Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Thema des Tages So will der Kreis Schulen zukunftsfähig machen
Thema Specials Thema des Tages So will der Kreis Schulen zukunftsfähig machen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:14 27.10.2018
Bekommt noch eine Chance: Die Astrid-Lindgren-Schule in Duderstadt. Quelle: Rüdiger Franke
Göttingen

Seit gut einer Woche ist der Entwurf dazu offiziell im Umlauf und schon jetzt wird in der Politik, in Elternkreisen und an den Schulen lebhaft darüber diskutiert. Mit dem SEP will der Kreistag das Schulangebot im Landkreis sichern, Schulgebäude bedarfsgerecht vorhalten und für ein gewisses Maß an „Qualität in der Bildung“ sorgen.

Über diese Grundsätze hinaus soll der SEP Leitlinien setzen, nach denen Kreistag und Verwaltung in den nächsten Jahren über notwendige Investitionen, Gebäudemanagement, Personal und Schulstandorte entscheiden kann. Wichtigste Maßzahlen sind dabei Prognosen, wie sich die Schülerzahlen entwickeln werden.

Der Schulentwicklungsplan soll zunächst bis 2021 gelten - dann wird ein neuer Kreistag gewählt. Er bezieht sich auf die Regelschulen im Kreisgebiet außerhalb Göttingens. Als Schulträger ist der Landkreis für 20 Haupt- Real-, Ober- und Gesamtschulen sowie Gymnasien verantwortlich. Darüber hinaus hält er Förder- und Berufsschulen. Für sie gibt es aber eigene Pläne.

Etliche Positionen ergeben sich aus gesetzlichen Vorgaben für schulische Bildung. Aber auch darüber hinaus hat der Landkreis Raum für eigene Vorstellungen. Das Papier enthält mehrere konkrete Handlungsaufträge. Entscheidend ist für Schuldezernent Marcel Riethig (SPD) dabei allerdings auch, „was wir nicht tun“: „Wir richten keine neue IGS ein und ändern keine Schulbezirke.“ Das gebe auch Schulen und Eltern Planungssicherheit.

Die konkreten Punkte

Das Schulangebot wird beibehalten, es werden keine neuen Schulformen eingerichtet. Das bezieht sich auf die Forderung einiger Fraktionen und Elternvertreter, im Westen und Osten des Kreises integrierte Gesamtschulen aufzubauen. Mit ihrer Absage bezieht sich die Verwaltung auf Ergebnisse einer Elternbefragung. Dabei hatten zwar viele Eltern den Wunsch nach einer weiteren IGS (neben Bovenden) ausgesprochen. Die hinter ihnen stehenden Schülerzahlen reichen aber nicht aus, um neue Schulen genehmigt zu bekommen. Berücksichtigt wird laut SEP der Wunsch der KGS Gieboldehausen, nicht in eine IGS umgewandelt zu werden.

Unterricht in kleinen Klassen: Astrid-Lindgren-Schule in Duderstadt. Quelle: Rüdiger Franke

Wenn zum nächsten Schuljahr nicht eine Mindestanzahl an Schülern für die Astrid-Lindgren-Hauptschule angemeldet wird, wird es dort keinen 5. Jahrgang mehr geben und die Schule schrittweise aufgegeben. Rechnerisch sind mindestens 27 Schüler erforderlich. Real sind auch weniger möglich, weil Kinder mit besonderem Förderbedarf doppelt gezählt werden.

Die Schuleinzugsbereiche bleiben grundsätzlich unverändert. Sie sind historisch gewachsen und entsprechen weitestgehend den Elternwünschen, heißt es im Entwurf. Wo es Raumnot gibt und erforderliche Anbauten „unverhältnismäßig“ viel Geld kosten werden, soll die Verwaltung prüfen, ob und wie vorhandene Räume „optimiert“ genutzt werden können. „Dies kann die Einrichtung von Außenstellen sowie das Stilllegen von Räumen beinhalten“, heißt es weiter.

An der IGS Bovenden soll das Lehrerzimmer erweitert werden – möglichst innerhalb des vorhandenen Gebäudes. Ein Anbau würde etwa 300 000 Euro kosten.

Im Eichsfeld-Gymnasium gibt es einen erheblichen Raumbedarf, der mit der Rückkehr von G9 und dem Abi nach 13 Schuljahren noch zunimmt. Die Verwaltung soll nach Lösungen suchen und dabei alle möglichen Optionen prüfen.

Erfolgreicher Kampf um die Oberschule Hattorf: Im März protestieren Schüler und Eltern vor dem Kreishaus Göttingen - und die Schule bleibt erhalten. Quelle: Hinzmann

Um die Oberschule Hattorf hatte es im Frühjahr viel Unruhe gegeben. Ihre Schülerzahl nahm erheblich ab und das Land drängte auf eine Schließung oder Zusammenlegung. Der Kreis wollte die Schule mit der Hauptschule in Herzberg zusammenführen und Hattorf als Außenstelle fahren. Dagegen regte sich erheblicher Elternprotest – mit Erfolg: Der Kreis zog seine Idee zurück und zum Schuljahr 2018/19 gab es überraschend viele Anmeldungen. Laut neuem SEP soll der Kreis die Schule jetzt unterstützen, den Standort zu halten. Dafür stehen bis zu 750 000 Euro.

Diskussion um Chef-Befugnisse

Die KGS in Bad Lauterberg soll künftig nur noch sechszügig fahren. Die Schule selbst habe inzwischen versichert, dass sie dann auch ohne Ausbau mit ihren wenigen Räumen auskommen werde, erklärte Riethig. Sollte mit der Einführung einer Oberstufe aber neuer Bedarf hinzukommen, werde über ein Mietmodell im Umfeld nachgedacht.

Schon während der ersten Vorstellung des SEP im Schulausschuss gab es von Politikern Kritik an einem Passus, der dem Landrat hohe Befugnisse gibt: Wenn unter Maßgabe der gesetzlichen Vorgaben eine Schule aufgehoben werden muss, kann er alleine die erforderlichen Anträge bei der Landesschulbehörde stellen. Das stört einige Politiker. Sie wollen dann noch einmal im Fachgremium und Kreistag beraten. Das aber würde den Schulen und Eltern Hoffnung und damit ein falsches Signal geben, sagte der Schuldezernent Marcel Riethig (SPD). Es gehe um Fälle, bei denen es kein Zurück mehr geben könne. Zumal eine geringe Schülerzahl auch weniger Lehrer und damit eine verringerte Unterrichtsqualität zur Folge hätte.

Die Debatte um den SEP ist eröffnet. Am 18. Dezember soll er vom Kreistag beschlossen werden.

===============================

Öffentliche Anhörung

Wir sind noch am Anfang eines Entscheidungsprozesses und werden den Schulentwicklungsplan so transparent wie möglich beraten“, versprach Schuldezernent Marcel Riethig (SPD) im Fachgremium des Kreistages. Zugleich appellierte er an die Politiker, in den kommenden Wochen „auf Augenhöhe, fair und sachorientiert zu diskutieren“. Die Schulen und Eltern wünschten sich einen Plan und eine Strategie des Kreises, auf die sie sich auch mit Blick in die Zukunft verlassen können. „Dafür sollten wir einen größtmöglichen Konsens finden“, fügte Riethig an

Weil das Thema umfangreich und bedeutsam ist, gibt es am kommenden Donnerstag, 1. November, eine Sondersitzung des Schulausschusses mit öffentlicher Anhörung. Sie beginnt um 16 Uhr in der Mensa der Berufsbildenden Schulen II (Erdgeschoss Hauptgebäude) an der Godehardstraße. Stellungnahmen können vorab bei der Kreisverwaltung eingereicht werden (per E-Mail an sermond@landkreisgoettingen.de). Der Entwurf kann hier online eingesehen und geladen werden.

=====================

Der Investitions-Block “Das ist ein gewaltiger Kraftakt“

Alleine in diesem Jahr gibt der Landkreis etwa 27,7 Millionen Euro aus, um seine Schulen auszustatten – elf Millionen Euro mehr als vor sechs Jahren in den Altkreisen Göttingen und Osterode. „Und dieses Niveau wollen wir im nächsten Jahr halten“, sagt Kreisschuldezernent Marcel Riethig – „auch wenn das ein gewaltiger Kraftakt ist“.

Marcel Riethig, Schuldezernent Landkreis Göttingen Quelle: Christoph Mischke

Der Haken dabei: Eigentlich müsste der Kreis mehr als 50 Millionen Euro investieren, wenn er seine Schulen in den nächsten Jahren optimal ausstatten und vorhalten will. Etwa 19 Millionen Euro wird es schon kosten, Brandschutzauflagen zu erfüllen. Mindestens fünf Millionen Euro braucht der Kreis, um alle Schulen barrierefrei (Inklusion) zu machen. Für die wünschenswerte energetische Sanierung der Gebäude müsste der Kreis fast 28,5 Millionen Euro investieren. Hinzu kommen jährliche Ausgaben für Grundstücksunterhaltung und Energieverbrauch.

Grobe Leitlinien

Weil der Kreis diesen gewaltigen Berg nicht bewältigen kann, „müssen wir Prioritäten setzen“, nennt Riethig einen weiteren Grund für den jetzt diskutierten Schulentwicklungsplan (SEP). Dabei wird nicht im Detail festgelegt, wann was genau gebaut werden soll – es werden zunächst grundsätzliche Leitlinien formuliert.

Danach stehen an erster Stelle Ausgaben für Brandschutz und Inklusion. Sie sind gesetzlich vorgeschrieben, und die Investitionssummen ergeben sich aus dem Bedarf. An nächster Position stehen die „pädagogischen Bedarfe“: Mit entsprechender Ausstattung will der Kreis die Schulen so gut wie möglich dabei unterstützen, ihre Konzepte umsetzen zu können. In diesen Bereich fallen auch schnelle Internetanschlüsse für alle Schulen.

Erst an vierter Stelle steht die energetische Sanierung der Gebäude. Das ist neu, erklärt Riethig. In den zurückliegenden Jahren habe der Kreistag als erste Priorität ein besonderes Augenmerk auf energetische Sanierung gerichtet.

„Brandschutz und Inklusion schaffen wir, darüber hinaus wird es im Rahmen unserer Finanzmittel schon schwierig“, räumt Riethig ein – trotz des Kraftaktes. Mit Blick auf den hohen Bedarf müssten die zur Verfügung stehenden Mittel „optimal“ eingesetzt werden. Um dann Prioritäten zu setzen, schlägt die Verwaltung drei Hilfskriterien vor: Schülerzahl, Vorrang für Schulen mit hoher Zukunftssicherheit, Rücksicht auf vorhandene Standards und Konzepte.

Von Ulrich Schubert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Amt des Ortsheimatpflegers ist nicht immer leicht zu besetzen. In Mingerode hat sich ein Generationswechsel vollzogen: Zwei 26-Jährige engagieren sich gemeinsam. Ein Modell für andere Kommunen?

28.10.2018

Nicht nur im Wahlkampf ist der ländliche Raum Thema. Mit verschiedenen Partnern bemüht sich der Landkreis Göttingen, die demografische Erosion in den Dörfern abzufedern.

27.10.2018

Einblicke in die Geschichte und Landeskunde von Finnland und Estland gibt die Ausstellung „Suomi-100-Eesti – 100 Jahre Finnland und Estland“.

23.10.2018