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Thema des Tages Geliehen statt gekauft: Das Fahrrad im Abo
Thema Specials Thema des Tages Geliehen statt gekauft: Das Fahrrad im Abo
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00:21 14.09.2018
Eröffnung des Lagengeschäfts: Swapfiets ist seit September in der Langen Geismarstraße ansässig und bietet ein Fahrradabo an. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

So können alle, für die sich der Besitz einer eigenen Schleifmaschine nicht lohnt, dennoch ihre Dielen in Eigenarbeit aufhübschen. In der Region Göttingen gibt es einige kreative Unternehmen, die das Verleihen neu entdeckt haben und auf ihre eigene Weise interpretieren. So wird in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen multilokal organisieren, das Thema Besitz neu bedacht.

Markenzeichen blaues Rad. Seit September gibt es Swapfiets in Göttingen. Das Start-Up-Unternehmen bietet für einen monatlichen Beitrag ein Fahrrad-Abonnement nach Vorbild von Streamingdiensten an. Es klappert, schleift und rüttelt. So manches Fahrrad, das durch die Stadt gelenkt wird, würde einer Sicherheitskontrolle wohl nur bei gleich zwei fest zugedrückten Augen standhalten.

Dies sei nicht weiter verwunderlich. Die vielen Studenten etwa, erklärt Daniel Gesehus, der als City Lead beim Start Up „Swapfiets“ für die Koordination der Mitarbeiter zuständig ist, seien nicht bereit, viel Geld in ein hochwertiges Fahrrad zu investieren. „Ich habe selbst in Göttingen studiert und das erste, was ich mir zugelegt habe, war ein Schrottfahrrad.“

Der blaue Mantel des Vorderrads ist das Markenzeichen der Swapfiets. Quelle: Hinzmann

Fahrradverleih nach Vorbild der Streamingdienste

So sei es in vielen Studentenstädten, erläuterte Gründer Steven Uitentuis bei der Eröffnung der Filiale in der Langen Geismarstraße. Gemeinsam mit Martÿn Obers, Richard Burger und Dirk de Bruÿn hat er Swapfiets 2015 im niederländischen Delft gegründet.

Alle vier waren zu dieser Zeit selbst noch Studenten. Sie erkannten, dass der „Besitz eines Fahrrads ein Stück Freiheit“ bedeute, es zugleich Fortbewegungsmittel und Transportmöglichkeit sei. Doch sicherzustellen, dass die „Schrottmühlen“ immer fahrbereit und verkehrssicher waren, sei nicht so leicht gewesen. So entstand die Idee zu einem Tauschsystem, einem Abonnement nach Vorbild der Online-Streamingdienste: „Die Idee ist, dass immer ein Fahrrad zur Verfügung steht, aber keine Verpflichtungen oder hohe Kosten damit einhergehen“ so Lucas Vroemen, Business Development Manager bei Swapfiets. Die Kombination des englischen Verbs „to swap“ (dt. tauschen) und dem niederländischen Begriff „fiets“ (dt. Fahrräder) macht es konkret. Zum Preis von derzeit 17,50 Euro pro Monat, ermäßigt 15 Euro, kann ein Fahrrad abonniert werden.

„Wir garantieren, dass das Fahrrad immer funktioniert. Wenn etwas kaputt ist, bieten wir innerhalb von zwölf Stunden unseren Service an.“ Der Service sei das Kernstück des Tauschsystems. Innerhalb des Stadtgebiets Göttingen kämen die Mitarbeiter an jeden beliebigen Ort: „Wir kommen von morgens um acht bis abends um zehn Uhr. Nach Hause, zur Arbeit, zur Uni oder wohin der Kunde es wünscht.“ Sei das Fahrrad vor Ort nicht in zehn Minuten repariert, würde es ausgetauscht. Auch die private Fahrradversicherung könne der Nutzer kündigen, im Fall eines Diebstahls werde gegen eine Gebühr von 60 Euro ein neues Fahrrad bereitgestellt.

05.09.2018 Regional Manager Manuel Bartens (rechts) und das Göttinger Swapfiets-Team sowie die Business Development Manager Lucas Vroemen (mittig) und Arjan Beeuwkes (links). Quelle: Christina Hinzmann

 

Das Markenzeichen der Swapfiets ist der blaue Mantel des Vorderrads. In Göttingen werden derzeit drei Rahmenfarben angeboten, zudem kann man zwischen drei Standard- und einer Sondergröße wählen. „Unsere Fahrräder passen zu Menschen mit einer Körpergröße von circa 1,50 bis 2,10 Metern“, so Vroemen.

Umweltfreundliches Prinzip mit guter Prognose

Die Göttinger Verantwortlichen schätzen das Potenzial des Unternehmens als groß ein. „Es war sicherlich bei der Gründung nicht die Intention, aber möglicherweise spielt uns die politische Entwicklung in die Hände. Wenn wegen des Diesel-Skandals Fahrverbote in den Innenstädten ausgesprochen werden, dann nimmt das Thema noch einmal eine ganz andere Dynamik auf.“ In der Göttinger Innenstadt sei man als Autofahrer bereits derzeit gehandicapt, ergänzt Gesehus. „Da ist man mit dem Fahrrad einfach besser bedient.“

Die Entwicklung Swapfiets gehe zügig voran, ergänzt Regional Manager Manuel Bartens. „Vor sechs Wochen waren es 52 000 Kunden. Jetzt sind wir bereits bei 60 000.“ Die Prognose besage, dass noch in 2018 die Marke von 100 000 Abonnenten erreicht werden könne. Der Standort Göttingen sei vielversprechend. „Obwohl wir bisher kein Ladengeschäft hatten und es kein Marketing gab, haben wir bereits 200 Kunden in Göttingen.“

Die Expansionsstrategie des Unternehmens zielt auf Orte ab, die das Image einer „Fahrradstadt“ aufweisen. Ein Ansatz, den Ursula Haufe, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen, unterstützt. Göttingen sei als Universitätsstadt mit 35 000 Fahrrad fahrenden Studenten ein geeigneter Standort für das Start Up. Der zentrale Standort des neuen Ladengeschäfts komme der interessierten Bürgerschaft entgegen, erklärte sie bei der Filialeröffnung in Göttingen.

Lautsprecher  Quelle: r

Für den richtigen Klang

Seit 25 Jahren verleiht die Firma „Sound & Vision“ im Groner Siekweg Tonanlagen für Feiern, Vorträge oder Konzerte.

Das Angebot beginnt bei kleinen Anlagen für Veranstaltungen mit 30 Gästen und reicht bis zu Großanlagen für 1000 Gäste. Im Equipment enthalten sind unter anderem Lautsprecher, Verstärker und Mischpulte sowie Anschlüsse fürs Handy oder den Laptop. Wer möchte, kann auch Lichtanlagen für Lichteffekte, Nebelmaschinen oder Scheinwerfer leihen. Als „idiotensicher“, bezeichnet Inhaber Berthold Möller diese Anlagen, weil sie so einfach im Aufbau seien.

Bei den Sprachbeschallungsanlagen, die unter anderem Funkmikrofone und Lautsprecher enthalten, gebe es die Möglichkeit, sich von einem Techniker unterstützen zu lassen. Zum Einsatz kämen sie bei allen möglichen Veranstaltungen, von Firmenevents bis zu Trauerfeiern auf dem Friedhof.

Zu den Kunden von Sound and Vision gehören viele Privatleute wie Studenten, aber auch DJs, Vereine und Institutionen. Nicht nur wegen der Kosten lohne es sich für die meisten Leute, Equipment zu leihen statt zu kaufen. „Jeder, der es mal genutzt hat, wird es nicht mehr mit seinen eigenen Sachen versuchen“, sagt Möller und lacht.

Anlagen, die im Handel zwischen 3000 und 4000 Euro kosteten, könne man ab 75 Euro leihen. Dafür bekomme der Kunde eine Qualität, die gut klingt und gut funktioniert. „Man hört immense Unterschiede“, ist Möller überzeugt.

Artothek bietet 700 Bilder zum Leihen

Warum nicht mal ein Kunstwerk ausleihen und Gäste beeindrucken? Die Artothek des Kunstvereins macht’s möglich.

Die Auswahl an Kunstwerken der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst in Artothek ist riesig. Auf inzwischen gut 700 Arbeiten der klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst ist der Fundus des Artothek angewachsen, berichtet, Helmut Wenzel, Geschäftsführer des Kunstvereins. Der Verein betreut die Sammlung seit 1988 ehrenamtlich. Und das beste: Jeder –seien es Privatpersonen, Firmen und öffentlichen Institutionen – kann sich daran erfreuen – in den eigenen vier Wänden.

Gegen eine monatliche Leihgebühr verleiht die Artothek die Bilder –fertig gerahmt, nur den Transport muss der Ausleiher selbst organisieren. Bis zu zwei Arbeiten können für jeweils drei Monate ausgeliehen werden. Der Leihbetrag zwischen drei und fünf Euro pro Monat und Bild beinhaltet Rahmung und Versicherung. Zusätzlich ist eine Jahresgebühr für die Nutzung der Artothek fällig. Sie beträgt acht Euro und entfällt bei Mitgliedschaft im Kunstverein Göttingen. Für Firmen, Praxen und Büros besteht über Firmenpatenschaften die Möglichkeit zu Sonderkonditionen.

Privatpersonen seien die Hauptnutzer der Artothek, sagt Wenzel. „Studenten und ganz normale Leute“ gehörten zur Kundschaft. Zwischen 150 und 200 liege die Zahl der Nutzer.

Der Schwerpunkt der Ausleihsammlung liegt nach Angaben der Artothek auf Druckgrafiken. Darüber hinaus stünden Fotografien, Zeichnungen, Aquarelle und Ölgemälde zur Ausleihe bereit. Grundlage der Sammlung seien Schenkungen, so Wenzel. So hätten auch Originalwerke, etwa von Max Ernst oder Käthe Kollwitz, den Weg in die Sammlung gefunden. Viele junge Künstler seien in der Sammlung vertreten. Verkauft werde daraus nichts, sagt Wenzel. Die Werke blieben in der Artothek. Will ein Kunde ein Bild eines Künstlers kaufen, würde der Kunstverein den Kontakt herstellen.

Für Kunden besteht die Möglichkeit, sich immer dienstags und donnerstags zwischen 15 und 18 Uhr in der Artothek im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, Bilder auszuwählen oder im ausliegenden Bestandskatalog auszusuchen. Kunden der Artothek können auch online in der Sammlung unter Artminer stöbern.

Von Claudia Bartels, Nora Garben und Michael Brakemeier

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