausschusses sowie weitere involvierte Institutionen wie die Schützengesellschaft Duderstadt und die örtlichen Bankhäuser Volksbank Mitte und Sparkasse Duderstadt informiert wurden, soll Architekt Michael Schmutzer eine Landkarte der zu klärenden Fragen erstellen: Inwieweit müssen baurechtliche Vorgaben beachtet werden? Wie sieht es mit dem Hochwasserschutz im Gebiet aus? Inwiefern spielen alle von den Plänen Betroffenen, auch die Grundstücksbesitzer dabei mit? Das alles gilt es zu klären - aber im Vergleich zu dem umfassenden Konzept, das Näder gemeinsam mit seinem Architekten schilderte, traten die Detailfragen zur Umsetzung am Freitag in den Hintergrund. Denn Näder denkt groß - das betonte er am Freitag immer wieder. Und er plant im Ganzen. Rosinenpicken ausgeschlossen, das machte er deutlich.

Die Pläne Näders sehen vor, sechs Ziele zu erreichen: Das Wohnen auf den Geländen der beiden Ziegeleien soll ermöglicht werden, ein Naherholungsgebiet entstehen, mit dem HGN Cube ein Veranstaltungszentrum als Ersatz für die Eichsfeldhalle gebaut werden, die Heimatliebe-Brauerei eine Erweiterung auf dem Schützenplatz erhalten, ein Co-Working-Space entstehen und ein Drei-Sterne-Hotel gebaut werden. Alles in unmittelbarer Nähe zueinanander rund um das Gelände des Schützenplatzes und unter Berücksichtigung dessen historischen Zweckes: So sollen Schießhalle und Bogenplatz mit in die Pläne integriert werden. Näder nannte das am Freitag einen „kleinen Ausblick in Richtung Stadtentwicklung“. Fügte aber auch hinzu, dass ihm bewusst sei, dass die Strahlkkraft des Projekts - sollte es realisieren - weit über Duderstadt, Göttingen oder die Region hinausragen werde.

Negativbeispiel Königssee mahnt zum Handeln

Sein Engagement speise sich nicht allein aus dem Gedanken, den Menschen in der Region etwas Großes schenken zu wollen, sagte Näder, der darauf verwies, dass er an seinem Vorhaben festhalten wolle, der Stadt zu seinem 60. Geburtstag ein Veranstaltungszentrum schenken zu wollen. Auch habe er wirtschaftliche und taktische Ziele im Hinterkopf. „Ich erlebe gerade in Königssee, was passiert, wenn Stadtentwicklung vernachlässigt wird“, erklärte er. Dort habe das Unternehmen solch massive Probleme, Fachkräfte zu finden, die bereit sind dort zu leben, dass der Standort ernsthaft gefährdet sei. In Duderstadt dürfe dies unter keinen Umständen passieren, sagte Näder, der ankündigte, die Ottobock-Aktivitäten in Duderstadt sogar ausweiten zu wollen. Aktuell werde darüber nachgedacht, weitere Firmenzweige an den Standort zu verlegen. Außer einem attraktivem Arbeitsplatz müsse einem qualifizierten Mitarbeiter aber auch ein attraktives Umfeld geboten werden, begründete er sein Engagement.

Seine Idee: Die bestehenden Gebäude der Ziegeleien Bernhard und Jacobi sollen zukünftig als Wohn- und Lebensraum genutzt werden. „New York Living in der Fertigungsstätte“, nannte er das Konzept, ein Industriegelände als hippe Wohnstätte zu nutzen. Für das Bernhard-Areal bestehen bereits Pläne, die in diese Richtung gehen. Michael Schmutzer hatte sie für das Areal erstellt, jedoch bisher keine Genehmigung erhalten, sie umzusetzen. In der Ziegelei Jacobi wird derzeit noch produziert. Claus Jacobi der Jacobi-Tonwerke machte allerdings keinen Hehl daraus, dass die Produktion am zweiten Standort außer Bilshausen auf Dauer womöglich problematisch hinsichtlich der Betriebskosten und der Logistik sei. Es gebe bereits pläne, die Kapazitäten an Bilshausen anzudocken. Eine Aufgabe des Standorts, der sich auf einem Areal von rund 140000 Quadratmetern befinde, bedeute auch Investitionen. Bei einem guten Konzept aber sei er gern dabei „in Gemeinschaft etwas zu entwickeln“. Grundsätzlich stehe er den Plänen offen gegenüber, „Die Würfel sind aber noch nicht gefallen.“

Der Dorn könnte beseitigt werden

Mit Grünflächen soll das Naherholungsangebot erhöht werden, stellt sich der Duderstädter Unternehmer vor. Um expertisen sollen unter anderem die Heinz-Sielmann-Stiftung der und der Naturschutzbund Nabu gebeten werden. Um den wegfallenden Parkraum unter anderem an der August-Werner-Allee auszugleichen, könnten eine Hochgaragen-Lösung in einem bestehenden Gebäude und dezentrale Parkflächen geschaffen werden, stellte Architekt Michael Schmutzer die Pläne vor. Zum naturnahen Leben in der Stadt sollen zudem zwei Seen beitragen, die in unmittelbarer Umgebung des Areals angelegt werden sollen, samt Biergarten und Bootssteg. „Hochwasser schadet nicht unbedingt“, sagte Näder.

Die Gastronomie soll aus der neuen „Heimatliebe“-Brauerei - zukünftig dann in größerer Form als Craft-Beer-Brauerei ausgebaut, in der auch ein Berliner Ableger von „Heimatliebe produziert werden soll - bestritten werden. Dazu soll das alte Schützenhaus weichen und ein neues - unter dem Namen „Schützenhaus“ entstehen, erläuterte Näder. „Wenn alle einverstanden sind, kann sofort abgerissen und neu gebaut werden“, so Näder. Es wäre nicht das erste Engagement des Unternehmers für die Duderstädter Schützen: Das Mitglied der Schützengesellschaft hatte den Bau des Schützenmuseums gezahlt, der dank seiner futuristischen Architektur mitten im historischen Westerturm-Ensemble einiges Aufsehen erregt hatte. Hans-Georg Kracht zeigte sich im Namen der Schützengesellschaft Duderstadt begeistert: „Das wäre optimal“, sagte er. Der Schützengesellschaft war es in den vergangenen Jahren ein Dorn im Auge gewesen, dass das Schützenhaus - der zentrale Ort zum Feiern, direkt an der Schießhalle gelegen - brach lag.

Schützenhauptstadt Deutschlands

Bürgermeister Nolte äußerte sich ebenfalls euphorisch: „Herauskommt die Schützenhauptstadt Deutschlands“, wenn die Feste zukünftig in diesem Rahmen gefeiert würden. Und auch die Mitglieder des Stadtrates, die sich zu Wort meldeten, ließen durchblicken, dass sie den Plänen gegenüber nicht abgeneigt seien. Dieter Thriene (CDU) brachte es auf den Punkt: „Wir als Stadt hätten so schnell keine Lösung gefunden.“ Den Zeitplan betreffend äußerte Näder eine gewagte Prognose: Wenn alle Beteiligten mitspielten, könnte das neue Schützenhaus samt Brauerei zum Schützenfest 2018 stehen. Für alles Weitere sei denn doch ein wenig mehr Zeit nötig: Bis 2021, um das Veranstaltungszentrum HGN Cube zu errichten, für die Umsetzung der Gesamtmaßnahme mindestens zehn Jahre. Der HGN Cube soll dabei eine Veranstaltungshalle - „Arena“, wie Näder sagte - in moderner Architektur werden, um deren Betrieb er sich kümmern wolle.

Ein entscheidender Faktor sei die positive Entscheidung für die Umgehungsstraße, für die die Pläne bereits erstellt sind. „Die Anbindung an die Autobahn 38 wäre wichtig“, so Näder. Das Hotel, das Kapazitäten von rund 100 Betten haben soll, solle es den Besuchern der Veranstaltungen vor Ort ermöglichen, leicht eine Übernachtungsmöglichkeit in einem bezahlbaren Preissegment zu finden, erklärte Näder. Schmutzer nannte die Häuser der Motel-One-Kette als Größenordnung. Das Projekt sei eines, das die Stadt gemeinsam tragen müsse, sagte Näder. Er sei gespannt auf die weiteren Reaktionen und appellierte an die Mitglieder des Verwaltungsausschusses, „groß“ zu denken. Auch Überlegungen wie das Wohnen im Alter oder die Verbesserung des Sport- und Schwimmangebots müssten noch eingebracht werden. „Duderstadt steht vor einer einmaligen Chance.“ Das Projekt gebe es nur im Gesamtpaket - die Verantwortlichen müssten nun entscheiden, ob sie den Weg mitgingen.

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