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Thema des Tages Der Wahlkampfreisende
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20:32 14.09.2017
Bekennender Basketball-Fan: Die Heimspiele der BG sind im Kalender des Bundestagsabgeordneten eingetragen. Quelle: Foto: Heller
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Göttingen

Es ist Donnerstag. In Thomas Oppermanns Terminkalender ist das der Tag, den er sich in Wahlkampfzeiten frei hält. Nicht frei im eigentliche Sinne. Frei für all das, was bisher nicht eingeplant war. Wie für Interviews zum Beispiel. Dazu gibt es Mittagessen in einem italienischen Innenstadtrestaurant. Oppermann ist hier bekannt, bedankt sich für die zuvorkommende Bedienung in der Landessprache.

In dieser Woche war er bereits zwei Tage in Baden-Württemberg, hatte Termine in Berlin und anschließend Auftritte zusammen mit dem Ministerpräsidenten Stephan Weil in Südniedersachsen. „Ich versuche immer über das Wochenende in meinem Wahlkreis zu sein“, sagt Oppermann. An diesem Sonntag geht es allerdings schon frühzeitig weiter nach Bayern. Als Teil der SPD-Prominenz ist er momentan an vielen Stellen gefragt. Am Ende wird er bis auf Sachsen und das Saarland alle Bundesländer bereist haben.

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Wissenschaftsminister Oppermann.

Bislang waren es sieben Wochen Bundestagswahlkampf nonstop. „Und wenn das dann am 24. September vorbei ist, schließen sich für mich drei weitere Wochen Wahlkampf in Niedersachsen an“, rechnet Oppermann weiter. Verschleißerscheinungen? Keine. Krankheiten? „Die kriegen Sie nicht.“ Dagegen helfe der hohe Adrenalinspiegel. Zur Regeneration ziehe es ihn in den Wald. Er geht wandern und treibt Sport, wenn es die Zeit zulässt. Aber auch sein Akku sei mal alle, gibt der 63-Jährige zu. Am Dienstagabend beispielsweise sei er auf dem Rückflug nach Berlin so müde gewesen, dass er nicht mehr bemerkt habe, dass Wolfgang Schäuble hinter ihm gesessen habe. „Die Begrüßung haben wir dann natürlich beim Aussteigen nachgeholt“, erzählt Oppermann lachend.

Wie lassen sich die Rollen des Fraktionschefs in einer großen Koalition und des Wahlkämpfers gegen die CDU vereinen? Natürlich bekomme man, wenn man jetzt auf die Defizite von zwölf Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel hinweise, gelegentlich zu hören: ,Aber ihr wart doch dabei’. Dazu stehe man auch. Oppermann beschreibt das Wechselspiel zwischen den Parteien mit zwei ihm wichtigen Projekten, die kurz vor Ende der Wahlperiode noch umgesetzt werden konnten: Das Internet-Gesetz sei nur in enger Zusammenarbeit mit seinem CDU-Kollegen Volker Kauder in so kurzer Zeit noch umsetzbar gewesen. „Da haben wir an einem Strang gezogen.“ In der gleichen Woche aber habe seine Fraktion auch die Ehe für alle durchgesetzt – „im offenen Konflikt mit der Union“. Das habe ihm Kauder dann auch ein bisschen übel genommen, erzählt Oppermann aus der Schlussphase der großen Koalition.

Vita

Am 27. April 1954
als Sohn eines Molkereimeisters in Freckenhorst, Kreis Warendorf, geboren.

1975
Abitur an der Goetheschule Einbeck. Anschließend begann er mit dem Studium der Germanistik in Tübingen.

1976 bis 1978
freiwilliger Helfer bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in den USA.

1978 bis 1986
Studium der Rechtswissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen bis zum zweiten Staatsexamen.

Seit 1980
Mitglied der SPD, seit 1989 Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Göttingen.


1988 bis 1989 Rechtsdezernent der Stadt Hann. Münden

1989 bis 2005
Mitglied des Niedersächsischen Landtags.


1989 bis 2003 Minister für Wissenschaft und Kultur

2001 bis 2005 Mitglied des Göttinger Kreistages


Seit 2005 Mitglied im Deutschen Bundestag

2007 zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion gewählt.


Seit 2013 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.

Oppermann hat drei Töchter und einen Sohn.

Aber der Sinn einer Koalition bestehe ja nicht darin, dass man immer nett zueinander sein müsse. Im Gegenteil. Man müsse sich hart auseinandersetzen, aber am Ende kompromissfähig sein. Ihm sei es immer sehr wichtig gewesen, mit offenen Karten zu spielen.

Oppermann spielt bewusst nicht die Rolle des Titelverteidigers, der den Wahlkreis bereits zweimal gegen den Bundestrend gewonnen hat. Übertriebene Selbstsicherheit wäre mit Blick auf die Prognosen auch fehl am Platze. „Ginge es nach den Umfragen, wäre ich der Außenseiter“, sagt der Stürmer des FC Bundestag und schiebt hinterher: „Als die SPD 2009 nur 23 Prozent bekam und ich den Wahlkreis gewann, dann war das mit einem Auswärtssieg von Hannover 96 beim FC Bayern München zu vergleichen.“ Doch weder er noch seine Partei seien in diesen Wahlkampf gegangen, um zu verlieren. „ Die SPD spielt immer um Platz eins.“ Für ihn selbst sei es immer eine besondere Verantwortung gewesen, mit einem direkt gewonnenen Mandat im Bundestag zu sitzen. So habe er in Berlin viel für seinen Wahlkreis erreichen können. Und das gelte es fortzusetzen.

Zudem mache er den Job als Fraktionsvorsitzender gerne. „In meiner Fraktion in Berlin ist es nie langweilig.“ Jeden Tag gibt es neue Themen, mit denen man sich beschäftigen muss. Man suche jeden Tag nach den richtigen Antworten auf neue Fragen.

Kontakt

Internet:
thomasoppermann.de

Facebook:
de-de.facebook.com/OppermannTho

Twitter:
twitter.com/thomasoppermann

Email:
thomas.oppermann@bundestag.de

Telefon:

Büro Berlin: 030 22 772 208

Wahlkreisbüro: 0551 3817 400

Wer auf Oppermanns Internetpräsenz stöbert, stößt unter dem Stichwort „Meilensteine“ auf eine Bilanz, die er nach 27 Jahren in der Politik gezogen hat. Darin enthalten ist neben den Erfolgen während seiner Zeit als Abgeordneter in Landtag und Bundestag, als Niedersächsischer Wissenschaftsminister und Fraktionschef auch der Beginn einer langen Politikerkarriere. Initialzündung war ein Brief der Aktion Sühnezeichen im Jahr 1976, der es dem damals 22-jährigen Literaturstudenten ermöglichte, Freiwilligendienst in den USA zu leisten. Mit den Eindrücken dieser Zeit sei der folgende Weg vorgezeichnet gewesen, sagt er heute. Statt Germanist wurde er Jurist und schließlich Politiker. Geplant war das alles nicht. Es habe mehrfach in seinem Leben Situationen gegeben, an denen sich der Lauf der Dinge entscheidend hätte ändern können.

Eine weitere solche Situation könnte mit der Wahl kurz bevorstehen.

Politische Essentials

Bildung: Bestmögliche Bildung für alle, gebührenfrei von der Kita bis zur Meisterprüfung, Grundschule als Ganztagsschule.

Gerechtigkeit: Mehr Netto vom Brutto für Normalverdiener, Soli streichen. Keine Sonderbeiträge in der Krankenversicherung, Recht auf Rückkehr von Teilzeit auf Vollzeit.

Sicherheit: Ein handlungsfähiger Staat, der die Bürger schützen kann. Mehr Polizei und mehr Prävention.

Rente: Sichere Rente und stabile Beiträge: keine Kürzungen und keine Rente mit 70. Dafür haben wir das Konzept. Solidarische Mindestrente für langjährige Beschäftigte.

Europa: In digitale Infrastruktur und Ausbildung investieren. Nationalismus bekämpfen, für ein weltoffenes Deutschland in einem starken Europa.

Güntzler und Trittin über Oppermann

#güntzler:

„Er ist einer, der engagiert und kompetent Politik macht. Der aber sehr deutlich seinen Weg geht. Und beim Fußball gibt er den Ball zu selten ab.“

#trittin:

„Ich kenne Thomas noch aus der Zeit, als er bei den Jusos war. Er ist ein eher konservativer Sozialdemokrat, der auch in der eigenen Partei nicht nur Freunde hat.“

Von Markus Scharf

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