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Thema des Tages Tipps zu den Frosttagen in der Region
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12:08 26.02.2018
Göttingen: Kiessee. Quelle: Niklas Richter
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Landkreis Göttingen

Es wird kalt in der Region. Während es am Wochenende noch wie bisher mäßig kalt mit viel Sonne und frostigen Nächten bleiben soll, werden für die Nacht auf Montag Tiefstwerte bis unter minus 10 Grad erwartet. Anschließend wird dann auch tagsüber mit Frost gerechnet, hervorgerufen durch die sibirische Kaltluft. Dabei soll es zwar meist sonnig sein, aber ein kalter Wind wird ebenfalls erwartet.

Es ist schon kalt und wird ab Sonntagabend noch kälter: Auf dem Kiessee bildet sich bereits eine Eisschicht, so manche Pfütze ist schon komplett zugefroren – und dient Kindern zum Spielen.

„Verantwortlich für die starke Kältewelle ist der Polarwirbel. Er beeinflusst unser Wetter maßgeblich. Ist er im Winter stark, werden immer wieder Tiefdruckgebiete aus dem Westen zu uns geweht – der Winter wird mild. Ist der Polarwirbel abgeschwächt, wie es jetzt der Fall ist, gelangt häufiger kalte Luft aus dem Norden zu uns – der Winter wird deutlich kälter“, erklärt Matthias Habel, Meteorologe von WetterOnline. Richtung Wochenmitte könnte es wieder etwas wärmer werden, knappe Plusgrade seien tagsüber möglich.

Kann auf dem Kiessee oder dem Seeburger See Schlittschuh gelaufen werden?

Trotz der eisigen Temperaturen ist das wahrscheinlich nicht möglich. „Die Eisfläche auf dem Kiessee ist zurzeit drei Zentimeter dick“, sagt Andreas Schulz, Platzwart des Jahnstadions. Um die Eisdecke begehen zu können, brauche sie zwölf Zentimeter. „Vielleicht ändert sich nächste Woche etwas, wenn auch tagsüber Minusgrade sind“, sagt Schulz – glaubt aber eher nicht, dass der See so sehr zufriert, dass er begehbar sein wird.

„Das Betreten des Seeburger Sees wird nicht genehmigt“, sagt Seeburgs Bürgermeister Martin Bereszynski. Das habe nichts mit der Dicke der Eisschicht zu tun, sondern damit, dass der Seeburger See ein Naturschutzgebiet sei. Messungen nehme daher weder die Gemeinde noch der Zweckverband Seeburger See, der für den See zuständig ist, vor, teilt Bernd Knöchelmann, Geschäftsführer des Zweckverbandes Seeburger See mit.

Auf einer Wiese zwischen der Suhle und dem Feuerwehrhaus, wo stehendes Wasser gefroren ist, spielen Josephin (rote Hose) und Ella. Quelle: Niklas Richter

Auch wenn die Seen in der Region sich wohl erstmal nicht für Schlittschuhlaufen und Co. eignen: So manche große Pfütze ist bereits gefroren und lädt zum darauf Herumrutschen und Spielen ein – was auch Josephin und Ella (Foto) bereits am Freitag bei strahlendem Sonnenschein in Landolfshausen auf einer Wiese zwischen der Suhle und dem Feuerwehrhaus ausgenutzt haben. Und ungefährlicher ist es auch – falls doch mal wer einbricht, werden zumindest nur die Gummistiefel und Beine nass.

„Fast keiner muss draußen schlafen“

Der Mensch, der mit seinen wenigen Habseligkeiten auf einer Parkbank die Nacht verbringt, ist ein Bild, das viele bei der Vorstellung von Obdachlosen im Kopf haben. Dass das in Göttingen im kalten Winter glücklicherweise kaum der Fall ist, erklärt Uwe Friebe, Projektleiter des Vereins Förderer: „Fast keiner muss draußen schlafen“.

Die meisten Wohnungslosen würden sich in solchen Zeiten immer wieder kurzfristig bei Freunden oder Bekannten einquartieren. „Wer keinen Schlafplatz findet, kann auch abends zur Polizei gehen“, sagt der Straßensozialarbeiter. Die versuche dann, einen unterzubringen. Tagsüber sei das Sozialamt dafür zuständig.

Obdachlos im Winter Quelle: NN

Ein paar Regeln gebe es aber: Hunde könnten meist nicht mitgenommen werden, Pärchen nicht immer zusammen untergebracht werden, so Friebe. „Der Hund muss dann für die Nacht ins Tierheim.“ Das sei einer der Gründe, warum doch selten mal ein Obdachloser bei solchen Temperaturen in Göttingen draußen nächtige. Auch der 47-jährige Andreas (Name geändert) hat einen Hund und ist zurzeit obdachlos: Draußen schlafen muss er zum Glück nicht. „Ich bin jetzt zwei Nächte bei einer Bekannten untergekommen, jetzt bekomme ich von meinem Chef einen Wohnwagen“, erzählt der Mann, der für ein Abbruchunternehmen arbeitet. Er sei plötzlich wohnungslos geworden, weil er – nachdem seine Wohnung wegen eines Wasserschadens schimmelte – die Miete eingestellt hatte und der Vermieter daraufhin das Schloss ausgetauscht habe.

Tagsüber sei die Kälte weniger ein Problem für die Obdachlosen, erzählt Friebe. „Da kommen die ganz gut durch, gehen in irgendwelche Geschäfte oder in die Bibliothek“, sagt er. Friebe weist aber auch daraufhin, dass nicht nur Minustemperaturen, wie sie jetzt angesagt sind, eine Herausforderung für Obdachlose darstellen: „Bei Nässe oder starkem Wind ist es genauso schlimm“, sagt der Sozialarbeiter. Wenn die Wohnungslosen dann ständig bei anderen unterkämen, führe das auch zu unangenehmen Situationen, hervorgerufen durch mangelnde Privatsphäre, teilweise auch zu sexueller Ausbeutung. Damit nennt Friebe ein Problem der Obdachlosigkeit, das nicht nur bei Kälte ein wesentliches ist.

Winterfester Acker, gefährdete Pflanzen

„Die Kulturen auf dem Acker sind winterfest“, sagt Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolks Göttingen. Denen schadeten die angesagten Minustemperaturen zu dieser Zeit des Jahres noch nicht. „Zurzeit sind die Kulturen noch zu klein und auf Winter eingestellt“, sagt er. Kritisch werde es nur, wenn solche Temperaturen im späteren Frühjahr aufkämen, wenn die Blüte schon da sei.

Bei Obstbäumen sei das ähnlich – auch da würde der Frost erst bei der Blüte wirklich problematisch. „Jetzt ist es sogar fast ein Vorteil“, sagt der Landwirt, „weil das Schadinsekten und Läuse oft das Leben kostet“. Den landwirtschaftlich genutzten Tieren schadet die Kälte zum Glück nicht: „Dem Milchvieh ist es meist eher zu warm“, so Hübner, Temperaturen um die minus fünf Grad lägen noch im Wohlfühlbereich der Wiederkäuer. Die Bauern müssten hier nur in den oft offen gehaltenen Ställen mehr aufpassen, dass keine Leitungen einfrieren. Schweine beispielsweise würden sowieso meist in geheizten Ställen gehalten.

Den Pflanzen im Garten hingegen schaden Temperaturen ab minus 5 Grad schon, wie die Inhaberin des Blumenladens maison de la fleur, Heike Schurrock, erzählt. „Frühlingsblüher erfrieren dann“, sagt sie. Gerade Pflanzen, die schon treiben, müssten mit Zeitungspapier abgedeckt oder hereingeholt werden. „Sonst erfrieren die Knospenansätze“, so die Floristin.

Winterfester Acker Quelle: dpa-Zentralbild

„Wild hat mit Kälte kein Problem“

„Hunger leiden die nicht bei solchen Temperaturen“, sagt Dieter Hildebrandt, erster Vorsitzender der Jägerschaft Göttingen, über das Wild in den Wäldern im Landkreis Göttingen. Das Schwarzwild könne zwar bei Frost den Boden nicht mehr brechen und dadurch nur das fressen, was oben aufliegt, habe aber genug Ausweichmöglichkeiten. Für das Rehwild seien Minustemperaturen, wie sie angesagt sind, noch weniger ein Problem: „Die Tiere passen ihren Stoffwechsel an“, sagt Hildebrandt. So würden sie im Winter generell weniger fressen als im Sommer.

Zugefüttert werden müssen also nicht. Im Gegenteil: „Die Rehe würden sterben, wenn man ihnen einfach etwas zufüttert“, sagt der Jäger über gut gemeinte Zufütterung durch Menschen, die am Waldrand wohnen. Wenn die Situation wirklich dramatisch werde für die Tiere, würde der Kreisjägermeister die Notzeit ausrufen. „Dann müsste unter Umständen artgerecht zugefüttert werden“, sagt Hildebrandt. Das erwarte er aber definitiv nicht. Zu so einer Notzeit komme es nur, wenn beispielsweise sehr hoher Schnee überfroren sei und die Tiere dadurch einbrechen und sich verletzen würden.

„Schlimmer als trockene Kälte sind nasse Kälte und Wind für das Wild“, sagt Hildebrandt. Doch das sei hier nicht zu erwarten. „Niedersachsen hat im Durchschnitt zehn Schneetage pro Jahr“, so der Jäger, „da sind keine Katastrophen zu erwarten.“ Dass die Kälten dem Wild nicht viel ausmache, können man beispielsweise auch gut am Wildgehege am Kehr beobachten: „Das Wild setzt sich in der Windschatten hinter einen Baum“, sagt er. Mehr Schutz brauche es bei dem Wetter nicht.

Ski fahren und Rodeln im Harz

Obwohl kaum Schneefall angesagt ist, bieten die kalten Temperaturen gute Voraussetzungen für den Wintersport im Harz. Schnee liegt bereits: zwischen 30 und 60 Zentimetern. Besonders für Sonntag ist viel Sonne bei Minusgraden angesagt: Perfektes Wetter für einen Tag auf der Piste. In Braunlage, Hahnenklee, St. Andrasberg und weiteren Orten sind die meisten Abfahrtspisten, Loipen und Rodelstrecken geöffnet. Weitere Informationen dazu unter wintersport.harzinfo.de.

Skifahrer fahren auf dem Wurmberg im Oberharz eine Abfahrt. Quelle: dpa

Einen Bus in den Harz organisiert unter anderem der Skiklub 1956 Göttingen für Sonntag. Treffpunkt ist um 8.15 Uhr an der Göttinger Stadthalle. Im Harz bietet der Verein dann Langlauftouren und Kurse für Alpin-Fahrer an. Das Angebot richtet sich nach Veranstalterangaben auch an Kinder und Jugendliche sowie Nicht-Vereinsmitglieder. Eine Anmeldung ist für Langläufer per E-Mail an kbecker@gwdg.de notwendig. Alpin-Fahrer wenden sich an ulrich.bitter@skiklub-goettingen.de.

Wer lieber die Schlittschuhe anschnallt, bekommt auch dafür eine Möglichkeit: Der ausreichend zugefrorene kleine Kranicher Teich inmitten des Kurparks in Hahnenklee ist seit Freitag zum Eisstockschießen, Schlittschuhlaufen oder Eishockeyspielen geöffnet. Eisstöcke und Hockeyschläger können kostenfrei im Kurpark Hahnenklee ausgeliehen werden. Schlittschuhe werden gegen einen Aufpreis im Pavillon im Kurpark oder im Berghotel zur Verfügung gestellt.

Von Hannah Scheiwe

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