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Thema des Tages Fliegender Feuerwehrmann im Landkreis Göttingen im Einsatz
Thema Specials Thema des Tages Fliegender Feuerwehrmann im Landkreis Göttingen im Einsatz
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20:36 05.07.2018
Oliver Glaschke gehört der Fliegerstaffel zur Waldbrandbekämpfung Niedersachsen an. Quelle: Foto: Hinzmann
Reinhausen

„Wenn Warnstufe fünf erreicht ist, fliegen wir eigentlich los”, sagt der gebürtige Hetjershäuser. Er ist nicht nur aktiver Feuerwehrmann, sondern vor allem Förster – nämlich Büroleiter des Niedersächsischen Forstamts Reinhausen – und dazu noch Waldbrandbeauftragter im Landkreis Göttingen.

Die Flugbereitschaft des Landesfeuerwehrverbandes hält zur Waldbrandbekämpfung ständig zwei Flugzeuge in Hildesheim bereit. „Wenn wir starten, ist der Flieger immer mit drei Leuten besetzt”, erklärt der Fachmann. Mit einem Piloten, der zugleich Feuerwehrmann ist, mit einem Feuerwehrmann, der mindestens Zugführer ist, und mit einem Förster, der im Fall von Glaschke auch Feuerwehrmann ist. Das Flugzeug startet, wenn die Polizeiinspektion Lüneburg den Einsatzbefehl gibt. Einsatzgebiet für Glaschke und Kollegen ist dann die südliche und die nördliche Heide. 1975 kamen dort bei einem verheerenden Waldbrand sechs Menschen ums Leben, fünf davon waren Feuerwehrleute. „Wir sind das fliegende Auge des Einsatzleiters”, so Glaschke.

Frühentdeckung ist bei ­Waldbränden wichtig

Die Flieger dienen aber auch der Frühentdeckung von Brandherden. „Wir müssen das Feuer erkennen, solange es noch klein ist”, sagt Glaschke, „Wenn das gelingt, können wir richtig etwas bewirken”. Ab Gefahrenindex Stufe fünf wird geflogen.

Waldbrände, so erklärt der Förster aus Reinhausen, sind aus mehreren Gründen gefährlich. Zum einen breiten sie sich oft rasend schnell aus. Zum andern können in einem Wald zudem Flammen von einer Höhe von mehr als 20 Metern entstehen. Waldbrände können eine enorme Hitze entwickeln, und die Glut kriecht auch nach dem oberflächlichen Löschen im Boden weiter.

Tipps von Kreisbrandmeister Volker Keilholz

Es ist verboten in Wald und Flur zu rauchen.

Entleeren Sie keine Autoaschenbecher in Waldgebieten oder am Straßenrand.

Schmeißen Sie keine Zigarettenkippen aus dem Fahrzeugfenster.

Beachten Sie das absolute Verbot für offenes Feuer in Wäldern, das gilt auch für Grillfeuer, am besten auch nicht auf Grillplätzen Feuer ­machen.

Spielende Kinder ­haben schon oft aus Unwissenheit Feuer gelegt und sind aus Angst vor Strafe einfach weggelaufen, ohne den Brand zu melden. ­Sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Gefahren.

Parken Sie bei Trockenheit mit Ihrem Auto nicht am Straßenrand, auf Wiesen, Feld- oder Waldwegen. Parken Sie ausschließlich auf nicht brennbaren Untergründen wie ­Asphalt, Schotter und Beton.

Halten Sie die Zufahrten zu Wäldern frei, sie sind wichtige Rettungswege. Beachten Sie unbedingt Park- und Halte­verbote.

Verhindern Sie Entstehungsbrände. Unternehmen Sie nur Löschversuche, wenn Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr bringen, und rufen Sie in jedem Fall die Feuerwehr.

Entdecken Sie einen Wald- oder Flächenbrand größeren Aus­maßes, verlassen Sie ­umgehend das Wald­gebiet und warnen Sie andere Mitbürger in Ihrem Umkreis.

In der Region Südniedersachsen haben sich in den vergangenen Jahren keine großen Waldbrandkatastrophen ereignet. Meistens konnten die Feuerwehrleute, wie am Donnerstag bei Bad Lauterberg, die Flammen rechtzeitig unter Kontrolle bringen. Dort brannte es auf einer etwa zehn mal zehn Meter großen Fläche an einem Steilhang. „Revierleiter und Feuerwehrleute waren schnell vor Ort”, so Glaschke. Ein zusätzliches Problem für Forst und Feuerwehr sind in diesem Jahr – wie in Bad Lauterberg auch – die Flächen, die vom Sturm Frederike verwüstet wurden. Das am Boden liegende Holz bietet den Flammen Futter und ist für die Brandschützer schwer zu erreichen.

Waldbrandbeauftragte helfen auch vor Ort beim Einsatz

Der Waldbrandbeauftragte Glaschke wird von den örtichen Waldbrand­beauftragten unterstützt. Die sind es, die im Falle eines Brandes mit den Ortsfeuerwehren zusammenarbeiten. Wo ist der nächste Notfalltreffpunkt, wo ist eine Wasserentnahmestelle, wo gibt es Wege: Fragen wie diese können sie den Einsatzkräften im Zweifel beantworten.

Die Region Südniedersachsen ist in Waldbrandgefahrenbereiche aufgeteilt. „Es gibt ja unsere Landesforsten, aber auch kommunale Wälder wie den Stadtforst Göttingen, private und Genossenschaftswälder”, erklärt Glaschke. Außerdem ist der Landkreis mit einem Netz von rund 150 Notfall-Treffpunkten überzogen. Diese sind in einer Karte hinterlegt, die den Feuerwehrleitstellen vorliegt und die in einer App (Hilfe im Wald) für jeden verfügbar ist. Sie erleichtert den Einsatzkräften, den Brand zu finden und den Einsatz zu koordinieren. Denn vom Boden aus, so weiß der fliegende Feuerwehr-Förster, sieht man den Brand vor lauter Bäumen häufig nicht.

20 Waldbrände ein einer Woche

20 Waldbrände in einer Woche und immer noch Alarmstufe rot (vier): Seit dem 28. Juni, so Frank Gloth von der Göttinger Berufsfeuerwehr, sind in der Leitstelle bis Donnerstag rund 20 Freiflächenbrände in Stadt und Landkreis eingegangen.

Die anhaltende Trockenheit hält die Feuerwehren im gesamten Landkreis auf Trab. Täglich werden Einsätze gefahren, manchmal bis zu fünf am Tag – wie am vergangenen Sonnabend. „Das ist schon außergewöhnlich”, sagt Gloth. Gestern brannte unter anderem eine Hecke in Herberhausen und ein Stück Wald bei Bad Lauterberg. „Und der Tag ist noch nicht zu Ende”, so Gloth am Mittag.

In unmittelbarer Nähe zur Biogasanlage Gieboldehausen ist bei Mäharbeiten ein Getreidefeld in Brand geraten. Quelle: raabe

Die meisten der Einsätze wurden im Landkreis gefahren, aber auch im Stadtgebiet fingen einige Hecken Feuer und mussten gelöscht werden. „Es ist alles extrem trocken”, so Gloth. Der kleinste Funkenflug, beispielsweise beim Grillen, Rauchen, aber auch bei landwirtschaftlichen Arbeiten kann derzeit ein Feuer auslösen. „Es ist brandgefährlich”, sagt Gloth. Kreisbrandmeister Volker Keilholz nennt die Lage „sehr angespannt”. Die Feuerwehren im Landkreis Göttingen hätten „alle Maßnahmen ergriffen, um schnellstmöglich zu handeln”, sagt Keilholz.

Die größte Herausforderung für die Einsatzkräfte ist die Wasser­versorgung. Da weder im Wald noch am Acker in der Regel ­Wasserleitungen und Hydranten zu finden sind, müssen die Freiflächenbrände meist mit dem Wasser aus Tanklöschfahrzeugen bekämpft werden.

In unmittelbarer Nähe zur Biogasanlage Gieboldehausen ist bei Mäharbeiten ein Getreidefeld in Brand geraten. Quelle: raabe

Die Feuerwehr in Gleichen beispielsweise bittet Landwirte und Waldbesitzer um Unterstützung. Sie können die Löscharbeiten erleichtern, wenn sie einen Grubber auf dem Hof oder in der Nähe ihrer Felder bereitstellen. Damit kann das Feld um ein Feuer herum schnell umgegraben und so verhindert werden, dass sich die Flammen weiter ausbreiten. Zudem sollen Landwirte beispielsweise mit Wasser gefüllte Gülletanks vorhalten und bei Bedarf mit ihren Treckern zum Feuer bringen.

„Die Ortsfeuerwehren machen das schon”, sagt Keilholz. In der Regeln kennen sie die Landwirte im Ort und sprechen sie an. Solche Zusammenarbeit sei nicht nur in Gleichen, sondern in vielen Orten „gelebte Praxis”. Grundsätzlich sind die Ortsfeuerwehren immer voll einsatzbereit. Wenn, wie in den Sommerferien, eventuell personelle Engpässe bestehen, wird das ­ausgeglichen. Denn es wird immer eine weitere Ortsfeuerwehr mitalarmiert.

Flächenbrand in Gieboldehausen am 30.06.2018 Quelle: Thomas Meder

Auch landkreisübergreifend wird, wenn Hilfe angefordert wird, Löschhilfe geleistet. „Feuerwehrleute sind erfinderisch”, sagt Keilholz. Auch wenn es mal schwierig wird, findet man eine Lösung. „Dann dauert es manchmal etwas länger.” Manche Einsatzorte, beispielsweise in abgelegen Waldstücken, seinen schwer zu erreichen. Manchmal ist es, wie kürzlich in Gieboldehausen, auch der Wind, der die Löscharbeiten erschwert. „Wenn aus einem 2000 Quadratmeter großen Flächenbrand auf einem Acker bei wechselndem Wind plötzlich 32 000 Quadratmeter werden, ist das schon eine Herausforderung”, so Keilholz. Der Kreisbrandmeister hat einen Wunsch: „Zwei Tage lang Regen und zwar ganz langsamer Sprühregen”, sagt er. Nur dann kann sich der Boden mit Wasser vollsaugen. Bei einem heftigen Gewitterguss drohen Schlammlawinen – und damit wieder Arbeit für die Feuerwehren.

Von Britta Bielefeld

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