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Thema des Tages Rauchmelder retten Leben
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12:51 31.07.2018
Rauchmelder in Wohnungen sind in Niedersachsen seit 2016 Pflicht. Quelle: Swen Pförtner
Göttingen

774 Brandeinsätze registrierte die Göttinger Berufsfeuerwehr im vergangenen Jahr - einige weniger als im Jahr zuvor, als es noch 850 waren. Rauchmelder, sagt Hubert Henne, Leiter der Abteilung vorbeugender Brandschutz, führen dazu, dass die Feuerwehr „früher ausrückt und daher früher retten und löschen kann“ als ohne einen solchen Alarm. „Ich bin sicher“, meint Henne zum „Tag des Rauchmelders“ am Freitag, „dass wir etwa 50 Prozent weniger Tote durch Rauchmelder haben.“

Aus klein wird schnell groß

Weil der Alarm beim Einsatz von Rauchmeldern früher kommt, kann die Feuerwehr den Brand oft im Anfangsstadium bekämpfen, was automatisch zu geringeren Sachschäden führt, meint Henne. Dann reiche manchmal schon ein Eimer Wasser. Auch geringe Zeitvorsprünge seien enorm wichtig - „ein kleiner Brand wird schnell größer“.

„Weit mehr als die Hälfte der Feuer, die durch Rauchmelder entdeckt werden, können wir im Entstehen löschen”, sagt auch Frank Gloth. Der Sprecher der Göttinger Feuerwehr erinnert sich an einen Vorfall Anfang des Jahres, als die Bewohnerin eines Sechs-Parteien-Hauses ein Piepen hörte. Umgehend rief sie die Feuerwehr, die wenige Minuten später vor dem Haus stand. „In der Küche brannte die Waschmaschine – aber richtig”, so Gloth. Der Küchenbrand hatte noch nicht auf andere Räume übergegriffen, die Berufsfeuerwehr konnte ihn zügig löschen. Der berufstätige Bewohner war nicht zu Hause, er war zur Arbeit gegangen. Ein „klassischer Fall”, sagt Gloth. „Das hätte ganz schnell ein größerer Wohnungsbrand werden können.”

Wenige Atemzüge Rauch reichen

Bei einem großen Teil der Göttinger Brandeinsätze handele es sich um sogenannte Entstehungsbrände, also Brände, die noch zu Beginn durch die Feuerwehr gelöscht werden konnten, erklärt Gloth: „Oft ist es Essen auf dem eingeschalteten Herd.” Auch das kann gefährlich werden, nur wenige Atemzüge Brandrauch können bereits zur Ohnmacht führen. „Brandrauch ist tödlich”, betont der Fachmann.

49mal ist die Göttinger Berufsfeuer im laufenden Jahr ausgerückt, nachdem ein Rauchmelder Alarm geschlagen hat. Im Schnitt sind es im Jahr um die 100 Einsätze. Nicht immer sei ein Brand die Ursache gewesen, sagt Henne: „Wir rücken auch aus, wenn die Batterie nachlässt und der Rauchmelder deshalb anschlägt.“ Die Zahl solcher Fehlalarme sinke jedoch, weil sich die Technik ändert: Während früher die Geräte meist mit 9-Volt-Blockbatterien mit einer Lebensdauer von etwa zwei Jahren betrieben wurden, steckt in modernen Meldern eine Zehn-Jahres-Batterie. Nachteil: Diese Stromspender sind fest verbaut – sind sie am Ende ihrer Lebensdauer, muss nicht nur die Batterie, sondern gleich der gesamte Rauchmelder weggeworfen werden.

Gefahr vor allem Nachts

Dass Rauchmelder eben schon den Rauch melden und nicht erst das Feuer, sei entscheidend dafür, dem Verlust von Menschenleben vorzubeugen, erklärt Markus Herzberg, Sprecher der Göttinger Kreisfeuerwehr: „70 Prozent aller Brandopfer sterben nicht durch Feuer, sondern durch das Einatmen von Rauchgasen.“ Besonders gefährdet seien Bewohner des Nachts: Im Schlaf seien die Sinne weitgehend ausgeschaltet. Dem entspreche auch die Statistik: „70 Prozent aller Brandopfer kommen nachts um, obwohl nur etwa 35 Prozent aller Brände nachts entstehen.“ De Rauchmelder, sagt Herzberg, „überbrücken diese Wahrnehmungslücke des Menschen.“

Oft, aber nicht immer, können Brandmelder Leben retten. So wie im April 2017 in der Lotzestraße: Die Nachbarn eines Mehrparteienhauses hatten den Alarm eines Rauchmelders bemerkt. Die Feuerwehr fand in der verrauchten Acht-Zimmer-Wohnung, aus der der Alarm kam, eine Rentnerin. Die Frau erlag später in einer Klinik ihren Verletzungen.

Von Matthias Heinzel

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