Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
"Man kennt sich"

Seit 24 Jahren sitzt Lothar Koch im Landtag "Man kennt sich"

Wo der Mann im dunklen Mantel mit dem Regenschirm auftaucht, bricht großes Hallo aus: „Lothar“, „Der Eichsfelder“, „Herr Alterspräsident“. Seit 24 Jahren ist der CDU-Politiker Lothar Koch im Landtag vertreten, bei der Landtagswahl im Januar 2018 will er nicht noch einmal im Wahlkreis Duderstadt antreten.

Voriger Artikel
18 Jahre und zweimal überlebt: Stammzellen retten Celina
Nächster Artikel
Unsere Bücher des Jahres

Lothar Koch (CDU)

Quelle: Eckermann

Duderstadt/Hannover. Das verkündete Koch am Freitag im Kreis der CDU-Stadt-, Gemeinde- und Samtgemeindeverbandsvorsitzenden des Wahlkreises. Die Politik habe ihn bereichert, sagte Koch, forderte Offenheit ein und bedauerte, dass „manifestiertes Vorurteilsverhalten zunehmend eine Kultur des Miteinanders erschwert“.

Koch hat politische Spuren hinterlassen

Wem auch immer Lothar Koch im Niedersächsischen Landtag begegnet, er wird ausgelassen begrüßt. Kein Wunder, denn der Abgeordnete geht offen auf jeden zu und hat einen Spruch auf den Lippen. Man kennt sich, nach mehr als 20 Jahren.

So überrascht es doch sehr, dass Koch im Aufenthaltsbereich oberhalb des Plenarsaals gefragt wird, ob er sich für Fußball interessiere. „Aber ja“, tönt es aus ihm heraus. Der Abgeordnete ist bekennender Werder-Bremen-Fan und gibt sogleich fundiert Auskunft darüber, warum es unausweichlich sei, dass sein Verein am Wochenende gewinne. Die meisten Pläuschchen, die Koch zwischen Kaffeetheke und Flur hält, auf den er mehrfach hinausgeht, um mit einem kleinen, altmodischen Gerät Telefonate zu führen, fallen persönlich, fast familiär aus. „Ich bin ja wie zuhause hier“, sagt er, und meint damit sicher auch den Plenarsaal, jedes Abgeordnetenbüro - und die politische Bühne.

Von der will er jetzt abtreten, jedenfalls von der größten, die er bisher bespielt hat. Nach fünf Amtsperioden soll Schluss sein mit Landespolitik. „Der Kopf ist fit“, erklärt er. Doch körperlich strenge ihn die Arbeit zunehmend an. Kommunalpolitisch will Koch weitermachen, so lange es geht.

Er sei ein Mensch der Gespräche, der Überlegungen und Pläne. Jemand, der für die Sache kämpfe, auch über parteipolitische Grenzen hinweg. „Das war schon immer so“, erklärt Koch und benennt Partner: Mit Rudolf Kohnert, Duderstädter SPD-Ratsherr und Geschäftsführer der IG Bau, sei er menschlich aufs Engste verbunden gewesen, auch wenn sich die Politiker „knüppelharte Debatten“ geliefert hätten. Auf Kreisebene habe er gern und viel mit Oberkreisdirektor Alexander Engelhardt (SPD) gearbeitet. Mit Harald Noack habe er die erste schwarz-grüne Koalition im Kreis hinbekommen. Walter Hirche und Olaf Lies (FDP) seien Partner auf Landesebene gewesen. Als es um den Abriss des „Deutschen Hauses“ in Duderstadt ging, der notwendig war, um das „Haus am Park“ erweitern zu können, sei Lutz Stratmann (CDU) beigesprungen, wann immer es um Fragen der Umgehungsstraßen gehe, stehe Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, zur Seite. FDP-Mann Torsten Wolfgramm habe einen Beitrag geleistet, als es um Geld für die Rezeptprüfstelle ging. Einen Landeszuschuss für das Ottobock-Logistikzentrum habe er mit Hilfe von Sigmar Gabriel (SPD) bei einem gemeinsamen Frühstück „klargemacht“. Der SPD-Mann sei auch wichtig für den Erhalt des Bundespolizeistandorts Duderstadt gewesen. Die Verhandlungen dazu habe er länderübergreifend geführt, nachdem sich der damalige Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt hatte. Das Jugendgästehaus und Rita Süssmuth, die Landesausstellung Natur im Städtebau und Gerhard Schröder (SPD), die Aufstockung des Krankenhauses und Cornelia Rundt (SPD) - zu jeder wichtigen Entscheidung nennt Koch Namen.

Manchmal habe ihm seine Offenheit gegenüber politischen Mitbewerbern allerdings Probleme bereitet, sagt Koch und lacht: Die SPD um Gerhard Schröder habe einmal ihren Parteitag in Duderstadt abhalten wollen. Das Rathaus sei tabu gewesen für Parteiveranstaltungen. Koch, seinerzeit Bürgermeister, habe das Thema in den Verwaltungsausschuss getragen. „Wir haben uns gekloppt wie die Kesselflicker“, blickt er zurück. Schließlich habe der Parteitag stattgefunden. Tagungszentrum: das Rathaus. In roter Beflaggung. Das habe er in seinem Grußwort aufs Korn genommen: „Dieses Rathaus hat die Belagerung von Tilly überstanden, dann überstehen wir auch den Landesparteitag der SPD.“

Der wichtigste Vertraute über Jahrzehnte hinweg dürfte aber ein Duderstädter sein: Wolfgang Nolte. So unterschiedlich die beiden auch sind, so eng arbeiten sie zusammen. Früher, als beide bei Terminen „im Land und im Bund“, so Koch, grundsätzlich im Doppelpack auftraten, wurden sogar ihre Namen zusammengezogen. Aus Koch und Nolte wurde „KoNo“. Die Koch-Hälfte temperamentvoll und extrovertiert, die Nolte-Hälfte kontrolliert und im Umgang gewinnend. So umschreibt Koch das Erfolgsrezept der „KoNo“-Symbiose. Gemeinsam sei es ihnen gelungen, die Heinz-Sielmann-Stiftung nach Duderstadt zu holen. Dabei hätten sie die Unterstützung von Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) erfahren. Eng seien sie auch darin verbunden, die Sparkasse Duderstadt zu stärken. In der gemeinsamen Freundschaft mit Hans Georg Näder seien ebenfalls herausragende Projekte entstanden.

Der Politiker

Seit 1973 ist Lothar Koch Ortsbürgermeister in Brochthausen und Langenhagen und wurde im selben Jahr erster stellvertretender Bürgermeister. 1978 gewann er die Wahl zum Bürgermeister, drei Mal wählten ihn die Duderstädter. Nachdem er zunächst als Parteiloser angetreten war, trat er 1976 in die CDU ein. Auch im Kreistag und als Mitglied des Kreisausschusses hat Koch seine Spuren hinterlassen. Für den Landtag kandidierte er entsprechend als alter Hase: „Eigentlich sollte ich 1990 schon aufgestellt werden“, blickt Koch zurück. Doch trotz seiner Krankheit sei sein Vorgänger Willi Döring (CDU) noch einmal angetreten. Koch schlug ihn selbst vor. Seine Stunde schlug bei den folgenden Landtagswahlen - und er hatte es mit einem Wahlkreis zu tun, der bis in den Südharz hineinreichte. „Allein Duderstadt zu holen, reichte nicht“, erklärt er rückblickend. „Das war gerade einmal ein Sechstel“. Sein Gegner: Bernhard Reuter (SPD), der bei diesen Wahlen, so Koch, „seine einzige Niederlage“ erlitten habe. Zweimal trat Koch anschließend gegen Jutta Jung an, anschließend gegen Manfred Kuhlmann. Und das nach dem Neuschnitt des Wahlkreises. „Es sah nicht gut aus“, reflektiert Koch. Schließlich hätten die Stimmen „aus dem Gartetal“ den Ausschlag gegeben, dass er sich bei diesen Wahlen ebenso durchsetzte wie bei den darauf folgenden gegen Doris Glahn (SPD) und Dietmar Ehbrecht (Freie Wähler). Auf die Liste habe er sich nie setzen lassen. „Aus Überzeugung. Entweder ich gewinne oder ich verliere.“ Nun sei die Zeit gekommen, die Landespolitik an den Nagel zu hängen und nach Ablauf der aktuellen Periode nicht mehr zu kandidieren. „Ich muss zur Landung ansetzen“, sagt Koch. Bis zum 1. März 2018 habe er sich aber noch Einiges vorgenommen. ne

Der Privatmann

Lothar Koch liest, wann immer es seine Zeit erlaubt, und nahezu alles. „Ich hole mir seit meinem 18. Lebensjahr den Spiegel“, sagt er und berichtet, dass es Zeiten gab, in denen seine Lektüre unter dem Ladentisch hervorgeholt werden musste. Welt, Zeit, Stern, Tageblatt - alles, was mit Nachrichten zu tun hat, verfolgt der Politiker. Was ihn immer interessiere, sei der Sportteil, sagt er. Schließlich sei er bis heute ein Riesen-Fußballfan. „Früher auf dem Sportplatz, heute als Zuschauer“, sagt er. Der Fußball habe ihn auch in die Kommunalpolitik gebracht: Ein fehlender Sportplatz samt Sporthaus seien seine Eintrittskarte gewesen, erklärt der Politiker. Fan sei er nicht nur von Werder Bremen, sondern auch von Papst Franziskus, sagt Koch. „Und das nicht nur, weil ich Katholik bin.“ Kulturell interessiere er sich für Opern, „aber keine Operetten“. Autoren wie Camus, Kafka oder Vertreter der russischen Literatur „habe ich gefressen“. Früher habe er die Texte von Philosophen wie Descartes oder Nietzsche „unter dem Kopfkissen liegen gehabt“, sagt Koch. Kulinarisch sei er am ehesten in der bürgerlichen Küche zuhause: „Meine Frau sagt, in der Küche der Jahrhundertwende.“ Speckbrot und Suppe zählten zu seinen Leibgerichten. ne

Busemann über Koch

Koch und Busemann im Landtag

Koch und Busemann im Landtag

Wie auch Lothar Koch ist Bernd Busemann seit 1994 Mitglied des Niedersächsischen Landtages, heute als Präsident. Wie Koch hat er Gerhard Schröder (SPD), Gerhard Glogowski (SPD), Sigmar Gabriel (SPD), Christian Wulff (CDU), David McAllister (CDU) und Stephan Weil (SPD) miterlebt. Ob in der Regierung oder der Opposition, Koch habe immer einen fairen Umgang mit allen Parteien gepflegt, blickt Busemann zurück. Und ein weiteres zeichne ihn aus: „Eine enorme Emsigkeit.“ Der Eichsfelder, den Busemann als „mächtigen Bürgermeister“ kennengelernt habe, von dem klar gewesen sei, „dass er seinen Wahlkreis holen würde“, zeichne sich durch seine unkomplizierte Art aus, Dinge in die Wege zu leiten: „Andere schreiben dicke Akten, Lothar führt Gespräche. „Das Hinterhersein für Duderstadt und den Landkreis ist schon beachtlich“, sagt Busemann. Ein Nachfolger werde in große Fußstapfen treten, glaubt er: Nach dem „guten Mann vom Eichsfeld“, Willi Döring, jetzt Lothar Koch - „das sind schon Namen“. „Den Namen Lothar Koch kennt man bis zur Kanzlerin“, beschreibt Busemann Kochs Außenwirkung. Koch zeigt sich geschmeichelt: „Ich bin ein Merkel-Fan der ersten Stunde“, sagt Koch über sich. Wenn er an die großen Themen Kochs denkt, fallen ihm das Krankenhaus St. Martini, die Verkehrsanbindung, die Breitbandversorgung, die Bemühungen um die deutsch-israelischen Beziehungen, der Standort der Bundespolizei und die Dorferneuerung ein, die Bildungspolitik - und „die Sache mit dem Wendebachstausee“. Das sei ein „echter Husarenstreich“ gewesen. Viereinhalb Millionen Euro, die nicht im Haushalt vorgesehen waren, fehlten. „Da war eigentlich schon Feierabend.“ „Koch hat innerhalb der Fraktion so ein Theater gemacht, dass die Entscheidung innerhalb von vier Tagen gefallen ist“, erinnert sich Busemann. „Ohne CDU und FDP wäre er zu.“ Koch sei ein „Volksvertreter im beste Sinne“, beschreibt Busemann den Politiker. Dass er nach Ablauf seiner Amtszeit die Füße hochlegen werde, halte er für unmöglich. ne

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Bilder der Woche vom 18. bis 24. November