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Thema des Tages Billige Wohnungen vom Betrüger
Thema Specials Thema des Tages Billige Wohnungen vom Betrüger
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17:13 27.09.2017
Die Suche nach einer Wohnung am schwarzen Brett gibt es immer noch. Im Internet verbreiten sich betrügerische Anzeigen. Quelle: dpa
Göttingen

Günstig, zentral gelegen und gepflegt: Welcher Student wünscht sich nicht eine solche Wohnung. Doch Vorsicht, betrügerische Immobilienangebote sind nicht selten. Eine Göttinger Studentin hat gleich drei Fake-Angebote gefunden. Die Polizei warnt.

Aleksandra Nessmann, die im Oktober ihr Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen beginnt, beschrieb die Angebote in der Facebook-Gruppe „Erstsemester Uni Göttingen WiSe 2017/18“: „Es handelt sich um Wohnungen in der Innenstadt, die im Top-Zustand sind und deren Warmmieten für die Göttinger Verhältnisse wirklich billig sind.“

Nessmann hat ihre Email-Korrespondenz mit den Anbietern der GT-Redaktion zur Einsicht gegeben. Der angebliche Vermieter schreibt ihr, er habe gerade in Mailand eine mehrjährige Arbeitsstelle angetreten und wolle seine Wohnung deshalb vermieten. Weil er außer Landes sei, könne Nessmann die Wohnung nicht regulär besichtigen. Er forderte sie auf, ihm ihre Daten zu schicken, unter anderem eine Kopie des Personalausweises. Außerdem solle sie die Kaution und eine Monatsmiete überweisen. Der geforderte Betrag liegt in den verschiedenen Fällen zwischen 1300 und 1500 Euro. Anschließend bekäme sie Mietvertrag und Wohnungsschlüssel zugeschickt und habe drei Tage Zeit, sich die Wohnung anzuschauen und den Vertrag zu unterschreiben. Nessmann ließ sich darauf nicht ein. „Ich hatte das Glück, zu drei verschiedenen Wohnungen immer dieselbe Geschichte von verschiedenen Leuten bekommen“, schilderte sie. „Schon bei der ersten Person schien mir das Ganze etwas unseriös und ich habe es gelassen.“

„Diese Masche ist nicht neu, doch leider immer wieder tagtäglich im Umlauf“, teilt die Polizei Niedersachsen mit. Echte Verkaufs- oder Vermietanzeigen in Immobilienportalen im Netz werden für diese Anzeigen von den Tätern kopiert und als neue Anzeige eingestellt. Die Immobilien seien „deutlich günstiger“ als andere und locken somit die potenziellen Kunden. Nessmanns Mailverkehr ist demnach typisch, die Täter fordern die Überweisung von Geld, seien selbst aber verhindert.

Fakeanzeigen seien Laut Polizei nicht immer leicht zu erkennen. Man sollte genau beobachten, wie kommuniziert wird und beispielsweise Google Maps und Streetview einsetzen, um zu schauen, ob es die Wohnung/Adresse gibt. Besonders wenn der Mailverkehr im weiteren Verlauf wie bei Nessmann abläuft, sollte man die Finger von der Wohnung lassen.

Die Strategie scheint verbreitet zu sein: Unabhängig voneinander schilderten mehrere Betroffene dem Göttinger Tageblatt übereinstimmende Erfahrungen mit Fake-Ads. Die Kommunikation findet dabei durchgängig per Email und häufig auf Englisch statt. Die Verfasser berufen sich in diesen Fällen auf die Unterkunftsvermittlung AirBnb. Eine Promotionsstudentin, die anonym bleiben möchte, hat die Servicestelle von AirBnb darauf angesprochen. Sie erzählt: „Sie haben mir gesagt, ich solle diesen Emails nicht trauen. Das Vorgehen entspräche nicht den Richtlinien von AirBnb.“ Für ihre Wohnungssuche hätte die brasilianische Doktorandin sich mehr englischsprachige Informationen gewünscht. „Wir kennen die Prozedur bei der Wohnungsvermietung in Deutschland nicht“, sagt sie als internationale Studentin. „Wenn man noch nicht in Göttingen wohnt oder hier Freunde hat, ist es wirklich schwierig, sich vor solchem Betrug zu schützen.“

Tatsächlich klären Wohnungsplattformen wie immobilienscout24.de, immonet.de und wg-gesucht.de auf ihren deutschsprachigen Internetseiten über die Gefahr von betrügerischen Anzeige auf. Englischsprachige Hinweise fehlen jedoch. Ausländische Studenten können auf die Broschüre „Accomodation guide for international students“ vom International Office der Georg-August-Universität zurückgreifen, um sich rund um das Thema Wohnen in Göttingen schlau zu machen.

Aufhorchen sollten Wohnungssuchende bei Angeboten, die trotz hochwertiger Ausstattung günstiger als Vergleichsobjekte sind, sich dabei in bester Lage befinden und flexibel beziehbar sind. Widersprüche innerhalb der Anzeigen sind ebenso ein Warnzeichen wie emotionale Geschichten des Anbieters, die Vertrautheit herstellen sollen. Erst wenn der Mietvertrag abgeschlossen wurde, sollten Miete und Kaution überwiesen werden. Bei Zahlungsaufforderungen über Geldtransferinstitute wie MoneyGram oder Western Union ist Vorsicht geboten.

Mehr als 4000 Erstsemester jährlich

Jedes Wintersemester treten mehr als 4000 Studenten ihr erstes Hochschulsemester an der Georg-August-Universität Göttingen an. Was müssen Erstsemester-Studenten vor dem Unibeginn erledigen? Welche Tipps haben Asta, Studienbüro und Studenten für sogenannte Erstis? Wir haben nachgefragt.

Für neue Studenten von bewerbungspflichtigen Fächern sind die ersten Schritte bereits getan: Die Online-Bewerbung wurde ausgefüllt, wichtige Dokumente wie das Abiturzeugnis wurden abgeschickt, um die Zulassung wurde gebangt. Schon Ende August flatterte meist die Zusage ins Haus, erzählt Kathrin Winkler, Mitarbeiterin im Servicebüro der Studienzentrale.

Wer hingegen zulassungsfreie Studiengänge wie Geographie oder Mathematik studieren will, kann sich noch bis zum 30. September immatrikulieren, ohne ein Auswahlverfahren zu durchlaufen. „Die meisten immatrikulieren sich erst gegen Semesterstart“, weiß Winkler aus Erfahrung. Deshalb kann das Studienbüro noch nicht absehen, wie viele Erstis tatsächlich im Oktober ihren neuen Lebensabschnitt in Göttingen antreten. 2016 waren es laut einer Auswertung der Stabsstelle Strategieentwicklung und Controlling der Universität 4203 Erstimmatrikulierte.

Sobald der Studienort feststeht, geht meist die Zimmersuche los. Ob es ein Einzelappartment oder ein WG-Zimmer sein soll: Jetzt ist Ausdauer gefragt. Viele Erstis durchlaufen mehrere „WG-Castings“, bis sie ihr neues Zuhause finden. Wer noch eine Zeit lang bei Eltern oder Freunden wohnen kann und später im Semester sucht, hat weniger Konkurrenz.

Orientierungshilfen für Erstis

Wie das Alleinewohnen ist auch die Eigenfinanzierung für viele Studenten neu. Obwohl es keine Studiengebühren mehr gibt, bezahlen Studenten für das kommende Semester knapp 340 Euro: Für Verwaltung, Studierendenschaft, Semestertickets und Studentenwerk. Was viele nicht wissen: Den Anteil für die Semestertickets, immerhin rund 175 Euro, können sich Studenten mit geringem Einkommen am Ende des Semesters vom Asta rückerstatten lassen. Als Anlaufstelle für Erstis stellt der Asta außerdem vom 18. September bis zum 31. Oktober einen Infostand für Erstis im ZHG bereit.

Bei administrativen Fragen, wie zur Einschreibung, Fächerkombinationen und Fachwechseln, können Studenten sich an das Servicebüro der Studienzentrale wenden. Dort, am Wilhelmsplatz 4, dem „Willi“, wo viele Studenten feucht-fröhliche Sommerabende verbringen, steht auch Winkler Frage und Antwort. Sie ist der Meinung: „Studenten müssen, bevor es richtig losgeht, gar nicht viel wissen. Sie bekommen alles Wichtige in der O-Phase erklärt, zum Beispiel: Wie erstelle ich einen Stundenplan? Wie melde ich mich zur Prüfung an?“

Erst das Vergnügen, dann die Arbeit

Die Orientierungswoche findet Anfang Oktober statt, kurz vor Vorlesungsbeginn. Neben praktischen Informationen und einem Kennenlernen der Universität bietet sie die Möglichkeit für erste Bekanntschaften und Erkundungen der Göttinger Kneipenlandschaft. Ganz nach dem Motto: Erst das Vergnügen, dann die (Uni-)Arbeit. Benjamin Söchtig, Asta-Referent für politische Bildung, sagt: „Ich war der Erste meiner Familie, der studiert hat, und musste das System Uni erst verstehen lernen. Ein guter Einstieg dafür war die O-Phase.“ Kritisch sehe er jedoch „die soziale Dynamik, die es den Leuten schwierig macht, sich dem rituellen Alkoholkonsum in rauen Mengen zu verwehren.“ Er rät Studienanfängern, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, auch bei der Studienplanung: „Ein Bachelorstudium kann sechs Semester dauern, muss es aber nicht.“ Marie-Luise Nietfeld, Studentin der Sozialwissenschaften im sechsten Semester, findet: „Man sollte seine eigenen Interessen finden. Denn es gibt wirklich viele Angebote von Zess-Kursen und beim Hochschulsport.“

Winkler empfiehlt Neustudenten, die Zeit bis zum Studienbeginn nicht mit Lernen zu verbringen. In der Uni gehe man ohnehin anders an den Stoff heran, als man es aus der Schule kenne. „Neustudenten müssen sich nicht verrückt machen, sondern können darauf vertrauen, dass sie alles Wichtige schon mitbringen“, sagt Winkler.

Nützliche Links

Ist mein Wunschfach zulassungsfrei? uni-goettingen.de/de/46792.html

Semesterticket-Rückerstattung: asta.uni-goettingen.de/angebote/semestertickets/rueckerstattung

Tipps für die Wohnungssuche

Ein kleines Einzimmer-Apartment für 450 Euro kalt: in Göttingen nichts Ungewöhnliches. In den gängigen Immobilienportalen ist das Angebot dünn, nur vereinzelt sind kleine Wohnungen in Göttingen zum Semesterstart im Angebot. Bei AirBnB beispielsweise sind Wohnungen zu einem Tagessatz von etwa 40 Euro zu haben. Einige freie WG-Zimmer finden sich auf der Seite „wg-gesucht.de“. Wer beispielsweise an einer Studentenverbindung Interesse hat, kann fündig werden. Wer sich vorstellen kann, gegen kleine Hilfsdienste bei anderen Menschen einzuziehen, kann sich in dem Projekt „Wohnen für Hilfe“ für eine Wohnung bewerben. Studentenwerk, Freie Altenarbeit Göttingen und das GDA Wohnstift vermitteln Zimmer an Studierende, die günstig wohnen und gern helfen möchten. Derzeit sucht die Freie Altenarbeit dringend noch Vermieter, die ein Zimmer zur Verfügung stellen können. (Telefon für Anbieter 0551/43606). Zimmer an Studenten vermittelt das Servicebüro Studentisches Wohnen, Zentralmensa, Ebene 0, Telefon 0551 / 39-5135, E-mail wohnen@studentenwerk-goettingen.de.

Von Katharina Meyer und Britta Bielefeld

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