Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Thema des Tages „Beim Tanzen kann ich mich richtig auspowern“
Thema Specials Thema des Tages „Beim Tanzen kann ich mich richtig auspowern“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:15 14.02.2018
Eine der Garden des Mingeröder Carneval Vereins bei der Eröffnung der 40. Session im Kulturwerk Euzenberg. Quelle: Foto: Franke
Anzeige
Mingerode

„Ich kann mich beim Tanzen immer richtig auspowern – und mir macht es einfach sehr viel Spaß, mich zu bewegen. Training ist einmal die Woche für etwa zwei Stunden“, sagt Lara Beck. Am Karneval gefalle ihr vor allem die fantastische Stimmung und die Umzüge durch die Straßen. Auch die jährlich stattfindenden Büttenabende sind immer ein Highlight für die tanzbegeisterte Mingeröderin. „Ich möchte einfach sehr viel lernen und mich natürlich auch persönlich weiterentwickeln. Vielleicht kann ich ja irgendwann einmal an einer Meisterschaft teilnehmen. Dafür muss man sich aber erst einmal qualifizieren“, skizziert die Zwölfjährige ihre Ziele.

,,Seit zwei Jahren ist Lara bei uns und trainiert ein- bis zweimal die Woche“, sagt Stefanie Maur, die Trainerin der Tanzmariechen. „Sowohl Emmelie als auch Lara sind zwei hervorragende Tanzmariechen – sie sind sehr gelenkig und grazil. Zudem sind sie sehr temperamentvoll. Beide haben eine tolle Ausstrahlung und viel Freunde am Tanzen. Wir sind sehr stolz, beide bei uns in der Narrenjugend dabeizuhaben“, fügt Maur begeistert hinzu.

Tanzmariechen sind typische Figuren im Karneval. Wer Tanzmariechen werden will, muss Spaß am Tanzen haben. Das trifft auf Lara Beck zu. Sie war in diesem Jahr das erste Mal beim großen Büttenabend dabei. ,,Sie hat ihre Sache ganz toll gemacht, und alle waren von Lara hellauf begeistert“, sagt Maur.

„Helau“ oder „Bilau“?

„Alaaf“ ist der bekannte Karnevalsruf in Köln. Im Göttinger Raum hingegen wird ausschließlich „Helau“ verwendet. Je nach Ort wird dieses aber auch in leicht abgewandelter Form benutzt. So streichen die Bilshäuser Narren das „He“ und ersetzen es durch „Bi“, wodurch ihr Ruf „Bilau“ entsteht. Die Narren des Ballenhäuser Karnevals Clubs (BKC) rufen „Ballenhusen Helau“. In Desingerode erklingt bei den Karnevalssitzungen „DCC Helau“. Bei den Göttinger Vereinen Szültenbürger und Rheintreue lautet der karnevalistische Ruf „Helau“. Bei den Mitgliedern der Rheintreue wird er traditionell dreimal gerufen. In Rüdershausen und Wollbrandshausen haben die Jecken sich ebenfalls dafür entschieden, den ersten Teil von „Helau“ durch die ersten beiden Buchstaben ihres Ortsnamens zu ersetzen. So entstehen die Rufe „Rülau“ und „Wolau“. Doch außer den Karnevalsrufen gibt es noch weitere Begriffe, die fest zum Karneval dazu gehören. Bützchen heißen Küsschen auf die Wange, die nahezu jeder Karnevalsteilnehmer in Köln bekommt, egal ob gefragt oder ungefragt. Clowns dürfen bei den typischen Karnevalsverkleidungen ebenso wenig fehlen wie Prinzessinnen. Der Elferrat bildet bei den Karnevalssitzungen das Parlament. Die Karnevalszeit wird von den Narren oftmals auch die fünfte Jahreszeit genannt. Gardetänze sind bei allen Veranstaltungen ein fester Programmpunkt. Als Jecken werden die Karnevalisten vor allem in der Karnevalshochburg Köln bezeichnet. Zusätzlich zu Büttenreden dürfen Lieder bei den Sitzungen nicht fehlen. In zahlreichen Orten wie in Ballenhausen wurden hierfür eigens Lieder gedichtet. Ebenfalls in Ballenhausen ist der Nippel zu Hause. Er ist für die Ballenhäuser das, was in anderen Orten der Prinz ist. Schunkeln zu bekannten Liedern bringt die Karnevalsgäste in Bewegung. Weiberfasching wird am Donnerstag vor Rosenmontag gefeiert, an diesem Tag regieren die Frauen. Ein in Südniedersachsen eher unbekannter Begriff ist Zoch. Dieser bezeichnet den Kölner Karnevalsumzug am Rosenmontag.

Bei den Mingerödern sind nicht nur die Tanzmariechen exzellent, sondern auch die zahlreichen Trainerinnen, die einst selbst an Tanzturnieren teilnahmen und jetzt Fortbildungen absolvieren, um auszubilden. Trainiert wird Lara Beck derzeit von Vanessa Sigmund, die selbst in der Seniorengarde tanzt und aktiv im Vorstand mitarbeitet.

Beck fing bereits mit drei Jahren in einer Garde an. Ihr Talent und insbesondere die Varianten ihres Spagats brachten sie und ihre Trainer dazu, sie für die Figur Tanzmariechen zu begeistern.

Seit mehr als zehn Jahren ist Carolin Koch aktiv als Tänzerin dabei. Die 21-jährige Erzieherin trainiert seit einigen Jahren die Garde beim Göttinger Verein Rheintreue Rot-Weiß. In diesem Jahr ist sie zum ersten Mal als Tanzmariechen aktiv. Die aus Roringen stammende Karnevalistin geht aus einer wahren Karnevalsfamilie hervor. Das bekannteste Familienmitglied ist dabei wohl ihr Onkel, der Braunschweiger Prinz Detlef I.

,,Carolin ist sehr zuverlässig und überaus engagiert“, lobt Irena Ma- linke, Vorsitzende von Rheintreue Rot-Weiß, das Tanzmariechen. Ma- linkes Tochter Alexandra ist seit diesem Jahr die Trainerin von Koch.

Doch auch in der ausgelassenen, jecken Zeit ist der Verein nicht ganz sorgenfrei: „Wir suchen dringend Nachwuchs in unseren Garden. Wir würden uns über zahlreichen Zulauf sehr freuen.“ Interessierte können sich direkt bei Irena Malinke (Telefon: 01 51 / 58 8 4 20 16) melden.

Rheintreue Rot-Weiß Göttingen und Mingeröder Carnevals-Verein proben für die fünfte Jahreszeit

,,Wir trainieren nicht nur für den Rosenmontag“, betont Irena Malinke. Damit möchte die Vorsitzende des Vereins Rheintreue Rot-Weiß mit einem Vorurteil aufräumen. „Wir sind das ganze Jahr im Training, also nicht nur während der eigentlichen Karnevalszeit aktiv. Das wissen viele nicht“, erklärt Malinke.

Einmal in der Woche, außer in den Ferien, treffen sich die Vereinsmitglieder für 90 Minuten zu den regelmäßigen Übungseinheiten. „Wir wollen ganzjährig Kindergärten und auch den Leuten in Altenheimen, die wir häufig besuchen, eine Freude machen. Die Altenheimbewohner freuen sich immer wieder auf unsere Vorführungen“, fügt Malinke an. Zudem besuchen die Karnevalisten regelmäßig die Behinderten-Werkstätten und können auch für diverse Feiern und Geburtstage gebucht werden. ,,In unserem Verband finden regelmäßig Schulungen und Fortbildungen statt. Ich nehme im Sommer wieder an einer gezielten Weiterbildung teil, um die erlangten Kenntnisse im Training umsetzen zu können. So kann man sich Jahr für Jahr verbessern, dazu gehören natürlich auch optimale Trainingsinhalte“, berichtet Malinke.

Auch in Mingerode laufen die Vorbereitungen für den Höhepunkt des Karnevals auf Hochtouren. Der Umzug am Rosenmontag des Mingeröder Carnevals-Vereins (MCV) durch den Ort wird unter anderem auch von der Narrenjugend begleitet. Die Vorbereitung für die Tanzmariechen Emmelie Hoppmann (8) und Lara Beck (12) begann bereits nach den Sommerferien. Einmal pro Woche galt es dann je nach Alter, intensives Training und sogenannte Übungsworkshops zu besuchen.

Stefanie Maur, Vorsitzende der Mingeröder Narrenjugend, berichtet über die Vorbereitungen auf die Session und das Training. ,,Für uns sind nicht nur der Rosenmontag, sondern insbesondere die Kinderbüttennachmittage die Highlights des Jahres. Egal, ob als Fußgruppe oder mit den verschiedenen Wagen, die aufwendig von den Eltern geschmückt werden, ziehen wir durch den Ort“, erläutert Maur. ,,Seit Kindheitstagen fasziniert mich der Karneval, und in unserem Dorf machen eigentlich alle mit. Der Trainerjob mit der Narrenjugend ist mein Leben, und ich möchte auch meine Erfahrungen an die Kids weitergeben.“

Mit dem Nachwuchs hat der Verein aus dem Eichsfeld keinerlei Probleme: ,,Wir haben sehr viel Nachwuchs und müssen die 25-Jährigen dann sogar an die Garden abgeben, weil so viele Junge nachrücken. Das freut uns sehr“, sagt die Trainerin.

Von Jan-Philipp Brömsen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es ist ein Werk mit sperrigem Namen, vielen Zahlen, Tabellen, Analysen und Bewertungen - und Diskussionspotenzial: das Schulstättenentwicklungskonzept der Stadt Göttingen. Damit will die Stadt „die richtige Schule zur richtigen Zeit in der richtigen Größe am richtigen Standort“ sichern.

11.02.2018
Thema des Tages Streit um Haussanierung in Göttingen - Weender SPD-Chef Reinert tritt zurück

Die seit mehreren Wochen schwelenden Mietstreitigkeiten zwischen dem Vermieter Klaus Schneider und den Bewohnern der Häuser Zimmermannstraße 58 bis 64 spitzen sich zu. In Weende ist deswegen der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Horst Reinert zurückgetreten.

07.02.2018

„Lauf geht’s“ - so heißt die Tageblatt-Aktion, die Menschen zum Laufen animieren soll. Wolfgang Grandjean, einer der Initiatoren des Projektes, war am Montagabend zu Gast im Göttinger Hotel Freizeit In und skizzierte das Programm.

06.02.2018
Anzeige